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Donnerstag» 21. März 1918.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 135. . 66. Jahrgang.
Holland in Not.
(Eine neue Erklärung der holländischen Regierung.
Br. Haag, 20. Marz. (Eig. Dmhtbericht. zb. Nieuw Bureau.) Die heutig:; Sitz» n g der Zweiten Kammer wurde wiederum mit einer Rede des Ministers des Äußern 2 mbon eröffnet. Der Minister sagte, er habe gestern der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß er in die Debatte der Kammer nicht niehr eingreifen müsse. Aber auch mit seiner gestrigen Erklärung sei er nicht verstanden worden u>rd er müsse deshalb heute noch eine weitere Aufklärung hiw-iufügen. Als Minister und als Holländer freue er sich, daß die Forderunq der Alltierten-Regierungen überall so viel Empörung hervorgerufen habe. Es sei gut, daß die kriegführenden Negierungen und Nationen die wahren Absichten des holländischen Volkes kennen lernen. Man habe ihm vorgewocsen daß er die Forderungen der Alliierten angenommen habe, obwohl es bequemer gewesen wäre, sie abzuweisen. Sollte man zwei oder drei Monate später kein Getreide mehr in Holland haben, so würden dieselben Herren, die erst gegen das Ententeangedot , waren, anders sprechen. Die nationalen Interessen hätten die Annahme der Forderung bedingt. Da- ■,it käme Deutschlands Antwort und die Gefährdung der Flotte und Kolonien. Aus dem Vorwurf, daß von Deutschland zu viel verlangt worden sei, erklärte der Minister, das treffe nicht zu. Auf der einen Seite hätte die holländische Re- gierung das sichere Versprechen erhalten, daß N o r d- a m e r i k a am 15. April und Südamerika am 15. Mai mit der Verschiffung und Absendung des Getreides beginnen würden. Das zugesagte Quantum von 100 000 Tonnen wäre also Holland für die nächsten Monate sicher. Mit weniger konnte das Land nickst auskommen. Deshalb mußte die Frist von zwei Monaten für dasselbe Quantum von Deutschland verlangt werden.
Die Regierung, so schloß der Minister, kann in ihrem Entgegenkommen gegen die Entente nicht weitergehen und geht auch ganz bestimmt keinen Schritt weiter. v
Kurzer prozetz mit Holland •
seitens feer (Entente.
W. 1.-8. London, 20. März. (Drahtbericht.) Das Reuter- sche Bu>«au erfährt, daß der englischen Regierung bis gestern nachmittag noch keine Antwort der Regierung der Niederlande auf die Note der Alliierten zugegangen war Es lag auch weder eine Bestätigung des britischen Gesandten im Haag »ich eine des niederländischen Gesandten in London vor, last die niederländische Regierung den ihr vorge- schlagenen Bedingungen zugestimmt habe.
Infolgedessen ist eine neue Notifikation nach dem Haag gesandt worden, nach der die Alliierten mangels ter unzweideutigen Annahme der Note der Alliierten zu der sofortigen Beschlagnahme der Schiffe schreiten mußten. Da ein Telegramm aus Holland den Anschein erweckte, als habe die Regierung der Niederlande die Note der Alliierten angenommen, so sollte von neuem betont werten, daß der bloße Versuch der zögernden Annahme des roodus vivendi vom vergangenen Januar seitens Hollands der Sachlage nicht g e r e ch t wird, da sich die Situation von Grund aus geändert hat.
Die Vorbereitungen zur Beschlagnahme in feen vereinigten Staaten.
NWS. Haag, 20. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Reuter meldet aus Washington' Die Vorbereitungen zur Beschlagnahme der holländischen Schiffe in den Häfen der Vereinigten Staaten sind beendigt. Präsident Wilson hat gestern eine Proklamation unterzeichnet, in der die Beschlagnahme und die Gründe hierzu ausgesprochen werden. Diese Proklamation liegt bereit und kann jeden Augenblick veröffentlicht werden.
Englands eiserne Stirne.
W. 1.-8. Amsterdam, 20. März. (Drahtbericht.) Dem .Nieuwe Rotterd. Courant" zufolge • verteidigt „Manchester Guardian" daS Recht der Kriegführenden, neutrales Eigentum innerhalb ihres Machtbereichs zu benutzen. Ti« Alliierten kämpften übrigens auch für die Neutralen. Sie feien di« Seepolizei und jeder Polizeiagent des Lohnes wert.
Die Meinung in der Schweiz.
W. T.-B. Bern, 20. März. (Dcahtbericht.) Das „Berner Tagblcrtt" schreibt zu den Bedingungen der Entente gegen- über Holland: Das ist eine Vergewaltigung sondergleichen. So springt man mit dem Gegner um, von dem man weiß, daß er nicht imstande ist, ernstlichen Widerstand zu »eisten. Was hat aber Holland den mächtigen seefahrenden Mächten in den Weg gelegt? Beide kriegführenden
Parteien müssen zugeden, daß dieser Neutrale ehrlich bemüht ist, eine strenge Unparteilichkeit zu wahren, ebenso wie die Schn eiz. Obwohl also Holland nicht verdächtigt werden kann, geht England mit brutaler Rücksichtslosigkeit ans Werk und das Amerika Wilsons unterstützt diesen Schritt, dasselbe Amerika, von dem cs heißt, daß es alles getan, um den Kc>eg zu gewinnen und die Schiffsraumnot zu beheben. Wessen hat man sich da zu versehen? Wir anderen schwachen Neutralen müssen ans der Hut sein, daß uns die Entente nicht, von ihren KriegSintereffen geleitet, ans Leben geht und uns durch Entziebung unserer Trans- pi rtmittel unsere Lebensmittelversorgung auch von ihrem Willen abhängig zu machen.
Oie tage Im westen.
Frankreich tn Erwartung feer feeutschen (Vffensive.
Br. Genf, 20 März. <Eig. Drahibericht. zb.) Die Präsekten der mittleren fronzi-bichen Departements fordern die Einwohner zur Ausnahme ter aus dem Front- und Etappengebiet entfern r c n Zivilbevölkerung aus, die in den nächste« Tagen i» grcßer Zahl in MUtelfrankreich eintreffen sollen.
» Ern Vertrauensvotum für feie französische Regierung.
W. T.-B. Paris, 20. März. (Drahtbericht. Agence Havas.) In der Kammer beantwortete Minister Loucheur die Interpellation über die Katastrophe von La Courtneuve und erklärte, die Schuldigen würden zur Verantwortung ge- zrgen werden. Die Kammer nahm mit 389 gegen 66 Stimmen eine Vertrauenstagesordnung an.
Erhöhung der Getreideprerfr in Frankreich.
W. T.-B. Paris, 20. März. (Drahtbericht. Agence Havas.) „Temps" meldet: Di; Regierung beschloß, den Preis für Weizen auf 78, für die anderen Getreidearten aus der Ernte 7938 auf 55 Franken für den Zentner zu erhöhen.
Lust-Postverkehr im Südosten des Gebiets der Mittelmächte.
W. T.-B. Wien, 20. März. (Drahtbericht.) Die „Neue Fr. Presse" meldet: In den nächsten Tagen wird die Luftverbindung zwischen Wien und Kiew mit der Etappenstation in Krakau und Lemberg, ferner der Luftverkehr von B u d a p e st über Bukarest nach Odessa, vielleicht nach Äonstantinopel, eingerichtet werden. Vorerst soll die neue Lustverbindung zur dienstlichen Vermittlung der Post zwischen den.Zentralstellen und auf Erfassung und Überweisung der für Österreich-Ungarn in Betracht kommenden Getreidevorräte in der Ukraine gerichteten Mission des Grafen Fovbach dienen. Nach kurzer Erprobung scll die Luftpost für den öffentlichen Postverkehr freigogeben n-erden.
Auszeichnung Mackensens durch Len König von Bulgarien
V/' T.-B. Sofia, 20. März. (Bulgarische Telegraphen- Agentur.) König Ferdinand hat dem Generalfeldmürschall o. Mackensen das Groß kreuz mit Brillanten des St. Alexanderordens verliehen und den Ministerpräsidenten Radoslawow beauftragt, dem Generalfeld- marlchcill die Insignien deS Ordens in Bukarest zu überreifen. Bei der Überreichung hielt der Ministerpräsident eine warme Ansprache, in der er die großen, von dem Gene- ralicldmarschall der Sache der bulgarischen Ei n i g u n jr geleisteten Dienste hervorhrb.
Zustimmung Amerikas zu feem Eingreifen Japans in Sibirien?
Sr. Rotterdam, 20. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Einem Exchange-Telegramm aus Washington zufolge werden sich die Bereinigten Staaten dem Eingreifen Japans in Sibirien nicht widersetzen.
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Die Mannschaft des „Seeadlers" auf freiem Fuß in Chile
W. T.-B. Berlin, 20. März. (Drahibericht.) Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Wie wir auS zuverlässiger Quell« hören, ist die von einer feindlichen Nachrichtenagentur verbreitete Nachricht, daß die in Chile gelandete Mannschaft deS Hilfskreuzers „Seeadler" von der chilenischen Regierung interniert worden sei, unzutreffend. Die Mannschafte,> befinden sich auf freiem Fuß und sind nur bis zur Klärung der mit ihrer weiteren Verhandlung zufammea- hängenden Rechtsfrage unter behördliche Aufsicht gestellt.
Vom Grafen Luxbnrg.
W. T.-B Berlin, 20. März. (Drahtbeeicht.) Die „Nordd. Allg, Zig." meldet: Die Reutermeldung, daß der Gesandte Graf Luxburg in Chile eingetroffen sei, entspricht hier vorliegenden Nachrichten nicht den Tatsachen.
Abermalige Verlegung des russischen Regierungssitzes.
W. T.-B. Bern, 20. März. (Drahtbericht.) „Progräs de Lyon" meldet, daß tn Moskau zahlreiche Bolschewikiführer für eine abermalige Verlegung des Regierungssitzes eintreten. Man spricht von Nischuinowgorod oder Perm.
Der Daimler-Skandal int Reichstag.
(Eigener Dralitbcricht des „Wiesbadener Tagblatts".)
# Berlin, 20. März.
Am Bundesrvtstisch: Rüdlin, v. Wrisberg, Unterstaatssekretär Coupette, Freiherr von iem Bus sch« und andere.
Vizepräsident Dr. Paaschc eröffnet die Sitzung um 3.25 Uhr. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt die zweite Lesung eines Gesetzes, betr. Änderung des Posh scheckgesetzes.
Abg. Nacken (Zentr.) empfiehlt namens des Hauptausschusses unveränderte Annahme der Vorlage, deren Hauptzweck die Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs sei. Nach kurzen zuftimmcnden AuS- stchrungen Dr. Südekums (Soz.) wird das Gesetz in zweite» und dritter Lesung einstimmig angenommen.
ES folgt der mündliche Bericht des Hauptausschusses übe» die Anträge, daß eine Bundesratsverordnung, betr.
Ueberwachung feer für feen Heeresbefearf arbeitenfeen Betriebe
erlassen werden möge. (Fall der Daimlerwerke.)
Der Ausschuß beantragt durch den Berichterstatter Abg Liesching die Überwachung der Geschäftsbücher und anderer für die Berechnung der Preise maßgebenden Unterlagen, Errichtung von Preisprüfungsstellen bet sämtlichen zentralen Beschaffungsstellen für die Bedürfnisse des HeereS und der Marine, und endlich Schaffung einer Zentralprüfungsstelle für Kriegslieferungen, deren Aufgabe es ist, die Tätigkeit aller ei.rzelnen Prüfungsstellev zu überwachen.
General v. WriSbrrg: Die Veranlassung zu den vorliegenden Anträgen hat die Daimler-Angelegenheit gegeben. Nh wende mich ihr zu. Was die strafrechtliche Seit« der Angelegenheit angeht, fo ist seitens der Staatsanwaltschaft in Stuttgart das Strafverfahren wegen versuchten Betrugs und KriegswucherS eingeleitet woroen, und da» Schreiben der Firma, in dem die Heeresverwaltung ein« Drohung mit Betriebseinschränkung sah, ist durch die genannte Staatsanwaltschaft dem Oberreichsanwalt zugeleitet worden zur P r ü f u n g. ob darin etwa versuchter Landesverrat zu erblicken ist. Die Heeresverwaltung mutz es sich versagen, über die strafrechtliche Frage der Seite zu urteilen, so lange das Verfahren schwebt. Hinsichtlich der
Erklärung der Daimler-Gesellschaft vom 11. März
habe ich folgende Erklärung abzngeben: „Wenn dort die
Drohung mit einer Einstellung des Betriebs in Abrede gestellt wird, so wehrt man sich gegen eine Anklage, die gar nicht erhoben worden ist. Der Wortlaut des den Gerichten übergebenen 'Schreibens läßt gar keinen Zweifel darüber zu, ob eS sich um ein Ultimatum handelt, das Einschränkungen 4>e3 Betriebs androht, falls die geforderte Preis- revisicm nicht in aller Kürze eintrete. Es ist stets anerkannt worden, daß die Daimler-Werke hohe Qualität»- a r b e - t liefern, was wohl weniger der kaufmännischen Leitung als der technischen Leitung und der Arbeiterschaft za danken ist. Gerade wegen der hohen Leistungen des Werkes log es aber im Interesse der öffentlichen Sicherheit, einer Einschränkung der Produktion vorzubeugen. So wurde dieses Schreiben, in welchem gleichzeitig und endgültig die feit langer Zeit immer wieder wiederholte
Forderung der Heeresverwaltung, detaillierte Kalkulationen vorzulegc»,
ab ge lehnt wurde, de; äußere Anlaß, auf Grund des §9b eck BclagerungszustandSgesetzes einzufchreiten. Wenn die Firma nun weiter, wie sie erklärt, einige Tag« später ihre Drohung ausdrücklich zurückgenommen hat, so war diese Zurücknahme doch nur erfolgt unter dem Druck der Bestimmungen deS DelagerungSzustandsgefetzeS, um die Militarisierung a b z u w e n b e n. Die trotzdem bald darauf verfügte Militarisierung erfolgte nicht lediglich auf die inzwischen bekannt gewordenen Angaben eines ehemaligen Beamten der Firma, sondern auf Grund der ganzen Vorgänge, in Verbindung mit dieser Anzeige, da nunmehr die bisherige Verweigerung ber Kalkulations- grundlage — bei den hohen von der Gesellschaft erzielte:, Gewinnen — um so schwerwiegender erschien. Es trifft also auch nicht zu, daß'der Unter- und der Hauptausschuß deS Reichstags sich bei ihrem Vorgehen gegen die Firma allein auf die Angaben eines ehemaligen Beamten gestützt hätten. Die Daimler-Gesellschaft wendet sich ferner gegen die in den Zeitungen wiedergegobene Ansicht dar Heeresverwaltung. Daimler habe
50 Prozent Preiserhöhung
gefordert. Die Firma behauptet, nuc 10 Prozent gefordert zu baten Dies war allerdings ihre letzt; Forderung. Es wird über übersehen, daß der Kommissar der Heeresverwaltung m Hauptausschuß nicht von 50 Prozent auf die letzten Preise gesprochen hat, sondern von etwa 50 Prozent auf die zu Beginn des Krieges tatsächlich bezahlten Friedenspreis«. Der I r r < u m erklärt sich auS der naturgemäß unvollständigen Wiedergabe in der Presse. Die geforderte Preissteigerung betrug im ganzen gegenüber dem genannten Friedenspreis auf Motore etwa 41 Prozent, auf Ersatzteile 70 Prozent, so daß sich im Durchschnitt etwa 50 Prozent Augchlua ergäbest,
