ßlübenöer Lorbeer.
Skizze von ßetlmutb Unser.
almar (Eylittg mar noch am Nachmittage mit seinem Freunde in der Ausstellung gewesen, wo seine letzte Schöpfung, eine marmorne Monumentalstatue, „Die Erwartung", im Saale der Skulpturen stand. Daß seine Arbeit gut war, wußte er. Das hatte ihm auch der Akademieprofessor Eassin versichert und ihm gesagt, daß sie für die „kleine Medaille" voraeschlaaen sei.
bsjalmar Lyling fand, als er am Abend nach Lause kam, einen Brief von der Akademie vor.
Ihm wurde mitgeteilt, daß sein Werk die große goldene Medaille erhalten habe und für zehntausend Mark vom Staate angekauft sei.
Gewiß, er hatte große Hoffnungen gehabt, Träume, die jeder Künstler erlebt.
Einnral würde der Erfolg kommen müften. Und nun kam er so schnell. Außer dem Ruhm fiel ihm, dem an Entbehrung Gewöhnten, auch noch eine Summe Geldes zu.
Er schloß sich in sein Zimmer ein. Seiner Mutter wollte er gleich einen Brief schreiben, wie sie sich freuen würde!
Ja, und dann auch an Ingeborg lsely.
Er hatte eine Photographie seiner Skulptur da. Die wollte er dem Briefe beilegen.
bsjalmar Eyling schloß seinen Schreibüsch auf, wo Inges Briefe verschlossen ruhten.
Sie waren alle in Dänemark abgestempelt, in der kleinen Stadt Allinge auf Bornholm. Dort wohnte Ingcborg bsely, dort wohnte auch seine Mutter.
Es war seine Heimat, aus der die Briefe geloinmen waren.
Hjalmar las ihren ersten Brief, den sie ihm nach München gesandt hatte.
Sie schrieb ihm:
„lieber Hjalmar! Du kannst versichert sein, daß meine Gedanken oft und gern bei Dir in der Ferne sein werden, daß sie Dich auch jetzt auf Deiner Reise begleiten.
was Du mir nun in letzter Stunde gesagt hast, wird, so will ich es annehmen, dem Augenblick entsprungen sein. Du gabst mir ein versprechen, Hjalmar, das ich nicht annehme. Nicht, weil ich es nicht will, denn Du bist der einzige Mann, der meinem Leben etwas bedeutete. Aber weil ich es nicht kann. Künstler sollen frei sein! Und so habe ich Dich als einen Freien wandern lassen, nicht ohne Deine Träume im Herzen zu behalten. So sagtest Du: wenn ich einmal ein berühmter Mann bin, Inge, dann baue ich mir in der Einsamkeit Bornholmr mein eigenes Haus. Hart
(Nact'dr»ck verboten.)
an der Küste Heligdommens soll es liegen, und seine Fenster sollen aufs Meer hinausschauen, wo in der Ferne die schwedische Küste blaut und zur Nacht das Blinkfeuer von Thristiansö herübergrüßt, wie schön dieser Traum ist!
Und in diesem Hause, so sagtest Du weiter, sollte ich bei Dir sein, nicht als eine Freundin nur, die Dich kennt und die Deine Pläne unterstützt, sondern als Dein Weib. Meine Liebe wolltest Du, Hjalmar Evling Ich bin Dir dankbar für alles, das Du mir gabst und in jungen Gedanken mir noch schenken willst, wenn Du einmal das Leben kennen lerntest, wenn Erfolge Deine Pläne und Deine Arbeit krönen und dann Deine Gefühle für mich noch die gleichen sind, dann komme. Sollte aber eine andere Frau in Deine Tage treten, deren Liebe Dir begehrenswerter erscheint, so handle als einer, der keine Verpflichtungen hat.
Ingeborg Hely."
Seit diesem Briefe hatte ihm das Mädchen nur kurze Grüße gesandt und nie wieder etwas von ihren Träumen erwähnt.
Sechs Jahre lang war Hjalmar in der Freurde. Ein niegekannter Scl^affensdrang ließ ihn unermüdlich arbeiten, bis er an seinen Werken Fortschritte bemerken konnte.
In Hjalmar Evling reifte ein schönes Bild. Er wollte eine Frauengestalt modellieren, deren Modell in seinem Herzen lebte.
„Erwartung" nannte er sein Werk.
Ein junges Mädchen voller Erwartung, das am Strande steht und über das Meer hinausblickt, ob rin Sckifflein, dessen Heimkehr es ersehnt, immer noch nicht zwischen den Wellen auftaucht.
Mit flatternden Nöcken und fest an den Körper gepreßtem Kleide stand der junge, biegsame Körper gegen den heranbrausenden wind an. die Arme waren erhoben und die Hände hielten die Fülle des Haares, das sich zu lösen begann. Die Gesichtszüge waren scharf heraus- geardeitet und von weichem Schimmer. Keiner kannte das Gesicht, nur er!
So hatte Ingeborg Hely gestanden, als der dänische Dampfer von Ällinge die Anker lichtete und nach Deutschland fuhr.
Und fiir diese Statue hatten sie ihm die goldene Medaille verliehen!
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Daß dies alles Wahrheit war, merkte Gjalmar am nächsten Morgen. Die Zeittmg brachte eine größere Notiz und lobte die Schönheit des Werkes.
Gegen Mittag ließ sich Eassin melden.
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