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Berliner Abteilung deS Wiesbadener Tagblatts: Berlin IV. 57, An der Aposielkirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützou» 6202 und 6203.

Mittwoch» 17. slpril 1918.

Morgen-klusgabe.

Nr. 177. . 66. Jahrgang.

Vailleul genommen!

vis Höhe von wytschaete erstürmt!

Oer Kbenübericht vom 16. SlprN.

W. T.-B. Berlin. 16. April, abends. (Amtlich. Tw-chtbericht. » Tie Höhe von Wytschaete wurde erstürmt. Bailleul ist ge­nommen.

»

Nach dem glücklich durchgeführten Durchbruch der englischen Stellungen zwischen Lys und dem La Bassäe- Kanal hatte die deutsche Heeresleitung die Möglichkeit, ihren Vormarsch nach verschiedenen Richtungen hin fort­zusetzen. Die konnte entweder die bisherige Vor­marsch- und Stotzrichtung, die von O st e n nach W e st. e n ging, beibehalten, um den Durchbruch zK vertiefen und möglichst weit in die feindliche Aufstellung hinein­zustoßen, oder sie konnte nach einer oder beiden plan­ten einschwenken, um die feindlichen Nachbar­stellungen aufzurollen. Tatsächlich hat sie beides ge­tan, was nur bei einer Verfügung über sehr st a r k e Kräfte möglich war.

In der ursprünglichen Front wurde der Lawe- abschnitt erreicht und überschritten, wobei der' rechte Flügel südlich Merville sogar über den weiter westlich gelegenen Klarencebach vorgeschoben werden konnte. Der linke Flügel gelangte nach der Eroberung von L o c o n und nach Überschreitung des Laweabschnittes bis an den LaBass6e-Kanal nordwestlich Bethune, io daß die nach Westen gerichtete deutsche Front auf die­sem Abschnitte durch die Linie Merville-Bethune be­zeichnet wird.

Gleichzeitig waren andere deutsche Truppen nach korben eingeschwenkt und hatten unter fortwähren- een siegreichen Gefechten den Lysabschnitt überschritten und den Vormarsch gegen die Linie Bailleul- Hazebrouck angetreten. Hierbei ist der rechte Flügel bis in die Gegend unmittelbar südlich von Bailleul vorgedrungen, während der linke Flügel nach Überschreitimg der von diesem Orte nach Hazebrouck führenden Bahn sich in den Besitz von M e r r i s gesetzt bat. Gleichzeitig drangen die deutschen Truppen nach Überschreitung der Lys auch zwischen der erwähnten Bahnlinie nach Westen vor, wobei Merville erobert, der Ostrand des Waldes von Nieppe erreicht und Vieux- Barcuin genommen wurde. Diese Westfront steht in unmittelbarer Verbindung mit der Westfront südlich der Lys, so daß wir eine zusammenhängende nach Westen gerichtete Front besitzen, die von Morris bis Bethune führt und eine Ausdehnung von 20 Kilometer besitzt.

Dem Gegner schien das Vorgehen in nördlicher Rich­tung gegen und über die Linie Bailleul-Hazebrouck am gefährlichsten, weil dadurch der südliche Flügel der ganze nApern st eil nng von der Flanke her aus das empfindlichste bedroht wurde, mehr noch als das weitere Vordringen in der bisherigen Stoßrichtung mußte es in den Rücken von Dvern führen und damit die rückwärtigen Verbindungen aller dortstehenden Ver­teidiger auf das empfindlichste gefährden. Bailleul liegt nur noch 16 Kilometer s ü d w e st l i ch von Apern. Von dieser Stadt geht eine in der direkten Nordsüd- richtung führende Straße nach Armentidres, an der die Orte Wytschaete, Messen (Mossinos) und Vlonsteert liegen. Von dieser Straße ist Vailleul 10 Kilometer nach Westen entfernt, um w viel liegt es bereits im Rücken der Stadt Dpern. Die Lage gestaltet sich für den Gegner noch gefährlicher, wenn man. bedenkt, daß die englischen Stellungen bei Bpern einen nach Osten aus­springenden Vogen darstellen und die vordersten eng- lischcn Stellungen etwa 10 bis 12 Kilometer östlich der Stadt liegen. Wollte der Gegner daher nicht den ganzen Ppernbogen ansgoben, so inußte er mit allen Mitteln versuchen, das Vordringen der angreifenden deutschen Truvpen über die Linie Bailleul-Hazebrouck zu verhindern. Dies wurde zur Lebensfrage für die englische Apernfront. Die feindliche Heeresleitung hat in richtiger Erkenntnis ihrer Lage alles, was sie noch an Kräften zur Verfügung hatte, auf das Kvmpsfeld bei Bailleul geworfen, so daß sich dort außerordentlich hef­tige Kämpfe entwi ckelten. _

Ein französischer Militärkritiker über die deutschen Marschleistungen.

Genf, 16. April, (zb.) Mit unumwundener Anerkennung gedenkt Major Civrieux imMitin" der jüngsten uner­hörten Marschleistungen der deutschen Truppen in Nordfrank- reich Weiter sagt er: Es hieße den eiligst ausgebotenen, minder aut vorbereiteten Fochschen Hilfstruppen allzu viel zuurutev. wenn man von ihnen eine entscheidende Wendung erwqrüHe.

Erweiterung der Rriegszone im nördlichen Frankreich.

Sr. Genf, 16. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Pariser Blätter vom Freitagabend melden: Dünkirchen und

Bo u log ne wurden in die Kriegszone eingczogen. Für Calais steht die gleiche Maßnahme bevor.

Var Duell parir-wien.

Der Streit um das Original des Raifsrbriefs.

Br. Rotterdam, 16. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Londoner Korrespondent desDaily Telegraph" will wissen, daß je eine Abschrift des Briefes des Prinzen Six­tus und des Kaisers Karl gemacht wurde, während sich das Original in den Händen Jules C a m >b o n s befand. Dieses fei an Poincare gesandt worden. R ib o t, der da­mals Ministerpräsident war, hatte zum Schluß eine Unter­redung mit dem Prinzen Sixtus über den Brief. Reuter ver­öffentlicht eine Auslese von Bemerkungen der Londoner Presse über den Rücktritt Czernins. Für England steht die Echtheit des Kaiser-Karl-BrieseS fest. Auf dieser Grundlage arbeitet die Presse mit allem Eifer daran, einen Keil zwischen Öster­reich und Deutschland zu treiben. .

wiener presseäutzerungen.

W. T.-B. Wien, 16. April. (Drahtbericht.) Die gesamte Presse bete nt, daß der Rücktritt des Grafen Czernin eine viel weiter gehende Bed eutung habe, als sonst Ministerwechsel zu besitzen pflegen. Sie hebt die persönliche Eigenart, Tatkraft und den ernsten Willen das lebhafte Tem­perament und den unermüdlichen Arbeitseifer des Ministers hervor, der während der kurzen. Zeit, in welcher er die Ge­schicke Österreich-Ungarns wahrend des Weltkriegs geleitet hat. sich eine Weltgeltung zu verschaffen ge­wußt habe. Zwei Frieden habe er geschlossen und den dritten vo-rbereitet. Übereinstimmend be­zeichnen sämtliche Blätter als die beiden Grundpfeiler seiner Politik das unbedingte Festhalten an dem Bünd­nis mit Deutschland und die Befreiung der Menschheit vom Weltkrieg. Die Mütter drücken übereinstimmend die Überzeugung aus, daß Graf Czernin, der sich, wie kaum ein Minister vorher, der größten Volkstümlichkeit er­freute, gefolgt von der Dankbarkeit von Millionen, geht, aber sicherlich wieder keh ren wird, da Österreich einen solchen Mann brauchen wird. Die Blätter erführen von berufener und unterrichteter Seite, daß sie die G r ü n d e d e r Demission der öffentlichen Erörterung entziehen und nur Feststellungen negativer Natur gemacht werden könnten. So wird an der erwähnten Stelle versichert, daß der Meinungsstreit mit Frankreich die Demissions­absicht des Grafen Czernin nicht bewirkt hat. Über den eigentlichen Grund des Rücktritts wird nur so viel mitgeteilt, daß sich in der letzten Zeit in verschiedenen Fragen die Auf­fassung des Kaisers mit derjenigen des Ministers des Auswärtigen nicht gedeckt hat. Aus dieser Tatsache hat Graf Czernin den Schluß gezogen, daß er das Vertrauen des Monarchen nicht mehr in dem notwendigen Maße besitze, wes- Cralt er aus dem Agit geschieden sei. Über den Nachfolger liegt bisher auch nicht einmal eine verläßliche Andeutung vor.'

Stimmen der vudapester Presse.

tztz. T-B Budapest, 16. April. In Besprechung des Rück, tritss Czernins sagt derBester Lloyd": Der Staats­mann, dem die Last und die Verantwortung für die auswärtige Politik der Monarchie inmitten eines Weltkrieges zugefallen sind, kann diese Bürde nur,tragen, wenn er sich in restloser über- e i n st i m m » n g mit allen zuständigen Faktoren der Gesetzgebung uult narncntlich auch mit der Krone weiß. Auch muß diese Übereinstimmung über Krieg und Friedenszicle hinaus sich auch auf die Wahl der zweckdienlichen Mittel erstrecken. Die ganze Amtöfiibrung des Grasen Czernin ist ein schlüssiger Beweis dafür, daß unseres Königs hochherziges Be- st r e b e n , der gequälten Menschheit die Segnungen des Friedens wiederzugeben, in den; Grasen Czernin einen vcr- ständnisvcllen und unermüdlichen Mitarbeiter besaß. Der Eindruck aber, daß bei der Auswahl der hierzu aufgewendeten Mittel der Einfluß des veranilvvrtlichen Staatsniannes stets zur Geltung xckmmen wäre, ließ sich aus den überraschenden Ereig- nissen der letzten Tage nicht schöpfen.

M agrar H i r l a p" bespricht den Rücktritt Czernins, vc- sonders mit Rücksicht auf die Rückwirkung rn Deutsch­land und sag». Der Rücktritt kann Ai der Richrung unserer aus­wärtigen Politik und an unserer Stellungnahme zu den großen Fragen des Friedensschlusses durchaus nichts andern.

U j H i r e k" sagt Ter Rücktritt Czernins mag in Zusammen­hang stehen mit der stark aufgcbauschteu Pariser Affäre, aber trn übrigen haben die P a r : s e r Manöver gerade das Gegen- teil der bciibsichtigten Wirkung hervorgebracht und das Gefühl der Büninistreue und der Solidarität mit de» deutschen Jntercsten in hohem Maße gestärkt.

Reise Raiser Rarls ins deutsche Hauptquartier.

Br. Berlin, 16. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie m gut unterrichteten Wiener politischen Kreisen verlautet, war. wie wir hören, mmnittellbar vor dem Rücktritt des Grafen Czernin die Mitteilung verbreitet, daß Kaiser Karl beabsichtigt habe, dem deutschen Kaiser im Großen Haupt­quartier einen Besuch abzustatten. Wenn eine solche Absichr bestanden hat, so müsse chre Verwirklichung infolge des Czerninschen Entlassungsgesuchs natürlich ver­schoben werden.

Der Kall Daimler im Reichstag.

L. Berlin, 16. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Uber dem Hause lag heute noch rechte F e r i e n st i in m u n g. Viele Abgeordnete sind offenbar liberhailpt noch nicht in Berlin eingetroffen und von den Anwesenden folgten nur wenige den sich träge hinschleppenden Verhandlun­gen.Der Fall DaiinIer", der heute zur Debatte stand, wurde denn auch, nachdem einige Wochen seit seinem Bekanntwerden verflossen sind, ruhig und objektiv behandelt, wenn man sich auch auf allen Seiten scharf gegen jede Bewucherung des Reiches wandte. Vor allein hielten die Vertreter der bürger­lichen Parteien mit ihrem endgültigen Urteil zurück, um abzuwarten, was bei dem s ch webenden G e- richtsverfahren eigentlich heraüskommen wird. Fraglos hat es in der deutschen Industrie sowohl wie im deutschen Handel nicht an Leuten gefehlt, die die Notlage des Staates während des Krieges sich zu nutze gemacht haben und vor dem Versuch nicht zurückgeschreckt sind, in einer Zeit, wo viele Volks­genossen ihr Gut und Blut freudig für das Vaterland hingegebcn haben, Wm che rprofite zu erzielen. Aber solche Elemente sind bei uns und das betonten die meisten Redner sehr mit Recht in der M i n d e r- zahl, und es war durchaus unangebracht, daß der un­abhängige Sozialdemokrat Henke die Debatte über den Fall Daimler zu einer ausgedehnten Hetzrede gegen die deutsche Industrie und den deut­schen Handel benutzen zu müssen glaubte. Ein Einzel­fall, den er vorbrachte, die Forderung der Gewehr­fabrik Mauser, wurde von Generalmajor Scheuch, dem Leiter des Kriegsamts, gründlich ab­getan. Scheuch ist ein sehr temperamentvoller Offizier, der es verschmäht, ein Blatt vor den Mund zu nehmen: vurchdrungen von der Verantwortung, die er trägt, kennt er kein Hindernis, um das zu erreichen, was er im Interesse des Vaterlandes für seine Pflicht hält. Wge- ordneter Hausmann forderte eine scharfe Kontrolle der Industrie durch die Heeresleitung. Er stellte eine Anzahl Fragen, die mit dem Fall Daimler in Zu­sammenhang stehen und die der dringenden Aufklärung bedürfen. Von der Regierung antwortete General­major v. W r i s b e r g. Auch der Vertreter der Sozialdemokratie, der Abgeordnete NoSke, war sicht­lich bemüht, die Daimler-Angelegenheit auf das zurück­zuführen, was sie tatsächlich ist: e i n E i n z e l f a l l. Die Redner der bürgerlichen Parteien betonten in ihren Reden die gro ß en V e rd i e n st e. die die In- dustrie sich um die für uns so erfreuliche Entwicklung des Krieges erworben bat und an denen Arbeitgeber wie Arbeitnehmer in gleichem Maße ihren Anteil haben.

Die Sitzung ^ war von dem Vizevräsidenten Dr. P a a s ch e mit einer kurzen Rede, in der er der siegreichen Offensive im Westen gedachte, eröffnet worden. Gelegentlich de- Verlesung der dem Hanse zugegangenen Vorlagen erfuhr man denn auch, daß die neuen Steuervorlagen eingetroffen sind und morgen verteilt werden sollen. Nach der An­kündigung ist das Steuerbukett, das überreicht wurde, diesmal umfangreich ausgefallen, nicht weni­ger als 12 Stenervorlagen umfaßt das Programm der Regierung. Es wird wohl nicht ohne harte Kämvfe ab- geben. bis Herr v. Roedern seine neuen Geldbedsirfnisie

unter Dach ilnd Fach bekommt.

»

Sitzungsbericht.

lEiaener Drahtbertcht des ..Wiesbadener TagblatiS'.l

Aist Bundes ritstisch: v. Payer, Dr. Lewaldt, v. Wrisberg, v. Coupette und Schiffer.

Vizepräsident Dr. Pausche eröffnet die Sitzung um 2,25 Uhr. Er gebuchte der neuen großen Erfolge unserer Heere, die dir Hoffnung zulietzen, daß 'wir aus dem Wege des Sieges sorffchceiten werden. Aus die Glückwünsche des Reichstags an den Kaiser und den Geneoalseldmarschall v. Hindenburg sin) telegraphische AMworten eingelaujsn. Eingebungen sind die neiren Steuer-