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Zur achten Nrretzsanleihe.
Von Gustav Frenffen.
Das deutsche Volk har nun.fast vier Jahre lang seine Kräfte angespannt wie nie zuvor und wie nie em Volt vor ihm.
Bald vier Jahre lang stand nun seine junge Mann- schaft vor dem Feind, stand in Gräben urrd spähte, uno sprang heraus und stürmte vor und wagte ihr junge. Leben für das Land, oder stand in den Batterien und bediente treu und tapfer die Geschütze, immer vor Augen, plötzlich mit Eftenhagel überworfen, ja gänzlich vernichtet zu werden.
Immer wieder, bald vier Jahre lang, stand^ die Mannschaft der Flotte auf den großen und kleinen Schufen, allein und im Verband, auf ihrer Wacht, und fuhr hinaus und suchte den Feind und sucbte Gefahr und Not, und immer wieder ... gestern wieder, vorgestern auch . . . ziehen seine U-Boote hinaus ... es weht die Flagge und der Wimpel' fte stehen im Kranz um den Turm und grüßen noch einmal die Heimat.
Immer, schon vier Jahre lang, zehen fic in die Fabriken und feuern und schiede» und messen und feilen und fassen und richten- morgens, wenn der Tag graut, zur Tagesarbeit, abends, wenn es dunkelt, zur Nachtschicht. Immer, fast vier Jahre schon, ist der Geist des Volkes auf der Wacht: in den Gemächern der Diplomaten, in den Stuben der Feldberren, in den Sitzungs- sälen des Reichstags, an den Tischen der Zeitungen, m den Räumen der Magistrate, in den Sälen der Chemiker wid der Fabrikanten, in den hochgemuten Worten in den Kirchen, in den Gesängen in den Schulen, in den tapferen Briefen und Gebeten der Frauen, Mütter und Kinder.
Alle Kräfte, ä l l e . . sind w a ch i n dieser Sturmzeit unseres Volkes. Trotz aller mne- reu Unrast und allen inneren Gezänkes: das deutsche
Volk ist doch in sich einig in dieiem Pflichttnn,
'*W achsein und Siegenwollen.
Sie hatten vier Tage vorn gelegen... in Flandern ... im Dreck bis an die Schultern, in Grausen und Not, und kamen zurück in das Ruheguartier, und sie schimpften unter sich über den Krieg, über die Menschheit, Wohl über alles in der Welt und warfen schimpfend ihre Sache hin: „Endlich drei Tage Ruhe!" Da kam die Nachricht: das Bataillon vorne hätte eben ungewöhnlich viele Verluste durch Gasvergiftung; es müßte sofort Verstärkung kommen. Ta packten sie schweigend ihre Sachen wieder auf . . . schweigend . . . selbstverständlich . . . und zogen wieder in das Grausen und die Not ...
Es war eine riesengroße Versammlung ... in einer iwrddentschen Stadp. . . lauter Arbeiter. l. da sagte der Redner: „Wollt ihr, daß wir Elsaß-Lothringen
herausgeben?" Sie schwiegen alle. . . alle. Keiner will, daß wir unsere Ehre unö Ansehen verlieren unter den Völkern der Erde . . .
So steht nun das deutsche Volk, ein jeder an seinem Platz, bald vier Jahre lang, und verteidigt fernen .Heimatboden und seine Ehre.
Wahrhasftg, das deutsche Volk hat in diesen letzten vier Jahren Mühe und Leid und Not gehabt! Welche Mühe und Arbeit! Frost, Nässe, Krankheit, Häßlichkeit, unsägliches Heimweh, Schrecken und Not an den Fronten! Ach, unsere lieben Toten: welch ein- Leid, welch ein gewaltiger Karfreitag! Welche Ängste, Sorgen, .Kummer, für immer gebeugte Elternherzen, Ent- behrungen, Katastrophen, Krankheiten, daheim in der zahllosen Masse des Volkes!
Wahrhaftig, wir dachten . . . wir dachten oft: c s g l ü ck t u n s n i ch t! Gott und die Menschheit hat uns'verlassen, Gott und die Menschen hassen das deutsche Volk. Es ist aus mit uns und unserer Zukunft. Sagi, was hat das Leben nun noch für einen Sinn, wenn ein tapferes, fleißiges, friedfertiges Volk von der ganzen übrigen Menschheit überfallen, erschlagen und erniedrigt wird, und Gott sieht es an? Ja, so dachten wir oft.
Aber sieh da ... . was ist geschehen? O das Wunder dieses Frühlings . . . dieses Osterfestes!! Wo sind die Führe", die die ungeheuren Regimenter des russischen Volkes gegen uns jagten? Sie sind tot. ge- fangen, auf der Flucht, in Verstecken, einsam, krank, machtlos. Wo sind die Millionen graubrauner russischen Männer, die, Gesicht nach Westen, immer wieder und wieder gegen unsere Linien stürmten, vierzig Monate lang? Sie hörten einen Ruf von chrer Heimat her; sie hörten einen Klang aus ihrem Volk; „Kämpft nicht mehr! Ihr kämpft nur für Geld und Machtgier eurer Unterdrücker!" Und sieh sie schnitten sich einen weißen Stock im Walde und machten sich auf die Wanderuua oltwärt» ter lieben QtmaL m ö»
sind die Millionen Gewehre, die Tausends Geschütze, die mit dem Mund nach Westen brüllten? Sie liegen und rosten in den Gräben, in Wäldern und Snmpfen, ne stehen zu Tausenden auf deuftcken Fabrikhöfen.
UndauchimWesten ist derFeindins Zanken gekommen. Wer im deutichen
V o I k z w e i f e l t h e u t e n o ch. d a ß w i r a u ch d e n
besiegen werden? Konnten wir ihn einst tief ttt sein eigenes Land zurückdrängen, als wir noch nach allen Seiten känipfen mußten, als wir noch mit dem einen Arm nach Osten, mit dem anderen nach Westen stoßen mußten . . . wir werden ihn jetzt schlagen, da wir berde Arme brauchen! Geänqstigt schon, mit geschwächtem Mut, ohne rechten Glauben, mit immer gestörten Zu- wegcn, mit unruhigen hungernden Heimatvölrern, auf ein Wunder vom Himmel her wartend; so sieht er sein Schicksal sich erfüllen.
Noch eine geringe Zeit, und auch diele Feindesheere schneiden sich den Stock zum Heimatwandern und jagen ihre Führer davon; gesiegt aber hat das deutsche Volk! Dies Volk, das gedemütigt und zerschlagen werden sollte ... vor der ganzen Menschheit hebt es sein Haupt, hebt sein Haupt über alle Hajser und Neider, über die größten Gewalten der Erde. Nicht das letzte, wie sie dachten, nein, das erste der Völker!
Wir. das deutsche Volk! Gemeinsam haben wir alles erlebt. ’ Wo war da ein Unterschied, eine Ausnahme? Wir alle einig im Erleben dieser gewaltigsten Dinge. Einig vor so vielen Gräbern, in denen reich und arm nebeneinander liegen. Einig in so viel sorgen. Nun auch einig vor dieser ungeheuren Wendung, diesem nahen Siege der reineil deutschen Sache.
Laßt uns nun auch in diesen Tagen noch einmal wie der einig sein... einig in der Hergabe unseres Geldes, unseres Kredits. Die wir so- viel Leid gemeinsam getragen, die wir an soviel Gräbern zusammengestanden, die noch einmal der ganzen Menschheit dies flannnende Zeugnis geben; Wir . . . wir stehen zu unserem Land! Wir stehen noch heute dazu, wir glauben an unser Volk und an unseren Sieg!
Es ist noch so viel Gold int Lande. Wie mancher goldene Schmuck noch auf jungen und alten Händen, in neuen und alten Schränken, zweifelnd hin- und hergewendet . . . soll ich es geben oder nicht? Es ist so viel Guthaben im Lande, hier im Schrank, da in der Spar- fasse, hier in der Bank, da bei einem Nachbarn, hier in einem Möbel, das verkauft werden, dort in einem Besitztum, das belastet werden könnte .,. . Die wir zusammen standen (wir mußten wohl!) in all dein Graus und der Not der vergangenen Jahre ... die wir weinen um so viel Gräber . . . steh doch . . . suche doch einmal . . . grüble doch einmal, daß du irgendeine Summe findest; und gib sie den; Land in die Hände, dem Land, das dich geboren ... und ließ dich ein wenig Menschen- glück finden in deinem Leben. . . dem Land, das für dich blutet und dessen stolze, freie Bürger du und deine Kinder sein solleii.
Sieh, es geht ans Siegen! Gott hat die Völker gewogen in seiner Hand. Sr hat sich für uns entschieden. In Demut, die Seele voll von Dank und Wundern, nehmen wir es hin. D i ch abersollestreiben, nochernmalGottund dem Vaterlande zu zeigen, wie lieb du die deutsche Heimat hast!
England gibt sich keiner Tänschung mehr hin.
„wir haben den »rieg verloren".
In einem Artikel der Aprilmunme-r der in Zürich er» scheinenden Zeitschrift „Das neue Europa" wird ein bedeutungsvolles Ereignis besprochen, das rrnzeige, daß die letzte Wendung des KriegeS eingetrsten sei. Dem angeblich durchaus zuverläsiigen Gewährsmann des Arkikel- schreiberS zukclge soll in einer der letzten englischen Mirm'ter- ratssitzurigen das Wott gefallen sein: Wir haben den Krieg verloren! Dieser Ausspruch sei unleugbar und der Gang der Ereignisse werde das bestätigen. Jedenfalls sei man sich in diesem Ministerrat einig gewesen, daß psvcholcgische Gründe büben wie drüben den siegreichen Gewaltfrieden des Verbandes nicht mehr erlauben würden. Einer der wichtigsten dieser Gründe seien die äußerst düster gefärbten Berichte aus Indien gewesen, wo eS b e - denkltch gäre. Dann komme die Furcht der Engländer vor einem Alexanderzug. der es Deutschland ermöglichen tuM, M, £ #yi* »um Indischen Ozean Güter »»d $Mb lÄucfiu^fc« ßx rannen.
Die ungeheuren englischen ^ Verluste.
W.T.-B. Berlin, 6. April. (Drahtbericht.) Die erstell Berichte über die ungeheuren englischen Verluste ünd auf dem Wege über Hulk in Holland eingstroffen. Die hohe, während der deutschen Offensive vom 21. bis 29. März erlittene Einbuße an erstklassigem Menschenmaterial soll den britischen Verlusten in der Summeschlacht von 1916 gleichkommen, die nach amtlichen englischen Angaben 412 000 Mann betrugen. Zählt man die in der anschließenden Svaune vom 29. März bis 3. April gefallenen, vermißten und gefaugeuen englischen Soldaten hinzu, sck kann man über eine halbe Million rechnen, um die das britische Heer geschwächt ist. '
Geheucheltes vertrauen in den Ausgang der zweiten Schlacht-Phase.
NB. Haag, 6. April. (Eig. Drahtbericht. zll.) „Dailp Telegraph" beurteilt die W i e d e r a u f n a >h m e der deutschen Offensive solgenÄermatzen: Die Deuffchen hoffen jetzt, eine ggriz andere Arbeit zu verrichten, als bei Beginn des großen Angriffs im März. Die Linien der Alliierten waren stabil. Es wurde daher nur ein normales Z u- rückweichen vor dem schweren Druck gemeldet, was, wi« die Erfahrung lehrt, nicht den mindesten euffcheidendea Charakter ijet. Mit jedem Ta g w e rde n d ie K ä m p fe heftiger. Es ist mehr als je Herr, daß die Entscheidung des ganzen Krieges, so weit Deutschland in Betracht kommt, von dem Ergebnis dieser Schlacht a b h ä n g t. Die Alliierten können dem Ausgang mit Vertrauen entgegensehen.
„Alles geht gut", sagt General Fach.
NB. Haag, 6. April. (Eig. Drahtbericht. zib.) „Hollmidsch Nieuws Bureau" meldet: Am 4. April empfing General
Fach die englischen und französischen Journalisten. „Alles g e h t g u t", sagte er. Dann fuhr er in geschmackvoller Weise fort: Der Boche ist vollkommen zum Stillstand gebracht. Sem Aufmarsch steht seit 30. März still." Er legte den Berichterstattern eine Karte vor und berichtete über Einzelheiten der Kämpfe. Nachdem er M Ereignisse bis End« März geschildert hatte, fuhr er fort: „Nun haben wir. den 4. ApriI, und deshalb ist es Il.ar, daß der feindliche Sturmlauf Mngedämmt ist. Die Welle hat am Strand ihre Kraft verletzen, weil sie sich an einem Hindec- nis gebrochen hat. Welche Folgen unser Erfolg (Welcher Erfolg? Echriffl.) haben wird, kann man noch nicht sagen, die Zukunft wird es lehren.
Clemenceau vor dem Zoll?
Von der Schweizer Grenze wird uns, 4. April, geschrieben:
Die französischen Zeitungen geben sich die größte Mühe, den von, Grafen Czernin bloßgestellten Minister- Präsidenten Frankreichs zu verteidigen. Aber Clemen- ceau selbst verdirbt alles durch sein lächerliches Benehmen. Lächerlich war es, den diplomatischen Gegner, der das französische Friedensangebot enthüllte, der Lüge zu zeihen. Lächerlich sind die verzückten Lobsprüche über die Lage der französischen Front angesichts der gewaltigen deutschen Erfolge. Lächerlich ist die Reklame, die Clemenceau mit der Frontrcise machen läßt, von der er soeben zurückqckehrt ist. Tie Schilderungen einer gefälligen Presse vom Mut des alten „Tigers" rufen überall nur spöttisches Lächeln hervor. Kein Mensch glaubt es, daß die Fensterscheiben des Clemenceauschen Dienstautos von deutschen Granat- splittern zerstört lvorden seien, während der große Ministerpräsident kaltblüttg seine. Zigarre rauchend in den Polstern saß und wie durch ein Wunder heil blieb. Mit solchen Mätzchen lockt man setz: in Frankreich keinen Hund mehr hinterm Ofen herpor. Die Stimmung ist zu e r n st und zu g e r e i z t geworden. Nur ein paar kleine Stimmen derjenigen Presse, die den: brutalen Tnrannen nicht gefügig ist: In der „Humanit6" schreibt der ehemalige sozialistische Minister Sembat: „Wir
fürchten Clemenceau als Menschen; sein Charakter und die Wirkung seines Denkvermögens bilden für Frank- reich eine überaus drohende Gefahr. Unznsammen- hängendes, launenhaftes Temperament und Unbeständigkeit sind unheilbare Laster, die zu Woeren Unglücken führen können. Das ist in absichtlich gemätzig- ten Worten der Grund unseres wohlüberlegten und unerschütterlichen Widerstandes gegen Clemenceau." Gegen einen Artikel von Alfred Capus im „Figaro" wendet sich Maurice Delchnne im „Journal du Peuple": „Um der Republik willen, die er beschmutzt und entehrt habe, um der Arbeiterklasse willen die er verraten habe, um des Landes willen, das unter der Fuchtel eines un- fähigen Hanswurstes zugrunde gehen würde, dürfe Clemenceau nicht am Ruder bleiben." In der „Heure" ist zu lesen: Er beschirnvft wie ein Gassenjunge das Jdeal für das unsere republikanischen, sozialistischen und idealistischen Soldaten sich geopfert haben. Sie glauben alle, daß dieser Krieg der letzte rst und daß man sich für einen gerechten Friede» schlägt, in dem die
