Verlag Langgaffe 21
„Tagblauhaus".
kchalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgen» bi» 7 Uhr abend».
wöchentlich
12 Ausgaben.
Bon
Fernruf:
„Tagblatihaut" Nr. 6650-53.
I Uhr morgen» bi» 7 Uhr abend», außer Sonntag«.
Bczngs-Prcis für beide Ausgaben: Mk. 1.20 monatlich, Mk. 360 vierteljädrlich durch den Verlag Lauggaffe 21. ohne Briugeiiodn. Mk 4.65 vieneljährlich durch alle deurichen Postaiiftalten. au»:chlirßlich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen, in Wiesbaden die Zweigstelle Bi»> marllrutg IS, lowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadl; in Biebrich: die dortigen Ausgabestelle» und in den benachbarten Landorten und im Rdeingau die betreffenden Tagblatt-Triger.
w
«nzeigca-Preiö für die Zeile: 25 Pfg. für örtliche Anzeigen; 35 Psg. für auswärtige Anzeigen; 1.25 vki. für örtliche Reklamen; 2.50 Mk. für auswärtige Reklamen. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß. — Anzelgeu-Rnnahmr: Für die Abend-Ausgabe bi» 12 lldr winag»; iür die Morgen-Ausgabe bi» 3 Udr nachmittags. — Für die Anlnabme von Anzeigen an twrgefchriebcne» Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., Potsdamer Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Liitz-w 6202 und 6203.
Zreitag, 15. März IYI8.
Morgen-klusgabe.
Nr. 125. . 66. Iahrgang.
Unser Vormarsch in der Maine.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 14. März. (Erg. Drahtbericht, zb.) Zur Lage im Osten wird noch ergänzend gemeldet, datz der Vormarsch der deutschen Truppen in der Ukraine ununterbrochen erfolgreich fortgesetzt wird. In Odessa sind die deutschen Truppen am Morgen des 13. d. M. nach Gefechten vor der Stadt einge- drungen. Am Nachmittag kamen auch österreichisch, ungarische Heeresteile heran, die über Shmerinka vorgegangen waren. Im Haien von Odessa lagen 15 russische Kriegsschiffe, die noch vollständig bewaffnet und montiert waren. Der deutsche Befehlshaber führt in vier verschiedenen lokalen Kommissionen über die Unterbringung amd Versorgung unserer Truppen Verhandlungen, die indessen den weiteren Vormarsch nicht behindern werden. Weiter nördlich haben wir in der Nähe von Baschmatsch die Stadt D o t s ch im Sturm genommen und den starken und gut geführten Feind, der wieder von tschechischen Regimentern unterstützt wurde, rm Infanteriekampf geschlagen und nach Baschmatsch hineingetrieben. * Die tschechischen Truppen sollen nach einigen an der Front von russischer Seite übermittelten Nachrichten jetzt nach Wladiwostok übergcführt werden, wahrscheinlich um sie chen drakonischen Strafen zu entziehen, die die deutsche ^Heeresverwaltung an diesen österreichisch-ungarischen Deserteuren vollziehen wird. Die Bildung der »ukrainischen Armee schreitet, fort; ste wird auf Grund einer freiwilligen Anwerbung norgenommen. Das Verhältnis, das G r o tz - R u ß l a n d nach dem Abschluß des Friedensvertrags. zu uns einnimmt, ist immer noch ein recht sonderbares. So befiehlt ein Funkspruch des Oberbefehlshabers K r y l e n k o die Erschießung der deutschen krieqsges-angenen Offiziere, die in der Nähe der russischen Front nch aufhalten.
Die neue ukrainische Regierung.
I» Berlin, 14. März. (@ig. Drahtbericht, zb.) über die >Zusammcnsetzung der neuen ukrainifchen Regierung erfährt man, daß Scbukowski zum Kriegsminister, Lewinsky zum Chef >des Generalstobs und Porsch zum Arbeitsminister ernannt .'worden ist. Zum Kommissar für die Verhandlungen mit !Deutschland und Österreich-Ungarn ist Nhwenko bestimmt (werden.
Groß-russische Unterstützung der Roten Garde in Finnland!
W. T.-B. Hoparanda, 14. März. (Drahtbericht.) In Finnland treffen täglich Waffen, Munitren und Truppen siir jdie Rote Armee ein. Am 6. März kamen beispielsweise in jHelsingfors 3 Waggons mit Schrapnells, 6 Waggons mit ;Ü0 Maschinengewehren und 2 Waggons mit Gewehren an.
Der Moskauer »ongretz.
ZV. T.-B. Haag, 14. März, (Drahtbericht.) „Nieuwe Courant" zufolge erfährt die „Moruing Post" aus Petersburg, datz Trotzky in Petersburg bleiben wird, wo ec an die Spitze des Rates der Volkskommissare treten wird. »Lenin geht nach Moskau, um dem Kongreß der Bauern-, l Soldaten- und Kosaken-Vertceter beizuwohnen, der am jl4. März die FciedensbedinWngen prüfen wird. Jede Abteilung des Kongresses wird erst für sich zusanunenkommen, ^Jn der allgemeinen Sitzung am 17. März soll die Abstimmung über die Fciedensbedingungen und die Ratifizierung des Friedensvertrages erfolgen.
Die Intervention Zapans in Sibirien.
Sr. Lugano, 14. März. (Eig. Drahtbericht.^ zb.) Der „Corriere della Ticino" meldet aus London: Die Delegierten des Flottenkomma n dos in Port Arthur Unterzeichneten das Übereinkommen in bezug auf die Intervention Japans in Sibirien.
Räumuntzdeslstztenösterr.-ungarischen Gebietsstreifens durch die Rumänen.
W. T.-B. Wien, 14. März. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 14. März, mittags:
Osten.
Die Rumänen haben nun auch den letzten schmalen von ihnen noch besetzt gehaltene» Streifen auf österreichischem und ungarischem Gebiet geräumt. Der Osten der Monarchie ist nach 31/» Jahren schwerster Kriegslast wieder völlig frei.
Odessa ist seit gestern nachmittag in der Hand der Verbündeten. Während von Osten her deutsche Bataillone vorgingen, drangen über den Frachtbahnhof die von Generalmajor Alfred v. Zeidler geführten Vorhuten einer österreichisch-ungarischen Division in die Stadt ein.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die italienischen festen Stellungen auf der südlichen Platte des Pasubio-Stocks wurden gestern in beträchtlicher Ausdehnung in die Luft gesprengt. Die Wirkung unseres Minen war verheerend. Unsere Abteilungen besetzten des Trümmerfeld.
Verständigung mit den pslen.
Bisher schien es so, als wollten die Polen bei der Neuorganisation des östlichen Europa grollend zur Seite stehen. Nachdem sie nunmehr erfahren haben, daß uns solche Absonderung nicht im geringsten davon abzuhalten vermag, das für die Mittelmächte, aber auch für die befreiten, einst russischen Randoölker Notwendige zu tun, scheinen sie nunmehr gleichfalls den Weg der Verständigung zu suchen. Wie wir hören, sollen polnische Bevollmächtigte im Einvernehmen init dem polnischen Regentschaftsrat in Berlin entscheidende Verhandlungen mit den zuständigen Stellen geführt haben und dabei soll sich, wie bei der Einsetzung auch nur von einigem guten Willen van vornherein zu erwarten war, ein Ausgleich anzubahnen beginnen. Da die Voraussetzung jedes derartigen Ausgleichs der Verzicht Polens auf eine Neu-;estaltun g seiner W e st g r e n z e, d. h. auf die Einverleibung preußischer, von Polen bewohnter Landesteile ist, so haben, wie es heißt, die Polen endgültig sich zu dieser selbstverständlichen Auffassung bekannt. Ebenso haben sie begriffen, daß ihre Zukunft im wesentlichen davon abhängt, den Anschluß an die Mittelmächte zu finden und auszubauen. Unter diesen Umständen kann dann allerdings erwogen werden, ob und wieweit Polens O st grenze heraus gerückt werden kann und wie so ein geographischer Zusammenhang zwischen Polen und Rußland hergestellt wird. Kommt nun noch hinzu, daß, wie das übrigens unsererseits von vornherein vorgesehen war, in der Cholmer Frage unter Mit- Wirkung polnischer Sachverständiger ein Ausgleich gefunden wird, so scheinen sich in der Tat die Hemmungen. die sich einer verständig»« Zusammenarbeit zwischen Polen und den Mittelmächten entgegenstellten, außerordentlich zu verringern. Wir brauchen nicht zu sagen, daß uns eine solche Entwicklung, so sehr sie auch in erster Linie dem Interesse der Polen dient, nur willkommen ist.
•
Eine kurlSndische Abordnung beim Reichskanzler.
Sr. Berlin, 14. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie der ,.L.-A." hört, wird der Reichskanzler morgen eine Abordnung des kurländischen Landesrats empfangen, die beauftragt ist, der deutschen Regierung die kürzlich in Mitau gefaßten Beschlüsse des Laiidesrats zu unterbreiten. Wie erinnerlich, hatte die aas Deutschen und Litauern zusammengesetzte Körperschaft unter anderen um eine Personalunion mit der Krone Preußens gebeten.
Oer Krieg gegen England.
Lloyd George über die englischen Nrkegsziele.
W. T.-B. London, 14. März (Drahtbericht.) Ber der Jahresversammlung des Nationalrates der Freien Kirchen m City Tempel hielt LI och d George eine Rede, in der er sagte: Ec sei nicht als Minister gekommen, sondern als schlichtes Mitglied der Freien Kirchen, um in einer Stunde schwerernationaler Prüfung zu sprechen. In der Bergmgenheit kämpften die Freien Kirchen für die persönliche Freiheit, jetzt für oaS Recht der Nation und zusammen mit den amerikanischen Brüdern für die Befteiung der Welt. Seit Jahren suchten sie nach gerechteren Mitteln zur Beilegung internationaler Streitigkeiten, als es die sinnlose Entscheidung der Kanonen und Gewehre darstellt. Die deutsche Heraussoroernng siebe im Gegensatz zu der Bewegung nach Freiheit, dem Haß gegen die Unterdrückung und dem Gefühl für Recht und Billigkeit. Er selbst sei keiner der üterlegeven Geister, welche die Vaterlandsliebe verachteten. Der Nus des Krieges sei stärker als die Vaterlandsliebe. Es war schwer, nach Hilfe zu suchen gegen die Mächte der Gewalt. Es war der Ruf des Gewissens gegen die Habgier, der Menschlichkeit gegen die Gewaltherrschaft der Macht. Das ist dir Ursache, welche Millionen der besten Männer des briti- schen Reiches nach ihre: Schädelstätte geführt hat. Nachdem Llryd George die erfolgreichen Bestrebungen der Regierung, den Verbrauch an Alkohol herabzusetzen, besprochen hatte, führte er weiter aus, in den nattonalen Zielen des englischen Volkes fände sich kein Körnchen oon Selbstsucht. Er und alle politischen Führer des Landes hätten deullich erklärt, welches diese Ziele wären, nämlich die Verteidigung des internationalen Rechts, die Wiederherstellung der eroberten und zu Boden getretenen Gebiete, die Befreiung der unterdrückten Völker (!? Schriftl.), wo sie auch immer waren, in Europa, Afrika oder Asien, von der Willkürherrschaft der fremden Despoten. Über allen Kriegszielen stünde eines, daß der Krieg in Zukunft als Verbrechen behandelt würde, das nach dem Völkerrecht zu bestrafen wäre. Wie die Gesellschaft sich zusammentat zur Bestrafung von Diebstahl und Betrug, allen Arten von Ungerechtigkeit, welche ein Individuum einem anderen zufüge, so sollten sich die Völker vereinigen zu gegenseitigem Schutz, um die Welt als Ganzes gegen die Gewalt, Betrug und Habgier der Mächtigen. Zu schwanken, bevor dies alles erreicht sei, hieße an ier Gerechtigkeit des Weltenlenkers zweifeln. Aber den Krieg auch nur um eine einzige Stunde über die Erreichung
dieser Ziele hinaus weiterzuführen, hieße die Welt dem Geiste des Bösen überantworten. Lloyd George führte weiter aus, man habe ihm verschiedentlich vorgeworfen, datz er nicht nachdrücklich genug auf die Notwendigkeit eines Völkerbundes Hinweise. Aber die Bolschewisten hätten durch ihre Taten gezeigt, daß es mit dem Reden dabei nicht allein getan sei. Auch der deutsche Kaiser habe oft vom Völkerbund gesprochen, aber niemals ein Wort von der Räumung Belgiens, Litauens und Kurlands. Lloyd George schloß, der Krieg müsse unbedingt zu einem guten Ende ge- führt werden; ein toirklicher Nahrungsmittelmangel bestehe in England nicht und sei auch nicht zu befürchten.
Erpressung der schwedischen Schiffe für die Entente.
W. T.-B. Malmö, 14. März. (Drahtbericht.) „Syde Svenska DayAaded" schreibt: Bei einer Versammlung, die in Gctheborg zwischen mehreren Reedern und Vertretern der Regierung stattfand, bat, wie das „Gothoborger Morgen- blatt" erfährt, die Regierung um weitere 400 000 Tonnen schwedische Tonnage für die Entente. Die Vertreter der Reedereien stehen einem solchen Vorschlag natürlich bedenklich gegenüber. Es scheint indessen, als ob die Regierung ihre Hände schon im voraus gebunden und die Handelsflotte Schwedens verschenkt habe, ohne ihre Besitzer zu fragen. Es wurde nämlich angedeutet, datz, wenn die Reeder sich nicht entgegenkommend stellen, die Regierung von i>em Enteignung sges etz Gebrauch mache und die Tonnage zwangsweise requirieren werde.
Deutscher Reichstag.
(Eigener Drabikericht des „Wiesbadener Tagblatts".)
# Berlin, 14. März.
Am BundesratSttsch; Fchr. v. Stein, v. Scheuch.
Vizepräsident Dr. Pansche eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 18 Minuten.
Die Aussprache über die Interpellation des Zentrums, betreffend den
gewerblichen Mittelstand,
wird fortgesetzt.
Abg. Dr. Kapp (kons.): Die Frage des Mittelstarides ist uns Konservativen besonders sympathisch; wir wollen einen möglichst zahlreichen gewerblichen Mittelstand im Interesse des Staatswohls erhalten. Der Mittel st and ist das Rückgrat der Volkskraft. Mit der Arb e it erv erst ch e r u n g haben wir einen hervorragenden Schritt vorwärts getan; ähiilichcs muß aber auch für die anderen Kreise geschehen, namentlich auch für den Mittelstand. Die Welt beneidet uns um unsere Sozialpolitik, wie um unseren Militarismus. Eö muß nun auch für den gewerblichen Mittelstand gesorgt werden, wenn dies auch in erster Linie Aufgabe der Bundesstaaten sein soll. Die Mittel ließen sich mit Hilfe einer Kriegsentschädigung aufbringen. (Unruhe links.) Auch Rußland muß dazu herangezogen werden, angesichts der Verwüstungen in Ostpreußen. Der Regierung kann der Vorwurf nicht erspart werden, daß sie in kriegswirtschaftlicher Beziehung nicht genügend gerüstet in den Krieg gegangen ist. Durch bureaukcatische Einrichtungen kann der freie Verkehr nicht ersetzt werden. Gerade die Landwirtschaft bat die Rückkehr zum freien Verkehr gefordert. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften sind kein Faktor, der stark genug wäre, um ein Monopol sich zu erwerben, in der Übermittlung der Überführung der Lebensmittel vom Erzeuger zum Verbraucher. (Unruhe und Zurufe links.) Der Redner schloß: Schaffen wir möglich viel freie Existenzen im Staate, ermöglichen wir den aufstrebenden sittlichen Kräften in unserem Volk und insbesondere auch unserer Arbeiterschaft den wirtschaftliches und sozialen Aufttieg, dann werden wir auch die Kraft baben, bis zum endgültigen Sieg auszuharren.
Abg Dr. Werner-Hersfeld lD. Fr.): Der Grundsatz: „Freie Bc.bn dem Tüchtigen", muß für alle Berufs- st ä n d e, nicht nur für einzelne Personen gelten. Daneben darf aber auch der nrittlere und untere Beamte nicht vergessen werden. Es unterliegt auch keinem Z>veifel, daß der deutsche Handwerker mehr und mehr der Verarmung verfällt. Hier im Reichstag sollte daher eine interfraktionelle Besprechung der Mittelstandsftage stattfinden, für die Handwerker und sonstige Vertreter sowie Abgeordnete, die sich dafür interessieren, heranzuziehen sind. Den Mittelstand zu erhalten, ist Pflicht der Regie cung und auch des Reichstags. (Beifall rechts.)
Abg. Albrecht (Unabh. Soz.): Das Handwerk wird doch stets der Handlanger des Großkapitals bleiben. Die kleinen Existenzen fiihren ein trauriges Dasein; deshalb sollte die Produktion zusammen ge faßt werden. Das Großkapital saugt den Mittelstand auf. Wenn der Abgeordnete Kapp den Mittelstand als Rückgrat des Staates bezeichnet hat, so hat seine Partei dem Staat das Rückgrat gebrochen. Die einzige Rettung für den Mittelstand ist der Sozialismus.
Abg. Astor (Zentr.): Besonders schwer hat der kaufmännische M i t t e l st a n d unter dem Krieg zu leiden. Die Hilfe, die ihm zuteil werden muß, darf nicht von Partei- ßwlitik diktiert sein. Dem Kriegs Wucher muß energisch zu Leibe gegangen werden; aber wir verlangen dringend, daß endlich der Begriff des Wuchers rechtlich festgelegt wird, Aach
Der Chef des GeneralstaLS.
