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Sonntag» 31. März 1918.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 151. . 66. Jahrgang.
^ Wegen des Osterfestes erscheint die nächste „Tagblatt"-Ausgabe am Dienstagnachmittag.
Deutsche Ostern 1918.
Der 21. März des Jahres 1918 wird in der Geschichte Deutschlands) fortleben als der Tag, an dem der Winter unserer Bedrohung durch die Feindschaft fast der ganzen
Welt der gtorreichenSonneGermaniens nncks. ,Frühlingsanfang in der Natur und Lenzesgewitzheit statt langer Gedrücktheit bei allen Kündern der Notwendigkeit: ein deutscher Frieden auch im Westen! Kalendermäßig zu Ende die harte Fest, in der uns lcor und Blütenträume nichts an der Herrschaft Vegetation, i licher Gewalten ändern konnten — vorubel ober auch mit einem Mal alle Qual des Zweifels, ob esHi n d e t> bürg gelingen würde, in Frankreich den großen -^ckstag zu führen, der uns das Heil der Erlösung von England Druck für alle Zukunft brächte!
Genau aus den Tag und auf die Stunde, die unsere anvcrgleichlickfe Heeresleitung schon zu Anfang ^ebruar festgesetzt hatte, begann die große Offen,we gegen dw Front der Briten und Franzosen, und ihr Verlauf war glanzvoll. Was deren dreifache Übermacht mit allem m- folge der Mitarbeit Amerikas und.Japans m uberivallr- gonder Fülle vorhandenen Übermatecml niemals der den Angrisfshandlungen gegen unsere eigenen Stellun- gen in Flandern und an der Somme und Maas zuwege brachte, so oft auch während der Dauer von orei Jahren die eiserne Mauer unserer Feldgrauen gigantischen Zerreißproben unterworfen wurde — Hindc,wuig und Ludendorff schafften es, che drei Tage zu Ende
waren: den D u r ch b r u ch d u r ch d i e f e l n d l i ch e n
Linien. Sie schafften es, nachdem sie erst im Osten des deutschen Schwertes Schärfe so meisterlich den Russen und Rumänen gegenüber gchandhabt hatten,, das; ein unseren gereckten Ansprüchen angepaßter Frieden don ^-blüht war. Sic schafften es nachdem sie so m die r?age gekonimen waren, endlich die ganze Kraft des deut schen Volkes, statt sie auf mehrere Fronten zuni Derlei üigungskampf gegen das Riesenaufgebot der Entente verteilen zu müssen, lediglich nnd allein gegen die Front unserer zähesten Feinde, der Briten und Yranzoien wir- ken zu lassen. Seit dem Frieden von Drcst-Lftowsk war es möglich, im Westen mit einer Truppenstärke aufzu- treten, die zum wenigsten den Feinden dort sede numerr sche Überlegenheit nahm, und auch Kriegsmaterial stand Hindenburg jetzt dort so reichlich zur Verfügung daß wir sogar im Vorteil waren, zumal da einige Überraschungen in Bereitschaft standen: Gasbomben von un geheurer Wirksamkeit, Sturmwagen. die weitaus Besseres als die englischen Tanks zu leisten rmstande waren, und endlich die Wunderkanone von 120 Kilometer Tragweite.
Aber hatten die Engländer imd Franzosen ihre Sieb lungen nicht mit allen Mitteln der Kriegstechnft so stark befestigt, daß sie eher des Himmels Einsturz befurchter hätten als erfolgreiche Ausführung eures Srndenbury- schen Durchbruchsplans? Durften sie nicht, hoffen. d,e Jnitioffve zur Umwandlung des Stellungskriegs auf der » 650 Kilometer langen Front von der Nordsee bis an die Grenzen der Schweiz in einen neuen Bewegungs- krieg, und zwar in einem sie zu Paaren treibenden Be- wegungskrieg werde uns nur um unangenehme Erfahrungen reicher machen? Ihrer wiederholten initiative war doch der gleiche Versuch m ent- gegengesetzter Richtung trop weitaus größerer Aus- sichten mißglückt. Gewiß versahen ne sich von Hindenbnrg eines schweren Schlags, aber daß er so au-,- fallen würde, wie es zwischen Frühlingsanfang und Ostermorgen geschehen ist, das konnten sie nicht an- nehmen. Auch wir in Deutschland, die wir seit dem gesegneten 21. März bis heute in den monumentalen Berichten unserer Heeresleitung eine tagtäglich starker sprudelnde Quelle des Jubels und der Begeisterung tranken, können des Staunens kein Ende finden. Die Taten unserer Heere sind dank genialer Führung so gewaltig, daß in der ganzen Menschheitsgeschichte Ahn- /liches nirgends aufweisbar ist. Mit unserem Stolz auf den leuchtenden Glanz dieser R u h m e s t a g e u nser e s V o l k e s verbindet sich der heiße Dank für die Tapferen, die ihr Leben für nichts achten, inu dem ge- liebten Vaterland einen unangreisharen Platz an der Sonne einen unftrer nationalen Wohlfahrt in Gegenwart und Zukunft förderlichen Frieden zu erkämpfen ÖsterlicherFrend-tzöffnenw i r w e i t u n , e r,
Herzen, dürfen wir setzt dock sicher sein, daß die Nie derzwingiing des verblendeten Frankreichs, dessen Wahn sinniges Trachten nach Elsaß-Lotbringen und nach dem linken Rheinufer eine Hauvtursache der Kriegsverlan- gerung ist, und daß die Niederzwingung unseres tückisch fU« und stärksten Feindes, Englands, nur noch eine
Frage kurzer Zeit sein wird. Ist es die Auferstehung des vegetativen Lebens, der nach altqermanffcher Aus- fassunq das Fest der Ostern gilt, ist andererseits Ostern ein christliches Fest, mit dem der Auserstehung des Gottessohns gedacht wird, so können wir Deutsche heule gleichzeitig noch ein Fest der Auferstehung insofern feiern, als in uns der Glaube an die kraft deui- schen Friedens glückliche Zukunft unseres Volkes wieder lebendig geworden ist.
Dabei erhebt sich vor unseren Augen neben den Großen, die in der kriegsducchtodten Gegenwart unsere Erretter von unerhörten! Feindesdrnck sind, auch die Gestalt des Titanen, der Deutschland in den Sattel gesetzt hat: Bismarcks! Der Zufall fugt cs. baß auf den zweiten diesjährigen Ostertag sein Gevurtstag fallt, und da wir vor drei Jahren, von den Flammen de-o Weltkriegs grauenhaft nmloht, uns den Wunsch versagen mußten, den hundertsten Geburtstag des Reichs- schmiedes und treuen Eckards Deutschlands als -nationales Jubiläum zu begehen, so ziehe durch das Tor der Osterfreude, das Hind-mburq uns aufgetan hat, auch die starke Freude, daß Bismarck, der Gewaltige, uns lebte!
Möge i m Gei st e der Politik, die er, der
hoheMeister. demAuslandaegenuberfur
richtig hieltund dieerbei drei Friedens- s ch l ü s s e n z u r G e l t u n g b r a ch t e, bis Durchsetzung unserer Interessen in den noch ausstehcnden Friedensverträgen bewirkt werden.! Möge dies insbesondere bei den Zlbmachungen geschehen, zu denen Engl an d gezwungen werden muß! Nicht nur die. Freiheit der Meere und die Sicherheit unseres uneingeschränkten Handelsverkehrs auf allen Märkten der Welt mutz ihm abgerungen werden, sondern auch die Zurückgabe unserer Kolonien und die Räumung der Gebiete, die es unserem türkischen Bund"sgenoisen weggenommen hat. Lasse unsere Regierung sich nicht von den, Bismarckschen Standpunkt abdrängen, daß 4s unangänqig ist, „me Errungenschaften des preußischen Schwertes mit freigebiger Hand wegzugeben, um die Nimmersatten Anforderungen eines Phantoms zu befriedigen, welches unter dem fingierten Namen Zeitgeist und öffentliche Meinung die Vernunft der FMtbn und Volker mit seinem Geschrei betäubt". Andererseits seien d,e gar zu ausschweifenden Kriegszielpolitiker auf das Bismarck- Wort aufmerksam gemacht, daß man sich mit Recht um so schwerer entschließe zu einer Ausbeutung des Sieas, die nicht mehr den Cliarakter des Muts, sondern der Waghalsigkeit trage. — je größer die g es i ch er t t n Erfolge schon seien. „Die Gegenwart ordnen mit dem Blick auf die Zukunft, und zwar auf die ferne Zu- knnft, wie sie sich geschichtlicher Einsicht darstellt. Mäßig, keit üben, wo sie znr Dauer führt, aber auch entschlossen zngreifen, wo nur die starke Hand die Nachkommen davor sichern kann, die Erfabrnnaen wiederholen j;u müssen, die uns nicht erspart geblieben sind" — das wäre die Haltung, die Bismarck als Lenker der auswärtigen Politik Denffchlands in unserer qegenwa-t'^eA Lage emnehrnen würde. So meint Dietrich Schäfer, der hervorragende Geschichtschreiber, in seinem Wunder- vollen, bei Reimar Hobbing in Berlin erschienenen Bismgrck-Werk. Ein Buch, das in keinem deutschen Hanse fehlen sollte. „B i s m a r ck. E i n V i l d s e i n e s Lebens und Schaffens" ist es betitelt. Zwei schöne Foliobände mit 18 entzückenden Tertz-nchnimaen von Artur Kampf und 16 Tafeln in Kunstlichtdrnck. In gedrängter, aber außerordentlich lichtvoller Darstellung rollt üch da als Ergebnis sorglichsten Quellenstudiums. wobei auch Bismarcks Briefe nicht zu kurz gekommen sind, eine solche Fülle politischer Weisheit vor uns auf nnd ein solch erauickender Genuß wird uns mittels d->r künstlerischen Formung des ganzen gewalti- aen Stoffs beschert, daß wir uns dieftr einzig schönen Gabe nicht genug freuen können. Die Bismarck-Zitate, die weiter oben angeführt sind, können auf Sette lOo deS ersten Bandes nnd auf S-ite 6 des zweiten Randes, in den Rahmen blendender biographischer Stoffbehand luna gestellt, nackaeleten werden.
Wenn beute die Osterglocken kftnaen, io 'aqt uns ibr Geläut nicht nur, daß das Fest der Auferstehung Ebristi anaobrachen ist. sondern es tönt uns auch das Froh socken über Denffchlands Emparsteiaen ans der Grabes nacht der Soraen um die nationale Wohffabrt daraus entaeann Wiederaifferstanden ist der ante Genius nn- sores Volkes, der an das Kreuz aeichlaaen v'ar. Nun wird er ewig ("den. und mit der Zeit wird sich fne aan-e wwt dem GWi-K-n nnterwerien. daß 'ein strahlendes Hessin eine Heilstoffoch" nicht nur ffir nnffr eiaen.'s Roff sondern ein ^>"ck ffir das Mem'chenacschlecht ist. In diesem «Sinne Ostern feiernd, empfinden wir die volle herrliche Dabrbeit des Liedes:
O btt frnbttcbe
C tu felipe,
©uabadn.ingettbö Osterztttt
Dr. Karl Sturm.
vie Ergebnisse der erstenUampfwoche.
IV. 1.-8. Berlin, 30. März. (Drahtbericht.) Der Kriegsberichterstatter des „L.-A.", R-sner, schreibt zusammenfassend über die Ergebnlffe der ersten Kamvfwoche:. Sie brachte uns Erfolge, die beispiellos in ihrer Größe und unschätzbar tu ihren Auswirkungen in der Entwicklung der Kriegslage stno. Tausende von Quadratkilometer Landes sind dem Geaner aus einem Abschnitt, den er für unangrepbar hielt, gerissen worden, H u n d e r t t a u s e n d e seiner Kämpfer gingen ihm verloren und Mrllkonen- werte mutzte er als Beute in unseren Händen lassen.
Bis in die tiefsten Grundfesten ist seine Stellung erzchnttert.
Wir holen unter der Führung unseres Kaisers und seiner beiden militärischen Paladine mit der gesamten Kraft dc. hcutschen BolkSheeres. das diesen Führern mit Begeisterung felgt, zu neuen Schlägen ans.
*
ver Umfang der englischen Niederlage.
Der Kaiser auf dem Schlachtscldc.
Bon unserem Kci:gsberichterstatter.
Eambrai-Front, 26. März, (zb.)
Wie groß sich nach dem fiinften Schlachttag schonet«- Umfang unseres Sieges darstellt, geht aus folgenden ts est- stellungen h-cvor: Es sind bisher im ganzen 3 7 englische Divisionen geschlagen, davon viele so, daß ihre Trümmer eilig aus dem Kampfe gezogen werden mutzten. Am Angriffstuge hielten die jetzt d u r ch b r o ch e n e F r o n t im ganzen 18 englische Divisionen. Das läßt errneisen, auf welchen Widerstund der erste deutsche Anprall, den alle Ge- fanaenen als „furchtbar" bezeichnen, gestoßen ist. Die gißten Kräfte traten gegenüber der Armee Hutier auf, wo nach den sechs ursprünglich hier eingesetzten englischen Dlvisronen ruck! iveuigec uls vier weitere englische und vier französische Infanteriedivisionen sowie eine französische Kavallcriedtvision vor geblich das Schicksal ^r Tchlacht zn wenden versuchten. Sowohl unter den ursprünglichen wie unter den nachträglut» eilig in den Kampf geworfenen Divisionen befinden sich solch-' der En-'läuder und Franzosen, die während des ganzen Feld -uges ihren Ruhm als hervorragende Angriffsdivriionen bestätigt haben. Die geschlagenen 37 Divisionen stellen mehr als die tzäkste des in Frankreich befindlichen englischen Heeres- - dar. Ein großer Teil der übrigen Hälfte hält die englische Front im ArtoiS und in Flandern. Die französischen Divisionen gehören zu der vielgenannten ..Operationsarmee", deren Heranbringen durch deutsche Flregertütigkeit erheblich gestört ist.
Der Kaiser weilt täglich auf dem Schlachtfeld. Englische Gefangene, die ihn erkennen, grüßen rbn respektvoll. Der Kaiser hat wiederholt einzelne von ihnen. Mannschaften und Offiziere, angesprochen und seiner Anerkennung für die tapfere Haltung der feindlichen Truppen gelegentlich Ausdruck gegeben. Hellen Jubel lost das Erscheinen des Obersten Kriegsherrn überall bei den deutschen Kämpfern aus. Der Kaiser hat. wo ihn sein Weg au Lazaretten ans dem Schlachtfelde vorbeifiihrt, diese besucht und das Verhältnis der Verwundeten zu ihrem Landesvater äußert sich hierbei in oft rühr-nder und erhebender Weife. Besonders an der Pflege der Schwerverwundoten nimmt der Kaiser innigen Anteil und sucht überall, wo er Leiden sieht, in väterlicher Liebe zu trösten.
W. Scheuermann. Kriegsberichterstatter.
Im klpgriff Fortschritte.
Der Kbendbericht vom 30. März.
IV. T.-8. Berlin, 30. Marz, abends. (Amtlich. Drahr- bcrichi.) Zwischen Somme und Oise machten wir im Angriff Fortschritte. ___
Der wert der Initiative der rtriegführung.
Br. Berlin, 30. März. (Eip. Drahtbericbt. zb.) Mau weist in militärischen Kreisen besonders darauf hin, daß s e i t d e m 2 1. M ä r z die Initiative der Krregfuhruilg wieder völlig an Deutschland übergegangen sei. Die großen Pläne der Gegner, durch Offensiven in der Champagne oder in Flandern das deutsche Heer zu vernichten, klingt heute wie ein Märchen. Die Beihilfe, durch Schaffung eines glänzend auSgebauten Eisenbahnnetzes die schnelle Beweglichkeit ihrer Reserven zu sichern, kommt jetzt bei dem Transport unserer Truppen, uns zugute. Den Zeitpunkt des Einsatzes ihrer Manövrierarmee haben w i r bestimmt. Auch der O r t ihr-r Anwendung wird von der deutschen Heeresleitung festgesetzt. Viele feindliche Reservedioisionen sind allem Anscheine nach auf der Etappe nach deni Norden im Elsaß und Artois festgehalten worden. Das ist eine Folge der dort sehr lebbaftcn deutschen Tätigkeit, die vielleicht zu größeren Aktionen sich ausdehnen könne. Selbst auf die italienische Front übe man vom deutschen Haupt- quartier aus Einfluß aus. Die Nervosität, die sich bei Verteilung der feindlichen Truppen in Italien bemerk bar mache, ist daraus zurückzuführen, daß man. einen ö st e r r e i ch i s ch e n Angriff befürchtet, dejjen Vor- brechen in der Tat nicht unwah rscher nlrch iec. „
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