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Berliner Abteilung beS Wiesbadener Tagblatts: Berlin ff,, Patsdamer Etr. 121 K. Fernsprecher: Amt Lirtzow 6202 und 6203.

Donnerstag» 28. März 1918.

6bend-5lusgabe.

Nr. 148. . 66. Jahrgang.

Neils in Mür!

weist die oft bewährte Überlegenheit unserer alten Meister dsS

Der votftoh von §t. Buentin aus HO km tief.

Der Bewegungskrieg auf seit 1914 unberührtem Boden.

Fortschritte auch nördlich von Albert.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 28. März. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Auf dem Schlachtfeld in Frankreich führte der Engländer erneut frische, aus anderen Fronten herausgczogene Divisionen unseren Truppen entgegen.

Nordwestlich von Bapaume warfen wir den Feind aus alten Trichter st ellungcn auf B u c q n o i und Hebuterne. Mit besonderer Zähigkeit kämpfte der Feind vergeblich um die Wiedererobernng von Albert. Starke, von Panzerwagen begleitete Angriffe brachen in den Hängen der der Stadt westlich vorgelagerten Höhen blutig zusammen.

Südlich von der Somme bahnten sich unsere Divisionen an vielen Stellen den Weg durch alte feindliche Stellungen und warfen Engländer und Franzosen auf das seit 1914 vom Krieg unberührt gebliebene Gebiet Frank­reichs zurück.

Die siegreichen Trupppen des deutschen Kronprinzen haben in unaufhaltsamen Angriffen von St. Quentin über die Somme die ieindlichcn Stellungen in 00 Kilometer Tiefe eingestoßen.

Sie drangen gestern bis P i e r r e p o n t vor und haben Montdidier genoinmen.

Unsere Verluste halten sich in normalen Grenzen; an einzelnen Brennpunkten sind sie schwerer. Die Zahl dev Leichtverwundeten wird ans 60 bis 70 v. H. aller Berlufte geschätzt.

An der lothringischen Front nahmen die Artillerie- kämpfe an Stärke zu.

Nittmeistcr Frhr. v. Richthofen errang seinen 71., 72. und 73. Luftsieg. *

Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff, s

Amiens und Tompidgne von der Zivilbevölkerung geräumt.

Br. Genf, 28. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Wie

der „Corriere della Sera" aus Paris meldet, wird die Zivilbevölkerung aus Amiens und Cornpidgne fortgeschafft, um die Stadt ausschließlich für die mili­tärische Verteidigung bereit zu stellen.

Die grotze Bedeutung von klmiens für die Engländer.

Br. Berlin, 27. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die Londoner „Morning Post" und „Daily Telegraph" melden von der Westfront: Der deutsche Stotz richtet sich direkt gegen Amiens, das die Engländer nicht aufgeben dürften, wenn sie den Deutschen nicht den Weg nach dem Meere freigeben wollten. Um Amiens seien die s ch w e r st e n Kampfe zu erwar­ten. Nach Auffassung der Militärsachoerständigezr sei Amiens Stütz- und Angelpunkt der englrschen Stellungen in Frankreich.

Die Uopf- und Sqstemlosigkeit der englischen Führung.

W. T.-B. Berlin, 27. März. Ein höherer General­stabsoffizier berichtet von der großen Kampffront: „Die Prophezeiung derer, die behaupteten, es bedürfe nur der Erstürmung des ersten englischen Grabensystems, um die ganze englischeFührungrn Verwirrung zu stürzen, hat sich nicht nur vom ersten bis zunr drit­ten Gesechtstage, sondern auch im ganzen Verlauf der jüngsten Operationen glänzend bewährt. Die drohende Katastrophe, welche die englische Armee an­scheinend besonders aus englischer Richtung über Bapaume befürchtete, veranlaßt die feindliche Führung, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse an den anderen Fron­ten, in einem köpf- und systemlosen Ent­gegenwerfen aller verfügbaren und herankonimen- den Divisionen die Deutschen aufzuhalten. Wenn sie hierdurch an dem einen oder dem anderen Punkte eine Verzögerung des deutschen Angriffs erzielen konnte, so brach an anderen Stellen der.englische Widerstand um so rascher, und zwar niit progressiver Schnelligkeit zii- saimnen. Nicht einma! hinter den ftä»rfteu Fluß- abfchnitten, wie der Soimne, gelang es den Engländern, ? meaab 2&ha&#nt> m leisten. Maurer wieder

wurden ihre Linien durchbrochen, immer systemloser wurde die Führung, . immer schleuniger wurde der Rü ckzu g. Die Beute mutzte sich nach Zahl und Material ins Ungeheure steigern. Leichenfelder, wie sie nach Augenzeugenberichten auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen kann: jemals dem Auge sich darboten, bezeichnen die Orte des energi­schen feindlichen Widerstandes oder die Stellen, wo die englischen. Truppen, von allen Seiten umfaßt, der Ver­nichtung nnheimfielen. Die Zahl der er ob ersten Geschütze übertrisft nach vorläufiger Schätzung die bisher in freien Feldschlachten erreichte H ö ch st­ziffer. Das stolze englische Heer, das unter der Führung seines vielgepriesenen Oberfeldherrn schon im Sommer 1917 in Brüssel einzuziehen gedacht^, ist heute mit großm Teilen im Rückzug."

dem kraftvollen deutschen Stieben entgegen!

Goldene Worte Hindenburgs.

11'. T.-B. Berlin, 27. März. Reichskanzler Dr. Gras v. H e r t l i n g hat nach dem großen deutschen Siege im Westen an den Generalfeldmarschall v. H i n d e n b u r g folgende Depesche geschickt:

Voll aufrichtiger Bewunderung für die herrlichen Taten unseres Heeres unter Eurer E^ellcnz und Ihres ersten Generalquartiermeisters bewährter Leiymg begrützje sch mit freudiger Genugtuung die Verleihung des höchsten mili­tärischen Ehrenzeichens an Eure Exzellenz und die so ver­diente Auszeichnung Ihrer Mitarbeiter. Mit mit freut sich das ganze deutsche Volk, das mit einem so berechtig­ten Vertrauen auf Eure Exzellenz blickt und weiß, daß, ioo Hindenburg und Ludendorff führen, der Siea eine Notwendigkeit ist. Hertling.

Genevalfeldmarschall v. Hindenburg ließ dem Reichskanzler daraufhin folgende Antwort zugehen:

Eurer Exzellenz sage ich für die freundlichen Worte» die Eure Exzellenz anläßlich des Sieges über das englische Heer an mich zu richten die Güte hatten, tief enipfundenen Tank. Im Vertrauen auf unsere herrlichen Truppen habe» wir den große» Schlag gewagt. Stolz darauf, unter Führung und unter den Augen ihres obersten Kriegsherrn zu fechten, schlagen sie sich über alles Lob erhaben, jedermann erfüllt von dem Bewußtsein, daß cS um die Zukunft des geliebten Vater­landes geht. Das Heer wird nicht Nachlassen» bis es mit Gottes Hilfe der Heimat den ganzen Sieg cikämpft hat, den sic als Grundlage ihrer auf einen kraft­vollen deutschen Frieden gestützten Zukunft braucht. p. Hindenburg.

Diese Worte Hindenburgs 'ind eine Osterbotschaft, deren bedeutungsvollen gewaltigen Inhalt das ganze deutsche Volk mit Hellem Jubel ausnehinen wird.

Die glänzende Betätigung der deutschen Luftftreitkräfte.

Bombenangriffe auf Talais und Dünkirchen.

W. T.-B. Berlin, 27. März. An den siegreicheII Großkampftagen der Schlacht zwischen Arras und La Je re haben unsere gesamten Luststreitkräfte ■ hervor­ragenden Anteil. Während der Vorbereitungen für die Durchbruchsschlacht trugen unsere Flugzeugbeobachter, aller feindlichen Gegenwirkung die Stirne bietend, ihre Auf­klärunglückenlos bis weit ins Hinterland des Feindes. Das Netz seiner rückwärtigen Stellungen war im Lichtbilo festgelegt, der Verkehr auf Bahnen und Straßen p e i n l i ch st überwacht und so der ,deutschen Führung, die Gewißheit verschafft, daß der Gegner von dem unmittelbar beborstehen- den Stotz keine Kenntnis hatte. Die eigene Infanterie war durch Lichtbilder über jede Einzelheit der zu erstürmende:: Kampfstellung des Gegners, über jedes Maschinengewehrnest und jckdcn Minenwerserstand unterrichtet. Eigene I a g d - streitkräfte hatten diese gefahrvolle Tätigkeit der Beobachter geschützt und den feindlichen Luftstreitkrär- ten den «Einblick in unsere Vorbereitungen durch rücksichts­losen Mgriff erfolgreich verwehrt. Ms am 21. März der Nebel, der in den Morgenstunden jede Flugtätigkeit aus schloß, sich verzog, zeigten die gesamten Luftstreitckräfte den gleiche:: n nüb e rw i nbI ich en A ngr i ffs gei st ime die auf dem Schlachtfeld vorstürmende Truppe. Die Jagdstreitkräste be­haupteten ihre u nbe dingt e Ü Verlegenheit • .in' der Luft Sie schossen am ersten Angrtffstag allein 6 Fessel­ballone ab uni) krachten im Verlauf der weiteren Lkampftage bisher 03 Flugzeuge zum Absturz. Der 67. und 66 . LwWeg deS Rittmeisters Nrarhemm v. Richthofen de, ‘

Lustkampfes. Drei Mschüsse des Leutnants Windisch an einem Tage zeigen, Latz auch ^>er Nachwuchs an Leistungen nicht nachsteht. Starke Schlachtgeschwader begleiten, das erbitterte Feuer der feindlichen Maschinengewehre nicht achtend, in ganz geringer Höhe die stürmende Infan­terie. Sie brachten feuernde feindliche Batterien durch Wurf- minen, Bomben und Maschinengewehrfeuer zum «Schweigen und rissen an den Hauptbrcnnpunkten des Kampfes die stür­mende Truppe über die letzte feindliche Gegenwirkung nach, griffen die heraneilenden Kolonnen des Gegners aus 80 Dieter Höhe an, zersprengten sie vor ihrem Eingreifen und brachten Verwirrung und Schrecker^in den Rückzug des Gegners. Wäh­renddessen waren unsere Beobachter im Flugzeug und Ballon schon wieder tätig, die neuen Artilleriestellungen des Feindes zu erkunden und sofort der Wirkung unseres eigenen, wrhlgezielten Feuers auszuliefern. Erkundungsflüge vo:: über 1000 Kilometer Länge über die feindlichen Bahnen bis zu den Häfen des Kan als enthüllten die Gegen matznahmen des schwer getroffenen Feindes.

Unsere Ballone leisteten der Führung wie der Truppe ganz besondere Dienste. Der 21. Mänz wind in ihrer Ge­schichte ein ganz besonderer Ehrentag bleiben. Von frischem Drairgnachvorwärts beseelt, folgten sie der Infanterie dichtauf im Hochtransport. Trotz des schnellen Geländegewinns blieben die Ballonbeobachter so in der Lage, ununterbroctmi! die Stellungen der eigenen Truppe und die Kernpunkte des feindlichen Widerstands der Führung zu melden. Trotz aller feindlichen Gegenwehr — auf einen Ballonzug allein werden an einem Tag 50 Fliegerbomben geworfen — verloren inir während der bisherigen Schlachttage nur 2 Ballone. Auch die Flugabwehrkanonen beteiligten sich vom ersten An­griffstag an im Marsche Kraftwagengeschütze felgten unmittel­bar .der «stürmenden Truppe und sicherten im .eroberten Ge­lände Flugzeug- und Ballonbeobachter. Unsere Bombe:i- geschwader griffen in den Nächten vor und zwischen den Schlachttagen Bahnknotenpunkte hinter der feindlichen Front trotz des teilweise ungünstigen Wetters in großem Matzstab mit Bcmben an.

Auch die englischen Hafenorte Calais und Dün­kirchen wurden mit 10650 Kilogramm Bomb en be­legt. Bon besonderer Bedeutung ist ein Angriff guf eine Haupterfenbahn-inie hinter der Schlachtfronft der, aus ganz geringer Hohe, 36 Kilometer hinter der Front ausgeführt, be­sonders gute Erfolge zeigte. Im ganzen wunden von den Bombengeschwadern in den vier Nächten 13*2666 Kilo­gramm Bomben geworfen.

*

Das halbe englische Heer betroffen.

Br. Berlin, 2S. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) In der „Boss. Ztg." schreibt der Kriegsberichterstatter Max Osborn von der E a m b r a i - Front: Wie ich von matzgebender Stelle höre, beträgt die Zahl der bisher von uns angegriffenen und im Verlaufe des hin- und hecwogmden Kampfes geschlagenen englischen Divisionen nicht weniger als 3 7. Sie ist also seit drei Tagen um ein Beträchtliches gewachsen. Über die HälftedeSgesamte n englischen Heeres in Frankreich ist damit in den Strudel hineingerissen und es ist ioohl zu bemerken, datz der übrige Teil der englischen. Armee hauptsächlich aus den Kontingenten besteht, die an die nicht angegriffenen Frontabschnitte gebunden sind. Drei Divisionen unter 37 kann man als besonders gute und bewährte Truppenkörper bezeichnen. Von den französi­schen Trupven sind bisher vier Infanterie-Divisionen und eine Kavalleoiedivision in die Schlacht verwickelt. Auch diese sind hervorragender Qualität. Namentlich drei der Infanteriedivisionen galten immer schon als Angriffs- material ersten Ranges. Auch sie wurden voll­ständig geschlagen.

Das Sommetal ein englikcher Kirchhof.

W. T.-B. Berlin, 27. Mörz. Das alte Somme­schlachtfeld mit seinen zerstörten Städten, aufge­rissenen Straßen, unzähligen Stellungen, Graben­systemen, Drahtverhauen und Ruinendörfern liegt im Rücken der deutschen Angriffstruppen. Vor ihnen drei- tet sich französisches Land, das bisher von der Kriegs­furie verschont blieb. Anders heute! Gleich Fanalen lodern an vielen Stellen rote Brände zum Himmel empor. Durch besondere Kavalleriekommandos lassen die Engländer Wohnstätten und Flu renihrerBundesgenossenver wüsten, angeblich uin den deutschen Vormarsch zu he,innen, -den gleichwohl sieben Tage lang weder Kanäle, Flüsse oder versumpfte Trichterzonen noch stärkste englische Befesti­gungen aufhalten konnten. Bereits liegen öie^wichtig- fieii englischen Bahnzentren und Stapelplätze, üt. Pol und Doilllens unter schwerem deutschen Ftzrn- feuer. Mit reichlich erbeutetem englische Pjcmivp.