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Sonntag, 17. März 1918.

Morgen-klusgabe.

Nr. 129. . 66. Jahrgang.

Revision des KriedenZvrrtragr mit der Ukraine.

Lin Zugrständnis an die polen.

W. T.-B. Berlin, 16. März. (Drcihtbericht.) Am 4. März wurde in Brest-Lrton. sk von den zum Abschluß der Friedensverhcmdlungen mit Nutzlund da­hin entsandten Bevollmächtigten der Vierbund- möchte einerseits und den Delegierten der ukraini­schen Volksrepublik andererseits das bereits im österreichischen Abgeordnetenhaus angekündigte Proto­koll über die polnisch-ukrainische Grenze unterzeichnet, welches wie folgt lautet:

Da Zweifel über die Auslegung des Punktes II Artikel 2 des am 9. Februar in Brest-Litowsk zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und der Türkei einer­seits und der ukrainischen Volksrepublik andererseits geschlossenen Friedensvertrags entstanden sind, beschlos­sen die Regierungen der genannten Mächte, diese Zwei­fel durch eine ergänzende Erklärung zu be­seitigen und haben ihre zu den Friedensverhandlungen mit Rutzland nach Brest-Litowsk entsandten Bevoll- mächtigten (es folgt die Aufzählung der Bevollmäch­tigten) beauftragt, Nachstehendes zu erklären: Zur

Vermeidung von Mißverständnissen der Auslegung des Punktes 2 des Artikels II des am 9. Februar in Brest-Litowsk zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei einerseits und der ukrainischen Volksrepublik andererseits ge- schlossen« Friedensvertrag wird festgestellt, daß die im zweiten Absatz dieser Vertragsbestimniung vorgesehene gemischte Kommission bet der Festsetzung der Grenze nicht gebunden ist. die Grenzlinie durch die Orte Bilgorej-Szcezebrzsryn-Krastnostaw- Pugaszow-Nadin-Meshiretschie und Sarnaki zu legen, sondern das Recht besitzt, die üch auf Grund des Ar­tikels II Punkt 2 dieses Friedensoertrags aus den etbnographischen Verhältnissen und den Wünschen der Bevölkerung ergebende Grenze auch östlich der Linie Dilgorej - Szcezebrzsryn-Krastnostaw - Pugafzow-Radin- Mesbiretschie und Sarnaki zu führen. Die erwähnte gemischte Kommission wird aus Vertretern der vertragsschließenden Teile und Vertretern Polens gebildet werden. Es wird sede dieser Par- tcien die gleiche Anzahl von Delegierten zur Kommission entsenden. Die vertragsschließenden Teile werden einverständlich bestimmen, in welchem Zeitpunkt diele Kommission zusammentreten wird.

Ausgefertigt in fünffacher Urschrift in Brest-Litowsk om 4. März 1918.

Anmerkung der Schrift-leituny: Dieses Ab­kommen bedeutet ein Zugeständnis an Me Polen. Nach den Konferenzen Kaiser .Karls mit den Führern der polnischen Parteien und den Verhandlungen deutscher Parlamentarier mit polnischen Parteivcrtretern konnte man erwarten, daß die Negierungen der Mittelmächte -bestrebt sein würden, den pol­nischen Wünschen, bctr. die Abmachungen über das Gouver­nement C h o l m, entgegenzukommen. Die österreichischen Pi len forderten allerdings Bindungen von der Regierung, die auch aus Deutschland Rückwirkung gehabt hätten. Ob dies bewilligt wurde, ist noch nicht zu erkennen, jedoch ist das nicht anzunehmen. Die polnischen Wünsche werden durch die Revi­sion des nkrain. Vertrags ohnehin weitgehende Berücksichtigung erfahren, und ek ist zu hoffen, daß die polnischen Staatsan­gehörigen in Preußen sowohl wie in Österreich sich nun auch dazu verstehen werden, eine positive und real« Politik zu treiben. _

Ein neuer Kurs in Rumänien?

Unterbrechung der Zriedensverhandlungen. nücktcltr des Ministeriums Koareseu.!

W. T.-B. Bukarest, 16. Mäcz. (Drahtbericht.) Der rumänische erste Delegierte der Friedenskonferenz Argetojanu ist am Donnerstag verabredunas- gemäß von Jassy nach Bukarest zurückgekehrt. Er hat den Delegierten der Zentralmächte mitgeteilt, das Ministerium A v a r e s c u habe aus i nnerpolit i- scheu Gründen, die nichts mit der Friedens­frage zu tun hätten, demissioniert. Ein neues Ministerium sei noch nicht gebildet. Da die Vollmachten der bisherigen rumänischen Delegierten infolge dieser Entwicklung hinfällig geworden sind, ruhen zu- nächst die Hauptverhandlungen. Die Kom- missionsberatnngen der einzelnen Unterabteilungen der Friedenskonferenz werden fortgesetzt.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht

W. T.-B. Wien, 16. März. lDrahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 16. März, mittags: Keine besonderen Ereignisse. . ^ » . .. Der Chef des Genevalstabs,

Das Entente-Ultimatum an Holland.

holländische Beschwichtigungen.

W.T.-B. Haag, 16. März. (Drahtbericht.) Das Korre- spcndenzbureau erfährt, daß der Dt i n i st e r des Äußern in der Kammer eine Erk l ä r u n g über die Haltung der niederländischen Regierung in der Schisfssrage abgebcn wird. Ferner .ourde dem Korrespondenzbureau von dem Ministe­rium des Äußern mitgeteilt, daß keine Mitteilung derart, wie Reuter aus New Jork berichtet (vgl. Meldung in der gestrigen Morgen-Ausgabe. Schrift!.), eingetroffen sei, daß nämlich die Vereinigten Staaten und Großbritannien die niederländischen Schiffe in den Dienst der Alliierten stellen würden, wenn das Abkommen, über das verhandelt wird, nicht bis zum 15. März angenommen sei. Die Regierung sei nur ersucht worden, sich vor dem 18. März über den Vorschlag zu entscheiden, demgemäß Holland ein Vorschuß ton 100 000 Tonnen Weizen in»Aussicht gestellt würde, wenn es einen Teil seines Schiffsraums, der bei dem eventuellen Abkommen zur Verfügung der Alliierten gestellt würde, schon jetzt auch zur Benutzung im sogen, gefährlichen Ge­biet abtrete.

Einstellung der holländischen Schiffahrt?

W.t._b. Amsterdam. 16. März. (Drahtbericht.) Die Niederländische Telegraphen-Agentur erfährt vom 15. März, doß rstederländtsche Schiffe nicht nach England fahren dürfen.

W. T.-B. Amsterdam, 16. März. (Drahtbericht.) Der Niederländischen Telegraphen-Agentur zufolge haben die alliierten Regierungen zugestanden, daß der Dampfer ..Nieuwe Amsterdam" mit einer Ladung Reis und Kaffee nach Hoallnd fahren kann. Diese Ladung stcnnmt aus zwei niederländischen Schiffen, die in amerikanischen Häfen liegen.

Betriebseinstelluug holländischer Tabakssabriken.

IV. T.-B. Amsterdam, 16. März. (Dvahtbemcht.) Eurem hiesigen Blatte zufolge werden ungefähr 50 Tabakfabriken von Montag an ihre Arbeit wegen Dkangel an Rohstoffen einstellen. _

Lin grotzer Geleitzug angegriffen.

Sn. Kopenhagen, 16. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Bernngske Tidende" berichtet aus Ehristiania: In Stavangec liefen gestern mehrere Dampfer ein, die in einem Handels- gelcstzug aus England über die Nordsee gekommen waren. Der Gcleitzug bestand aus 26 skandinavischen und englischen Dampfern, die von 18 englischen Kriegsschiffen begleitet waren. Die Reise über die Nordsee verlief ungestört, als etwa 6 Seemeilen von der norwegischen Küste entfernt auf jeder Seite des GelcitzugeS ein Unterseeboot auf- tauditc. Kurz darauf ertönte auf dem letzten Schiff des Geleiizuges, einem englischen Dampfer, eine heftige Explosion. Darauf stiegen dichte Rauchwolken empor. Der Dampfer war von einem Torpedo getroffen. Den her- beieilenden Kriegsschiffen gelang es, einen Teil der Besatzung zu retten; einige sind jedoch bei der Explosion umgekommen. Später hörte man an der Küste eine heftige Kanonade. Es wird angenommen, daß die begleitenden englischen Kriegs­schiffe n.it deutschen Unterseebooten oder anderen Kriegs­schiffen in Kampf gerieten.

Balfour über das japanische Vorgehen.

Sr. London, 15. März. Im Unterhaus fragte Lee Smith .den Staatssekretär des Auswärtigen, ob er dem Hause betreffs der Gerüchte über Me japanischen Absichten im Asiatischen Rußland Mitteilungen machen könne, welche Stellung die Regierung in dieser wichtigen Frage einnehmc. Es bestände keinerlei Gefahr, daß Deutschland Sibirien be­setze, aber der Gebietsverllust, der für Rußland aus dem Da- zwischentreten Japans folgen würde, stände keinesfalls im Einklang mit der Forderung Wilsons. Hoffentlich werde die Regierung der von Wilson fcstgelegten politischen Richtung folgen. Balfour führt« aus: Ich denke optimistisch über Rußland, aber nicht über seine unmittelbar« Zukunft. Es wird notwendig einig« Zeit dauern, bis man sicher weiß, wie­viel von dem alten Rußland zu dem neuen Rußland gehören und wie das neue Rußland sich gestalten wird. Balfour »sandte sich dann gegen die Kritik Lee Smiths, als ob eine japanische Expediticn nach Rußland geplant sei, die notwendig zur Aufteilung Rußlands führen würde. Er nehme nicht an, daß Deutschland versuche, große organisierte militärrscke Streitkräfte von Riga nach Wladiwostok zu schicken. Das wäre wahrscheinlich eine Operation von sehr großer Schwierigkeit, und, rein militärisch betrachtet, wäre sie unnötig und «ine verhängnisvolle Kraft-Verschwendung. Aber da Rutzland gar keine Wider st andskraft mehr besitze, so könne eine deutsche Durchdringung von einem Ende von Rußland bis zum anderen stattfinden, die absolut verhängnisvoll für Rußland und in Zukunft für die Verbün­deten sebr nachteilig sein würde. Balfour erging sich dann in -langen Redensarten über di« Entwicklung in Rußland, Me daraus hinausliesen, Deutschland werde die Unordnung in Rußland fordern (I), bis sie unerträglich, geworden sei, dann werde es sich eimnischen und die Autokratie wiederherstellen. Zum Schluß kam Dolfour wieder aus Japan zu sprechen, und protestierte energisch gegen die Unterstellung Lee Smiths, daß Japan sich durch selbstische unehrenhafte Motive leiten lasse. Japan habe mit vollkommener Loyalität gehandelt.

Die Eindrücke der Regierung in der knriändischen Frage.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

I-. Berlin, 16. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die kurlän- dische Abordnung, die heute dem Reichskanzler die Be­schlüsse des Landtags auf Übertragung der Her- zogskrone an den deutschen Kaiser oder den König von Preußen überbrachte, hat, wie wir erfahren, der Reichs­leitung genauere Mitteilungen über die Stellung der Be­völkerung zu den allgemeinen politischen Fragen gemacht. Beide Teile sind von dem Ergebnis der Konferenz völlig - z u fri e d en g este llt und der Kanzler hat, wie er sagt, aus der Unterredung viele ihni völlig neue Ge­danken gewinnen können. Vor allem müssen die irrtüm­liche! Ansichten in Deutschland richtiggestellt werden, daß der Landesrct nicht berechtigt sei, die Wünsche der kurländischen Bevölkerung in legitimer Weise zum Ausdruck zu bringen. Ter Lavdesrat ist zum kurländischen Landtag durch ein Gesetz vom September vorigen Jahres als oberste Behörde des Landes eingesetzt worden und aus berufsständigen Wahlen hervocgegangen, so daß er sich mit Recht als die einzige Institution bezeichnen kann, die im Namen der gesamten knrländischen Bevölkerung sprechen Mrrf. Kein Mensch wird Mroan denken, in den Ost­seeprovinzen unter den herrschenden Bildungsverhältnissen ein allgemeines und gleiches Wahlrecht in absehbarer Zeit einführen zu willen. Die kurländische Bevölkerung, sowohl Letten wie Balten, sind sich in ihren Wünschen über die Zukunft des Landes durchaus einig, und von vornherein kamen drei Negierungsformen für daS junge Staatswesen in Betracht: Selbständiges Herzogtum, Republik oder Personalunion. Nur wenige extreme Element«, vom Bolschewismus angestecktz traten für die Republik ein, und selbst sie haben sich angesichts der jetzigen Zustände in Ruß­land zu einer besseren Einsicht bekehrt. Die Letten, insbeson­dere die Bauernbevölkerung, befürchtet, daß bei Bo- gründung eines selbständigen Herzogtums der Herrscher sich auf die den Thron umdrängenden Barone stützen werde, so daß die lettischen Interessen hinter die deutschen zurücktreten müßten. So ist man also auch in -lettischen Kreisen der Ansicht, daß eine Personalunion mit dem König von Preußen oder, falls das nicht angängig Ist, mit dem deutschen Kaiser die -letzte Lösung bedeuten würde. Daß Me Bolten auf dem gleichen Standpunkt stehen, geht ja aus dem Beschluß des LandeSrats, indem sie dir überwiegende Zahl der Sitze mnehaben, genügend deutlich hervor. Die Hauptaufgabe der künftigen Regierung würde eS sein, den Haß, der zwischen Balten und Letten von der zaristischen Negierung geschaffen wurde, um so daS Land in dauernder Schwäche zu erhalten, jetzt zu beseitigen und weite Teile zu gemeinsamer fruchtbarerer Arbeit zusammen- xuführen. Dazu ist natürlich nötig, daß Verständnis und Willen für diese Bestrebungen bei der Bevölkerung vorhanden ist. Nach den Erklärungen. die dem Grafen Hertling heute gemocht worden sind, ist diese Voraussetzung vorhanden. Eine gewaltsame Germanisierung wird natürlich weder von kurländischer Seite gewünscht, noch von deutscher Seite geplant. Hier wäre die Regierung zu weitgehenden Zugeständnissen selbstverständlich bereit. . Auch unter der Verwaltung der Besatzungsbehöcden wird ja bereits Schul­unterricht in lettischer Sprache erteilt, wo die Bevölkerung; den Wunsch danach zu erkennen gibt. DaS ist da? B r l d, las sich von dem Stand der Dinge in fturlanb der R-ichs- leituug nach den Darlegungen der Delegierten ergeben hat. Man kann sagen, daß der Gedanke an ein s e l b st 8 n d' g r S Herzogtum auf ge geben ist und der andere für dies Personalunion mit Kaiser Wilhelm den bef weitem überwiegenden Teil der Bevölkerung hinter sich hat. Auf dieser Basis wird die Reichsle-'tung dem ftatfet ihre Vorschläge unterbreiten. Mas den- anderen kt deS Beschlusses vom 8. März, betreffend die erbetene Verbindung; Kur-, Liv- und Estlands zu einem einheitlichem Staatswesen anbetrifst, so können wir vorläufig kein« Stellung dazu nehmen, da es den Beschlüssen der LandeSver- tretungen überlassen bleiben muß, wie sie ihre völkerrecht­liche Zukunft gestalten will. In wenigen Tagen sollen ja die dortigen konstituierenden Versammlungen zu- sommentreten; dann wird man auckMier klarer sehen.

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Die Naumuny Petersburgs beendet.

W.T.-B. Stockholm, 15. März. Nach einer HrvaS-Nach- richt ans Petersburg vom 14. März wird amtlich bekannt- gegeben. daß die Räumung Petersburgs beendet ist "und daß von hAite ab kein Bewohner die Stadt verlasse« darf. Zu diesem Zweck ist der Verkehr aller Personenzüge: und selbst der Lokalzüge von heute früh ab aufgehoben. Der Rat der Kommissare der Stadt Petcogard hat das Erscheinen aller sogenannten bürgerlichen Zeitungen, die seit Beginn der deutschen Offensive verboten waren, wieder genehmigt. Die Petersburger Telegraphen-Agentur ist nach Moskau übcrgesiedelt und hat in Petersburg eine Filiale srricksiet.

Ter frühere russische Mlinsterpräsident verhaftet.

W. ll.-B Petersburg, 15. März. (Drahtbericht. Reuter.) Es wird gemeldet, daß Fürst Lwow von dem Besehlshaber der nördlicher. Frri.t verhaftet Wochen ist: