Jllultrierte
Binder« Zeitung
des
Wiesbadener Tagblatts.
20. Jabrgang.
1018.
<Alle Rechte für sämtliche Artikel und Illustrationen Vorbehalten.)
Allerlei aus dein Leben der Affen.
von ft ans Besser.
* ährend meines vierzehnjährigen Auf n Haltes im tropischen Dstafrika hatte ich häufig Gelegenheit, allerlei Beobachtungen bei freilebenden Äffen und solchen, die als Laustiere mit geringer Beschränkung der Freiheit gehalten wurden, zu machen.
Da war zunächst „Jack", ein ausgewachsener großer ftundsaffe, den ich von einem nach Europa reisenden fterrn aeerbt hatte. Jack gewöhnte sich bald an mich, erkannte aber sonst niemand außer mir als seinen fterrn an. Da er stark und sehr gewalttätig war, mußte er ständig ail einer fünf Meter langen Rette liegen, denn mein Bedienungspersonal, das er gar nicht respektierte, wurde mit ihm nicht fertig, wenn es galt, ihn von dummen Streichen abzuhalten. Dumme Streiche waren feine eigentliche Lebcnsbetätigung. Mich grüßte er stets militärisch durch Anlegung der rechten ftand an den klopf. Die gleiche Ergebenheitsbezeigung wandte er an, wenn ich genötigt war, ihn mit ein paar ftieben zu bestrafen. Nur von mir ließ er sich eine Strafe gefallen, ohne bösartig zu werden, kam jedoch nach der Bestrafung irgendein anderes Lebewesen in seine Reichnähe, so mußte dieses für den erdulten Schmerz büßen.
Anfänglich war Jacks Rette an einem freistehenden Pfahl, der zwei Meter über der Erde eine drehbare Riste trug, die ihm als Behausung diente, mit Ring und Quer* stecker befestigt. Die Riste drehte er sich stets so, daß die offene Seite der wind- und Wetterrichtung abgekehrt war. Bald hatte er den Mechanismus von' Ring und Durchstecker erfaßt und befreite sich, sobald ich außer Sicht war. Besonders auf die eingeborenen Soldatenfrauen, die ihren Männern das Essen zutrugen, hatte er es abgesehen. Um diese, die seine Neigungen kannten, zu täuschen, löste er nur den Vorstecker aus dem Ring, ließ aber die Rette lose um den Pfahl liegen, um sich den Anschein zu geben, als ob er noch angefchlossen wäre. Mit einigen Sätzen sprang er dann auf die Weiber und Mädchen zu und ent- lediate sie zunächst ihrer Bekleidung. Dabei geriet der von'den Frauen auf dem Ropf balancierte Rorb mit den Reis- und Sauceschüsseln aus dem Gleichgewicht, und Jack begann zu schmausen. Latte er sich seine Backentaschen vollgestopft und keinen Appetit mehr, so wickelte er sich gleichsam zum Lohne die Tücher der Weiber um den Leib und suchte das weite.
llm Jack die Loslösung von dem Pfahle zu erschweren, verknüpfte ich Ring und Vorstecker erst fest mit einer Leine, später mit Leder. Alle, auch die kunstvollsten Knoten lernte er mit Leichtigkeit lösen, und da ich keine Lust hatte, die Rlagen der Soldatenweiber anzuhören und Schmerzens- und Lntschädigungsgelder zu zahlen, nagelte ich seine Rette
am Pfahl fest. Der Erfolg war, daß er den Pfahl aus- grnb und ihn einfach auf seinen Wanderungen mitnahm. Auf drei Beinen laufend, faßte er die Rette mit der einen ftand und schleifte so den Pfahl hinter sich her.
Eingeborene brachten mir eine noch sehr junge grüne Meerkatze, die Jack rührend bevaterte. Fast ständig hing ihm das kleine Ding an der Brust, in seinem dichten pelz festgeklammert, und wurde gewärmt. Ging die nicht ih'-er Freiheit beraubte Meerkatze auf eigene Faust spazieren, und nahte sich ein Mensch oder Lund, so erwischte sie Jack an einem Bein oder dem Schwanz, zog sie an sich heran, barg sie an seiner Brust und nahm Rampfstellung ein Immer durfte die Meerkatze sich aus dem Futter, das Jack erhielt, heraussuchen, was ihr paßte, und ich hatte mehrere Wochen lang meine Freude an dem idealen Zusammenleben. Dieses war aber im Grund« nichts weiter als die richtige „Affenliebe". Als ich zufällig nur eine Banane in der ft and hatte und diese Jack reichte, nachdem ich der Meerkatze ein winziges Stück abbrach, wurde Jack neidisch. Die Meerkatze gab ihr kleines Stück nicht gutwillig her, sondern stopfte es so schnell wie möglich in die Backen. Jack ergrimmte darüber, und ehe ich zuspringen konnte hatte er das jarte Äffchen, dem er erst wochenlang zärtlichste Liebe entgegengebracht hatte, in zwei Teile zerrissen, die er einzeln mit Wut auf den Boden schleuderte.
Später bekam Jack einen jungen weiblichen ftunds- affen zur Gefährtin, mit dem er innige Freundschaft schloß. Da Jack an allem seinen Übermut kühlen mußte, fand er ein ttagisches Ende. Einer in der Nähe weidenden Eselstute zog er ihr Fohlen am Schwanz fort, so sehr sich dieses auch sträubte. Die Stute wurde aufmerksam, und ehe sich Jack in seine Riste auf dem Pfahl in Sicherheit bringen konnte, ttaf sie ihn schwer mit den vorder- hnfen. Am Abend merkte ich, daß Jacks Rückgrat gebrochen war, und ich erlöste ihn mit einer Rugel.
Die junge Äftin verweigerte von Jacks Tod ab jede Nahrung und starb nach vier Tagen.
In Ikomba auf dem Tanganjikaplateau brachten mir Eingeborene zwei junge ftundsaffen, deren Mutter in eine Falle geraten und getötet worden war. In den ersten Tagen hielt ich sie in einer Lühnerooliere und ließ sie dann frei herumlaufen. Bloß mein wohn- und Schlafzimmer durften sie nicht betreten, und meine Lunde sorgten dafür, daß dieses heilig gehalten wurde. Die anfangs ttaurigen Gesichter der beiden, die etwa Vi Jahr alt sein mochten, hellten sich immer mehr auf, und ihr grotesk pfiffiger Gesicbtsausdruck und die abstehenden Ohren, die die kleinen Rerlchen so häßlich machten, daß der bloße Anblick zum Lachen reizte, ttugen ihnen die Namen „Max" und „Moritz" ein. Beides waren männliche Tiere, die sich recht tapfer
