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Mittwoch, 27. Mürz 1918.

Morgen-ktusgabe.

Nr. 145. ♦ 66. Jahrgang.

Lihonr, Roqe und Noyon

Lin neuer Abschnitt in der gewaltigen Schlacht!

IV. T.-B. Berlin, 20. März, abends. (Amtlich. Draht- bericht.) Ein neuer Abschnitt in der gewaltigen Schlacht! Zn beiden Seiten der Somme ist der Feind in breiter Front im Rückzug. In der Verfolgung haben wir unsere alten Stellungen vor der Sommeschlacht von 1916 nach Westen bereits an vielen Punkten über­schritten. Wir stehen vor Albert.

LihonS, Rohe und Noyon sind genommen.

*

Die englische Front ist durchbrochen! Das ist das schon jetzt zu verzeichnende große folgenschwere Ergebnis der Offensive im Westen. Was Engländer und Fran­zosen so oft in Aussicht gestellt, unter ungeheuren Ein­sätzen und Opfern erstrebt und^ doch in langwierigen Kämpfen nie erreicht haben, unsere heldenmütigen Truppen haben es in wenigen Tagen geschafft. Zwischen der überraschend schnell überschrittenen Somme und der Oise ist der völlige Durchbruch durch die englisclie Front erkämpft worden, so daß sich vor uns keine Stellung mehr, sondern freies Gelände befindet und der Stellungskrieg damit zum Be­wegungskrieg übergegangen ist. Unser AuqrifsS- plan entsprach im wesentlichen dem, der deni geglückten Unternehmen bei Cambrai zugrunde lag. Durch Vor­stoß im Norden und Süden wurde in der Mitte der eng­lischen Stellung sin Sack geschaffen, aus dein sich der Gegner, wenn er sich nicht der Gefahr, umzingelt und abgeschnitten zu werden, aussetzen wollte, zurückweichen mußte.

Worin liegt das Geheimni.s, daß uns gelang, was die Gegner vergeblich versuchten? Es liegt einmal in der ganzen Anlage der Offensive, die in einer bisher noch nicht gekannten Breit evon 80 Kilo­meter Front vorgenommen wurde. Es liegt in der umfassenden, exakten Vorbereitung der Offen­sive. in der Überlegenheit an Material sind Munition, wobei uns das im Osten freigewordene bezw. erbeutete Kriegsmaterial sehr zu statten kam. Es liegt weiter in der genialen Führung, es liegt endlich in der Überlegenheit unserer Truppen,'deren An- griffsgeist und Siegeswillen in fast vier Jahren des Weltkriegs nicht geschwächt werden konnten.

Wir wissen wohl, daß unseren Truppen noch Schweres bevorstcht, um den Sieg festznhalten und auszubauen. Wir müssen daraus gefaßt sein, daß die Engländer, die in allzu großer Vertrauensseligkeit nickst für rückwärtige Stellung,'« gesorgt hatten, nach Kräften auf beiden Flügeln der Durchbrnchszone vorstoßen und, nachdem alle Gegenangriffe niedergekämvft wurden, ihre letzten Reserven, vielleicht auch die Manövrier- armee Foch herbeiziehen werden, um die drohende Katastrophe abznwenden. Aber wenn wir auch nach mit schweren Kämpfen zu rechnen haben, so dürfen wir doch dem Siegeswillen unterer todesmutigen Feldgrauen vertrauen, die zu dem jetzt einsetzenden Bewegung»- kriea ibre bessere taktische Ausbildung und Schneid und Begeisterung mitbringen.

Was aber wird die Entente, was iverden die Neu- traten, besonders jene die wie Holland und Schweden vor Englands Brutalität zitterten, zu unseren Siegen sagen? In Rußland wird man er- kennen, daß man das besser» Teil erwählt hat, und in Rumänien wird man heilfroh den Friedensvertrag ratifizieren. Eine griminiae Freude aber haben wir daran, daß ietzt auch die lieben Amerikaner den Ernst des Krieges kennen aelernt haben, und wir wissen noch jemand, der sich darüber ins Fäustchen lacht und trii'mvbiert. daß er sich nicht zur Exkursion nach Eurova verleiten ließ, nämlich der Javaner. Herr Clemen- cean. der ja durchaus di» Offensive wollte, hat. wie uns e»n Beriier Telearamm meldete, noch dieser Tage ver­sichert, er sei sebr zufrieden, ja. er sei entzückt. Wir auch, Herr Clemenceau!

Vas NeichstagsprSsidium an Hknvenburg.

IV. T.-B. Berlin, 26. Mäcz. (Drahtbericht.) Der erste Vizepräsident des Reichstags, Gcheimvat Dr. Paasch», hat an den Generalfeldmarschall v. Hindenburg folgendes Telegramm gerichtet' «Herr Genecalfeldmarschall! In un­beschränktem Vertrauen auf die Oberste Heeres­leitung sah daS deutsche Volk unterschiedslos dem Nahe» der letzten riesengroßen Entscheidungskämpfe entgegen, die unsere

Feinde wollten, trotzdem sie den Siegeslauf unserer H e e r e an allen Fronten gesehen und die ungebrochene Kraft und den festen Siegeswillen ganz Deutschlands kennen gelernt batten. Aber staunend, bewundernd und von dem Gefühl unendlicher Dankbarkeit durchdrungen, vernehmen wir die Berichte über die glänzenden Siege und die gewal­tigen Erfolge, die unsere Heldensöhne bereits errungen haben, nnd in unerschütterlicher Zuversicht erwarten wir die weiteren siegreichen Kämpfe. Wollen Eure Exzellenz mir gestatten. Ihnen den unauslösch­lichen Dank und die wärmsten Glück- und Segenswünsche zu diesen neuen großartigen Errungenschaften namens des Reichstags aussprechen zu dürfen. Den Großtaten Eurer Exzellenz, die die Weltgeschichte den kommenden Geschlechtern verkünden wird, reiht sich der jetzige Siegeslauf unserer Heere als glänzende Krönung würdig an."

Der siegreiche fünfte Kampftag.

W.T.-B. Berlin, 26. März. (Drahtbericht.) Auch am fünften Tag nimmt die K a i i e r f chl a ch t i m Westen zwischen Scarpe und Oise ihren für die Deutschen siegreichen Fortgang. Tort auf dem alten Somme-Kamvffeld, das dem Feind immer wieder die besten Rückzugs- und Ausnahmestellungen mit gleichartigem Schußfeld bietet, wo er sich in festungsartigen Ruinendörsecn, in ansgebauten Batterie­stellungen und betonierten Maschinengewehrnejtern ver­ankern sollte, sind die Engländer erneut ge- schlagen. Die von nahen und entfernten Kriegs­schauplätzen eiligst herangefirhrten frischen Divi­sionen haben sich im Norden und Süden des breiten Angriffsfeldes in wütenden Gegenangriffen verblutet. In heißem Ringen wird ein Ort. eine Höhe nach der anderen er ftiirntt. Bäche. Kanäle, Flüsse, sie bilden kein Hindernis jür unsere un- vergleichlichen Truppen. Auf der breiten blutgetränk­ten Wahlstatt liegen Waffen. Ausrüstungsstücke, ge­fallene Pferde, Panzerwagen. Geschütze und immer wie­der Munition zwischen kakibraun gekleideten zahlreichen Toten. Um Rouvy entfesselten sich besonders heiße Kämpfe, in denen der vor Verdun mit dem Pour le mckinto ausgezeichnete Leutnant Rekow neue Proben seiner Tapferkeit lieferte. Nördlich der Straße Dallon-Roupy liegen hingemäht durch unser Feuer 12 bestallte englische Munitianswaqen, die im Galopp ihren Jnfanteriebegleitbatterien Munition bringen sollten. Zahllose Sprengtrichter unserer Artillerie weisen die Spuren der Feuerwalze, andere mit einem Durchmesser von 30 Meter und einer Tiefe von 8 Meter erinnern an die Zeit unserer Frontvrclegung im Jahre 1917. Um diese Granattrichter entspinnen sich besonders harte Kämpfe. An einzelnen Stel­len im Süden sind unsere Truppen weit über 45 Kilometer vorgedrungen. Die Beute an Kriegsmaterial jeder Art wächst dauernd. Schon sind gegen 1000Geschübe, darunter eine Unmenge schwerer und schwerster Kaliber, erbeutet. Der Erfolg der gewaltigen Schlacht steigert sich_ von Stunde zu Stunde. Die blutigen Verluste des Feindes sind außer­ordentlich schwer.

Oie Geringfügigkeit der deutschen Verluste van englischer Seite anerkannt.

W. T.-B. Berlin, 26. März. (Drahtbericht.) Die Eng­länder geben sie geringen Verluste der deutschen Truppen zu. Der militärisch« Berichterstatter dcS englischen Funkendienstes schreibt: Der einzige Angriff im Abschnitt von S t. O u e n t i n am 23. März wurde durch Nebel begünstigt, dessen dichte Schwaden es dem Fein-d ermöglichten, ohne betracht, liche Verluste durch das Sperrfeuer zu kommen.

Die Gebeugtheit in England.

W. T.-B. Amsterdam, 26. März. Nach einer Reutermel­dung aus London schreibt der «Daily Telegraph": Wir wollen geduldig warten, und wir hoffen, daß wir uns nicht über­mäßig deprimieren lassen, wenn >das Glück uns vor­übergehend im Stich läßt. Dies ist die einzig richtige Ge­sinnung, in der eine große Natron einer ihr Schicksal ent­scheidenden Krisis begegnen kann. Großbritannien ist jetzt Vorkämpfer alles desien, was das Leben bemerkenswert macht, und eS steht einer brutalen Herrschsucht gegen- ü be r die die Welt zur Sklaverei verurteilen würde. Ebenso wie nach der Schlacht bei MonS Freiwillige zu den Fahnen strömten, wird auch der jetzige Rückschlag den Mut 1er Nation anfeuern. Man darf nicht vergessen, daß die Deutsclen zwar durch unsere Verteidigungsstellung durch- gebrochen sind, aber nicht durch unsere Armeen. Sie stcßen auf heftigsten Widerstand, und Verstärkungen eilen kerbet. um unseren schwergeprüften Leuten Hilfe zu bringen. Es stehen Stellungen zur Verfügung, die man für stark genug

genommen!

hält, um jeden weiteren deutschen Vorstoß, wie furchtbar « euch sein möge, aufzuhalten. Noch sind die Pläne des Feindet nicht ganz enthüllt, aber es ist klar, daß er mit seiner neu«» Offensive den ganzen Krieg zu entscheiden hofft.

Neue große Verstärkungen der Engländer.

Br, Zürich, 26. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Sonbowet Telegramme der Pariser Blätter vom Freitagabend melde», daß neue Verstärkungen aus den englischen Garnisonen nach Frankreich seit Tagen unterwegs sind. Der „Matin" fe*- ztffert sie auf mehr als 400000 Mann.

Die französische Verblendung.

Br. Kopenhagen, 26. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die ftanzösische Verblendung, die bis zum letzten Auaenblick die Tatsachen noch glatt zu leugnen wagte, gibt folgender sichtluch amtlich beeinflußte Pariser Telegramm wieder: Die allmählich einlaufenden ergänzenden Nachrichte» über dengroßendeutschenSturmlaufimWesten verstärken tatsächlich nur den günstigen Eindruck, den man aus den ersten Meldungen erhielt. Der Samstag scheint weniger Hertz gewesen zu sein, als der vorhergehende Kampf­tag. Diese Abschwächung der Kampstätigkeit, die so schnell einlrat, nachdem der Angriff mit so ungeheurer Gewalt eingesetzt hat, ist im höchsten Grade charakteristisch. Alle an der Maas und der Somme geernteten Erfahrungen, wie im Artois und am Chemin deS Dame« zeigen, daß der von einem Großangriff zu erwartende Erfolg in engem ve» bältnis zu der Schnelligkeit steht, mit der er durchgefühnt wird, woraus ohne weiteres hervorgebt, daß man den gigan­tisch durchgefübrten Sturmlauk nicht bereits nach 24 Stunde» zum Verschnaufen unterbrechen darf. Die Deutschen blieben st eben und zögerten wegen de» Empfanges, der ihnen bereitet wurde. Alles deutet darauf hin. daß sie durch diese Offensive eine ganz neue Kampfesweise hatte» einführen wollen, nämlich die der mächtigen A r t i l» leriekonzentration, durch die sie btlchstäblich di» 80 Kilometer breite Front mit Graniten überschütten konnte». Aber bereits 24 Stunden nach diekem äußerst gewaltsame» Überrieselungsversuch unserer Linien mußten die Deutsche« trotz ihrer Ärtilleriemassen und der rasenden Angriffe ihrer frischen Spezialtruppen sich damit begnügen, sich in de« Verteidigungsanlagen der ersten Linie festzubeitze*.

Amerikanisches Kricgsamtsqeschwäy.

W. T.-B. Washington, 26. März. (Drahtbericht. Reuter.) Die «Wochenschau" des amerikanischen KriegSamtS sagt: Der deutsche Angriff auf die Engländer eröffnete di« Kämpfe im Westen wieder. Diese Operation bestätigt uns, daß daS deutsche Oberkommando außerstande war, die stra- tegische Lage durch p o l i ti sche M i t tel zu beherrsch», wie man es in den letzten vier Monaten unablässig versucht», und daß es gezwungen wurde, sich auf ein verzweifel­tes Wagnis einzulassen, um die Herrschaft der Völker der Mittelmächte zu behaupten und womöglich einen siegreichen Frieden durch das Kriegsglück gu » zwingen. _

Die Beschießung von Paris mit dem weittragenden Geschütz.

W. T.-B. Bern, 26. März. Die französischen Matter ftn» mit Kommentaren und Nachrichten über die Beschießung von Paris ungefüllt. Den Zeitungen sind folgende Einzelheit«« zu entnehmen: SamStag fielen 24, Sonntag

19 Granaten in die Stadt. Ein Stadtviertel wurde beson­ders schwer getroffen. Je mehr man sich dieser Gefahr- z o n e nähert, desto mehr verändert sich daS Bild der Stadt. Die Gefahrzone selbst ist ganz ausgestorben. Die Un­tergrundbahnen im 19. und 20. Arrondissement verkehren nicht mehr bis zu den Endstaticven. Gegen Verbreiter von Liste« über die Einschlagstellen wird sehr schar- vorgegangen. Viel« Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Blätter bestätigen, daß deutsche Flugzeuge das Feuer am SamStag- nrorgen geregelt haben. General Moch ot, der Direktor der technischen Abteilung im Kriegsministerium, erllärt im „Temps", daß man über die Form des deutschen Geschosses so- wie über die ballistischen Berechnungen vollständig im Un­flaten fei. ,83erlte" teilt mit, daß gestern das Publikum, das von der Polizei zuni Verlassen der Untergrundbahnstatio­nen ausgefor^ert wurde, diese nicht verlassen wollte. Di« Zeitungen weisen zahlreiche Zensurlücken aus.

Zranzösische Befürchtungen um pari».

Br. Berlin, 26. März. (Eig. Drahtbericht. zb.1 über di» Stimmung in Paris wird dem «B. T." aus Genf g» meldet: Di« ZoitungSredaktwnen wurden bestürmt, weil im Publikum Gerüchte verbreitet wrren, daß die Deutsche» in dec Umgebung von Compiegne an gelangt sei«« und dort ihre Geschütze aufgestellt hätten. Für den heutige» Börsenverkehr wurde seitens des Syndikats der Börsenmakler angeordnet, daß dieser erforderlichenfalls in