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Samstag, 16. Marz 1918.
klbend-klusgabe.
Nr. 128. ♦ 66. Iahrgang.
Anerkennung Umlands als unabhängiges herzogLum.
Ein gefchichtlichervorgang imKanzlerpalast.
W. T.-B. Berlin, 15. März. (Amtlich.) Eine Abordnung des kurländischen LandesratS, bestehend auS den Herren LandeSbevollmäcktigter Baron Rehden, Gemeindcältefter Weschneck, Rechtsanwalt M e l v i l l a und Superintendent Bernewitz, ist heute beim Reichskanzler Dr. Grafen v. Hertling erschienen, um ihm den Beschluß des Landesrats vom 8. März gu überreichen und eine Antwort Seiner Majestät des Kaisers darauf zu erbitten. Der Reickskanzler empfing die Abordnung im Gartensaal des ReichskanzlerpalaiS. Er sprach bei der Begrüßung die Hoffnung auS, daß der heutige geschichtliche Vorgang für Kurland und für das Deutsche Reich im gleichen Maße gute Früchte zeitigen möge.
Als Sprecher der Abordnung verlas Baron Rehden den Beschluß.
Die Solschcft des Kaisers an di« Koriander
lautet: Seine Majestät der Kaiser und König haben bereits durch seine Antwort auf das HiilÄigu.igstelegramm des kurländischen Landesrats feiner tiefgefühlten herzlichen Freude über den Beschluß vam 8. März Ausdruck gegeben und geruht, mich nunmehr zu beauftragen, Ihnen, den heute hier erschienenen Vertretern des kurländischen Landesrats, seinen w ä r m st e n Dank für das in dem Beschlüsse zunjs Ausdruck gebrachte Bertraurn zu übermitteln.
Mit besanderer Freude und Rührung haben Seine Majestät van der an ihn gerichteten Bitte Kenntnis genommen» die HerzogSkrone Kurlands anzunehmen. Seine Majestät erblickt hierin ei» besonderes Zeichen des unerschütterlichen Vertrauens zu seiner Person und dem Hause Hohenzollern sowie zum Deutschen Reich und Preußen. Die allerhöchste Entscheidung wird nach Anhörung der zur Mitwirkung berufenen Stellen getroffen und dem Landesrat mitgeteilr werdem
Mit lcbhufter Freude und Genugtuung haben Seine Majestät ferner erseben, daß der Wunsch des Landesrats auf eine enge Verbindung deS Herzogtums mit dem Deutschen Reiche gerichtet ist.
Nachdem der kurländische LandeSrat im September vorigen "*«f>re3 nnd durch den jetzigen Beschluß erneut den Willen zur Wiedererrichtung des Herzogtu ms Kurland auSsprach und nachdem inzwischen die bisherige staatliche Verbindung Kurland? gelöst worden ist, steht der Ausführung dieses Wunsches nichts mehr im Wege. Seine Majcstät der Kaiser haben allerhöchst mich beauftragt, im Namen des Deutschen Reiche» daS wiedererrichtete Herzogtum Kurland als freie? «nd unabhängiges Herzogtum anzuerkennen, ihm den Schutz und Beistand des Deutschen Reiche» bei der Einrichtung seine? Staats- Wesen? »nd beim Ausbau seiner Verfassung, die auch eine Landesvertretung auf breiter Grundlage vorsehen muß, zuzusichern und wegen der Festlegung nnd Formulierung der vom Landesrat beschlossenen engen Be»? bindung mit dem Deutschen Reiche da? Weitere zu veranlassen. Eine formelle Urkunde über die Anerkennung Kurlands wird dem Landesrat noch zugehen.
Seine Majestät haben mich beauftragt, den Landesrat darauf binznwcisen, daß die Anteilnahme Seiner Majestät nnd des Deutschen Reiche? an dem Schicksalderübrigen baltischen Gebiete bereits in dem kürzlich abgeschlossenen deutsch-russischen Friedensvertrag zum Ausdruck gekommen ist, und dem Landesrat zn versichern, baß die Gestaltung der Verhältnisse in diesen Gebieten auch weiterhin von der ganzen Anteilnahme Seiner Majestät des Kaisers, «nd Königs getragen sein wird."
Der Reichskanzler zog hierauf die Mitglieder der Abordnung in ein G.'sprach, in besten Verlauf er seiner Freude über die Einmütigkeit der deutschen und lettischen Elemente aussprach, die in dem eben verlesenen Dokument einen jo schönen Willensausdruck gefunde» habe.
Mir Worten de§ Dankes verabschiedete sich sodann die Abordnung. __
Der friedensvertrag vor dem Moskauer Konareh.
Br. Berlin. 16. März. (Eia. Drahtber'cht. zb.) Die bolschewistischen Abgeordneten a»f dem Moskauer Kongreß haben mit 453 gegen 30 Stimmen den Friedens- Vertrag gutgeheißcn.
vke kn Morstau.
Rotterdam, 16. März. Nach dem „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet der „Daily N:ws" Ransoin aus Moskau vom Dienstag: Alle Tore des Kremls bis auf eines sind geschlossen. Im Kreml sind große D o r- räte an Munition aufgestapelt, die von einem lettischen Regiment dort hingebracht morden sind. Man beabsichtigt, den Kreml in eine Festung der Revolutionäre umzuwandcln.
Der Friedensvertrag von Ärest-Lttowsk wird wahrscheinlich ratifiziert werden, da es Lentn glückte, die Mehrheit der bolschewistischen Partei für
seinen Standpunkt zu gewinnen. Die besitzenden Klassen in Rußland sehen ein, daß der Friede im wahren Sinne des Wortes unmöglich ist, solange , die Sowjets die Macht in Händen haben. Im Hause eines Moskauer Kaufmanns hörte der Korrespondent sagen, daß die russischen Kaufleute lieber vom Kaiser v o n C h i n a als von dew Bolschewiki regiert werden wollen. Man sprach von den Deutschen wie von Rettern. Die besitzenden Klassen sehen ein, daß die Macht der Sowjets mit Lenin an der spitze sowohl für Deutschland als auch für sie selbst eine Gefahr ist.
Trotzkp in einem neuen Kmt als volks- beauftraoter.
W. T.-B. London, 14. März. Das Reutersche Bureau berichtet: Ein Telegramm aus Petersburg meldet: T r o tz k y ist zum Volksbeauftragten für die m i l i- tä rischen Angelegenheiten an Stelle Pod- woyscis, der zurückgetreten ist, ernannt worden. Der Posten des Höchstkommanoierenden ist abgeschafft worden.
«
König Ferdinand von Rumänien tritt vom Schauplatz ob.
Br. Budapest, 16. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Bukarester Sonderberichterstatter des „Pesti Naplo" nieldet seinem Blatte: König Ferdinand von
Rumänien ist nach der Schweiz abgereist. Ani 8. März wurden in Bukarest die Friedensverhandlungen unterbrochen. Graf Czernin traf am Tage darauf mit König Ferdinand im Maratesti zusammen. König Ferdinand erklärte, daß er die H i n- d e r n i s s e eines dauernden Friedens mit der Monarchie nicht noch durch seine Person vermehren wolle, daß er daher Rumänien verlassen werde, um die Entwirrung der Lage zu erleichtern. Montagnachmittag fuhr der König nach Plösti und durch Siebenbürgen, Ungarn und Österreich nach der Schweiz.
Der Tagesbericht vom 16. März.
V/. T.-B. Großes Hauptquartier, 16. März. (Amtlich.) Westlicher Krietzsschanplak^ Heeresgruppe Kronprinz Ruvprccht.
Am Abend »nd während der Nacht war die englische Artillerie namentlich zwischen ArraS und St. Quentin s e l, r 1 ö t i g.
Durch feindliches Feuer und Bombenabwurf auf rückwärtige Ortschaften entstanden in Mehen nnd Halluin größere Verluste unter der Bevölkerung.
Heeresgruppen Deutscher Kronprinz, v. Gallwitz und Herzog Albrccht.
ich von Reims, auf beiden Maasufern sowie an der lothringischen Front bei Mnlzach und Blamont war der Feuerkampf tagsüber gesteigert; beiderseits von Orncs blieb er auch die Nacht hindurch lebhaft.
Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalauartiermeister: Ludendorsf.
Die eldmiralftadsmeldung.
Runb eine halbe Million Tonnen durch RnroHlb Vs la pereyre versengt.
W.T.-B. Berlin, 15. März. (Amtlich.) Im westlichen Mittelmeer wurden durch unsere Unterseeboote acht Dampfer und ein Segler von zusammen mindestens
27 000 Bruttoregistertonnen
versenkt.
Im besonderen beteiligt ist an diesen Erfolgen „17 35", Kommandant Kapitänleutnant A r n a u l d de la Per ehre. Dieser bewährte Kommandant hat in zweieinhalbjähriger Tätigkeit im Miltelmeer mit seinem kriegerprobten Boot an Schiffsraum rund eine halbe Million Bruttorecsistertonnen versenkt. Der Chef des Admiralstabes der Marine.
Ein dänischer Dampfer torpediert.
Br. Christiania, 16. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) In den letzten Tagen wurde in Christiansand der Kapi- tän und 19 Mann des dänischen Dampfers „Randei- borg" eingebracht, der auf dem Wege von Kopenhagen nach England angeblich durch ein deutsches U-Boot, 20 Meilen von Ocsoe, versenkt worden ist. Der Kapitän und die Besatzung betonen das humane und korrekte Verhalten des U-Bootskommandanten.
Zunehmende Kngst wegen der Schiffsbaukrisis.
W. T.-B. Christiania, 15. März. Ein Privattvlegramm an „Dsrdensgang" von seinem Londoner Berichterstatter meldet: Die Angst wegen der Schiffsbaukrisis nimmt zu. Es beginnt allgemein klar zn werden, daß, wenn auch die Vernichtung vcn U-Booten zu zufriedenstellenden Ergebnissen geführt habe, ein vollständiger Zusammenbruch ernster Art auf dem Gebiet des Echisssbauw-esenS eingetreten ist.
Oie tiefgehende Erregung Hollands über die Entente-Schurkerei.
W. T.-B. Amsterdam, 15. März. Das „Algeineex Handelsblad" bemerkt zu der vom Reuter-Bureau ^telegraphierten britischen Erklärung, daß die'Beschlagnahme der holländischen Schiffe keine neue Form von Seeraub sei. Diese Tat sei allerdings Seeraub und ein ganz großer Willkürakt. Die Holländer werden diese Beschönigung niemals ein- sehen, werden die Katze immer Katze und dre alliierten Regierungen Schurken nennen. Sie werden der Gerechtigkeitsliebe, die Präsident Wilson so prächtig in Worten zum Ausdruck bringen kann, genau so viel Wert beimessen wie der Liebe seines Landes für die kleinen Nationen, das die südafrikanischen Republiken ermordet. Wenn Amerikas Beamte jetzt so tun, als ob die Beschlagnahme unterer Schiffe notwendig wäre, um die Neutralen der ganzen Welt mit Lebensmitteln zu versorgen, so ist das nur eine a r m- selige Ausrede. England muß Schiffsraum haben und damit ist alles gesagt. Wir wissen noch nicht, was unsere Regierimg tun wird. Wird sie einen Protest veröffentlichen und ihre Zustimmung zum Seeraub verweigern oder die Sache lassen wie sie ist? Wird sie einzutanschcn versuchen, was ihr. wenn sie es nicht eintauscht, doch genommen werden würde? Wird sie die Gesandten der ieeräuberischen Mächte ersuchen, ihre Koffer zu packen und abzuziehen? Viel wäre damit nicht verloren. Das Blatt schließt: In einem solchen Augenblick muß es der Klugheit der Regierung überlassen bleiben, die Enttcheidung zu treffen, die Land und "Leute am wenigsten schädigt. — „Tijd" schreibt: Das Ultimatum der alliierten Regierungen ist eine der größten Beleidigungen, die man Holland zugefügt hat. Holland wird sich darin fügen müssen, aber die Erinnerung an den großen Machtmißbrauch durch die Beschützer der kleinen Nationen werde im Gedächtnis des holländischen Volkes lange fortleben.
W. T.-B. Amsterdam, 15. März. Der „Nieuwe Courant" schreibt: „Man kann nach den Berichten aus London und Washington nicht mehr zweifeln, daß die Bedingungen, unter denen Amerika und die Alliierten uns zur Annahme des in London entworfenen Schiffahrtsabkommen zu bewegen trachten, di« Form eines Ultimatums angenommen haben. Nichts stimmt bei dieser I e w a l t tji t so bitter wie die Versuche, sie mit einem völkerrechtlichen Mäntelchen zu umkleiden." Der „Nieuwe Rotterd. Courant" schreibt: „Das Ziel der Alliierten ist, Holland sc viel Schiffsraum wcqzunehmen als möglich. Auf die Mittel, wie sie das erreichen, kommt cs den edlen Anwälten der Menschheit s rechte, den sich selbst als Vorkämvfer der kleinen Nationen verhimmelnden alliierten Regierungen nicht an. Das Blatt betont, daß das Durchfahren der gefährdeten Gebiete Holland mindestens die Hälfte seiner Schiffe kosten würde und daß es eine Lebensfrage für das Land sei, für den Wettbewerb nach dem Kriegs über möglichst viel Schiffsraum zu verfügen."
Der Zweck des Ententsdrucks: Herbeifffbrung des Kriegszustandes zwischen Holland und Deutschland.
Br. Berlin, 16. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) AuS de« Haag wird der „Tägl. Rundsch." von außerordentlicher Seite mitgeteilt, daß daS Ultimatum in erster Linie nicht von England, sondern von Amerika ausgehe. Als Zweck dieses Schrittes wird in holländischen Reglernngskreisen genannt: Di« Herbeiführung des Kriegszustandes zttn- schen Holland und dem Deutschen Reich, wodurch Deutschland gezwungen wenden soll, etwa 400 000 Mann von der Westfront wegzuschicken, um seine Rückensicherung wiedac- herzustellen. Man will, so lautet das Urteil politischer maßgebender holländischer Kreise, uns mit Gewalt in die Log« Griechenlands zwingen. Sicher ist, daß Holland protestieren wird, daß es diesem Protest aber die tatsächliche Unterwerfung wind folgen lassen, steht leider als nahe Gefahr vor der Tür. Die holländische Regierung betrachtet -die Lage als sehr ernst. Die Entscheidung liegt in Berlin. Wir hoffen, daß Deutschland eine wohlwollende Würdigung der zwingenden Notwendigkeiten Hollands sich nicht versagen wird.
Die neue Ententekonserenz in London.
Br. Genf, 16. März. (Eiq. Drahtbericht. ^ zb.) Clemenceau ist von Paris abgereist. Er begibt sich zur Ententekonferenz nach London, die dieser Tage eröffnet wird.
vre englische Politik an einem entscheidenden Wendepunkt.
W. T.-B. Berlin, 15. März. Zn dem englischen Raub holländischer Tonnage gesellt sich eine neue, sich
