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Verlag Langgasse 21

„TagbialidauS".

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Donnerstag, 28. März 1918.

Einzelheiten zur vnrchbrnchrschlacht.

Von unserem Krirgsberichterstattsr.

Auf dem Schlachtfeld, 23. März.

Auf dem Südflügel der gewiltigm Schlacht, bei den Truppen des Generals v. H n t i e r. wo ich mich eben befinde, bezeichnen folgende Linien den Beginn der weltgeschichtlichen Schlacht: In den feindlichen ersten Linien leistete der Eng­länder am Mor,st.n des 21. März infolge der hervorragenden Wirkung unserer Artillerie- und Minenbeschießung nur noch schwachen Widerstand. Dieser verstärkte sich aber beträchtlich, als w»c mittags die sogenannte Artilleric-Schrtzstellung bei U r v' l I e r s erreichten. Letzterer stark ansgeba'ite Stütz­punkt wurde von Westprentzen und Bayern erstürmt. Um 4 Uhr nachmittags war die zweite englische Stellung Maissemy-Ostrand des sehr zäh verteidigten H o l - nonwakdes - Savh - Roupy teils erreicht, teils schon eingebrochen, doch leistete der Feind an einzelnen Stellen erbitterten Widerstand, wobei llnsere Panzersturmwagen den Stoßtrupvs das Vorwärtskommen gegen feindliche Maschinen- gewebrnestee sehr erleichterten. Der Holnonwald war erst am frühen Nachmittag des 22. in unseren Händen. Stark auSgebante Stützpunkte mutzten auch auf der durch die Ort­schaften Etreillers-FluquiereS-Effigny-Le Grand-Ly-Fontaine bezeichnten dritten Stellung überwunden werden. Die Be­satzung von Lh-Fontaine ergab sich erst, als der Ort schon von allen Seiten umringt war, nach tapferem Wider­stande. Wo der Feind geworfen war, wurde er sofort mit aller Kraft verfolg:, so datz er sich nicht setzen und keine Reserven heranbringen konnte. Am Abend des 22. war die feindliche dritte Stellung durchbrochen, über Seroucout-Le Ärand-Montescouct-Vendruil 'stieß unser Anqrifi den weichenden Engländern kräftig nach. Im Süden, am Drehpunkt der Angriffssront, war die bereits über- fchoemmte Oise bei La Fere überschritten und der feindliche Brückenkopf trotz starken Flanken sevors aus der südlichen, nicht angegriffenen Front erstürmt worden. Der Angriff schritt auf Tergnier vor und drohte, dem bei Remigny und südlich von Lh-Fontaine noch standhaltenden Feinde in den Rücken zu kommen, als dieser eilig abbaute und sich hinter den Erozatkanrl zurückzog. Der Über­gang über diesen wurde erzwungen, und nun war die Be­wegungsfreiheit erkämpft. Noch in der Nacht stietzen Truppen auf Ham vor, welches gestern nach erbitterten Kämpfen ge­fallen ist. Das Nebelwetter, welches sich am Vormittag des Angriffstages immer mehr verdickte, bot neben einigen Nach­teilen unserem Angriff überwiegend Nutzen. Die Infanterie und die Panzersturniwagei, kamen ungeschen bis dicht an die feindliazcn Hindernisse. Dem Feinde mir cs unmöglich, sich durch Flieger über Umfing und Richtung der deutschen Stütze zu unterrichten. Die ieindliche Artillerie, die von der unsrigen sehr niedecgchalten wurde, hatte kerne Ziele, wäh­rend unsere A ctillerie in dem ehem ils von uns besetzten und dann freiwillig geräumten Gelände auf jeden feindlichen Stühp inkt, sehen Besetz «ng übrigens vorher "genau erkundet war. vorzüglich wirken konnte. -

Die Bedeutung der gewaltigen Sieges ist jedem einzelnen deutschen Mitkämpfer bis zum letzten Kolonnenfüyrec ivohlbewutzt, und man behauptet nicht zu viel, wenn man sagt, datz selbst die Verwundeten ihre Schmerzen leichter ertragen, nun wo es wieder vorwärts geht und die Abrechnung mrt dem englischen Kriegsverlängerer da -ist, der immer wieder unsere Friedenshand höhnisch zu­rückgewiesen bat. Im endlosen Stellungskriege hat sich mancher über eine leichte Verwundung, über den „Heimots- schutz", gefreut: -heute hörte ich aus einem Zuge Verwun­deter Worte des Bedauerns, jetzt außer Kampf gesetzt zu sein. Ein wunderbarer Gei st bei Männern, die seit bald vier Jahren im härtesten Kriege leben! Und die Hälfte des gesamten englischen Heeres, 23 bis 30 englische Divisionen, dazu zwei französische Divisionen und einzelne amerikanische Regimenter, sind in drei Tagen geschlagen! Überall hört man bei den siegreichen Truppen Worte freudigen Stolzes iiber unsere Führung. Divisionskommandeure sind mit bis in die Sturmstellungra gegangen. ES ist bekannt geworden, daß Exzellenz L u d e n d o r f f bei der Erprobung unsere» neuen Zusammenwirkens von Artillerie und Infanterie die Üknug r:ins mit der Feuerwelle vorgeheaden Stoßtrupps persönlich mitgemacht hat, um sich zu überzeugen, wie die moralische Wirkung ans die Teilnehmer ist. ehe diese Leistung unseren Kämpfern von der Führung zugemutet wurde. Anteilistits konnte nur eine ihrer eigenen Leistung vollbe­wußte Führung den monumentalen Gedanken eines Durch­bruchs auf !00 Kilometer Front fassen und alle zusammen- wirkeuden Teile fest in der Hand behalten. Nicht umsonst ist überall hinter der Front seit Monaten „gebimst" worden, wie je im Frieden auf dem Exerzierplatz, so datz mancher den Anfintholt im Schützengraben an ruhiger Frontstelle den anstrengenden Aiigriffsübnngen in der Ruhestellung gern torgezogen hätte. In diesen drei Frühlingstagen haben sich tie Früchte dieser Ausbildunqsarbeit gezeigt, und eines Tages wird die Welt auch beurteilen können, welche Nerven- leistung der Obersten Heeresleitung es gewesen ist, unter Ablehnung aller Voreiligkeit den Angriff auf Tag und Minute und örtliche Abgrenzung genau so zu beginnen, wie er seit Monaten geplant war, (zb.)

Morgen-Kusgabe.

Der Kaifers Dank, auf den Glückwunsch des Reichstags.

W.T.-B. Berlin, 27. März. (Drahtbericht.) Auf die Depesche deS ersten Vizepräsidenten Dr. P a a f ch e an den Kaiser ist folgende Antwort ringegangen:

Für die mir übersandten Glückwünsche des Reichstags sage ich meinen wärmsten Dunk. Die Taten der Armee, welche in den letzten Tagen geleistet worden sind, reihen sich würdig an die glänzend st en Waffenerfolge des Krieges. Vorbereitung, Führung und die Energie der Truppen haben mtt Gottes Hilfe Englands Heeres- macht schwer erschüttert. Täglich geht es trotz zähen Widerstandes weiter vorwärts. Die Zahl der Ge- fa»»euei: ist groß, die Beute an Kriegsmaterial unermeßlich. Möchte das deutsche Volk, besonders seine erwählten Ver­treter, aus der Größe der Leistungen erneut das f e st e Ver­trauen schövfen, daß das deutsche Schwert uns den Frie­den erzwingen wird, möchte es erkennen, daß es jetzt heißt» auch in der Heimat mit gespannter Ausdauer den Siegeswillen zu zeigen. Dann wird der kommende W e l t f r i e d e durch deutsche Kraft gesicherter sein wie bisher. Dazu helfe uns Gott. Wilhelm I. R.

Der klbendberichl vom 27. März.

W. T.-B. • Berlin, 27. März, abends. (Amtlich. Draht­bericht.) Zn beiden Seiten der Somme sind unsere Armeen in langsam fortschreitendem Angriff.

*

ver Geist der dsutscken Gruppen.

W. T.-B. Berlin, 27. März. (Drahtbericht.) ' Der Geist, der die deutschen Führer und Truppen nach ihren großen Er­folgen beseelt, ist auch angesichts der ungeheuren Trag­weite des Durchbruchs von jeder Überhebung west entfernt. Eine dankbare, ja fromme Stimmung liegt über ollen. Die Truppen empfinden wie einst nach dem Sieg von Lenthe» des gxpßeu KÄitas Grenadiere, die mit dem Ehoral „Nun tarttei alle Gott" ihrem geliebten König über das Schlachtfeld hinweg nach Lisia folgten. In der Brust eines jeden dieser bis in den Tod getreuen deutschen Männer lebt das Bewußtsein der Größe dieser welt­geschichtlichen Stunden, in denen endlich Ge­richt gehalten wird mit dem anmaßenden Britentum. das sowohl Blut und Tränen für die leidende Welt gebracht hat.

wiener Betrachtungen.

Br. Wien, 27. März, (zb.) In Wien wurden die Kämpfe an der Westfront mit höchster Spannung erwartet und ver­folgt. Die an Sen beiden Feiertagen ausgegebenen Sonder­blätter mit den Berichten über die Niederlage der Engländer sanden auf den Straßen reißenden Absatz. Die allge­meine Freude über den deutschen Sieg und Österreich- Ungarns Anteil daran klingt aus Leitaufsätzen der maß­gebenden deutschen Blätter mächtig heraus. Die „Neue Freie Presse" meint, Deuffchland werde dereinst auf einer Höhe am Niederwald ein Denkmal mit der Inschrift errichten: Dem Feldmarschall Hindenburg, dem Retter des Pulci.andeSl Man könne diese Ereignisie nicht zeit­geschichtlich. sondern nur weltgeschichtlich abschätzen. Das deutsche Volk habe die ruhmreichen Tage dieser Schlacht sich mühevoll erstritten, unter Kammer, Entbebrung und bedrängt von zabliosen Feinden. Gesiegt habe der Ernst, die grrße Eigenschaft der Deutschen, ein Ganzes bis in alle Einzelheiten durchzudeaken, die Vaterlandsliebe, die zur Ertragung, des Härtesten befähi.st, das hohe Gefühl der Verantwortung ustd der starke sittliche Wille. Gesiegt hake auch die Pflege der Wissenschaft in Anwendung aufs Leben. Wieder bewähre sich, was geistige Freiheit und ge­werbliche Tatkraft fiir den Staat ustd für jeden einzelnen be­deuten. Aus diesem Kampf we-de die Politik des Verbandes nicht lebendig hervorgehen. Die großen Endschlachten hätten begonnen, und bisher babe der Friede gesiegt.

IV. T.-B. Wien, 27. März. (Drahtbericht.) Die Erfolge der verbündeten Truppen weckten in der Nochbarmonarchie groß« Freude. Di« Hanptstaidt Wien gab diesen Gefühlen durch Beflaggen zahlreicher öffentlicher und privater Gebäude Ausdruck.

Die Begeisterung in Bulgarien.

IV. T.-B. Sofia, 27. März. Die Ereignisse an der West­front rufen in Bulgarien starkes Aufsehen und Begeisterung hervor. Das offiziöse Blatt „Prawr" schreibt im Leitauf- satz: „Mit Begeisterung begrüßen wir die neuen Groß­taten unserer Bundesgenossen an der Westfront. Die Er­folge bei Cambrai. in der Champagne und bei Verdun sind Erfolge jener tapferen, unerschrockenen deutschen Soldaten, die mit ihrem bewamderungswürdigen Schwung, durch Selbstverleugnung den Tod und daß Ende einer durch den Fortschritt der Welt verurteilten Vergangen­heit heraufführen. Die deutschen Siege bringen den Frieden und drs Hei! und auch den neutralen Staaten Unabhängigkeit und Würde. Sie weiden auf lange hin den Völkern Frieden bringen."— „Echo de Bulgarie" sagt: „Der Anfang der deutschen Offensive an der Front :n Frankreich batte eine niederschmetternde Wir­kung. Man hatte bei früheren Gelegenheiten gesagt, daß die Heere des Kaisers durch ihre Großtaten an der Grenze des menschlichen Leistungsvermögens und des Helden-

Nr. 147. ♦ 66. Jahrgang.

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!nm§ angelangt seien. Man inuß jetzt sagen, daß sie sich übort rossen haben. Die Weltgeschichte kennt viele milk, tätliche Ruhmestaten, aber keine kann sich mit derjenigen v'er- gleichen, die mit den Namen Hindenburg und Ludem- d o r i f cerknüpft ist. Die großen Feldherren der Ver­gangenheit besaßen zwar ähnliche Fähigkeiten, aber wer besaß sie in einem solchen Grad und Umfang? Die ganze Masse des deutschen Volkes hat, sowohl an der Front wie in der Heimat, Heldenmut gezeigt. In dein von allen Seiten belagertes Deutschland, dessen Feinde sich fortgesetzt vermehrten, über dem alle Drohungen der Blockade lasteten, gegen das sich alles verschwor, gab es kein Verzagen und kein Murren. Ein solches Volk verdiente den Sieg und eS siegte."

ver Zusammenbruch der französisch- englischen plöne.

Br. Genf, 27. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Zum ersten­mal gesteht eine Havasnote, daß die verblüffende Schnelligkeit der deutschen Operationen die Hauptursache des Zu­sammenbruchs der französisch - englischen Pläne ist. Nun gelte es, durch Einsatz bedeutender Entent«- rescrven neue Pläne zur Reife zu bringen.

Die Ferngeschütze nicht österreichisches Fabritzst.

W. T.-B. Wien, 27. März. (Drahtbericht.) Die „Reichs- post" erklärt die Pariser Nachricht, daß die Paris be­schießenden Ferngeschütze österreichisch seien, für un­richtig.

Allgemeine Panik in pari«.

Br. Basel, 27. März. (Eig. Drahtbericht, zlb.) In Gens eingetioffene Reisende berichten, laut „Werner Tagbl." von der ungeheuren Aufregung, die sich ganz Pa-ris be­mächtigt hat. Die wenigen abfahrenden Züge werden von Flüchtlingen bestürmt. Die Panik ist allgemein. Wilde Gerüchte zirkulieren und steigern die Unruhe noch. Man spricht bereits von einem Abtransport der iczierungs- archive und eindm Auszug der Behörden aut der Stadt.

Zur Schau getragene künstliche Ruhe in der französischen Kammer.

W.T.-B. Paris, 27. März. (Drcihtbcricht.) Nach einer Meldung der Agenre Hav-rs hat der KriegZunter- sekretär Abrami vor zahlreichen Abgeordneten in den Wandelqängen der Kammer die militärisch)« Lage aus­einandergesetzt. Seine Ausführungen Imsen sich wie folgt zusammenfassen. Nach den schweren Kä m p f e n, die die deutschen Truppen jetzt mit den eng­lischen Truppen ausgefochten haben, werden sie auf das völlig frische, opferbereite und durch einen Vorhang von Geschützen gedeckt: französische

Heer stoßen. Nur einige selbständige Divisionen baben das Vordringen des Feindes verzögert; andererseits treffen die gewaltigen englischen Reserven auf dem Schlachtfelde ein, so daß der bisher vom Feind erzielte Gcländegewinn nur vorübergehen- derNatur sein wird. Die Erklärung wurde von den Abgeordneten, Senatoren und Journalisten begeistert ausgenommen, die um Nachrichten in das Palais Bour­bon gekommen waren. — Franklin Bouillon vom Aus­schuß für die auswärtiaen Angelegenheiten erklärte in den Wandelflängen der Kammer: Obwohl die ernst ist, muß sie mit gelassener Ruhe betrachtet wer­den. In der Tat griff bisher nur ein gan: kleiner Teil unseres Heeres, noch nicht einmal 10 Divisionen in die Schlacht ein.

Beklommene Angaben des englischen

Rrieasawts.

W. T.-B. London, 27. März. (Dradtb-richt.) Das Krieg», amt teilt mit: Der Feind hat in der Nacht vom 25. zum 36. März an unserer Front nördlich von der Somme keine weiteren Angriffe gemacht. Nachmittags fanden ört­liche K ä m p f e an diesem Teile der Schlachtfront statt, ans welckem der Feind zurückgetrieben worden ist. Ernstliche An­griffe versuchte er aber nicht. Die Linie nördlich von der Somme läuft über Braye-Albe-rt-Beaumont-Ham-Puisienx- Ahette-Boirh-Henin-Mancourt, dickst westlich von Morchy zur Scarpe. von dort längs unserer ursprünglichen Front. Süd­lich von der Somme griffen die Deutschen heute vo»> mittag heftig an und um 10y. : Uhr vormittags wurde Rotze genommen. Die Linie scheint dort von Meri- c o u r t cm der Somme nach R o s i e r e s westlich Notzon zu verlaufen. Auf diesem Teile des Schlachtfeldes sind frische deutsche Divisionen festgestellt, worden, einschl. zw« Gardedivisionen und 20 brandenburgischen Divisionen. Dort kämpfen englische, französische vnd ameri­kanische Truppen Schulter an Sckmlter, und französische Verstärkum^n rücken schnell heran. Der Feind ist wesllich von Rohe und in der Gegend von Noyon zum Stehen gebracht worden.

Den Engländern graut es vor der Organisation deS deutschen Siegesmarschs.

Sr. Haag, 27. März. (Eig. Drahtbcricht. zb.) Der Kriegs­berichterstatter des „Daily Expreß" telegraphiert: Die SasK ist ernst, aber nicht ernst für die britische Armee. Tste Truppen halten sich bewunderungswürdig. Sr« sind gä$e äjft