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Verla« Saaggaff« 21

„TagSlatthMlS".

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Dienstag, 16. April 1918.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 175. . 66. Iahrgarrg.

wrvd in -dem gegenwärtigen Zsttpunkt des Kri-egs bereits vor- pürt. Die Vcrernigten Staaten ftrcb bereit, 20 Jahre kmg zu kämpfen, -damit ein dauernder Friede auf der Grundlage des

Der Büdtritt Gjentins aus Anlatz der Laiserbriefr.

Entgegen allen Dementis der letzten Tage ist Graf Cfcrmn nun doch aus feinem Anrt geschieden. Die Er- cjgnisse freilich, die ihn dazu bewogen, konnte er nicht vorherseheir und daher mit bestem Gewissen an die Dauer seiner Amtszeit glauben. Seine Gründe liegen klar: Graf Czernin steigerte in einer großen Rede durch die diplomatische Entwicklung die Verwirrung, die tn Frankreich nach der -Offensive um sich gegriffen hätte und suchte so deren Erfolg zu erweitern.

C l e m e n c e a u, der ftanzösisäse Ministerpräsident, gegen den sich direkt sein Vorstoß richtete, wehrte sich energisch und wälzte das Odium der Bitte um Frieden auf Österreich ab. Graf . Czernin erklärte das für Unsinn, hielt die Angelegenheit für erledigt und fuhr zu den Friedensbesprechungeu nach Bukarest. Kaum ist er dort angekommen, da ruft man ihn nach Wien zurück. Zwei Tage darauf veröffentlicht Havas einen Brief Kaiser Karls und das Wiener Korrespondenzbureau eine Ent- pepuna, die kein Dementi, sondern eine Kor- rektur ist. Daß Graf Czernin nicht in gutem Glauben bandelte, airch bei seiner zweiten Verlaut- barung, wird niemand, selbst seine Gegner nicht, an­nehmen können. Auch seine plötzliche Rückbe­ruf u n g nach Wien deutet darauf bin, daß er erst m i t t e n im Duell mit C1 emenceau von der Waffe erfuhr, die fenem in die Hände geraten war. Kaiser Karst, von dem' in der Entgegnung auf die französischen Eröffnungert gesagt wird, er habe einen rein privaten Brief an fernen Schwager gerich- let, hielt es offenbar nicht für nötig, fernen ver-

t w o r t l i ch e n M i n i st e r von den Verhandlungen • zwischen ihm und seinenr Verwandten, auch wenrr sie sich um parlamentarische Dinge bewegten und der andere im feindlichen Lager stand, zu unterrichten. Er sah seine Aktion als eine reine Familienange­leg e n h e i t an. Die Tatsachen zeigen, daß p o l i t i- sche Auswertungen unausbleiblich waren. Als Graf Czernin das erkannte, meinte er, er hätte das Recht gehabt, von Ursachen mit solchen Folgen unter- r i ch t e t z u w e r d e n. Da der Kaiser anderer Ansicht gewesen war, und. das den Minister zu Schritten führte, die er sicher nicht getan hätte, bat er den Kaiser um seine Entlassung.

Das ist der Verlauf der Dinge, wie er dem unbe­fangenen Beurteiler sich dabietet. Die Folgen, die er für Österreichs Bündnispolitik und Deutschland hat, wird man im Ausland in böslvilliger Weise zu übertreiben suchen. Die Bündnispolitik — das erscheint nach dem Telegramm Kaiser Karls klar -- wird nicht davon berührt werden. Freilich, Graf Czernin war ihr v o r z ü g l i ch st e r V e r t e i d i g e r gegen die Hetzer in tschechischen, slowenischen, ungarischen und höfischen Kreisen. Er wußte — und die Tatsachen halfen ihm da­bei — ihre Gründe, stets zu widerlegen. Wer nachdem er gegangen ist, wird Kaiser Karl, der ja in seinem Telegramm an Kaiser Wilhelm so eindeutig, wie nur immer möglich, sich ausspricht, einen neuen Mann zu finden wissen, der die von ihm gewünschte Politik vertritt. Kandidaten, die in Frage kommen, sind Gras Andrassv, Gras Trsza, Prinz Hohen­lohe und Graf M e r r e y. Die besten Aussichten dürste Graf Tisza haben.

Die Verdienste des Grafen Czernin um Österreich wie um das Bündnis sind zu klar, als daß sie ini einzelnen auseinandergesetzt werden müßten. Die Ertremen im alldeutschen Lager werden freilich sagen, es bestehe vom reichsdeutschen Standpunkte aus kein Anlaß, ihm nachzutrauern. Wer aber die Arbeit, die Graf Czernin in B r e st - L i t o w s k, in B u k a r e st und auch in W i e n f ü r d i e d e u t s ch e Politik als Sekundant öder als Verteidiger geleistet hat, einzuschätzen weiß, wird sich jetzt doch mit Schwei­gen bescheiden, denn wir leben in der Gegenwart und können durch Rückblicke Geschehenes nicht ungeschehen machen. Bedauerlich ist jedenfalls, daß Meinungsver­schiedenheiten ihn umwerfen müßten in dem Augenblick, in dem die Feinde, die er bei seiner Rede für das Bünd­nis im eigenen Land und bei den anderen sich erworben hatte, auf seinen Sturz hinarbeiteren.

Wo ist Prinz Sixtus von vourbon?

Bt. Wien, 15. April. 0©ig. Drahtbericht. zb.) Prinz Sirius von Bourbon weilt gegenwärtig tn Marokko, wes­halb es u nm ögl ich gewesen ist, sich mit chm ins' Einver­nehmen zu sehen. __________

W. T.-B. Wien, 15. April. (Drahtbecrcht.) Amtlich ver­lautet vom 15. April, mittags: An der Süd front stellen­weise erhöhte Kampftätmksit.

Der Chef des.. Generalstabs.

Auf dem Schlachtfeld« an der Ly; örtliche ASmpse.

v«r Kbendbericht vom 13. April.

W.T.-B. Berlin, 16. Aprils, abonds. (Amtlich. Dvahibevicht.) Örtliche Kämpfe auf denr Schlachtfeld an der Lys. Wul- v e r g e m und die feindlichen Linien nordöstlich vom Ort wnrden erstürmt.

*

Ungeheure Halbjahresbeute.

W. T.-B. Berlin. 15. April. (Drahtbericht.) Vom 15. Oktober 1917 bis 15. April 1918 haben die Mittelmächte über 517 000 Gefangene gemacht, 7 2 46 Geschütze, gegen 20 000 Maschinengewehre und mehr als 300 T'anks erbeutet; außerdem fielen über 100 Panzer­kraftwagen, 630 Automobile, 700 0 Fahr- zeuge und unübersehbares Eisenbahumaterial in ihre Hand. Unter diesem befinden sich über 800 Lokomotiven nnd 8000 Waggons. Tie Bestände der MnnitiouSdepotS find noch niilit annähernd festgestellt. Allein an Artillerie- m » »i t i o n wurden bisher über 3 Millionen Schuß fest­gestellt. In derselben Zeit wurden über 1100 Flug­zeuge und mehr als 100 Fesselballone abge­schossen. Die Beute an sonstigem Kriegsmaterial, Pionier­gerät, Handfeuerwaffen, Gasmasken, Beklcidungs- und Ber- pslegungsdeyots konnte zahlenmäßig noch nicht »»nähernd ffffgtjHflt t&ttbtxL

vis Räumung von Amiens.

W.T.-B. Berlin, 15. April. (Drahtbsricht.) Amiens und Mntge&aag:- wurden auf Befehl d e r e n g l i- s che n H cc/e s lei tusig von der französischen Zivil­bevölkerunggeräumt. Den Bewohnern wurde keine Zeit gelassen, ihr Vieh sortzutreiben. Die zahlreichen, jetzt herrenlosen Herden wurden durch englische Truppen- kommandos eingefangen. Die Engländer halten das Vieh für sich, schlachten es äb' üD "verwenden es nach Belieben. Die Empörung der französischen Bevölkerung gegen den britischen Bundesgenossen ist naturgemäß sehr groß. Die französischen Sol­daten schieben die Schuld an der großen Niederlage, die auch sie betroffen habe, sowie überhaupt die Krtegsver- längerung lediglich auf die Engländer. Das ungerecht­fertigte und brutale Auftreten der briti­schen Armee steht im größten Gegensatz zu ihrer Unfähigkeit, die Front zu halten und zu ihrer fortgesetzten Preisgabe französischen Bodens.

Albernes englisches Geschwätz.

NB Haag, 15. April. (Gig. Drahtbericht, zb.) Hollandsch Nrerws Bureau meldet- Lord Haldane hat in einer Rede in Coventry erklärt, daß, wenn die Deutschen mit ihrer jetzigen Offensive Erfolg hätten und die englischen Linien durchbrechen würden, England dies nicht als eine Nieder­lage betrachten werde, sondern -als eine Anfeuerung zu weiteren Kämpfen in d?r vollen Hoffnung auf den Endsieg. -

Die in trostlose Verwirrung geratene

Ernährungsorganisation Frankreichs.

Sr. Bern, 15. April, (zb.) Aus den Darstellungen nach der Schweiz gekommener Franzosen geht unzweideutig her­vor, daß durch das Hin- und Herfluten von Flüchtlingen nach dem Süden und Westen Frankreichs die ganze kümmerliche Ernährungsorganisation des Landes auf den Kopf ge­stellt worden ist. Hunderttausende von Bewohnern sind unterwegs, ohne Brot-, ohne Fleischkarte, ohne Ausweis, meist ohne genügende Geldmittel. Die Bürgermeistereien der von Flüchtlingen überfüllten Ortschaften können längst nicht mehr die Bedürfnisse der eigenen Bewohner sicherstellen, ge­schweige fiir die Ernährung der Fremden sorgen. Im Norden und Nordwesten liegt Getreide, das im Süden und Westen fehlt.

Vas amerikanische Maulheldentum.

dl8. Haag, 15. April. (Eig. Drabtbericht, zb.) Der „Times" wird aus Washington gemeldet: Die Kriegsvor­bereitungen Amerikas werden in einem Tempo erledigt, das noch vor einem Monat unmöglich erschienen wä.re. D:e Transporte werden fünfmal schneller eingeschisft als früher. Der ursprüngliche Plan, monatlich eine bestimmte Anzahl Mannschaften zu senden, -wird wieder ausgenommen werden. Der Mangel an E i n schiffungsgeleg e n- 'heit tu Frankreich und der fühlbare Mangel an Lebensmitteln veranlaßten seinerzeit, daß diese Anzahl auf ein Drittel der ursprünglichen herabgesetzt wurde. Seit­dem der Ruf um Verstärkungen lauter wurde, ist diese Zahl ober wieder auf die ursprüngliche Höhe zurückgebracht -worden. Dieser Erfolg ist wohl ermutigend, aber es werden trotzdem i p diese m I ah r e ka u m m eh r a l S 11H M i ll io n c rr Amerikaner in F ra n kre i ch -stehen. Daß noch nicht viel von der Teilnahme Amerikas, am Krieg zu verspüren ist stiegt nicht daran, daß Amerika feine ursprüngliche Absicht ge­ändert hat, sondern ist eine Folge der Schwierigkeiten, denen es-zu begegnen hatte. Bon dem Tage an, .da die. Union sich zur Ariegsfübrung bereit . erklärte- warf Wilson das Voklgewicht Amerikas in-d'c'n Kampf. Diese Kraft

Rechts und der Gerechtigkeit geschlossen werden kaum.

Kbschluh der grundlegenden Vorarbeiten fiir die Demobilmachung.

L. Berlin» 15. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Tie grundlegenden Vorarbeiten für die Demobilmachung, die im engen Zusammenarbeiten mit der Heeres­verwaltung, den Reichs- und Staatsbehör­den und maßgebenden Organi jati onen. des Wirtschaftslebens stattgefunden haben, sind nunmehr abgeschlossen. Bei der Überführung der Heeresangehörigen in das Wirtschaftsleben tst eine be- ^ sonders wichtige Aufgabe die A r b e i t 3 v e r m i t t e- V I ung. Sie ist bis ins einzelne mit den abgeordneteit Fachmännern des Arbeitsnachweises der öffentlichen Nochweisorganisationen, der Aröcitsnachweise der Ar-- beitgeber und der der Arbeitnehmer durchgearbeitet worden. Nähere Bestimmungen werden rechtzeitig be­kanntgegeben werden. Augenblicklich kann allen Kreisen nur dringend empfohlen werden, sich durch keinerlei Nachrichten beunruhigen zu lasten. Zunächst freilich ftTtb andere Aufgaben zu erfüllen, als das wirtschaftliche Leben in Gang zu bringen. Zunächst gilt es zu kämpfen, zu arbeiten und zu.siegen. Voll­kommen berrchigt kann jeder fein und 'rückhaltslos dar­auf vertranen, daß die Heeresverwaltung, wenn die Zeit dafür gekommen ist, dis Überführung der Hecvesange- hörigen in das wirtschaftliche Leben ebenso vorsorglich bewerkstelligen wird, wie seinerzeit die Mobilmochnng.

Die Kämpfe belm Eindringen in Helfingfors.

-W. T.-B. Berlin, 15. April. (Dvahtbericht.) Das Ein­dringen des deutschen Geschwaders nach Helfingfors war durch dichten NebjA, ^ '-ö f S h r'h i^e N av i gati o n s v erh mit - nisse und Packeis sehr erschwert. Die Navigation mutzte durch die Besetzung wichtiger Punkte über das Eis ermöglicht werden. Außerhalb von Helfingfors wurde das russische Kriegsschiff „Pjotr Waltki" und große russische Tvansportda-mpfer und Eisbrecher mit Tausenden von Ange­hörigen der russischen Marine und deren Familien an Bord, anscheinend auf dem Weg nach Kronstadt, gesichtet. DaS Kriegsschiff grüßte mit der deutschen Flagge das deutsche Geschwader. ES hatte die wektzrote Flagge als Zeichen neutraler Haftung gesetzt. Die Flagge wehte auch über der wegen ihrer Ausdehnung berühmten Seefestung und auf .den im Hafen zurückgebliebenen ruffischen Kriegsschiffen. Bor dem Leuchtturm vom Grahara gab ein großer öliger Fleck im Eis sowie Schrffstrümmer, Tcmpedwkeffel ustv. den Platz an, wo drei englische U-Boote bei der Nachricht von un­serer Annäherung gesprengt worden waren- Sofort nach -der Ankunft des deutschen Geschwaders wurde ein Lan­dung s k or p S noch am späten Mend des 12. April a u S ge­schifft. Es erlitt die ersten Verluste schon wahrend der Landung durch ein Automobil der Roten Garde, das un­ter der Flagge des Roten K r euzes mit einem Maschi- nengewehr schoß. Die Hauptnester der Roten Garde waren fast sämtlich in dein in der Nähe :des Hafens gelegenen Staats­gebäude. Vom frühen -Morgen bis -Mittag des 14. Llpril hatte da-s La-ndungskorps der Marine und eine in -der Nähe des Hafens eingetroffene Kompanie deutscher Jäger schwer« Str-aßenkämpse im Norden und Süden des Hafens. Die Roten bestttchen uvit Maschinengewehren auch, den Lan- üütlgsplah sowie die Berbi-ndung zwischen dem im Südhafen gelegener Miarktplah u-nd der Halbinsel Skatuddun. Unsere Mattos-eu hatten aus der lchteren einen ^besonders schweren Stand, da die Roten das gegenjiberliegende SenatöhauS be­setzt hatten. Ein rotes Nest mit etwa 200 Mann, sowie Frauen und Jugendlichen ergab sich bald nach Eingreifen der Geschütze der Minensuchboote und Begleitschiffe.

Die Opposition g«gen Lloyd George.

NB. Haag, 15. April. (Eig. Drahtbecicht. zb.) Holla ritsch Ni'euws Bureau meldet aus London: Es ist wichrschrmlich, daß neben der unabhängigen Partei der Sozialisten auck) die nichtsozialistischen Arbeiter künftighin gegen Lloyd George Stellung nehmen. Damit wird die Zahl der St'tnmen für die Regierung erbeblich verringert. Dazu korrupt nach, daß die Iren beider Richtungen mit der Regie­rung unzufrieden sind. Mrt den Pazifisten ans allen Parteien erhöht sich die Stimmenzahl der gesanrten Oppo­sition auf etwa 2 8 0. Voraussichttich werden die Er- cionissc der nächsten Tage die CutscheiduriH bringen, und zwar dabiugehend, ob-Lloyd George bleibt oder zugunsten eirrer gemätzigtercn Persönlichkeit, wofür zunächst Asguith in Frage kommt, zum Rücktritt gezwungen werden wird. Auch die Milistärpartest, die durch die „Äkorning Post" vertreten wird, erklärte vor einigen Tagen, irr Zukunft kern Vertrauen mehr zu Lloyd George zu haben. Di- Schwierigkeit ist nur, daß sich schwer ein Nachfolger für Llryd George finden läßt. An eine Auflösung des Parla­ments ist stricht <:u denken, da die neuen Wählerlisten voraus­sichtlich nicht vor Oktober fertig sein können, und Neuwahl