Wiesbadener TsgbM
w Ä a wöchentlich _ 12 klusgaben. .... >« L'K"L",V-L/L
SchoNer-Holle ,k»chiei „n 6 lldr morgen« b» 7 ll»r «Sen»«. “ - "
„T-gdletlhanS" Rr. «650 »3. _
Bo» , ugr morgen» »iS 7 Uhr «»enb5. «ater Soimtog».
ärifÄs äää'ä'ä “ ä ws3r*z£~
Berliner Abte ü»^ i>-^^^^^^^^^Dtrlm^Asi^L»tsdamer^Str^12O L. Fernspr echer: Amt -ützow 6-02 «ud 6803.^
Mittwoch. Iv. April 1918 . Morgenausgabe^ ur- - 66 - a ' t;c30 " 9 '
Der Fall dlemeitceau.
Aus der Czerninschen Enthüllung eines französischen Friedensangebotes ist der Fall Cleinen- ceau geworden. Eine Affäre, die wertere Kreise ziehen wird und noch lange nicht erledigt ist. Der Heeresausschuß des französischen Senats hat Clemenceau aus- gefordert, sämtliche Akten der Angelegenheit Armand-Revertera vorzulegen. Dieser Ausschuß wird mit dem „Tiger" wahrscheinlich streng mS Gerrmt gehen. Denn Clemenceau selbst hat lebenslang nrc Mitleid gezeigt, wenn es gaff, einer politische!'. Person oder .Körperschaft etwas am Zeug zu slick-m. Alles was setzt noch folgt, wird der Ministerpräsident „Frankreichs aus sein eigenstes Schuldkonto schreiben müssen. Hatte er den gegnerischen Staatsmann nicht Lügner geicholten, hätte er geschwiegen oder sich geschickt und mit Hairung herausgeredet, so wären die verschiedentliwen lcach» erklärungen nicht nötig geworden. Aus dem Zusammenhalt dieser Erklärungen aus Wien und Paris ergibt sich aber immer nur emS: Ge-
logen hat kein anderer als Clemenceau. Er behauptet, die Nevertera-Armandschen Zusammen- künfte in der Schweiz von der Regierung seines Vorgängers Painlev6 übernommen und nicht gefordert zu haben. Painlev^ selbst aber verrät in der „Humanite , daß die Besprechungen im August 19! 7 ihr Ende ^gefunden hatten, daß jedenfalls nn 18. November 1917. dem Rücktrittstag ''eines, PainlevsS, Kabinetts der Faden vollständig gerissen war. Also hat Clemenceau die Verbindung nicht übernominen, sondern neuangeknüpft. Er will zwar die Sache so drehen, als habe Graf Revertera um die neue Anknüpfung ge- bettelt, gibt aber zu, daß er dem Major Armand die Instruktion gegeben habe- „Anhoren und Nicht» sage n." Es ist natürlich ganz gleichglültig. mit welchen Instruktionen man einen Friedensunterhändler ausschickt. Man kann die Instruktion widerrufen. Man kann sie verbessern. Das Wesentliche ist, daß man sich auf Verhandlungen einläßt. Das hat Clemenceau getan. Damit hat er dir Verantwortung für den Verlauf der Verhandlungen u b e r- nommen. Und um diese Verantwortung will er sich drücken, weil ihm die letzte und einzige Feststellung aus der gescheiterten Konferenz peinlich ist nämlich, daß Frankreich nur wegen Elsaß-Lothringen, nur wegen der Revanche noch im Kampfe steht. Nicht wegen des deutschen „Überfalls", sondern wegen der französischen Revanche von Anno 70 her hat Frankreich seine blühenden Provinzen geopfert und das entsetzliche viele Blut vergossen. Nur um dieses Phantom tobt der Krieg weiter. Nichts ist gefährlick>er, als dies jetzt dem französischen Volke zu lagen. Clemen- ceau hat es einem feindlichen Unterhändler gegenüber aussprechen lassen. Die Wirkung m Frankreich kann nicht ousbleiben. Und deshalb brüllte der Tiger erschrocken und verzweifelt- Es ist gelogen! Deshalb lügt er sich immer tiefer in alberne Ausreden hinein, nur um das nicht gelten zu lassen. Das Spiel ist und bleibt aber für ihn verloren. Graf C z e r n i n hat es schon dadurch von vornherein gewonnen, daß er sich ferner ständigen Fried ensneign na nicht zu s ch ä m e n b r a u ch t. Er gib: gern alles zu, was die Entente an weiteren Friedensschritten der Mittelmächte noch zu enthüllen gedenkt. Er hat nichts zu verberge n, auch nichts vor den eigenen Bundesgenossen. Clemenceau dagegen hat hinter dem Rücken seiner Verbündeten gehandelt. Er hat die swlzen Engländer, die sich dem französischen Oberbefehl beugen müssen, über ihre diplomatischen Ansichten nicht befragt. Er hat sich insbesondere den Teufel um die I t a l i e n e r gekümmert. Es ist höchst bezeichnend, daß man in Italien immer noch zögert, die Czerninsche Enthüllung auszurollen. Denn dann wird das italienische Volk die Furcht nicht mehr los, Frankreich würde sich über Nacht doch mit Italiens Hauptfeind, Österreich, verständigen. Wie man auch den Fall Clemenceau weiterdenkt, es kommt nur Unangenehmes für die Entente und ihre Politik dabei heraus. Nach den neuesten Meldungen, allerdings noch unverbürgten, haben in der vorigen Woche abermals heimliche Friedensbesprechungen in Lausanne in der Schweiz stattgefunden. Einige österreichische Diplomaten, zwei Vertreter der deutschen Hochfinanz und zwei hervorragende Persönlichkeiten aus Ententevölkern sollen sich dort zu einer Fühlungnahme zusammengefunden haben. Hat Herr Clemenceau vielleicht wieder die Parole ausgegeben' „Anhören und nichts sagen?" Er wird jetzt alles bestreiten. Wer lügt, muß weiter lügen. Clemenceau geht daran zugrunde, daß er von Friedens- Verhandlungen nichts wisien darf. Noch mit dieser Lüge auf den Lippen wird ec abtretrn.
Ein richtiges Wort über die Friedensfeinde im feindlichen Lager.
Berlin, 9. April, (zb.) Ter ..Germania" erscheint ms das Beachtenswerteste an der Auseinandersetzung Zwßcyen dem Grafen Czernin .md Clemenceau die Tatsache, daß um eine solche Frage, wie den A n st o ß zu einem Frakden - fühler, übechauvt noch gestritten werden kann, schon aufgeregte, brutale Art. mit der Clemenceau ichorr seinen Gegner der Lüge bezichtigte, mutzte allgemein aup fallcn. Sie war so hölzern und so undiplomatisch, daß man unmittelbar den Eindruck erhielt, der französische MlNliter- präsident'sti sehr peinlich betroffen. Nichts ist chm peinlicher, als auf Friedensvfaden angetroffen zu werden. Es scheint, als ob der Krieqswille der den maß- gebenden Stellen in Frankreich um so tollwütiger und mgen- sinniger werde, je weiter das Phantom des Sieges und der Eroberung in unerreichbare Fernen entschwindet. Die Krankheit der Friedensfeindschaft grassiert im Haupnager unserer Feinde überall in dem gleichen Matze. DaS hat uns auch Wilsons neueste Rede mit hinreichender Deutlichkeit gezeigt. Es wäre zu wünschen, datz man bei uns endlich aufhörte, von jenseits des OzeanS etwas andere-, zu erwarten als aus Paris und London.
Eine niederträchtige Behauptung Llemenceaus.
Bf. Genf, 9. April. (Eig- Drahtbericht, zb.) Die Ayenee Havas verbreitet nach Däe'ldunjg auS Paris eine neue Note des französischen Ministerpräsidiums, in der C1 e m e n - ceau gegenüber den Czerninschen Feststellungen darauf be- harrt, der österreichisch-ungarische Staatsmann habe „gelegen". Die Note endet mit der auffälligen Behauptung, Kaiser Karl habe mittels eines Schreibens vom März 1917 seine Zustimmung zu den „gerechten Ansprüchen hinsichtlich Elsatz-Lothringens eigenhändig kontrasigniert, und in einem zwei- ten kaiserlichen Schreiben zu der Frage sei erklärt worden, datz der Kaffer mit seinen Ministern einig gehe- Man darf annehmen, datz Wen schleunigst eine Aufklärung geben wird, die den unerhörten Unfug dieser Behauptung aller Welt mit gröhter Schärfe klarmacht, nie Reden und Gegenreden zwischen Czernin und Wilson.
IV. T.-B. Bern, 9. April Das „Berner Jntelligenzblatt" stellt im Leitartikel die Reden des Grafen Czernin und WUsc-ns gegenüber und schreibt u ,a.- Sehr zum Mitzver- gnügen aller Gewaltpolitiker und tonangebender Militär kreise hat Gras Czernin durch eine akkurate Wendung mitten im Toben der grotzen Welffchlacht die Atmosphäre des Friedens geschaffen. Czernins Rede ging mehr an Wilson als- an das österreichisch-ungarische Volk. Nun hat Wilton geantwortet. Zwar klingen die Feiedenslaute der beiden Staatsmänner noch nicht in voller Harmonie zusammen, aber immerhin ist Wilson bereit, über den Frieden zu debattieren. Die Tatsache, oatz ein vielpunktigeS ehemaliges Friedens- prearamm sich jetzt auf einen einzigen prägnanten Satz reduziert, bedeutet zweifellos einen wesentlichen Fort- schritt auf dem Gebiet des Friedens. Wilson hat dem Gegner eine n e u e B r ü ck e q e b a u t. auf der sich auch tue Kriegführenden zum Friedenshandschlag treffen können. Aber der Brücke droht eine Minengefahr. Seldstiiberhebung, Eitelkeit und Grötzenwabnstnn ebenso wie Eroberungssucht sind am Werk, um die FrievenZacbe-t Wiens und Washingtons zu zerstören. ^
Die „Freisinnige Zeitung" meint, der Auszug aus der Rede Wilsons zeige den amerikanischen Präsidenten als rabiaten Gewaltprediger, der Clemenceau beinahe übertrumpfe.
Die „Kölnische VolkSzeitung" schreibt: Tue Rede Wilson? hat als geschichtliches Dokument keinerlei Wert. Sie ist ein Stück banaler Agitation, kein Staatsakt. Auch jetzt spricht Wilson von den Idealen Amerikas, früher sprach er viel mehr von solchen. Mau glaubt den tiefdenkenden, philosophisch geschulten PfarrerZsohn nicht wieder zu erkennen, welcher jetzt in die Welt hinauSruft: „Gewalt bis zum
Äußersten, Gewalt ohne Matz und Grenzen!" Noch heute türfe ein Staatsmann in verantwortlicher Stellung nicht so sehr die Selbstbeherrschung verlieren, datz er sich zu einer so brutalen Redeweise Hinreitzen kaffe. Dies« Tonart sei ausschlietzlich ein Zeichen der Verlegenheit, zu dem Wilson greifen muhte, weil er sich mit svinec Politik fest- gefahren hat.__
§ünf neue Grotzkampflcsikffe.
Br. Berlin, 9. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nachdem in den Kriegsjahce» 1915 bis 1917 drei Panzerkreuzer, „Hindenburz", „Mackensen" und „Graf Spee", zu Waffe» gebracht werden konnten, sind satt einiger Zeit zwei neue Grotzkampfschlffe der Flottenfront zugefüLrt worden, deren Stapellanr bereits in das Kriezsjahr 1915 zurückfällt. ES sind die-s dir beiden Gcotzkampffchiffe „Bayern" und „Baden", di? von der schichauwecft in Danzig und der Hohwaldwerft bei Kiel gebaut worden sind, trotz der angeblichen Seesperre der Engländer planmäßig alle Probefahrten abhielten. in die Flottenfront zur Einstellung gelangten uird sich bei verschiedenen Unternehmungen zur See die ersten Lorbeeren geholt haben, z. B. bei , oa. Bchchietzunz der Befestigungen -ms Ojel und 'Dago,
Der Zeind über den Oise-Aisne-ttanal zurückgeworsen!
Der Rbendbericht vom 9. flprtl.
tzv. T--B. Berlin, 9. März, abends. (Amtlich. Drahtbericht.)
Nördlich vom La Bassee-Kanal sind wir in englische und portugiestsche Stellungen ein gedrungen.
An der Schlachtfront zu beiden Seiten der „mr.int heftige Artillcriekämpfe. Auf dem Südnfer der Oise warfen wir den Feind auch zwischen Coucy le Chateau - und Brancourt
über beu Oise-Aisnekanal zurück.
•
Kochs unklare Machtbefugnisse.
W.T.-B. Bern, Ü. April. „Echo de Paris" ftagt, wie wert die M u ch t b c f r, g n i f f c des Generals Fach als Generalissimus der Alliittten gehe Das Blait glaubt, daß die Regelung und Verteilung der dieser Leu nach wi: vor dem Versailler Kriegs-
kimitee unter sieht Es äußert Bedenken dagegen, da die Ententr uiii so schneller siegreich sein werde, je einheitlicher das Kommando sei. Sembat dagegen erklärt in der „Heure" die Machtbefugnisse Fochs fiir genügend Er h«bc aber mir Bestürzung gehört, daß die Engländer wiederholt äußerten, wir brauchen nicht zu er- schrecken, wir können uns immer noch aus Calais zurückziehen, wo der Feind nicht weiterkommen wird. Ferner haben wn immer noch da? Meer, um uns zu decken. Leute, die so sprechen und das Mccr als letzte Verteidigung betrachten, Franl- reich und Par>§ aber vergeffen, haben, mernt Sembat, den Krieg noch nicht verstanden
Lloyd Georges Hilferuf an Neuseeland.
W. T.-B. London, 9. April. (Drahtbericht.) Das Schweizerische Burrau meldet auL Wellington: Premier-
minister Maffy hat erklärt, datz die Regierung von Neuseeland beabsichtige, Lloyd Georges Bitte um weitere KriegSleistungen zu erfüllen. Die Vorschläge der Regierung werden in der nächsten Woche dem Parlament Mitgeteilt werden.
Der erste amerikanische Flieger abgeschossen.
W. T.-B. Berlin, 9. April. (Drahtbericht.) Am 7. Apvil wurde an der Westfront der erste amerikanische Flieger ab- geschoffen und lebend eingebracht. Er ist von Beruf Ingenieur und tut seit September 1917 in der französischen Truppe Dienst. Er ist sehr befriedigt darüber, datz er noch keinen Deutschen getötet hat. Er war erstaunt, als er hörte, datz ötc Amerikaner schon vor der Kriegserklärung den Alliierte:: große Massen von Munition und Kriegsmaterial geliefert hätten und datz Botschafter Gerard in Denffchland zugunsten der Entente Spionendienste geleistet hätte. Das amerikanische Volk sei durch die V r o p a g a n d a d e r E n t e n t e, die Zeitungen, Plakate und Kinos völlig Über die tatsächlichen Verbältnifle getäuscht. Über die Be- sch^etzung von Paris, deren erster Tag er nnterlebte. ist er der Ansicht, datz mit fortdauernder Deschiehung der Erfolg den moralischen Eindruck in gefährlicher Weise steigern würde.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
Ein italienikcffer Ueberfallsverfuch vereitelt.
W. T.-B. Wien, 9. Avril. Amtlich verlautet: In J udtz. karren wurde ein italienischer Über soll ^versuch vereitelt.
Der Chef des Generalstabs.
»
In Erwartung einer neuen Offensive gegen Italien.
Berlin, 9. April. Nach einem amtlichen Bericht des amerikanischen KriegsdsvartementS, so wird dem „B. L-A" ans Rotterdam berichtet, traf dort die Meldung ein, wonach der Feind beabsichtigt, an der italienischen Front eine Offensive zu unternehmen. Die Arm« Österreich-Ungarns, mit Ausnahme einiger Truppenteile. die in der Ukraine oder im Westen stehen, befinde sich jetzt auf dem italienischen Kriegsschauplatz. Es sei möglich, daß der Feind die Offensive ans einer breiten Front unternehmen werde.
Vr. Helfferich zur Kriegsanleihe.
In Stuttgart sprach am Sonntugnachmittag Staat», minister a. D. Dr. Helfferich über die achte KrregSan- leihe. Er führte u. a. aus- Lloyd George hat selbst ungefähr acht Monate vor Ausbruch des Weltkrieges die unbe- drngte Notwendigkeit unseres Militarismus zugegeben, dem unsere Feinde heute fluchen und den wir segnen wollen. Die Freiheit der Welt hat Raum für England und Deutschland, nicht aber für britische Weltherrschaft. die auch die Knechtschaft der anderen ist. Wir werden, wie wir Rutzland das Rückgrat gebrochen haben, auch in diesem Rinnen Sieger bleiben. Englands Erfolge in den Kolonien, in Mesopotamien usw., müffen wir unter allen Umständen wieder zunichte mgchen. ®5 geht, wie der „Vorwärts" kürzlich sagte, um des deutschen Arbeiter? tägliches Brot. Gutwillig gibt der Brite nichts heraus, und hier gibt es nur ein Mittel: den Sie^ Und dieser wird im Seelriegsgebiet um England erkämpft werden. Der Engländer ist zähe, und er wird kämpfen, so lange er noch einen Schimmer tum Hoffnnng hat. Srge.tlÄL
