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Berliner Abteilung de» Wiesbubener T-gblattS: Berlin Yf., P.tSdamer «fr. 121 K. Fernsprecher: Amt Lütz-w 6202 und 6203:
Freitag» 12. April 1918.
Kbend-Kusgabe.
Nr- 170.. 66. Jahrgang.
Armentisres erobert!
vis jetzt aus der neuen Schlacht 2VVVV Gefangene» über 2VV Geschütze.
Raumgewinn auch nordwestlich und westlich von Armentierer und südlich der Lys.
Kapitulation der Besatzung von Krmentierss mit 3000 Mann.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 12. April. (AmÄich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
ArmentiLres ist gefallen.
Durch die Truppen der Generale v. Eberhardt und v. Stetten von Norden und Süden umfaßt, ihrer Rückzugs st roßen beraubt, streckte die englische Besatzung — 50 Offiziere und mehr als 30 00 Man» — narb tapferer Wehr die Waffen. Mit ihnen fielen 45 Geschütz e, zablreiche Maschinengewehre, große 9! u n i = tionsmengen, ein Bckleidungslagrr »nd reiche andere Beute in unsere Hand.
Nordwestlich von Armentieres gewannen wir a u m. Westlich von Armentieres warfen die Truppe» der cucralc v. Stetten und v. Carlowitz nach Abwehr starker, mit znfammcngefaßtcn Kräfte« gegen Steenwcrck geführter Gegenangriffe und nacki erbittertem Kampf um die vierte englische Stellung den Feind in Richtung Bnilleul und Merville zurück. Mrrvillc wurde ge- n o m m e n.
g Auf dem Südufer der Lhö erkämpften sich die Truppen des Generals v. Bernhardt de» Übergang über die Lawe und stießen bis in Höhe von Moreuil vor.
Die gesamte Beute aus der Schlacht bei Armcntieres beb trägt nach bisherigen Feststellungen 20 0 00 Gefangene, darunter ein englischer und ein portugiesischer General, und inehr als 200 Geschütze.
Die Überwindung des versumpften Trichtergeländes in und vor.unserer Ausgangsstellung des 9. April stellte die h ö ch st c n Anforderungen an die Truppen aller Waffen der vordersten Linie. An ihrem Gelingen haben Pioniere, Armierungsfoldatcn und die hiutcrcn Divisionen hervorragenden Anteil.
Ans dem Schlachtfeld zu beiden Seiten der Somme entwickelten sich heftige Artilleriekämpfe. Französische Regimenter, die auf dem W c st n f c r der Sott, »vcstlich von Moreuil, anstnrmtcn, brachen unter schwersten Bcrlnffrn zusammen und ließen 300 Gefangene in unserer Hand, die später durch französisches Artilleriefencr vernichtet wurden.
Bon de« anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalquarftermeister: Ludrndorff.
vor dem Fall von Armentitzres.
W.T.-B. Berlin, 12. April. (Drähtbericht.) Ter Angriff nördlich und südlich von Aementiercs ist auch heute im weiteren Fo rrsch r eit e». Sämtliche Übergänge über die L h s sind geöffnet. Das feste Bollwerk der englischen Stellung, ArmcntiereS, daS dnrch drei betcnierte und ausgebaute Linien nach Olten zur hartnäckigen Verteidigung eingerichtet ist, wird in nächster Zeit fallen. Diesen festnngsartigcn Stützpunkt mit der ebenfalls stark befestigten Stadt auf der Front anzugreifen, hiitte enorme Verluste getestet. Deshalb wnrde von der deutschen Führung sie als Bollwerk durch umfassenden Angriff von Norden «nd Südwesten ein geschlossen, so daß sie mit allen dort befindlichen Truppen in die deutsche Hand fallen rnuß. Die Abschnürung vsn ArmeiftiereS bildet in der Schlacht beiderseits der LyS ein Meisterstück für sich.
Die Glanztat unserer Gruppen am 9. April.
W. T.-B. Berlin, 11. April. Ein höherer GeneralstahSosfizier berichte» voui Kampsseid: Won: die bisherigen Leistungen der deutschen Armee nrch >>kerlrossen werden können, so wurden sie am 9. April überboten. Die Schwierigkeiten des Angriffs in diesem Gebiet la-en vor allem in den Geländeverhältnissen. Der Boden war so durchfeuchtet, daß in frische Granatlöcher das Wasser sofort mit solcher Schnelligkeit eindrang, baß Eile i mir er dig war, nm in den Trichter gestürzte Verwundete vor dem Tode des Ertrinkens zu retten. Im Frieden hätte nian den Angriff über dieses Gelände für u n m ö z l r ch gehalten, auch di: Engländer schienen die Ansicht zu teilen, denn nur so erklären sich ihre Tisprsitionen. Aus Sorge vor dem deutschen Durchbruch bei AmienS hatten sie hier ihre Verteidigungslinie wesentlich ge- schwächt, Zunächst wurde die gegnerische Artillerie zum Schweige,-. x«bracht, danu wurden die feindlichen Jnfantericstellungen sturnrrers geschossen. Rasend rollte das Feuer bis um 8 Uhr 45 Min. vor- mittags. Da erhoben sich, den Sturnchut auf dem Haupte, die von England so arg verspotteten deutschcn Kaninchen ans ihren Löchern imd stürzten sich anf die feindlichen Linien vor. Die P o r t n - giesen wagten kaum Widerstand zu leist«. Die erste« Ge-
heillosem Schrecken zur wilden Flucht sich wandten und in der Richtung auf Hazebrouck verschwunden wären. In das ganze Ber- teidigvi-gssystcm hatten die Deutschen eine klaffende Bresche geschlagen. Nunmehr begann das B e r n i ch tu n g s w er k der nach rechts und links standhalrcnden englischen Trupp:». Eine der englischen Divisionen bette sich soeben angeschickl. die Portugiesen abzulöscn. Teile ihrer Infanterie wurden im Rücken und in du Flanke gefaßt und kompanieweise zu Ge- fcngencn gemocht. Unaufhaltsam aber fluteten die Massen der deutschen Infanterie vorwärts gegen di: träge strömende Lhs. Das Unerhörte und Unerwartete geschah. Die ties gegliederte eiserne ausgebaute Berteidigungs- sront von 8 Kilometer Tiefe wurde einfach über den Hausen gerannt. Tie feindlichen Linien sind durchbrochen Me ein zündender Funken lief es von Mund zu Mund Man nmß die deutschcn Truppen gesehen haben, wie sie auf diese Nachricht von allen Seiten auf allen Wegen antraten. Das Wort Hindernis war nur mehr cm Wort. In jedem einzelnen Manu schienen übernatürliche Kräfte entfesiclt. Tausende von Gefanxeiieii. und weit über hundert Geschütze waren bereits lis uni Abend des 9. April, am Geburtstage des ersten Gencralqucocticrmcisters Üenthal Ludendorjf, in den Händen der Sieger Der 9. April 1917 war an der englischen Armee gerächt.
Die gewaltigen Leistungen zur Bezwingung des Geländes bis zur Lys.
W. T.-B. Berlin, 11. April. Die deutsche Infanterie, b c - gleitet twn 'den Feuerwellen der eigenen Artillerie, brach jeden Widerstand und drang unaufhaltsam bis an -den wetten und sumpfigen Lysabschnitt vor. Hier trat der erste Halt ein. Die Brücken »varcn g c s p x e it g t, die Wege ungangbar geworden in jahrelangen Kämpfen. Förmlich in die Tiefe versunkene Geschoßtrichter an Geschoßtrichter schienen jedes Vordringen der Geschütze auszufchließen, die Brückentrains dödhteitt von dem morastartigeu Boden eingesaugt zu werden; dennoch ging es vorwärts. Tausende von Pionieren und Arbei tssold aten und Infanterie schafften mit aller Macht bis zur körperlichen Erschöpfung an der Herstellung von Dehelfswegen aller Art au» jedem nur denkbaren Material, um den Nachschub >der Kampftruppen zu sichern. Die feindlichen Stellungen wurden niedergelegt und Flußläufe, Wassergräben und tiefe Granattrichter überbrück 1. DaS Unglaubliche geschah. Schon bei einbrechender Dunkelheit standen Artillerie und Brückcntrrins zur weiteren Verwendung am 'Südufer der Lys bereit. Noch in der gleichen Nacht gelang e>» der unermüdlichen und unvergleichlichen deutschen Infanterie mit Behclssmatcrial aller Art, einzeln und in Gruppen, später in Zügen und Kompanien trotz heftiger feindlicher Gegenwirkung das Nordufer des Flusses zu gewinnen. Sine magische Gewalt trieb jeden einzelnen vorwärts. Was der menschliche Wille und die menschliche Kärperkraft zu überwinden überhaupt imstande sind, wurde geleistet.
Unser Vordringen nördlich von Krmentieres.
W. T.-B. Berlin, 11. April. Im Anschluß an unsere Operationen von Armentieres sind am 10. April auch' die Divisionen im Raum nördlich dieser Stadt bis zum Kanal Camines-Ipern zum Angriff übergogangen. Bereits um 1 Uhr nachts waren, zwischen Frolinghien und Waasten drei große und zahlreiche kleine Brücken über die Lys fertiggestellt. Als mit frühen Morgen die Artillerie und Mineraverfer ihr vernichtendes Feuer eröffneien, hatten die Stnrmtruppen das starke Fronthindernis zum Teil schon überwunden. Trotz des unbeschreiblichen Schlamms, .der namentlich die LyZ-Niederung in einen Sumpf verwandelte, wurde der Angriff .mit bewundernswerter Schnelligkeit von unserer Infanterie vorgetragen. Die erste und zweite Linie siel im ersten Ansturm. Die feindliche Artillerie war von unserer stellenweise fast vollkommen zum Schwelgen gebracht. Ein Bataillen erobert« im Sturm allein 13 Geschütze. Nebel erschwerte unserer Artillerie ^das Auffinden der feindlichen M ass ch i n e n g e w e h r - nester. Mt Handgranaten mutzten sie von der Infanterie niedergekämpft werden. Beveits gegen 'Mittag erlag Messt ne s dem Ansturm, das selbe Dleffines, das am 7. Juni 1917 nach 'heißem Kampf 'den Engländern überlassen werden mußte. Ein merkwürdiger Zufall .war cs., daß dieselbe englische Division, die damals Messined erobern half, es heute wieder an die Deutschen verlieren mußte. Die Gefangenen entstammen größtenteils Divisionen, die erst vor wenigen Tagen aus der Großkampffront in Frankreich zurückgezogen wurden, um sich an ruhigerer Front zu erholen. Ihre großen Verluste konnten durch jungen, unerfahrenen Ersatz nur nr-jdüvftlg ergänzt werden. Der deutsche Angriff überraschte sie vollkommen. Trotz Nebel, Nässe und Kälte drängen die Deutschen unermüdlich vorwärts. Die Artillerie überwin-
Die Kortschritte am 10. Kprik.
siV. T.-B. Berlin, 11. April. Im Lauf des 10. April wurde lei fortschreitendem Angriff der Südrand von Armen- t i e r e s erreicht und der Übergang über die Lys bei Erquingham erzwungen. NoMich Arinentieres wurÄe da» Dcrs Ploegsteert im Sft'.rm genommen. Bon der 40. und 50. .eritsiischen Division, die bereits in der großen Schlacht beiderseits der Somoie schwer geblutet 'hatten, wurden Gefangene eingebracht. Weitere GejangeT« stammen von der 34., 57., 14., 21., 20. und 51. Division. Di- Jwfcüi letzteren, waren aus Flandern eiligst herantranSportiert inv wurden ebenfalls in abgekämpftem Zustand zum zweitenmal «u- gesetzt. Besonders >chwer litten die Highländer, dcre.w Ersatz aus jungen Burschen bestand. Der Feind, der an einzelnen Stellen außerordentlich hartnäckigen Widerstand leistete, hatte schwerste blutige Verluste. Dank der ausgezeichneten deutschen Artillerievorbereitung und der völligen Überraschung des Feindes sowohl nördlich wie südlich von ArmeutiereS blieben -die deittsch« Verluste gering.
Die Portugiesen über die englische Zührung.
W. T.-B. Berlin, 11. April. Leichtsinniger Einsatz der Portugiesen. Die südlich Armentieres geschlagenen portugiesischen Divrsionen waren in völliger Unkenntnis über die tatsächliche Lage der Engländer. Die britische Heeresleitung hatte infolge Bedrohung ihrer Fronten beiderseits der Somme, die wichtige Stellung nördlich des La-Baffee-Kanals in der Hauptsache den Portugiesen übertragen. Bei dem überraschenden deutschen Angriff am 9. und 19. April mußten sie infolge des völligen Versagens der englischen Führung die Hauptverluste tragen. Die Folge dieses neuen Schlages wird sein, daß abermals die Franzosen lveitere Teile der englischen Front übernehmen müssen, um die Briten zu entlasten. Dadurch werden die französischen Reserven irmuer mehr von ihrer sigentlichen Aufgabe abgezogen. Ihre Kräfte verbluten lediglich zur Wiederherstellung der durch Selbst- verschulden gefährdeten englischen Lage. Übereinstimmend machen die portugiesischen gefangenen Offiziere der englischen Fübrung die allerschwersten Vorwürfe. Sie allein habe die blutige Niederlage an dieser Frontstelle verschuldet.
Englische Erkenntnis unserer klbsichten?
Berlin, 12. April, (zb ) Der englische Berichterstatter Glbl s drahtet aus Frankreich- Es ist jetzt klar, daß die Schlacht bei La Basse: eine gewaltige Offensive ift und laß die deutsche Heeresleitung sich enffchlossen hat, die ganze Wucht chrer Angriffe gegen uns loszulasten. Sie ist ent'chlofsen, unsere Stereitkräfte an der Nordfront zu zertrümmern, anstatt ihre Kräfte durch Angriffe auf d-e französische Front zu zersplittern.
Berlin, 12. April, lzb.) General v. Liebert schreibt in der „Täglichen Rundschau": Die Ereignisse drängen jetzt zum Abschluß des großen Dramas. Auch Paris wird dabei eine Rolle spielen und uns ein besonders interessantes Schauspiel "bieten, dessen genaue Verfolgung beachtenswert erschetttt.
In der „Voss. Ztg."' liest man: Hindenburg hat die gesamte Westfront mit beiden Fäusten erfaßt und s ch ü t t e l t sie. Er schüttelt sie so, daß alles bebt und alles in Unordnung gerät. Die Unsicherheit, w o der letzte Stoß, der Fang, einsetzen wird, wird sich fortgesetzt steigern.
Englischevefürckilungen wegen einer Umfassung
Br. Haaq, 12. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Daily Mail" schreibt: Der Einbruch der Deutschen in die englische Frrnr scheine den Versuch einer Umfassung der englischen Armee in Nerdftankre-ch einznleiten. Die Schlacht bcr La Baffee-Armentteres iei eine F p l ge w i rku n g des Vor- driraenS im Sllden bis vor Amiens.
Die strategische Lage im Urteil Stegemanns.
Bern, 10. April, (zb.) In Besprechung der letzten Kämpfe kommt Stegsma-rn im „Bund" zu der Ansicht, daß sich die strategische Lage der Engländer noch nicht, gebessert habe und die Lage der Franzosen .durch hie Bindung aller ihrer von allen Seiten in den Raum von Beauvais-Amiens strömenden Reserven zu ihrem Nachteil bestimmt wurde. Jedenfalls müsse man damit rechnen, daß t? den Deutschen gelungen ist, nicht nur 8000 Quadratkilo- ni.eter zu erstreiten, zwei englisch: Armeen uni sämtlich.- Stellungswehren und Stapel zn bringen und das englische Heer von Paris unv der Hauptbrsis Paris-Rouen ab- zudrängen, sondern auch die Initiative zur Fortfiihrung der Offensive zu behaupten. Letzteres sei zur Beurteilung der Lage ausschlaggebend.
Zu spSt!
IV. T.-B. Berlin. 11. April. Die schweren englischen Niederlag-ni haben die bcttische Reziennig zu deni Entschluß gelungen, durch Ausdehnung der Wehrpflicköt England u»d-Surftchrü»g «x DiLujtzxücht in Jrünch den e^orüeekstzch
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