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Dienstag, 26. März 1918.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 143. . 66. Jahrgang.

Die schwerste Niederlage in der englischen Geschichte.

Ein erheblicher Teil des englisclien Heeres ist ge­schlagen! So meldete schon der deutsche Abendbericht noch der Großschlacht M o n ch y - L a i? 5 1 e. Da­mit war wie immer in wenigen knappen Worten ge­sagt. worauf es ankam. Alle Großen im Reiche der Strategie, Napoleon, Friedrich II.. Moltke, Hindenburg, betonen in ihren Werken und Äußerungen, daß nicht der Geländegewinn, auck nicht die Eroberung einer Festung das Wesentliche des Sieges ist, sondern die Vernichtung des feindlichen Heeres. Darum stöhnt ja die englische Presse bereits so angst­voll, darum schrerbt ein Londoner Blatt:Es geht um Englands Zukunft, ia uni Englands Rasse." Und eine andere Zeitung noch deutlicher, noch erschreck- ter:Dieser Kamps ist kein Bluts, sondern furchtbare und brutale Wirklichkeit!" Hat man denn an einen deutschen Bluff geglaubt? Fast siebt es so aus. wenn man die englischen Gefangenen hört, die ver­sichern, niemand hätte den Angriff gerade an dieser Stelle erwai-tet. Zum mindesten rechneten ne mit einem späteren Zeitpunkt. Die Deutschen wollten noch bis April zuß'hen, sich nach einem Friedensausweg Um­sehen. Alles andere sei Bluff . . . Echt englisch! Und immer dieselbe Verbohrtheit, die sich nicht be­lehren lassen will, bis ihr die Tat den Schädel ein­schlägt. War es während des ganzen bisherigen Krieges anders? Als 1916 die großen Verfolgungs­kämpfe in Rußland abgeschlossen waren, teilte der Reichskanzler öffentlich niit, daß nunmehr eine starke Armee für neu« Schläge auf anderen Kriegsschauplätzen frei werde. Man machte nicht einmal ein Geheimnis daraus: Serbien! Ebenso, war es" vor den Dar- d a n e l l e n, dann in Rumänien, endlich in Italien durchaus klar, welches unser Plan und un­erschütterlicher Wille war. Du lieber Himmel, mehr kann man doch nicht tun, als ihnen offen lagen, welches die militärischen Notwendigkeiten in dieser und jener Lage für ims sind. Und jedesmal 'porteten sie über unsereSchwäche". Unser neuer Kriegsplan sei nur von der Verzweiflung eingegeben. Sei ein Bluff. Wir haben eigentlich alles angekündigt, nicht mit großen Worten und heldischen Gebärden, wie so mancher gegnerische Heerführer die meist mißglückten Operationen der Entente, sondern ruhig und sach­lich. w die Versenkung der ..Lusitania", den verschärf- ten U-Bootskrieg, die Strafmaßnahmen für die Zer­störung friedlicher Orte, die Repressalien gegen die Miß. Handlung deutscher Gefangenen in Ferndeshand, zuletzt auch, -nachdem Rußland nieder geworfen und der Frieden im Osten Tatsache geworden war, ohne daß die Rumpf-Entente unsere bis zuletzt betonte Verhandlungswilligkeit auf Grundlage billigster Be­dingungen anderswie als mit Hohn behandelte, die be­vorstehende große Offensive im Westen. Die Furcht, daß es mit der letzteren bitterer Ernst werden könnte, hat freilich bei unseren Gegnern nicht gefehlt, wenn sie auch gewiß nicht darauf gefaßt waren, daß in wenigen Tagen von Beginn der Operation an so llngeheures vonuns erre icht werden würde. Aus der fast ver­wirrenden Zahl von Ortschaften, die unseren vordrin­genden Truppen in die Hände fielen, ergibt sich die wichtige TaUache, daß unsere Linien in drei Tagen nm ein für die Schützengrabentaktik rm Westen gewaltiges Stück vorwärts geschoben wer­den konnten. Es handelt sich nm einen Abschnitt, zu dessen Eroberung unsere Feinde zum Teil monatelang gebraucht hatten. Bezeichnend ist dafür, daß bereits die Linie Peronne°Ham wieder in der Richtung auf Westen überschritten werden konnte. Hier hat sich der Unterschied zwischen unserer Kampfes- weise und der unserer Feinde klar gezeigt. Während unsere Feinde nur schrittweise vorwärts kamen, trotz­dem sie seinerzeit ungeheure Kräfte ein'-ebten, über- rannten, unsere Truppen in gewohntem Vorwärtsdrang schon zum Teil im ersten Stoß die ersten feindlichen Stellungen und drangen bis zur dritten Linie vor. Die elastische Dertsidiaungsmethode, die bei uns mit vollendeter Meisterschaft gegenüber feindlichen Angrif- sen betätigt worden ist, fehlt unseren Feinden voll­kommen. rmd ihre Truppen waren dem furchtbaren Frontal stoß unserer Divisionen in keiner Weis« gewachsen. Der erste Abschnitt der Großen Schlacht hat in der G e w i n n n ng g r o ß e n G e- löflderaumes. in der Gefangennahme von m'ehr als 4 5 0 0 0 Ma n n und in unübersehbarer Kriegesbeute, darunter 600 Geschütze und mehrere Tausende Maschinengewehre, die Krönung erhalten, an der all« deutschen Stämme gleichmäßig beteiligt sind. Aus der Bezeichnunge r st e r Abschnit i" kann man erkennen, daß damit der deutsche Stoß noch nicht sein jSnbe erreicht hat, sondern in strategischer Beziehung

noch weiter ausgeb.aut werden «oll. Die F r i s ch e u n d Wucht unterer Angriffe zeigt, daß oci unseren Truppen noch keinerlei Erschöpfung einge­treten ist, die-bie Fortsetzung der Kämpfe hindern könnte.

Zu den ungeheuren Überraschungen, welche die Wucht unseres Ansturmes für unsere Feinde bedeutet, gesellt sich rechtzeitig eine neue und unerhörte: Paris n urde au f eine Entfernung non hundert- undzwanzig Kilometer beschossen! Als im Mai 1915 Dünkirchen von unseren Truppen be­schossen wurde, ging ein großes Rätselraten durch das Laaer unserer Feinde. Dabei war Dünkirchen nur un­gefähr 33 bis 38 Kilometer von unseren Linien ent­fernt. Nun gar eine Beschießung auf eine Entfernung von 120 Kilometer! Auch bieraus ergibt iich, wie der rastlos vorwärtsstrebende deutsche Geist dem Feinde Vorsprung abgeisinnt. Darum bedeutet Mich diese Tat­sache soviel wie ein großer Sieg.

»

W. T.-B. Berlin. 25. März. (Amtlich. Drahtbericht.) Seine Majestät der Kaiser sandte von dem Schlachtfeld der großen Schlacht in Frankreich das folgende Telegramm an Ihre Majestät die Kaiserin:Großes Hauptquartier,

25. März 1918, 11 Uhr vormittags. Ihrer Majestät der Kaiserin, Berlin, Bellevue. Heute nacht fiel Bapaume nach schwerem Ringen. Meine siegreichen Truppen sind im Bordringen von Bapaume nach Westen. Weiter südlich Bormarsch auf Albert. Die Somme oberhalb Peronne ist an vielen Stellen überschritten. Der Geist der Truppen ist frisch, wie a:n ersten Tag. über 15 000 Ge­fangene, über 600 Geschütze, Tausende von Maschinengewehren und ungeheure Bestände an Munition und Berpslcgung, ähnlich wie nach der Jsonzoschlacht in Italien. Gott mit uns. W i l h e l m."

Die kaiserlichen Handschreiben an Hkndenburg und Ludendorff.

W. T.-B. Berlin, 25. März. (Amtlich. Drahtbericht.) Die Handschreiben, in denen Seine Majestät der Kaiser den Generalfeldmarschall v. Hindenburg und dem Gene­ral Ludendorff die ihnen aus Anlaß der großen Schlacht in Frankreich überreichten Auszeichnun­gen verleiht, haben folgenden Wortlaut:

Mein lieber Feldmarschall!

In wohl der größten Schlacht der Weltge- geschichte ist in diesen drei Tagen ein großer Teil des englischen Heeres aus seinen Stellungen ge­worfen und von unseren heldenmütigen Truppen ge­schlagen worden. Ihre hohe Feldherrnkunst hat sich bierbei wieder auf das glänzendste bewährt. Für den Sieg von Belle-Alliance erhielt der Feldmrrschall Fürst Blücher tos besonders für,ihn gestiftete Eiserne Kreuz mit goldenen Strahlen. Dieses nur einmal verliehene höchste Ordenszeichen Ihnen heute zu verleihen, ist mir eine ganz besondere Herzensfreude. Mit dem gesamten Vaterland weiß ich mich eins, daß diese hohe Auszeichnung niemanden mehr gebührt als Ihnen, dem auch heute wieder aller Deutschen Herzen in Dankbarkeit, Verehrung und Ver­trauen entgegenschlagen.

Ihr dankbarer König Wilhelm R.

Das Handschreiben an General Ludendorfs lautet:

Mein lieber General Ludendorff!

Die unvergleichlichen herrlichen Erfolge, welche unsere heldenmütigen Truppen in diesen Tagen gegen das englische Heer errungen haben, sind ein glänzendes Zeugnis für Ihre unübertroffene klare Voraussicht rmd nie versagende Tatkraft, mit der Sie in zielbe- wußterArbeitdie Grundlagen für diesen Sieg geschaffen haben. In dankbarer ^Anerkennung Ihrer hohen, dem Vater­land erneut in treuester selbstloserHingabe geleisteten Dienste vei leihe ich Ihnen mit besonderer Freude das Großkreuz des Eisernen Kreuzes.

Ihr dankbarer König Wilhelm R.

Hindenburgs und Ludendorffs Werk.

Berlin, 25. Marz, (zb.) Unter deÄ ÜberschriftDer Sieg des Schwertes" heißt eo in derVoss. Ztg.": Als Hindenburg und Ludendorff vom Kaiser an die Spitze der gesamten ver­bündeten Truppenmacht berufen wurden, da schwebte allen ein ferner Traum, die Möglichkeit vor, die st a r r e Mauer des Westens einmal in gewaltiger Feldschlacht vorgetvagen zu sehen. Jetzt ist dieser Traum Wirklichkeit ge­worden. Das Werk der Meiste cfeldherrn reist seiner Krönung entgegen. Neue.Hoffnung, daß das Ende, das siegreiche Ende nahe sei, schwellt jede Brust. Mit jedem S ch l a ch t t a g wird das Bild friede- und kraft­voller, die Entwicklung des Reiches in der Zukunft deutlicher. Kein Wort desDankeSandie Feldherrn und ihre Soldaten ist groß genug. Deutschland und seine Verbündeten könne« diese DmrkeSjchvl-d m Swiskert nicht abtragm.

Zurückwersnng der Engländer ans ihre Stellungen von pstb. ,

Vordringen unserer Truppen zwischen Somme und Oise.

W. T.-B. Berlin, 25. März, abends. (Amtlich. Dcaht- bericht.) Harte Kämpfe zwischen Bapaume und P c t o n n c. Wir warfen den Feind hier auf seine alten, vor Beg.-in der Sommeschlacht 1916 gehaltenen Stellungen zwischen Ancre und Somme zurück.

Zwischen Somme und Oise sind unsere Truppe» kämpfend im Vordringen.

*

Das furchtbare deutsche KrtiUeriefeuer auf der ganzen §ro"t.

Berlin, 25. März, (zb.! Französische Blätter melden von der Front, daß das feindliche Artilleriefener jetzt die ganze französische Front anfwühlt. Die Militärbehörden haben befehlen, so weit noch möglich, die Zivilbevölkerung aus Verdun sortzubringen. Die feindliche Artillerie arbeite mit koscher Stärke, daß die e r ft e n Linien in g e l b » schwarzem Dampf liegen, was die Gegenmaßnahmen äußerst erschwere.

Oie erfolgreiche vetLt quny deutscher Tanks.

Br. Berlin, 25. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie auS den Meldungen verschiedener Berichterstatter hervorgeht, haben sich an den einzelnen Offensivkämpferi auch zum ersten­mal deutsche Tanks beteiligt. .In derTägl. Runsch." wird hierüber berichtet: Zum erstenmal griffen deutsche Lanks in den Kampf ein, und zwar mit vollem Erfolg. Undurchdringlich für kleine Geschoffe, brachten sie manchen stark ausgobauten Stützpunkt in unsere Hand. Schwere'Ber- luste find nickt entstarcden. Der Berichterstatter des83. ST', der mit der Bemannung von Tanks, die im Kampf waren, zu sprechen Gelegenheit hatte, teilt hierüber mit, daß die Be­satzung sich mit voller B e g e i st e r u n g über ihre Stur ui wagen äußerte. Sie übertreffen die der Eng­länder sowohl hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkett wie ihrer Geschwindigkeit, die aus guter -Straße der eines Lastautos gleichkommt. Einer der Sturmwagen hatte allein 5 0 0 Ge­fangene gemacht.

Französische Vermutungen.

Br Bern, 25. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) AuS dm Kommentaren der Pariser Zeitungen, di« naturgemäß zu be­ruhigen versuchen, verdient die Meinung vomMntin" und Echo de Paris" hervorgehoben zu werden, in der es u. «t. heißt: Es ist möglich, daß der gegenwärtige -heftige Stoß des Feindes ein Gegenstück in einem Massenangriff gegen den linken.englisch-belgischen Flügel in der Richtung Calais zwischen Mer und Arras haben wird, der so eine direkte Bedrohung gegen England darstellen würde.

Oie Beschießung von Paris mit weit­tragendem Geschütz.

Br. Bern, 25. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Zahl der durch die chemischen Ferngeschütze auf Paris erzielte» Treffer gibt dasJournal" auf 24 an, die in Zwischen­räumen van 15 bis 20 ALinutm einschlugen. Angenomnien wird, daß dank eines neuen Disposittv aus den Geschossen während der Flugdauer neue lÄefchoffe sich entluden, also eine Art Relais-Methode verwandt werde. Als sicher stellt dasJournal" fest, daß die deutschen Flieger wesentlich zur Zielsicherheit der deutschen Geschütze beitrugen.

W. T.-B. Paris, 25. März. (Drahtbericht.) DieLiberte" meldet: In militärischen Kreisen glaubt man. daß es zwei weittragende Geschütze desselben Kalibers gibt, die auf Paris schießen. Das letzte Geschoß auf Paris fiel um 11.52 Uhr.Jmransigeant" erklärt: Nach Berichten aus

chemischen Laboratorien ft e i g t das Geschoß, -das ans Paris abgegeben wurde, 35 Kilometer hoch. Die Regierung beschloß, daß im Fälle des Bombardements von Paris durch weittragende deutsche Geschütze das öffentliche Leben fortge­setzt werden soll, ebenso wie der Verwaltungs- und öffentlich« Dienst und die Züge der Untergrundstraßenbahn normal weiter verkehren werden, jedoch soll die Bevölkerung durch Trommel- und Pfeifensignale benachrichtigt wer­den. Ansammlungen auf öffentlicher Straße sind verboten. Um 3.20 Uhr wurde durch die Feuerwehr und die Kirchen- glecken alarmiert: Da die Bevölkerung das Signal nicht erwartete, waren in Anbetracht des beliebten Sonntags» fpaziergangs die Boulevards stark bevölkert. In den erste» Morgenstunden besuchte Clemenceau und Favre die Orte, w» die Geschosse eingeschlagen waren. Sie grüßten di« Opfer und sprachen den Verwundeten Mut zu.

Elemeneeau ist entzückt.

\V. T.-B. Bern, 25. März. Die ganze Pariser Presse be­müht sich, die Bevölkerung zu beruhigen. Nach deinPetit Palrifichr" äuhprte Clemenceau sich sehr zufriede« über den Verlauf der Offensive. DerMatin" berichtet so» gar: Clemenceau sagte in de» Wandelgängen der Kammqx