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Berliner Abteilung deS L<iesba»ener TagblattS: Berlin W., P,tSd,mer Skr. 121 K. Fernsprecher: Amt fiiitjow 6202 und 6203.

Dienstag, 26. März 1918.

klbend-Kusgabe.

Nr 144. » 66. Jahrgang.

Neue grehr Erfolge! y

963 Geschütze, über 100 Panzerwagen erbeutet.

Fortsetzung Ser Beschießung von Paris.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 96. März. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Im weiteren Gang derGroßen Schlacht" in Frankreich haben unsere Truppen gestern neue Erfolge errungen. Aus Flandern und aus Italien herangeführte engli­sche Divisionen und Franzosen warfen /rch ihnen in verzweifelten Attgriffen entgegen. Sie wurden g e - schlagen.

Die Armeen der Generale v. B r l o w (Otto) und von der Marwitz haben in heißem wechselvollem Kamps Ervillers endgültig behauptet und im Vordrin­gen aus Achist le grand die Dörfer Bihueonrt, Dies- villerS und GrevillerS genommen. Sie eroberten I r l e s und Miraumont und haben dort die A »e r e überschritten. Bon Albert aus neu herangeführte eng­lische Kräfte griffen in breiter Front hefttg an. In er­bittertem Ringen wurde der Feind zurückgeworfen; wir haben die Straße Bapaumr-Albert bei Eource- lette und Pozieres überschritte».

Südlich von Peronne hat General v. Hofacker den Übergang über die Somme erzwungen und die in der Sommeschlacht 1916 heiß umstrittene Höhe von Maiso­nette sowie die Dörfer B i a ch e s und Barleux er­stürmt. Starke feindliche Gegenangriffe per- bluteten vor unseren Linien.

Die Armee deS Generals v. Huri er hat in harten Kämpfen den Feiirb bei Marchelepot und Hatten, co u rt über die Bahn Peronne-Roye zurückgeworfen. Französin und Engländern wurde da» zäh verteidigte Elalom entrissen. Bon Noyon herangeführte fran­zösische Divisionen wurden bei F r e n i ch e s und Bethancourt geschlagen. Bussh wurde genom­men. Wir stehen auf den Höhen nördlich von Nohon.

An den errungenen Erfolgen haben unsere N a ch r i ch - tentrnppen hervorragenden Anteil. In unermüdlicher Arbeit ermöglichten sie daS Zusammenwirken der nebeneinan­der fechtenden Verbände und gaben der F ü h r u n g die Sicherheit, die Schlacht in die gewollten Bahnen zu lenken.

Eisen bahn truppen, die erst den gewaltigen Auf­marsch vor Beginn des Kampfes reibungslos vollführten und jetzt den Berkehr hinter der Front bewältigen, arbeiten rastlos an der Wiederherstellung zerstörter Bahne». Seit Beginn der Schlacht wurden 93 feindliche Flugzeuge und sechs Fesselballone abgeschossen.

Rittmeister Freiherr v. Richthofen errang seinen 67. und 68., Leutnant Bongartz seinen 32., Oberleutnant L ö r z e r t seine« 24., Bizefeldwebel B ä u m e r feinen 23., Leutnant K r ö l l seinen 23. und Leutnant T h n y seinen 2V. Luftsteg.

DieBeuteanGeschütze« ist auf 963 gesttegen, «ehr als 1VV Panzerwagen liegen in den eroberten Stellungen. _

An der übrigen Westfront dauerten die A r t i l l e r i e k« m p f e an. die sich an der lothringischen Front z» größerer Stärke steigerten. ' #

Wir setzte« die Beschießung der Festung Paris fort. _

Bon de« anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartirrmeister: Ludendorff.

Die zweite schwerste engl. Niederlage.

Unermeßliche Veut«. vl» zu 40 Nitometer Vormarsch.

W. T.-B. Berlin, 25. März. Durch den zweiten deutschen Sieg in der größten Schlacht des Krieges, die die Engländer selbst den Riesenkampf im Westen neunen, hat das britische Heer am 24. März bei Bapaume eine zweite schwere Niederlage erlitten. Über Bapaume, Peronne, Neile. Guiscard und C h a u n y hinaus ist der Feind geworfen. An ein­zelnen Stellen ist die deutsche Infanterie in ununter­brochenen harten Kämpfen bis zu 40 Kilometer vorgestoßen. Aus alten und eiligst ausgehobenen neuen Stellungen mußte der Feind der blanken Waffe weichen, au anderen Stellen schaß ihn unsere Artillerie hinaus, oft vor der eigenen Infanterie offen auffahrend. Deutsch« Laaks, -ie sich vortrettüch bewährten.

und durch englische Tanks verstärkt, hatten einen hervorragenden Anteil beim Brechen des tapfern feind- lichen Widerstandes. Die heftigen Gegenangriffe frischer englischer wie auch französischer Infanterie- und Kavalleriedivisionen scheiterten nach heißem Rin­gen unter schwer st en Feindverlusten und kosteten bei Guiscard und Mauny dem Feinde allein 100 Offiziers und 3500 Mann, 18 Geschütze und zahl­loses Kriegsgerät. An vielen Stellen des weiten Schlachtfeldes häufen sich die Zeichen eines flucht­artigen Rückzuges und erinnern an die Kata- strophe der italienischen Armeen am I s o n z o. Die englischen Rückzngsstratzen liegen un­ausgesetzt Unter schwerstem deutschen Fernfeuer. Schon brennt, den vorgehenden Deutschen erkennbar, der wichtige englische Bahnhof und Eisenbahnknotenpunkt Albert, dem die südlich Bapaume vorrückenden deut­schen Angriffskolonnen zustreben. Zahllose zu Gegen­stößen eingesetzte britische Tanks untermischt mit zu- sammcngeschossenen Motorbatterien schwersten Kalibers liegen zertrümmert in den Straßen. An einer Stelle liegt eine ganze Batterie mit 25 toten Pferden. Ungeheure Munitionsstapel von vielen Hunderttausenden von Artillerie­geschossen türmen sich hier und da hoch einpor. Die Höhe Tausender genommener Maschinengewehre läßt sich noch nicht annähernd anacben und ü ber­st e i g t alles bisher Dagewesene. Der unaufhalt­same Sturmlauf unserer unvergleichlichen Infan­terie, läßt keine Zeit zur Zählung der gewalti- gen Bestände an Kriegsgerät Lebensmitteln und sonsti­ger Beute. Außer den weit über 600 erbeuteten Ge­schützen wurden viele verschüttet oder außer Gefecht gesetzt. Die unerhörte Leistung der deutschen Armeen konnte nur erzielt werden von einer Truppe, die volle ständig in der Hand der Führer allerGrade ist. Das Var­brechen der deutschen Infanterie in den dichtem Nebel- meer zersprengte die gegnerische Befehlsgebung. In allen Phasen der folgenden Kämpfe zeigte es sich, daß die englische Führung nahezu völlig aus- geschaltet war. Bis zum letzten deutschen Train- soldateu wollte jeder einzelne Mann seinen Teil an den begonnenen Erfolgen haben. Es war. als triebe eine unsichtbare magische Kraft nahezu eine Million Menschen dem großen Ziele der Erringung der Entscheidung z». Durch das zum Teil kopflose Vorwerken seiner Reserven, um sich gegen die drohende Gefahr von Norden Luft zu schaffen, hat der Engländer leine Niederlage am 22. und 23. nur vergrößert. Das B^utefeld, über das die Deutschen vordranaen, stellt mit seinen unerhörten Men- aen Munition, Piomergerät nnd Lebensmitteln einen Wert von ungezählten Millionen dar. Kaum wurde der leiseste Versuch gewacht, diese Bestände zu vernichten. Nur eine Arm»e, die sich vollständig geschlagen füblt. kann dos Kampffeld in einer solchen Ge st alt dem Sieg-'r überlassen. Hieran können auch die Berichte der Gegner nichts ändern. Der Sieg ist und bleibt bei unseren deut­schen Waffen.

In der Werkstatt ksindenburgs und Ludendorffs.

W. T.-B. Berlin, 25. März. Seit Tagen ist alles in fieberhafter Spannung eingestellt auf die zu erwartenden Er- eignisse. Der größte Teil oeS Stabes hat den letzten Stand­ort verlassen und sich unauffällig weiter vorne in einem verlassenen Schlosse eingerichtet. Don allen Seiten lausen die Telephondrähte dorthin zusammen. Der Wetterprophet sagte zum 21. März, vormittags, gutes Wetter voraus. Am 20. regnete es in Strömen. Da bricht am Abend die Sonne durch. Pünktlich, wie verabredet, speien Tausende von Geschührach en ihr verderbendes Feuer mit einem Schlage auf den Feind. DaS Schlößchen liegt etwas abseits von der großen Heerstraße. Unaufhörlich rattern Autos heran mit Generalstabs-Verbindungsoffizieren. Der Oberbefehlshaber, der Ebef und seine Unterorgone sind für niemand zu sprechen. Da erscheint plötzlich ein Rielenauto. Der Kaiser! Schon vcr ihm traf der K r o n p r i n z ein. Eine kurze Besprechung mit dr,n Stabe, ein Glückwunsch zu den mit gutem Erfolg eingeleiteten Operationen, und Vater und Sohn verlassen die Stätte, wc fteberhaste Arbeit vielleicht daS Schicksal end­gültig entscheidet. Stündlich treffen Meldungen der Korps und'Divisionen ein und werden ausgewertet nach ihrem In­halt. Blaustift und Rotstift malen auf Riesenkarten. Die Operationen schreiten so schnell vorwärts, daß die Linien fortdauernd verändert werden müssen. Die Tele­phone spielen unaufhörlich. In der Zentrale sitzen die Tele­phonisten vor ihren Llappeuschranken, di« Lausende von

feinen Fäden he stellen zwischen der Leitung und den Truppen. Zum Essen bleibt kaum Zeit. Der Generalstabs­offizier, der für eine halbe Stunde seinen Tisch verläßt, findet bei seiner Rückkehr einen Berg von eingelaufenen Meldungen vcr. Jede Minute ist kostbar, da gibt es keine Schonung. Die Abendmeldung bringt eine große Anzahl von Gefangenen und Beute, die fortdauernd steigt.

An dem folgenden Tage liegt alles in einem undurch­dringlichen Nebel. Auch die Nachrichten von vorne lauten un­sicher, was eine gewisse Spannung auslöst Doch schon gegen Mittag laufen von allen Seiten Meldungen ein von einem ftischen Dcausgehea und einem einheitlichen Zusammen­wirken. überall weicht der Feind; rvc er tapfer jtandhält, wird er umzingelt, herruSmanövriert oder ge­fangen. Wiederum erscheint am Nachmittag der Kron­prinz, aus den vorderen Linien kommend. Er fährt auf den Hof. Zwei Verwundete sind hinten im Auto, die er unterwegs von einem Lastauto herabholte. Sie rauchen seine Zigaretten aad Surften aus der Fahrt die langen Ge- fangenenkol-mnen bestaunen. Nachdem er noch den einen mit dem Eisernen Kreuz belohnt hat, reicht er ihnen die Hand. Der eine Mann hebt seinen blutüberströmten, rechten terwundeten Arm. Herzhaft faßt der Kronprinz zu. ES ist für das Vaterland vergossenes Blut, das färbt nicht ab. Er entlaßt die Leute, die strahlenden Auges rhren Dank stanimeln. Der Kronprinz springt elastischen Schrittes die große Freitreppe hinauf, ohne sich anmelden zu lassen. Er will niemand stören. Schon kennt er selbst den Weg zum Chef.

Trinnen im stillen Schlößchen- werden neue, weitauS- holende Pläne geschmiedet. Von dieser Arbeit, die Hinden- burgs nnd Lndendorffs Gei st durchweht, sicht man wenig, und doch ist es letzten Endes nur die Führung, die für alles verantwortlich ist! Der deutsche General st ab ist es, um den uns unsere Feinde beneiden, ihn hat uns noch niemand nachgemacht!

Gewaltige vorratslager erbeutet.

IV. T.-B. Berlin, 25. März. Ganze Lager mit reichen Verraten sind unversehrt in deutsche Hände gefallen. Was unsere Infanterie hier an Bekleidungsstücken und Nahrungsmitteln vorfand, über steigt jede Vorstellung. Daß all Dieses gewaltige Material nicht vorher unbrauchbar gemachMwrden war. erklärt sich nur auS der völligen Kopflo^gkeit, die die englische Füh- rvng anscheinend bis in die untersten Grade ergriffen hat. Die technisch taktischen Vorarbeiten, wie sie das ganze Schlachtfeld aufweist, lassen klar erkennen, daß der Engländer bis in die letzten Tage hinein versuchte, sein an sich schon raffiniertes VerteidigungSsqstem bis zur äußersten Konse­quenz avsznbauen. Das gilt in erhöhtem Maße von den unerhörten Munitionsmengen und zahlreichen Depots, die in unsere Sund fielen. Daß der Gegner van ollen unseren Vorbereitungen bis zur Stunde des erfolgten Angriffs nichts merkte, ist durch die Aussage zahlreicher eng- lischer Offiziere zweifelsfrei festgestellt. Die Geheim­haltung der deutschen Pläne ist in mustergültiger Weise gelungen.

Die Wirkung der deutschen Gasgeschosse.

Br. Genf, 26. März. (Erg. Drahtbericht. $.) Wie der Entente" berichtet, verwenden die deutschen Sturmtrupp» auf den Tanks ein geheimnisvolles Ga» von außen« ordentlicher Wirksamkeit, die Infanterie» und Artillerie» bedienurig müssen die Gasmasken Tag und Nacht tragen.

Französische Truppentransport« an die Front.

Br. Zürich, 26. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Von der französischen Grenze wird gemeldet: Aussagen von Reisenden von Frankreich und gewisse Anzeichen im französischen Bahn­verkehr lassen darauf schließen, daß die französischen Solo» nialtruppen in Eilzügen aus ihren südfranzösi» s ch e n Winterquartieren an -die Front gebracht wer­den. Auch zwischen Italien und Frankreich rollen unaus­gesetzt Militärzüge.

Fortsetzung der Veschietzung von Paris!

W.T.-*B. Paris, 25. März. (HavaS.) Beschießung

von Paris durch weittragendes Geschütz wurde heute früh 6,50 Ukr wieder ausgenommen.

Berlin, 26 März, (zb.) DerB. L.-A." meldet auS Genf Die Zahl der Sonntagvormittag innerhalb von Paris erzielten Treffer aus deutschen Ferngeschützen wird auf 15 c «gegeben. Der Wagenverkehr, der vormittags eingestellt gewesen ist, konnte nachmittags, da kein weiteres Bombarde­ment erfolgte, wieder aufgerlommen werden. Die Abend- llätter beschränken sich auf ganz allgemeine Angaben üb« die Verheerungen in Paris und der Bannmeile.

Genf, 26. März. (zb.t'Die Pariser Polizei verhaftet- die Verkäufer von Extrablättern, worin die Häuser rnge- fükrt wurden, die am Samstag und Sonntag in de« am schwersten von der Beschießung hßimgejuchten Siadtmertelip