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Wiesbadener Tsgblslt.

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«utnabm» von Anzeigen an »orgelchriebenen Tagen und Plätzen wird leine »ewtlr^lernomianl^

Mittwoch, 3. «pril 1018»

Ein wiiterer ruhiger Tag im Westen.

ver 73. Luftsieg des Rittmeisters v. Richlhofen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. April. (Amtlich.)

Westlicher KriegSschanplatz.

Zeitweilig lebhafter Feuerkampf bei und fiidlich von LenS.

An der Schlachtfront blieb tagsüber die Gefechtstätigkeit auf Artilleriefeuer und Erkundungsgefcchte beschränkt. Efn nächtlicher Vorstoß englischer Kom­panien gegen Ahette wurde im Gegenstoß abgcwiesen. Mit stärkeren Kräften griff der Feind am Abend zwischen M a rea­le a v e und dem L u c e b a ch an. Er wurde unter schweren Verlusten zurückgeworsen. Durch Handstreich setzten wir nns in den B r s i tz der Höhe südwestlich von M o r e u i l.

Die Zerstörung von Laon durch französische Artillerie dauerte an. Vor B c r d n n und in den mittle­ren Vogesen lebte die Artillerietätigkeit auf. Südwestlich vom Hirzbach brachte ein erfolgreicher Vorstoß Gefangene ein.

Rittmeister Freiherr v. Richthofcn errang seinen 75. Luftsieg. _

Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Gcneralquartiermcister: Ludcudorff.

Die Atempanse zwischen den Schlachten.

(Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.)

Arrassront, 1. April.

Nachdem die Engländer trotz annähernd gleicher Stärke der sich hier qegenüberüehenden Armeen eine volle Woche hindurch täglich einen neuen Rückzug nach einer neuen .Niederlage haben vollziehen müssen, enipfinden sie mit einer Be­scheidenheit, die ihrer früheren Ruhmredigkeit wenig entspricht, schon die augenblickliche Verlang- samungdesdeutschen Vormarsch es als einen Guiistbeweis des Schicksals. Jeder englische Gefangene weiß, daß die englische Schicksalswende hereingebrochen ist, der englische Nachrichten­dienst aber versucht, die deiltsche Atempause als einen Erfolg des Reserveeinsatzes der Entente darzustcllen. Gegenüber solchen billigen Trösiungsver- Züchen sprechen die Tatsachen ihr hartes Wort. Ge­rade' da, wo die Reserveii der Entente im schnellsten und mit planlosester Eile in die Scklacht geworfen wer­den müssen, wie die Divisionen, welche die Franzosen seit gestern vergeblich bei M o r e u i l zwischen Mont- di di er und Amiens geopfert haben, ist der Takt- schritt der deutschen Offensive am wenigsten ver- l a n g s a m t worden. Hier aber fechten deutsche Divi- sionen, die seit dem ersten Schlachttage noch nicht abgc- löst worden sind, noch auch wünschen, jetzt ihren Vor­marsch einzustellen.

' Das Urteil über die deutschen D e r l u st c. über welche die Entente zum Tröste in -hrer bedrängten Laac Märchenziffern in die Welt funken, möge der Fcmd getrost unseren in vorderster Linie fechtenden Kampftruppen überlassen. Ich komme soeben von un­serem rechten D u r ch b r u ch s f l n g e!, wo der feindliche Widerstand und die Geländeschwierigreiten am größten waren, dort waren dementsprechend auch unsere Verluste größer als an einer anderen Fcontstelle, aber die fechtende Truppe hat keinen Augenblick das Emp­finden gehabt, daß sie nicht der errungenen Erfolge voll­kommen wert gewesen sind. Eine sächsische Division, die hier in vorderster Linie vorqegangen ist, hat sich da- gegen gewehrt, daß sie am siebenten Tage in das zweite Tressen zurückgezogen werden sollte. Tie Mannschaften sagten, wenn nur jeder von ihnen ein paarR e s e r v e- deine zum Laufen gehabt hätte, dann wäre es noch schneller vorwärts gegangen.

Der^Befehl zum vorübergehenden Hal­ten ist von der Kamvstruppe überall nicht als Stockung, sondern trotz allen Triebes nach vorn als dankenswerte Kürsorge der Obersten Heeresleitung aufgefaßt worden, denn die Truppe war sich bewußt, daß sie in diesen Tagen des Kampfes und des siegreichen Vormarsches die rückwärtigen Ver- bindungen weit hinter sich gelassen hat, und daß die durchkämpfte Zone eine öde Wüste ist, durch welche neue Straßen und Bahnen nicht im Sturm­tempo unserer feindwarts strebenden Infanterie gebaut werden können, namentlich wenn, wie es am Karfrei­tag und Ostersamstag der Kall war, ein Landregen das alte Trichtergelände der Sommeschlacht versumpft und den Artillerie- und Munitionsnachschub ans den sehr belasteten Straßen aufhält, während der zurück­geworfene Feind immer näher an seine riickwärts- liegenden MmütvmS- und Vcrpfleguugslager gedrängt wird.

klbenü-klusgabe.

Dis stetige übertriebene Betonung unserer deutschen Verluste läßt beinahe den Schluß zu. daß sich der Feind über seine wirklichen Gefallenen,zisfern noch vollkommen täuscht. Wer die grauenvollen Abschnitte des Schlacht selbes von Bapaunre gesehen hat. wo Tausende von englischen Leichen noch jetzt trotz allen Aufgebotes der Beerdigungskommandos nicht haben begraben wer­den können, wo auf einen deutschen Toten -0 bis 30 Engländer gefallen sind, wo mit Flücht­lingen überfüllte englische Unterstände einer nach dem anderen durch deutsche Volltreffer samt allen Insassen vernichtet worden sind, dem stockt das Wort ^ in der Kehle, wenn er von diesen blutigsten Eindrücken des ganzen Krieges im Westen spricht. ES gehört ein Ve r- zweiflungsmut der Lüge dazu,. ivenn der feindliche Nachrichtendienst sich angesichts dieses Massen­unterganges der besten englischen Truppen mit den da­gegen geringen deutschen Verlust«! trösten will.

W. S ch e u e r m a n ir, Kriegsberichterstatter.

Oie Sldmiralstabsinelduny.

W.T.-B. Berlin, 2. Avril. .(Amtlich.) Neue U-Bootserfolge im Sperrgebiet uni England:

19 000 Bruttoregister.tonneu.

Durch die Versenkungen wurde hauptsächlich der Kriegs- inaterialtransvort des Feindes inr östlichen Teile des Ärmelkanals betroffen. Vier tiefbeladene, be­waffnete Dampfer fielen dort einen! unserer U-Boote unter Führung des Kapitänleutnants Mahner zum Opfer. Au der Ostküste Englands wurde eiir armierter Fischdampfer, wahrscheinlich eirr Belvachungsfahrzeüg, von einem U-Boot in einem Artillericqefecht iir Brand geschossen.

Der Chef des Admiralstabs der Marrne.

_ - .iiliiiii* i v ' - *' -

Gras Czernin über die internationale Lage.

Line Anfrage Ltemeneeaus in Wien vor der Offensive!

W.T.-B. Wien, 2. April. Unter der Führung des Bür­germeisters der Haupt- und Residenzstadt Wien erschienen heute die Mitglieder der Obmännerkonserenz deS Wiener Gemeinde rat s beim Minister des Äußern. Bürgermeister Dr. Weitzkirchner richtete an den Grafen Czernin eine Ansprache, worauf Gras Czernin antwortete, ec wolle einen genauen Einblick in die politischen Verhält­nisse, so wie er sie im Augenblick sehe, gewähren. Mit dein rumänischen Friedensschluß sei der Krieg im Osten be­endet. Drei Frieden wurden geschlossen: mit Petersburg, mit der Ukraine und Rumänien. Sin Kapitel des Krieges ist erledigt. Graf Czernin ging dann auf Wilsons Antwort auf seine eigene Rede am 2 t. Januar ein. Wilson will, so fühlte Graf Czernin dazu was. B e r l i n u n d W i c n nicht trennen. Er will cs nicht und weiß auch, daß daS u u - möglich ist

Zur Antwort des Präsidenten kann ich nur sagen, daß ich für sehr wertvoll halte, datzderdeutscheRcichskanzler in keiner ausgezeichneten Rede vSm 25. Februar mir die Antwort aus dem Munde nabm und erklärte, die vier von Wilsen in seiner Rede ckm 11. Februar entwickelten Grund fsihe seien die Basis, aus ivclcher der allgemeine Frieden erörtert werden könne. Ich stimme dem voll kommen bei, die vier Punkte des Präsidenten sind die ge eigneten Grundlagen für den Eintritt in eine Dis kuffion über einen allgemeinen Frieden. Ob der Präsident in den Bestrebungen, seine Verbündeten auf dieser Basis zu ralliieren, Erfolg haben wird oder nicht, steht dahin.

Gott ist mein Zeuge, daß wir all-S versuchten, was mög­lich war, um eine neue Offensive zu vermeiden.

Die Entente wollte nicht. Clcmenccau fragte einige Zeit vor dem Beginn der West offensive bei mir an, ob ich zu Verhandlungen bereit sei und auf welcher Basis. Ich habe sofort ini Einvernehmen mit Ber - lin geantwortet, daß ich hierzu bereit sei und gegenüber Frankreich kein Friedens Hindernis erblicken könne, als den Wunsch Frankreichs nach Elsaß Lothringern ES ivurde ,ms Paris geantwortet, auf dieser Basis sei nicht ,u verhandeln. Darauf­hin gab es keine Wahl mehr. Das gewaltige Ringen im Westen ist bereits entbrannt. Österreichisch-ungarisch^ nick deutsche Truppen kämpfen Schulter an Schulter, wie sie zu sammeu in Rußland. Serbien. Rumänien und Italien ge- kämpft bube» Wir kämpfen vereint zur Verteidigung Öster­reich-Ungarns nnd Deutschlands. Unsere Armeen Werden der Entente beweisen, daß dis französischen und italienischen Aspireticnen auf unsere Gebiete Utopien sind, die sich fuccktbar rächen werden. Die Erklärung aber für das an Wahnsinn gvcnzende Vorgehen dar Ententemächte liegt zum größten Teile in gewissen Vorgängen in unserem Hinterlande, worauf ich noch zurückkommen weide.

Was immer auch tarne, wir geben Deutschlands Inter­esse »ich* jtfetä, me ei uns nicht im Stiche tage* wird,

Nr. 154. . 66. Jahrgang.

Die Treue an der Donau ist nicht geringer als die deutsche Treue. Wir kämpfen nicht für imperialistische und annerionistische Ziele, weder für eigene noch für deutsche, wchl cber werden wir gemeinsam bis zum Schluß gehen für unsere Verteidigung, für unser staatliches Leben und unsere Zukunft.

Durch die FriedeuSvechandlungen mit Rußland wurde die erste Bresche im den Kriegswillen unserer fttivbe ge­schlagen. Es war der Durchbruch des Friedensge- dankens. ES ist ein Beweis kindlichen Dilettantismus, zu überkehen» in welch innerem enge« Kontakt die verschie­denen Friedensschlüsse miteinander stehen. Die Konstellation der uns feindlichen Ostmächte glich einem Netz. Mit dem Durchschneiden einer Masche lösten sich die anderen von selbst. Dir erkannten vorerst die im Innern Rußlands vollzogene Trennung der Ukrainer vom ruffischen Reichenau und nützten die daraus entstandene günstige Situation für unsere Zwecke aus, indem wir mit der Ukraine den von ihr ange- strebten Frieden schlaffen. Dies führte den Frieden mit Petersburg herbei, wodurch Rumänien derart isoliert wurde, daß es gleichfalls Frieden schließen mußte. x So zog ein Frieden den anderen nach sich und brachte den gewollten Erfolg der Beendigung des Krieges im Osten.

Mit der Ukraine mußten wir beginnen aus technischen und materiellen Gründen Die Blockade mußte durchbrochen werden und die Zukunft wird beweisen, daß der ukrainische Friedensschluß ein Stoß in das Herz unkerer noch übrigen Feinde war.

ver Frieden mit RumLnieu.

Mit Rumänien wurde ein Frieden geschloffen, welcher den Ausgangspunkt freund nachbarlicher Be­ziehungen bilden dürste. Die geringfügigen Grewzrektifikationen, die wir erhalten, sind keine Annexionen, fast unbewohntes Gebiet, dienen sie aus­schließlich militärischen Sicherungszwecken.

Jenen aber, die darauf beharren wollen, daß diese Rekti­fikationen unter den Begriff von Annexionen fallen, und die mir Jnkvnseauenz vorwerfe«, kan» ich nur antworten, daß ich mich unzählige Male und in beiden Delegationen öffentlich dagegen verwahrt habe, unseren Gegnern einen Freibrief auSznstellcn, welcher dieselben gegen die Ge­fahren weiterer kriegerischer Abenteuer affekuricu würde.

Es ist nickt meine Schuld, daß sich Rumänien nicht gleich­zeitig mit Rußland an den FriedenStisch setzte. Bon Ruß­land verlangte ich keinen Quadratmeter, Rumänien verkärmte die günstige Konstellation. Schutz und Förde­rung der eminent wichtigen Handelsschiffahct auf der unteren Donau sowie die Sicherung deS Eisernen Tores werden ge­währleistet durch Verschiebung der Grenze bis auf die Höhe von Turn-Severin, durch die gegen einen Pachtschilling von jährlich 1000 Sei auf 30 Jahre erfolgte Pachtung der wertvollen Werftanlageu bei dieser Stadt samt den, zwischen dieser Werft und der neuen Grenze gelegenen Uferstreifew, endlich durch Erlangung deS Pachtrechts auf die Inseln Ostruvo, Marc. Corbu, Sineanu. Mit der im Raume der Petronsenher Kohlengruben um Niedrere Kclometcr nach Süden erfolgten Grenzverlegung, welche am Szurduk-Paß auch den beherrschenden Punkt Laiuir in unteren Besitz bringt, erscheint das Kohlenrevier besser" gesichert. Nagyszeben und FogaraS erhalten eine im Durchschnitt 15 bis 18 Kilometer breite neue Sicherungs- ptetne. An allen Pässen von Bedeutung, so bei Predeal, Bodza, Gyincs, Bekas, TölgveZ. ist die neue Grenze so weit auf r u m ä n i s ch e n Boden verlegt, als eS militärische Grüiide erfordern. Die Dreiländcrecke fällt uns zur Grenze zu, womit di- Möglichkeit einer gesicherten Verbin­dung Mischen Ungarn und der Bukowina gegeben ist. Die Verschiebung der Grenze östlich von Tschernowitz soll die feindlichen Angriffen bisher preisgegebene Landeshauptstadt der Bukowina gegen Überfälle wirksam schützen.

Ich nehme den Bleistift zur Hand und rechne nach, mit

welchen furchtbaren Forderungen die Staateii derErdeausdiesem Krieg hervorgehen werden.

Ich frage nach vergebens, wer bei weiterer freier Rüstungs­konkurrenz die militärischen Auslagen wird decken können. Ich glaube nicht, daß irgend ein Staat in der Lage sein wird, nach diesem Kriege ehrlich mehrere Milliarden für die durch den Krieg so bedeutend erhöhten militärischen Bedürfnige ouszugeben.

Ich glaube vielmehr, daß die finanzielle major die

S3*tt zu einem internationale» Kompromiß über die Herabsetzung der Rüstungen zwingen wird.

Meine Hoffnung ist weder idealistisch noch phantossisch, sie ist realpolitisch in des Wortes vollster Bedeutung. Jckj halt» es für ein großes Unglück, wenn es nicht schließlich ge­lingen sollte, zu allgemeinen Vereinbarungen übe- di» Verminderung der militärischen Rüstungen zu gelangen.

Es ist selbstverständlich, daß wir bei Friedensschluß ncktl Rumänien dafür sorgen werden, daß unser Interesse in beg Frage der Getreide- und Lebensmittelvee» sorgung voll berücksichtigt wird.

Rumäniens Zukunft liegt im Osten. Weite Gebiets B e ß a r a 5 i e n S sind von rumänischer Bevölkerung bo»! wchr.t. und manche Anzeichen deuten darauf hin, _baft diesi» rumänisch- Bevölkerung einen engen Anschluß an RnmSWM wünbU. ' >