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Mittwoch, 3. April 1918.
Die Kämpfet
an die vaheimgebliebenen.
In einer Ausstellung, die das Kriegspresseamt (in den Räumen der alten Sezession) in Berlin veranstaltet, sind zahlreiche Entwürfe zn Plakaten für die achte Kriegsanleihe zu sehen. Es handelt sich unr die Ergebnisse eines Wettbewerbs, an dem sich nur Hecresange- hörige beteiligen dürfen. Wir erfahren so nach einer reinlichen Methode, wie die Armee nicht nur über die Kriegsanleihe denkt, sondern auch über die Pflicht der Daheimgebliebenen, dieser Kriegsanleihe zu einem Erfolg sondergleichen % zu verhelfen. Alle diese Plakate sprechen eine deutliche und überzeugende Sprache. Es sind gewiß nicht insgesamt museumsreife Kunstwerke, aber es ist darunter keins, das nicht den Ausdruck schlichten Ernstes imd eindringlichen Wollens wiedergäbe. Solche Schlichtheit ist geradezu das Kennzeichen dieser Blätter und damit zugleich eine Kennzeichnung des Charakters unseres Dolksheeres. Keine überflüssige Roheit, kein Lärmen nach der Methode der englischen und der französischen Reklame. Der Krieg wird, wie aus ungezählten dieser redlichen Dokumente hervorgeht, als etwas Grauenvolles, aber zugleich als eine schwere Notwendigkeit emv- funden, als ein Handwerk, das verrichtet werden muß, wie man sonst seine tägliche Arbeit verrichtet hat. Daneben spricht aus vielen dieser Blätter eine unaufhaltsame Li ebezur Heimat: es sind da Erinnerungen zu spüren an das Dorf, an di?. Stadt, an das Land, von dem man nun schon seit Jahren fern ist. Zugleich schämen sich die Soldaten keineswegs zu zeigen, daß sie den Frieden herbeisehnen, aber sehr im Gegen- satz zu den pazifistischen Träumern bestätigen sie, daß dieser Frieds so, wie die Dinge nun einmal liegen, erkämpft werden inuß. Eins der Plakate, auf dem zwischen zwei aufgepflanzten Schwertern eine Taube steht, sich schüchtern umschaut und nur ganz vorsichtig voranstrebt, ist für solche Grundauffassung unserer Kampftruppen besonders kennzeichnend. Wir wollen hoffen, daß diese Kundgebung des Heeres zugunsten der achten Kriegsanleihe deren Erfolg um ein gutes Stück sÄdert. _
1« Kilometer vor Kmiens. ' 4
Br. Schweizer Grenze, 2. April. (Eig. Drähtbericht zb.)
Der «Zürcher Tagesanz." meldet: Die deutschen Truppen sind Amiens nunmehr auf 10 Kilometer nahegerückt. Der wichtig sie Eisenbahn knote »Punkt des Nordens, durch de« das englisch-französische Heer znsammengeheftet ist» ist dadurch unmittelbar in die OperationSzoue geraten. Seit zwei Tagen liegt die Stadt im Bereich der schweren deutschen Kampfartillerie. Infolge der Beschießung ist die Verwendung Amiens als Hauptetappenort in Frage gestellt. Durch die von allen Seiten nach Amiens zurückflutenden Proviantkolonnc» wurden den englisch-französischen Truppen außerordentliche Schwierigkeiten bereitet. Infolge der Gefährdung von Amiens verfügen die englisch-französischen Heere nur noch über einen großen Stütz- und Verbindungspunkt, nämlich den von A b b e- ville, der aber nicht entfernt die Eignung von Amiens besitzt. Mit Ausnahme einer einzigen Linie vereinigen sich dort nurNebenbahne«, und der Platz ist wegen der über See kommenden Truppen ohnehin schon schwer über- lastet.
Eine gefährliche Bürgschaft Zochs.
W. T.-B. Paris, 2. April. (Drahtbevicht- Router.) Unter- itaatssekretär Abrami teilte in den Wandelgängcn der Kammer mit, General Fach habe erklärt, es sei jetzt wegen Amiens nichts mehr zu fürchten. Er sei bereit, für Amiens zu bürgen.
Wie Paris über die deutsche Offensive denkt.
W. T.-B Berlin, 2. April. Die Vernehmung eines französischen Gefangenen, der vor wenigen Tagen von einem Urlaub nach Paris an die Front znrückgekehrt war, gibt ein ziemlich klares, wenigstens durch die amtliche Zensur nicht beeinträchtigtes Bild von der Stimmung in Paris anläßlich der deutschen Offensiv?. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln und Knebelung der Zeitungen ist der tatsächliche Stand der deutschen Truppen allgemein bekannt. Man weiß, wie sehr Amiens bedroht ist, man hofft aber noch, die französischen Reserven seien stark genug, die Offensive zum Stehen zu bringen und die Deutschen, wie bei Verdun, durch eine starke Gegenoffensive zurückzuwerfen. Sollte das nicht gelingen, so werde die ffanzösische Regierung es nicht darauf ankommen lassen, daß die Deutschen bis Paris Vordringen, sondern vorher in Verhandlungen eintveten. Schon setzt hat der Erfolg der deutschen Offensive in Frankreich die Stimmunggegenüber England sehr ungünstig beeinflußt. Man ist enttäuscht, daß die ffanzösiscbe Armee den Engländern, die sich wider Erwarten schlecht schlügen, zu Hilfe kommen müsse. Ätn den Käinpfen tei Verdun hätte sich isrnrnzent überhaupt lern Engländer fcc-
Morgen-Ausgabe.
<£ittc Meldung des englischen Xriegs- minifteriumr.
dl. Haag» 2. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Das englische Koiegsministerium meldet: Nördlich der Somme gibt es keine Veränderung. Südlich der Somme ist in der Nähe von Mereuil scharf gekämpft worden. Zwischen Mereuil und Hangard hat die britische Re'iterei in einem glänzenden Gegenangriff eine Waldung genommen, die erst verloren war. An der französischen Front ist ein feindlicher Angriff stltzlich Mereuil abgeschlägen worden. Sonst war der Tag verhältnismäßig ruhig.
Ablösung der Engländer durch die Franzosen in der Gegend von Noyon.
Br. Schweizer Grenze, 2. April. (Eig. Drähtbericht. zb.; Der „Zürcher Anz." meldet: Die Franzosen übernahmen noch ein weiteres Frontstück der Engländer in der Gegend von Noyon. wo die Engländer angesichts der großen Verluste in einer Front von 40 Kilometer von den Franzosen algelöst wurden.
Die Desorganisation der britischen Front.
dl. Haag, 2. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Über die Desorganisation an der britischen Front meldet Gibös, daß der Oberbefehl sh aber tagelang nicht wußte, wo sich drei Batterien Feldartillerie befanden, ob sie noch existierten oder erobert worden waren. Erst nach drei Tagen tauchten sie an einem ganz anderen Frontabschnitt wieder auf, wo sie sich auf eigene Faust cm mehreren Nachhutkämpfen beteiligt hatten.
Ins Laufen gebracht.
W. T.-B. Bertin, 2. April. Ein gefangener Engländer ichildert das Gefecht in dem sogenannten Niemandland der Sommegegend folgendermaßen: Als der deutsche Angriff begann, erwarteten wir T>r n k s zu unserer Unterstützung. Sie kamen jedoch nicht, da sie durch einen deutschen Feuerüberfall znsammengeschoffen waren. Nun zwang uns der Feind, schrittweise unter schweren Verlusten zurückzugehen. Wir verloren dabei unsere Maschinengewehre und Geschütze. Wir wollten Befehle vom Brigadestabsguartier erbitten, aber dies war nicht zu finden, da cS alle 8 Minuten seinen Standort wechselte. So haben uns die Deutschen schließlich ins Laufen gebracht. Unsere Verluste waren furchtbar. Ein englischer Stabsoffizier gab vor allem seiner Verwunderung Ausdruck über das unerhört schnelle Nachziehen der deutschen Artillerie. Während die Engländer selbst ihre großkalibrigen Geschütze unter größten Schwierigkeiten zurückgefnhrt und dabei einen beträchtlichen Teil derselben an die Deutschen verloren hätten, sei die deuffche schwere Artillerie an allen Punkten des Angriffsseldes aufgetaucht und habe damit die englische Führung völlig überrascht.
Die Ausbrütung des amerik. Truppenhilfe- Eis im Gehäuse des aallistden Hahns.
W. T.-B. London, 2. April. (Drähtbericht. Reuter.) Als Ergebnis eines Meinung Sa ustauschs zwischen dem englischen Premiertninister und dem Präsidenten Wilson, von Erörterungen zwischen dem Kriegssekretär Beker, der vor einigen Tagen London besuchte, und Lloyd George, Balsour und Lord Derby, sowie von Beratungen in Frankreich, an denen General Pershing und der ständige militärische Vertreter l>cr Vereinigten Staaten !beim Obersten Kriegsrat General Bli ß tctlgenvmmen hatten, ist man zu wichtigen Entschließungen gekom men, kraft deren starkeStreitkräfte ausgebÄdeter Leute der amerikanischen Armee zur Unterstützung der Alliierten inden gegenwärtigen Kchmpfen verwendet werden sollen. Die Regierung unseres großen Alliierten im Wösten wird während der kommenden gefährlichen Akouate nicht nur eine große Anzahl amerikanischer Bataillone nach Europa senden, sondern willigte auch darin ein, daß amerikanische Regimenter, welche nicht in amerikanischen Divisionen verwendet werden können, mitfranzösischen und englischen Truppenteilen zu Brigaden vereinigt werden sollen, so lange die dringende Notwendigkeit dazu besteht. Aus diese Weife sollen Truppen, die noch nicht avsgeibildet sind, um als Divisionen und Armeekorps zu kämpfen, Teile von voll ausgebildeten Divisionen bilden, so bange, bis sie ihre Kriegsausbildung vollendet haben und General Pershing sie zur Aufbauung einer amerikanischeii Armee heranzuziehen wünscht. Die Vorkehrungen für die Überführung dieser hinzukommenden Streitkräfte wird jetzt vollendet. Bei dieser ganzen Erörterung hat Präsident W i l- s o n d a s e i f r i g st e B e st r e b e n .gezeigt, alles Mögliche zu tun, um den Alliierten beizustehen und nichts za unterlassen, wodurch er hierzu beitragen könnte. Obwohl diese Entschließung von wesentlicher Bedeutung für die Aufrecht- xnholtung der Stärke der Alliierten in den nächsten VLonatea sein wird, werden sie doch keineswegs die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen für die Aushebung frischer Truppen in der Heimat, auf die bereits hingen wiesen wurde, verhindern. Dies wird gleich jetzt erklärt, weil der Premierminister der Ansicht ist, daß die Beharrlichkeit, mit der die Vereinigten Staaten diese sofortige in der Tat un- entbehvliche Beihilfe zum Sieg -der Sache der Alliierte;! gewährt baden- cullhatün- «sn englischen Volk anerkannt wer-
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Nr. 153. . 66. Jahrgang.
(Eine neue Verwendung unserer Fliegertruppe.
Berlin,'2. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie wir hören, hat sich bei der großen Schlacht in Frankreich eine neu-' Verwendung unserer Fliegertruppe vorzüglich bewährt. Es handelt sich um F l achfli e ger, die in größere«! Verbände schwerer Flugzeuge kämpfen, die je von einem Flieger und Beobachter besetzt und mit einem beweglichen und einem festen Maschinengewehr sowie mit Handgranaten und Wursminen für den ersten Kampf, in den einzugreisen ihre Hauptaufgabe ist, ausgerüstet sind. Im Gegensatz dazu benutzen die für den Angriff auf feindliche Flugzeuge und Ballone bestinimten Jagdflieger leichte bewegliche Maschinen, die nur von einem Flieger geführt und mit zwei Maschinengewehren ausgerüstet sind.
Die Suche nach deutschen paris-ttanonen.
Br. Bern, 2. AprÄ. (Eig. Drähtbericht. zb.) Der schweizerische Preffetelegvaph meldet aus London: Obgleich ganze französische Fliegergeschwader seit Tagen den Frontbereich der Deutschen absuc^n, ist es bis heute immer noch nicht gelungen- die Srellung der weittragenden deutschen Geschütze, aus denen Paris beschossen wird, ausfind i g z u m ach e n.
5luch Dünkirchen von weittragenden Geschütze» beschoffen.
.Br. Genf, 2. April. (Eig. Drähtbericht. zb.) Seit vergangenen Samstag wird auch Dünkirchen aus weittragenden .Geschützen beschaffen. Am Samstag fielen 19 und am Sonntag 7 Granaten auf die Stadt. Fünf Personen wurden getötet.
Grauenvolles Blutbad unter cineur Leichenzug in Laon durch französische Granaten.
W. T.-B. Berlin, 2. Avril. (Drahtberlcht.) T ie Franzosen ergingen sich wegen des Zufalltreffers auf eine Kirche in der Festung Paris in maßlosen Beschimpfungen der Deutschen. Sie glauben, in diesem reinen Zufall ein willkommenes Propagandathema geftinden zu haben. Am Ostermontag beschädigten sie selber bet der Fortsetzung der Beschießung der 9 Kilometer hinter der deutsche:! Frcnt liegenden Stadt Laon mit über 300 schweren Granaten erneut die M a r t i n s k i r ch e und verschiedene Stadtviertel schwer. Ein Trauerzug von vielen Per- s fönen, die einen Mitbürger zur letzten Ruhe begleiteten, wurde vor der Kirche von den verderbenbringenden Ge- schcffen der eigenen französischen Landsleute getroffen. Sie richteten ein grauenvolles Blutbad an. Elf Leidtragende stürzten tot nieder, vier weitere französische Bürger wurden schwer verwundet. Diese vermehrt weiter die Tcdesfälle, die sich infolge der wiederholten Beschießungen französischer und belgischer Städte aus englischen und französischen Geschützen bereits zu vielen Tausenden steigerten. Die Beschießung des Leichenzuges von Laon durch die Franzosen ist ein würdiges Gegenstück zur Beschießung der Ostender Kirche durch die Engländer.
Eine berechtigte Erinnerung.
W. T.-B. Berlin, 2. April. Was unsere Feldgrauen in diesen Tagen geleistet haben, erfüllt, wie die „Tägl. Rnndsch." schreibt, die Welt mit Staunen und erschüttert die Kriegslust unserer Gegner. So erfolgreich aber auch unsere Feldgraue:: in diesen ersten Wochen waren und so dankbar wir sind und mit Beffeiung anfatmen, so sehr müssen wir uns wieder und immer wieder sagen, daß die Erfolge nur ein Anfang und keine Entscheidung sein können, .daß uns noch schwere Kämpfe bevorstehen, und daß nicht jeder Tag neue, große Ereignisse bringen kann.
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Tcr österreichisch-ungarische Gcneralstabschef über die Kriegslage.
Das „Neue Wiener Abendblatt" bringt eine Unterredung nltt dem Chef des österreichisch-ungarischen Generalstabes, Generaloberst Baron Arz, über die Weltkriegslagc: „Sie ist kür uns so gut wie noch nie", erklärte der Chef des Gene -ralftabes. „Ich weiß", sagte Baron Arz weiter, „es gibt Leute, die da glauben, der Krieg ist für uns znm großen Teile erledigt. Dieser Irrlehre kann nicht genug entgegen- getreten werden. Wir 'haben zunächst in Italien noch eir en Gegner vor uns, der wohl in der zwölften Jsonzoschlacht einen namhaften Bruckiteil seiner 70 Div'sionen verloren tat. inzwischen aber mit Hilfe der Verbündeten an Streitern und Kriegsmittel zu ersetzen wußte, was liberhaupt zu ersetzen ist. Eine ganz gewaltige Kraftprobe mit diesem unvermindert ländergierigen Feinde wird nicht ansbleiben können. Außerdem sind weite Gebiete im Südosten und Nordosten von uns besetzt, die viele Besatzungstruppen brauchen. Dazu die albanische Front, die Intervention in der befreiten Ukraine, der militärisch-wirtschaftliche Abbau der Ostfront und schließlich die selbitvecständliche Tatsache, daß Franzosen, Engländer und Ameiikaner ebenso unsere Feinde sind lvie die der Deutschen, und daß das Wort des Grafen Ezernin : „Stratzburg gleicht Triest", dauernd werktätige
Geltung behalten muß. Kurz., der Krieg dauert für uns roch fort und rardert nach wie vor die Anspannung nller Kräfte, weskalb keine Heeresleitung die Verantwortung übernehmen wird, in der entscheidenden -Kri-asphase in der Ausnutzung der Volkskraft herabzugelmi nab fl» de» gaazyl jpfc metzr «der sunöge auP Spiel M fcfc*,'
