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Berliner Abteilung deS Wiesbadener

T-gblattS- Berlin W., Potsdamer Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Li.tzow 6202 and 6 , 80 ^,

Donnerstag, tt. 5tpril 1918

Moraen-Kusgabe.

Nr. 167. . 66. Jahrgang.

Jur Rede Wilsons.

Die letzte Rede Wilsons hat bei uns sichtbarerweise wenig Eindruck gemacht; unser Bedarf an amerrkam- schen Überhebungen und Drohungen ist langst schon reichlich gedeckt, und wir denken wre der Reichskanzler, daß jetzt die Zeit der Laten u n d n l ch t öle der Worte ist. Es lohnt sich deshalb nia,t. die ge- schwollenen Redensarten aufzustechen, mrt denen der amerikanische Präsident - unseren Friede n Z1 ch u ß in i t R u ß l a n d bedenkt. Hätten wir Rußland schonend behandeln können (die Russen selber haben uns daran ja verhindert), so würde Herr Wilson genau dasselbe sagen, was er jetzt gegen uns geifert. Wir konnten es ihm niemals recht machen, und wir haben es,,a auch nicht nötig, uns darum zu bemühen. Aber tnmttten der harten Notwendigkeiten, die uns durch die Wut der Feinde aufgedrängt werden, wollen und dürfen wir nicht vergessen, daß man drüben doch auch über ge- jährliche Waffen verfügt, nämlich über me wirtschaftsvolitischen. Es rst so, wre es der frühere Staatssekretär Helfferich soeben wieder in seiner Stuttgarter Rede geschildert bat. Was uns er­wartet, wenn wir nicht die Kraft finden sollten, in dem Ringen obenauf zu bleiben, das haben unsere Feinde uns in den vier Kriegsiahren eindringlich vor Augen geführt: zielbewutzt hat England den Krieg vom ersten Tone an als Vernichtungskrieg gegen un­sere Wirtschaftskraft geführt. Also: Wenn die -Feinde und hauptsächlich England auf dem Gebiete, aus dem sie ihre Hauptstärke ziehen, tödlich getroffen werden sollen, dann mutz es durch niilitärischc Siege von einem Ausmaß und einer Wucht geschehen, die zur völligen und nie wieder gutzumachenden Zertrümmerung der feindlichen Heercs- m a ch t gesteigert werden. Dies hat man sich vor Augen zu halten, um ganz zu ermessen, worauf es jetzt a n d e r W e st t r o u t a n k o m m t. um auch zu er- messen, daß unser noch andere große Pflichten harren, vor allem in Vorderasien als der Stelle, wo die Engländer ihre Haupterfolge erzielt und die loeltvolitische Verklammerung ihrer Macht am wirk­samsten haben ausführen können.

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Die amerikanische Rekrutierung.

Berlin, tv. April. Aus New Dort wird gemeldet, im Monat April werden 160 000 Mann für den Militärdienst auSgehckben werden. _

Nach der Rede Lloyd George; im Unterhaus.

Eine Rede Rsquiths. — Scharfer Protest der Iren

W. T.-B. London, 10. April- (Drahtberichtz Reuter.)

A S q u i t \ her nach Lloyd George sprach, behielt sich vor, auf den Gesetzentwurf im einzelnen einzugshen. Man könne dis Bill nur unter dem einzigen Gesichtspunkt betrachten, ob das Militärische Ergebnis alle übrigen Rücksichten überwiegen würde. Die Sache der Verbündeten sei niemals so ernstlich gefährdet gewesen, und nur durch die höchste anhaltende Spannung sei sie zu retten. Asquith rühmte die ansopferungsvolle Hingabe der Artillerie bei der Deckung des Rückzugs. So lange dieser Geist die Armee beseele, so lange werde er nie am Sieg verzweifeln. Er schloß: Wenn wir aber der größten Gefahr gegenüberstehen, diese unser Reich, unsere Verbündeten und die Geschichte der Freiheit und Humanität bedroht Hatz so wird das Haus jedes Opfer briigen, um die-Welt vor der schwersten Katastrophe zu bewahren, die sie je betroffen hat. Er forderte das HauS auf, in diesem Sinne an die Vorlage beranzngehen.

Der irische Nationalist Devlin beantragte Vertagung der Debatte. Er erklärte das Bestreben. Irland die Wehrpflicht aufzuzwingen, für Wahnsinn. — Llovd George -bat um Zurückziehung deö Antrags.

Billon, der neue Präsident der irischen Partei, unter- stützte Devlins Antrag. Er fragte Lloyd George, ob er einen einzigen irischen Abgeordneten befragt habe, bevor er den Ent­schluß gefaßt hätte.

Nach einstündiger Besprechung des Devlinschen Antrags beantragte die Regierung Schluß der Debatte, was mit 310 gegen 86 St'mmen angenommen wurde. Devlins Antrag wurde mit 881 gegen 80 Stimmen verworfen. Die Debatte über die erste Lesung der Bill wird fortgesetztz

NB. Haag, 10. April. (Eig. Drahtberichtz zb.) Der poli­tisch« Mtarbeitrr des „Marchester Guardian" schreibt, daß in den Wandelgöngen des Unterhauses die Auffassung allgemein war, daß die Negierung es in der Frage der Dienst- p flicht für Irland möglicherweise vorziehen werde, inder Minorität zu bleiben, und zwar, um entweder in der Lage zu sein, einen Appell an daS Land zu richten, oder aber, um demissionieren zu können, um die Frage der * Aushebung der Ars« den kommenden Männern ß», ülbertaAsn,

Die neue Homcnflc-Vorlage.

8i. Rotterdam. IN. April. Mg. Trahtbericht. äW Der P-rla- mattarische Bcrick-terstatter des „Daily Erpreß rnelbsi,_ neue Hrmerulc-Vorlage folgende Bestimmungen entha.t: Errichtung en.es irischen Parlaments in Dublin und emer dem Parlament veraniwcrillche» Cxekuiivgewolt. Milrtärdienstpfllcht, Burgschafle', kür die protesiantiiche Minorität, Reform des . Zolltarifs, lerne Kontrolle der irischen Regierung über Heer und Flotte oder aiu* wärtige Politik.

Vas Saloniker Abenteuer.

iNB. Haag, 10. April. lEig. Drahtbericht. zb.) Der Bolkanberichterstatter des Nieuwe Rotterd. Courant" behan­delt die Expedition in Saloniki. Er hält eS für wahrscheinlich, daß diese Expedition demnächst wieder etwas von sich Horen lasten wird. Trotzdem Clemenceau immer gegen daö Salon,kcr Abenteuer Ivar und auch die Italiener dagegen waren, hat es die britische Regierung süngst durchgesetzt, daß die Expedition nicht zurückgezogen wird. «Tngwmd erklärt, daß die Expedition nicht nur eine dauernde Be­drohung für die Knie Wien-Sofia-Konftantinovel bildete, svniern auch für die Verteidigung der Linie Malta- Sues von Wichtigkeit sei. Da? Ausgeben des Saloniker Unternehmens würde den Zentralmächten. Gelegenheit geben, dort Unterseebootsstationen einzurichten. die nicht nur den Weg nach Osten und nach Japan, sondern auch die Seeherr- lchaft im Ägäischen und Adciatischen Meer gefährden würden. Die Relle des Ersten Lords der englischen Admiralität Sir Geddes nach Saloniki irird mrr der geplanten Vergröße­rung dieser Expedition iw Zowmmenbang gebracht.

Ein britischer Zerstörer gesunken.

W. T.-B. Amsterdam, 10. April. (Drahtbericht.) Reuter noltei amüick: Bei einem Zusammenstoß am 4. d. M. ist ein britischer Zerstörer gesunken. Alle Maun sind mutmaß- lich ertrunken.

Die §riedenbeweyung in Enylanv.

Nach Londoner Meldungen haben an den Ostertagen in England 97 Versammlungen für die baldige Herbeiführung eines DerständigungSfciedens stattgefunden. In Loud«,

> waren 26 Versammlungen einberüftn.

Oie Lys überschritten.

Oer Rbenöbericht vom 10. Rpril.

W.T.-B. Berlin, 10. April, abends. (Amtlich. Drahtberichtz) Nördlich von Armentieres sind wir in die englischen Linien beiderseits von Waasten (Warneton) einge- drungeu. Zwischen Armentieres und EstaireS haben wir an mehreren Stellen die LyS überschritten.

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Deutsche Kriegsschiffe auf der Höhe von Heisingfors.

XB. Haag, 10. April. (Eig. Drahtbericht. zb.) AuS Petersburg wird gemeldet, daß auf der Höhe von Helsingfo-s. deutsche Kriegsschiffe signalisiert wurden. Offenbar werden die Deutschen die Stadt Helsingfors bald besetzen. Di« russischen Volkskommissare haben bereits b e - schlossen, daß die Forts und die Kriegsschiffe bal- digst abgerüstet werden sollen.

Die Entfernung der russischen Ostseeflotte aus Finnland.

Berlin, 10. April. 'Da die deutsche Regierung durch Funk­spruch gefordert hatte, daß alle Schiffe der Ostseeflotte die Territorialgewäster von Finnland bis zum 12. April in Anwendung des Artikels 5 des Brest-Litowsffchen Vertrags verlassen oder entwaffnet werden, befahl der Rat der Volkskommissare -dem Flottenkommandanten, sich den deut­schen Forderungen zu unterziehen.

Berlin, 10. April. Reuter -berichtet aus London: Deutsch­land antwortete aus den ruffischen Protest wegen der Landung in Finnland drahtlos mit der Forderung, daß di« Ostsee- klotte entweder die- finnischen Gewässer verlasse oder entwaffnet werden müffe. in Übereinstimmung mit Artikel 5 des V e r t r a g 8 von Brest-LitowÄ, und zwar müffe dies bi» zrnn 12. d. M. geschehen sein.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

w X -B Wien, 10. April. (Drahtbericht.) Amtlich ver- tek* vom 10. April, mittzrgs: Im Mündungsgebiet der

Biave scheiterten italienische Stoßtruppen» Unternehmungen. Der Chef des Gsneralstabes.

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OEin südskawifth-dentscher Zusammenstoß.

W T -B. Wien. 10. April. Die Blätter melden aus Marburg- In einer südslawischenVersammlung in St.- Johann an der steirischen Grenze, an der auch zahlreiche Deutsche ms dem Grenzgebiet teilnahmen, stürzte sich während einer Hetz­rede des Abg. Korosec gegen das Deuffchtum plötzlich eine Horde Slowenen mit Stöcken auf die Deutschen. Es gab schwere, blutige Kämpft. Der flowenische Regierungsver- t«ter versagte vollkommen. Dre Gendarmerie verhielt sich zunächst noch passiv. Erst n.rch einem fast stundenlangen Kampfe trat die Gendarmerre in Tätigkeit und der Regie- r,w a^"ert-*-^r löste die Bersammlnng auf. Zahlreiche Teil­

nehmer mußten blutüberströmt den Schauplatz der Hetzversammlung Verlusten. Das Verhalten des Regierun^- vertvrters wurde in der schärfsten Weift gebrandmarktz Die Deutschen hielten an einem anderen Ort« eine Versamm- lung ab. _____________

Das Warenabkommen mit der Ukraine perfekt.

W. t.-B. Kiew, 10. April. (Drahtberichtz) Nach langen schwierigen Verh-rndlungen ist Dienstagnachmittag ein Ab- kommen über die Beschaffung von etwa 60 Millionen Pud Brotgetreide, Futtergetreide, Hülsenfrüchten und Ob- saaten von den ukrainischen, deuffchen und österreichisch- ungarischen Delegierten unterzeichnet worden. Zur geschäftlichen Durchführung der großen Aufgabe haben ine Deutschen und Österreicher in Kiew eine kaufmännische Wirtschafts st eile errichtet. Sie nimmt mit ihren Kommissaren das Getreide von der ukrainischen Handels- organisation oder durch eigene und ukrainische Unterkom- mistare ab. Im April sind 9, im Mai 16, im Juni 20 und im Juli 19 Millionen Pud zu liefern. Di« bestehenden Höchstpreise für ukrainische Erzeugnisse. 5 Rubel für Roggen und 6 Rubel für Weizen, dürfen nicht erhöht werden. Die Zuschläge für Unkosten aller Art, Kommistionen und Fracht- raten sind entsprechend dem hohen ukrainischen Preisniveau festgelegtz Die Getreideliefernngen h aben bereits begönne«.

Mischung der Polendebatte im Herrenhaus.

(Eigener Drahtbericht des „Wiesbadener Tngblatts'.s

$ Berlin, 10. April.

Am Ministertisch. v. Eisenhacth-Rothe, Dr. Drews.

Zunächst wird die Beratung über die Ansied­lungsdenkschrift fortgesetzt.

Fürst Radziwill: Die polnische Fraktion steht aus dem Standpunkt, daß die Ansiedlun^skommiss,on als ein integvierender Teil der Ausnahmegesetze, dre gegen den Bestand der polnischen nationalen und kulturellen Bedürfnisse gerichtet sind, zu betrachten ist. Die Einrichtung der Ansiedlungskommistion verstößt gegen die Gleichberech- tigung der Staatsbürger in Preußen.

Wir protestieren gegen die Ansiedlungspolmk.

Wr erwarten, daß die deutschen Zusicherungen, betreffend Förderung des neuen polnischen Staates, keine leeren Worte bleiben werden und daß sie ernst gemeint sind. Wenn in der Entschließung der Kommission Richtlinien aufgestellt werden über die G r e n z e n d e s P o l n i s ch e n S t a a t e s. so ist das ein Vorgehen, das in der Geschlchte kern Vorbild lmt. Dem General v. B e s e l e r sind wir d a n k b a r dafür, daß er Ordnung in die polnischen Verhältntffe gebracht hat und paß die Maßnahmen der Okkupation nicht nach dem MaMabe einer egoistischen deutschen. Finanzpolitik getroffen sind Wir erkennen auch an, daß der Minister des Inner» eins A u' h e b u n g der gegen die Polen gerichteten J u 8- nal- megesetze und Ausnahmebestimmungen m Preuße» in Aussicht gestellt hat. Wir sind für eine Verstan. diaungspolitik. Ein sachlicher Unterschied zwischen meiner Erklärung im Reichstag und den Ausführungen der Vc-len im Abgeordnetenhaus besteht nicht. Daß wir dre Ab­tretung des Cholmer Landes als ein Attentat gegen unsere nationalen Gefühle betrachten, kann nicht wun-

nernebmen. . . , . ,

«•,«!» neue Polen soll kein Staat fern, der ern Schein- dasein führt.

Wenn Sie den Polen ein Benefizium geben wollen, dann schaffen Sie keinen Pufferstaat, sondern einen festen Staat, der auf ftsten Füßen steht und der bei Auftechter-- haltung seiner Kultur im Interesse des Friedens m Europa wirken kann. (Beifall.)

Minister des Innern Dr. DrcwS: Unter dem gewalftgen Eii druck des Krieges sind wir bereit, den Polen n o ch e i n - mal die Hand zur Versöhnung zu b»eten. Wenn aber die überwiegende Mehrheit des polnischen Volkes l>r Preußen dauernd so denkt, wie jetzt die Abgeordneten n» Reichstag und Landtag gesprochen baben, dann ist alle Liebesmüh umsonst. (Sehr richtig!)

W- bei den Polen ein ernster Wille zum preußischen Staat vorhanden ist, da kann ma« sich verständigen, mck ihnen kann man offen nnd ehrlich die Hand zur V«. söhnunq bieten. Wir wissen, daß die Zahl der so.geart^eu Polen eine verhältnismäßig geringe ist. Man kann auch nicht sagen, daß die Polen nn Abgeordnetenhai^ He Gesamtst der Polen vertreten. Wrr muffen e.ne Politik treiben, die den Wünschen de- Polen so wett als mog- lich entgegenkommt. Tun wrr das nicht, dann wird und muß in unserer Ostmark der Kampf bis aufs Messer kommen. Wir dürftn diese Gelegenheit wo durch den Weltkrieg alles im Volke aufs tzeffte erschüttert ist nicht vorübergehin lasten, ohne den ehrl-chen Versuch zu machen, auf diesem Gebiete zu besseren Verhältnissen zu kommen. Wir hoffen, daß die Zahl der Polen sich mehren mach, die auf den Boden der Verständigung tritt.- Sto müssen dre Polenpolitik so Anrichten daß sie oie G ew ahr einer besonderen Dauer bietet und daß sie eine kräftig« Förderung deS Deutschtums in der Ostmark gewährleistet. Wir stcken vor einer Änderung deS Wahlrechts. s'Ruft Leider!) Das von der Kommission angenommene Pluralwahlrecht ist von der Regierung nicht genchrmgt. Dix