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Berliuer Abteil»»« deS WieSbade»er Tagblatts: »erli» V., P,tsdm»er Str. 121 1. Fer»sprecher: Amt Lütz»« 6202 und 6203.

Mittwoch, 10. aprtl 1918.

Kbend-Kusgabe.

Nr 166. . 66. Jahrgang.

»

Ein neuer Schlag gegen die Engländer.

6000 Gefangene am Ca Vaffee-Nanal.

Etwa 100 Geschütze erbeutet

Charkow von den volschewiki befreit.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 10. April. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Zwischen Armentiäres und dem La Bassäe- Kanal griffen wir nach starker Borbereitung durch Artillerie und Miuenwerfer englische und portugiesische Stellungen an und nahmen die ersten feind­lichen Linien. Wir machten etwa 6000 Mann zu Ge­fangenen nnd erbeuteten etwa 100 Geschütze.

An der Schlachtfront entwickeln sich zu beiden Seiten der Somme heftige Artilleriekämpfe und erfolg­reiche Jnsanteriegrfechte.

Auf dem Südufer der Oise warfen wir den Feind auch zwischen Folembray und Brancourt über den Oise-AiSne-Kanal zurück.

Osten.

Finnland.

Unsere in H a n g ö gelandeten Truppen haben nach kur­zem Kampf mit bewaffneten Banden den Bahnhof KariS besetzt.

Ukraine.

Charkow wurde nach Kampf am 8. April ge, nom m e n.

Der Erste Gencralquartiecmeistcr: Ludendorff.

Oie militärische Lage.

Br. Berlin, 10. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Hindenburg nannte die Qffensioschlacht bei Arras- La Fdre bei ihrem Beginn die c r st e P h a s e des großen Kampfes. Der neue Schlag am L a B a s s 6 e» Kanal kennzeichnet vielleicht den zweiten Teil. Die Strategie hat, nachdem eine Woche lang die Taktik herrschte, wieder das Wort genommen. Ob es sich, wie aus den Berichten der Heeresleitung noch nicht zu ersehen ist, nur um eine örtliche Aktion oder um ein gleich großzügiges Unternehmen wie an der Sommefront handelt, — die Rückwirkung auf die gesamte Westfront wird nicht ausbleiben. Zunächst wird General Fach seine Reserven, mit denen er nach siche­ren Meldungen eine Gegenoffensive zwischen Montdidier und Noyon plant, während sie zum Teil gleichzeitig vor Arras eingesetzt sind, weiter zer­splittern müssen, um die etwa drohende Durch­brechung an der L ö t st e I l e des englischen und portu­giesischen Verbündeten zu verhindern. Wie er allerdings auf schnellstem Wege Truppen nach Norden werfen will,, wird für ihn eine schwierige Frage sein. Hinter der früheren Stellung des englischen Heeres ver­liefen drei Eisenbahnen, von denen die vorderste über Soissons-Noyon-Roye-Albert-Amiens-St. Omer nach Dünkirchen führt, die zweite von Compidgne über Mont- didier-Amiens-St. Pol nach Calais und die dritte von Creil überBauvet-Wbeville-Etapel-Boulogne nachCalais. Von diesen Bahnen ist jetzt die erste vollständig unterbunden, die zweite nur noch in sehr be- schranktem Maße benutzbar, deren Strecke Mont­didier-Amiens als zum .größten Teil in unserem Besitz befindlich ganz ausfällt und St. Vol unter dem Feuer unserer Geschütze liegt. Es bleibt-mithin nur noch die westliche Linie übrig, von der die Strecke Abbeville- Etapel den ganzen nordsüdlichen Verkehr zu bewältigen haben wird. Zwischen Somme und dem Kanal führt nur diese eine Bahn nicht fern von der atlantischen Küste entlang. Trotzdem wird man sicherlich versuchen, die Front Ärras-Lille zu schützen, selbst auf die Gefahr hin, sich durch ein Manöver. der _ deutschen Heeresleitung bluffen zu lassen. Die R i-ck> i u n g dieses Angriffs ist zu kritisch für die Engländer, als daß sie nicht alles daran setzen sollten, ihn aufzuhalten. Der La Bass^e-Kanal durchquert die bisherige Front in der Mitte zwischen Lille und Arras und führt über Bethune-Amiens-St. Omer-Graveline in den Ärmel­kanals etwas 20 Kilometer östlich von Calais. Südlich und südwestlich des Kanals erhebt sich das französische Hügelland mit Höhen zwischen 100 und 200 Meter. Der Stoß geht auf G r a v e l i n e und Calais, stellt also eine direkt e B e d r o h u n g des enalischen Brücken­kopfs dar, die abzuwenden, Generalissimus Foch alles versuchen wird, besonders nach den an der Somme er­worbenen Erfahrungen, wie schnell die d-utschen Unter- nehmungen sich auszubauen imstande sind. Er wird ncht davor zurückschrecken dürfen, einige Divisionen nach

Norden zu werfen, selbst wenn ihre Rückbeförderung im ' Falle eines Teilangriffs große Schwierigkeiten ange­sichts der gestörten Verkehrsverhältniss? machen sollte. Wie immer Hindenburg sich entscheiden sollte, es ist sicher, daß er den feindlichen Strategen neues großes Kopfzerbrechen verursacht. .Daß es aber dabei nicht bleiben wird, beweist der wieder aus­lebende Feuerkampf an der So in m e, der sich erneut zur Artillerie schlacht ausgewachsen zu haben scheint. Die Kriegslage ist in ein neues S t a d im getreten, die Ereignisse sind im Fluß. Daß Deutschland sie leitet, werden die nächsten Tage zeigen.

*

Der bedeutende Erfolg des Vorstohes südlich der Gise.

W. T.-B. Berlin, 9. April. Der deutsche Teilcm griff süd­lich der Oise, der über den Fluß und seine sumpfigen Niede­rungen hinweg gegen außerordentlich starke natürliche und künstliche Verteidigungsstellen angesetzt war,

hat innerhalb dreier Tage den Franzosen ein wichtige» Gelände in rund 20 Kilometer Ausbreitung und 12 Kilo­meter Tiefe entriffen.

Bei dem unter geringen eigenen Verlusten durchgeführten Angriff erlitten die Franzosen außer der Einbuße von mehr als 3 000 Gefangenen äußerst schwere blutige Ver­luste. Der Erfolg dieser Rcbenoperation läßt sich erst be­werten, wenn man den Raumgewinn derviermonatigen englischen Übermaterialschlacht in Flandern zum Vergleich heranzieht. Dort gelang cs einer ungeheuren briti- schcnüberlegenheitin der langen Zeit lediglich, einen Raumgewinn von 20 Kilometer Breite und 7 Kilometer Tiefe zu erreichen und damit einen strategisch wertlosen Landstrich von ungefähr 200 Quadratkilometer Größe zu erobern.

Räumungen vor bem deutschen vruch.

Br. Zürich, 10. April, (zb.) Von der französischen Grenze wird verschiedenen Blättern berichtet, Soissons werde eiligst geräumt. Die Stadt liege unter fortdauernder deutscher Beschießung. Infolge der zunehmenden Artillerie- Beschießung auf Eompiegne wurden die militärischen Depots, Kasernen und Anstalten mis der Stadt entfernt. In Pas de Ca!ai's werden alle Proviantläger und Vorräte nach dem mittleren und südlichen Frankreich gebracht.

Es handelt sich um das Schichfal Frankreichs.

Ein kennzeichnender Befehl P^tains.

W. T.-B. Berlin, 9. April. Folgender Befehl Petains vom 28. März wurde von unseren siegreichen Truppen auf­gesunden und dürfte in seinem genauen Wortlaut von In­teresse sein: Allgemeiner Befehl Nr. 104. Der Feind hat sich mit seiner ganzen Kraft auf im? gestürzt. Er will uns von den Engländern trennen, um sich, koste es, was es wolle, den Weg nach' Paris zu eröffnen. Wir müssen ihn aufhalten. Klammert euch an das Gelände, haltet fest. Die Kameraden naben. Me vereint werdet ihr euch auf den Eindringling stürzen. Die große Schlacht ist da. Soldaten der Marne, der User und von Verdun, ich rufe euch zu: Es

handelt sich um das Schicksal Frankreichs. Petain.

Das Versagen der englischen Tanks.

W. T.-B Berlin. 10-, April (Drahtbericht.) Nach den ersten Tagen der grafen Westostensive fand di- englische Regierung keine Freiwilligen mehr für die Bedienung ihrer Tanks. Die großen Verluste der Krastwagenbcsatzungen sind daran schuld. Gefangene englischer Tank-bedienungnen sagen aus, ihre Wagen seien reine Todesfällen, sie würden salsch eingesetzt, seien zu unbeweglich und nicht vergleichbar mit den neuen deutschen Panzer­wagen. Cs fänden sich nur noch Leute unter der Bedingung, daß ihnen nach einer einzigen Tankfahrt vier Wocheit Urlaub gewährt wird. Die D e i g c r n n g der englischen Lankfahrer zu weiters« Tankfahrten ist verständlich, wenn man bedenkt, daß allem in den ersten Tagen über 106 Tanks von den Deutschen erbeutet und daß im Verlauft der weiteren Kämpft urige- zählte weitere feindliche Sturmwagen zusammenge­schossen rder zur schleunigen Umkehr gezwungen wurden.

Line italienische Würdigung der deutschen Angriffstaktik.

W. T.-B. Bern» 8. Apc'l. Der beste. Mitarbeiter des „Corriere della Sera", der jetzt anscheinend für die Zeit der Offensive zur Berichterstattung nach Paris entsandt wurde, führt am 6. April bei der Würdigung der Angriffstaktik der deutschen Heeresleitung u. a. folgendes auS: Wenn auch

bereits eine große Anzahl deutscher Divisionen in die Schlacht geworfen ist, so bedeutet dies nicht, daß sie abgenützt und anfgerieben sind. Viele von ihnen hatten vielmehr dank des feitwährenden Ablösungsshstems nur ganz geringe Verluste erlitten. Auch bei den neuen Angriffen ist es charakteristisch, daß die deuffchen Divisionen nur wenige Stunden die Front halten und ffic sie neue Divisionen vor- rücken. Sie werden an ruhige Frontabschnitte abacschoben und durch die dortigen frischen Truppen ersetzt. Ein großer Teil des deutschen Manövriccheeres dürfte noch ganz in­

takt sein. Die deütschen verfügbaren Kräfte dürften daher kür den neuen Stoß nicht wesentlich geringer eingeschätzr werden als zu Anfang der Offensive. Zu der Unterbindung der Bahnlinie Compiegne-Ämiens, der die Deut­schen nun die Unterbrechung der Bahn Clermont- Amiens folgen lassen möchten, meint der Korrespondent, tm heutigen Kriege, wo mit einer raschen Verschiebung großer Massen gearbeitet werde, komme eine abgeschmttene Bahn­linie der Eroberung einer Festung gleich.

Cloyd George über die Cage.

NB. Haag, 10. April. (Eig. DrahtLericht. zb.) Lloyd George hat gestern im englischen Unterhaus seine lang erwartete Rede über die Lage an der Westfront und über die Regierungsvorlage bezüglich des Mannschafts­ersatzes gehalten. Das Haus war bis in den letzten Winkel besetzt. Lloyd George sagte u. a.:

Wir sind nun in der kritischsten Stunde dieses ganzen Krieges.

Das Los des Reiches, das Los,von Europa, die Freiheit der ganzen Welt hängt von dem Erfolg des Krieges ab. Die Regierung wird ihr Möglichstes tun, die äußerste Kraftan- strengung machen und hierzu die weitesten Kreise der Be­völkerung heranziehen. Hierzu zwingt uns ausschließlich die dringende Notlage. ,

Bei der Auseinandersetzung der Schwierigkeiten, die sich bei einem Kampf, der sich auf über 50 Meilen erstreckt, er­geben, erklärte Lloyd George: Trotz der ernsten Verluste in 1017 war tie Armee Frankreichs diesmal wesentlich stärker als am I. Januar 1917. Bis zum Oktober und November hat die Stärke der deutschen Armeen in Frankreich 2:3 der Alliierten betragen. Dann kam der Zusammenbruch Rußlands. Trotz der außerordentlich großen Zahl der deutschen Divisionen, die von Oktober an nach der Westfront geschickt worden sind, und trotz der österreichischen Unter­stützung war, als der Kampf begann, die deutsche Kampf-, macht ander Westfront nicht so stark wie die An­zahl der kämpfenden Soldaten der Alliierten. Namentlich tie Infanterie der Deutschen war schwächer. Ihre Artillerie gleichfalls nicht so stark und ihre Kaval­lerie wesentlich geringer als die unsrige. Vom Luft- d r e n st gar nicht zu sprechen, wo fie viel minderwertiger waren als wir. Die Deutschen organisierten darauf ihre Truppen anders. Sie versuchten eine große Anzahl von Divisionen dadurch zu erhalten, daß sie die Kopfzahl dieser Divisionen verringerten und für jede Division eine geringem Anzahl von Kanonen anwiesen. Der britische Ober­befehlshaber vermutete von vornherein, daß der An­griff der Deuffchen gelingen wird, da er sich über die Hälfte der angegriffenen britischen Linien erstreckte.

Ich habe erfahren, das? Kaiser Wilhelm sich dem früheren König Konstantin gegenüber dahin äußerte, daß er unv schlagen werde» weil wir keine einheitliche Führung hätten. Mit zwei Kommando ft eklen waren die Schwierig­keiten natürlich.sehr groß. Die Deutschen haben zw« große Vorteile gehabt: sie hatten den Vorteil der Ini­tiative, weil sie diejenigen waren, die angriffen, ferner wußten sie ihr Ziel, kannten die Entfernung und die Zeit ihres Angriffs ganz genau. Der Feind hatte sowohl t en Vorteil in der Anführung als den Vorteil eines trockenen nebeligen Wetters'für sich.» Einen Augenblick lang war die Lage für uns sehr gefährlich. Der Feind ist zwischen unseren Truppen der 5/Armee durchgebrochen, aber die glän­zende Haltung unserer Truppen, die rn vorbildlicher Ordnung zurückgezogen tvorden sind und dadurch zwischen den beiden Armeen den Kontakt aufrechterhielten, fyxben alle Anstrengun­gen des Feinde? vereitelt und die Lage wiederhergestellt. Wiederum hat die Selbstbeherrschung und der Mut des britischen Soldaten Europa gerettet.

Am Schlüsse seiner Ausführungen gab Lloyd George di« Vorschläge des Mannschaftsersatzgesetzes bekannt. Er sagte, der erste Vorschlag wäre, das militärische Alter auf 50 Iahre zu erhöhen und in einigen besonderen Fällen bei Männern mit besonderen Eigenschaften, besonderer Schulung und Erfahrung auf 5 5 I a h r e. Es wäre nicht möglich, länger den Ausschluß Irlands zu rechtfertigen, und es werde daher vorgeschlagen, die Dienstpflicht ans Irland anszudehnen nntee denselben Bedingungen wie in Großbritannien. Die Regierung beabsichtige, ohne Zögern vom Parlament die Annahme der Selbstregierung für Irland zu verlangen. Llovd George schloß: Der Feind hat auf der Höhe seiner Macht angegriffen. Wir sind von einem mächtigen Verbündeten, Rußland, im Stich ge­lassen worden, und ein anderer mächtiger Verbündeter. Amerika, ist noch nicht bereit, ein Zehntel seiner Macht in die Wagschale zu werfen. Denn wir einen Jahre lauernden Krieg vermeiden wollen, da muß diese Schlucht jetzt gewonnen werden. Und um sie zu gewinngx, müssen wir bereit se,n. alle unsere Hilfsmittel einzusetzen.

Eine ähnliche Erklärung gab Lard Turzon im Ober­haus a&.