Verlag Langgasse 21
„TagblauhauS"
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Donnerstag. 14. März 1918. lsl0rgeN-KU§g(lbe. _Hr. 125. . 66. Jahrgang.
Vas Ergebnis der
verlinervsrhandlungen mitdenpo^en.
Br. Wien. 1?.. März (big. Drahtbericht. zb.) „Raperzod" meldet aus Warschau: Tic drei Vertreter der Zentrumspartei, Gras R o n i l I e r, Fürst 3! a d z i w i l l und S t u d »i d i, die in Berlin mit de» Bcrirctcrn des Hauptausschusses des Reichstags, Erzbcrgcr. Tavid >md Naumann, konferierten, sind nach Warschau zurückgeleh« uud haben de»
Entwurf einer durch die polnischen Parteien zu unterzeichnenden Deklaration
mitgebracht. In dieser Deklaration wird erklärt: Die Vertreter der aktivistischeu Parteien sprechen die Überzeugung aus, daß dir Vorsöllr der letzte» Wochen nicht den Ausdruck eines seindlichen Willens des deutschen Volkes in seiner Gesamtheit sind. Aus Grund dieser Überzeugung sind die Parteien bereit, weiterhin eine Grundlage zur positiven Verständigung mit dem deutschen Volke und seine» Verbündeten zu suchen. Als Gruirdloge einer solchen Verständrgung soll ein politisches und Wirts ch a s l l i ch e s Bündnis zwischen de»! polnischen Staat und den Mitteln-ächten geschossen werden, welches sich au> die Auerkeritung der beiderseitigen vitalen Notwendigkeiten, sowohl im Frieden als auch im Kriege, stützt und wobei beide Parteien ihre Bereitwilligkeit erkläre», die aus diesem Bündnis sich ergebenden Pslichten anzunehmen und zu ersüllen. Zn den vitalen Notwendigkeiten des polnischen Königreichs gehört die Sicherung der Staatsgrenzen, die Ausstellung einer r-olioi alr» Armee und di« rasche Entwickelung der polnischen Verwaltung. Tie aktivistischeu Parteien wünschen sür das pol- »ische Staatswcsen die m ö g l i ch st e Ausdehnung des Gebietes gegen Oste» bei Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts. Als „»möglich wird erklärt die Abtrennung irgcndwolcher Gebietsteile vom Königreich Polen. Mit unseren Landsleuten, in welchen Staaten sie sich auch desinden u ögen, wollen wir die bisherigen kulturellen Verbindungen erhalten und verstärken, nach dem allgemeinen Friedensschlutz können wir keine Einmischung in das freie selbständige Polen zn- lassen.
Tie Vertreter des Zentrums behaupten, sobald die Deklaration durch die Parteien unterserligt sein wird, wird sie der Hauptaus- schutz des Reichstags ckzeptiere« und der Regierung einen entsprechenden Antrag vorlcge». Di« Untersertigung soll bis zum 19. März siattslnden. Nach diesem Termin würde Deutschland die Berhaudlungen sür abgebrochen erachten.
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Die Bildung des neuenUpolnischen Kabinetts und dessen Ausgaben.
Br. Wien, 13. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der Finanzmimster im Kabinett Kucharschewski Janvw S t e c - gowski ist gestern nach mehrtägigem Aufenthalt in Wien nach Warschau zurückgeckehrt. Gleich nach seiner Rückkehr dürfte er, wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, zur Bildung der neuen polnischen Regierung schreiten, in der er das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen wird. D:e Grundlagen zur Bildung der neuen Regierung sind in Unterredungen geschaffen worden, die Steczowski in Berlin mit dem Reichskanzler und mit dem Vertreter der österreichisch-ungarischen Regierung dem Ministerpräsidenten von S e i d l« r und verschiedenen Führern des Palenklubs hatte. Die neue Regierung wird aus Fachmännern der verschiedenen zu besetzenden Ressorts gebildet werden. Die Regierung wird die Lösung eines ganz bestimmten Ausgabenkreises übernehmen. vor allem die selbständige polnische Verwaltung anT- bauen, ferner reue Grundlagen für die Errichtung des polnischen Heeres schassen, die Wiedereinberufung des polnischen Staatsrats durchführen und schließlich den Zusammentritt des polnischen Landtags vorbereiten. Den Mittelmächten gegenüber wird das Kabinett unter voller Wahrung der polnischen Forderungen als selbständiges unabhängiges Staatswesen nach, dem schweren Konst ick t der letzten Zeit eine Politik der Versöhnung einleiten. Im übrigen ist, -wie von autoritativer Seite verlautet, in der nächsten Zeit sine neue Lösung des polnischen Problems durch die Mittelmächte zu erwarten. Wenngleich die auilropolniscbe Lösung, namentlich von österreichischer Seite, nicht als ausgegeben angesehen wird, so ist sie zurzeit doch stark in den H i n t e r g r u n d gerückt. Insbesondere wird hier bekannt, daß die Erklärung des Grasen Herlling, Deutschland werde Polen gegenüber aus gewissen Grenzberechtigungen bestehen, vielfach eine weitgehende Auslegung gesunden hat.
Vergeltung feindlicher Luftangriffe.
W. T.-B. Wien, 13. März, (Drahtbericht.) Amtlich per. lautet vom 13. März, mittags:
Österreichisch-ungarische und deutsche Truppen stehen vor Odessa.
In Benetie » griffe» zwei österreichisch-ungarische Kampfstaffeln zur Vergeltung feindlicher Luftangriffe den italienischen F l u g p l a t, nordöstlich von M e st r c a». Bier feindliche startbereite Jagdstaikeln wurden überfallen, aus 300 bis 500 Meter Höhe mit Bomben beworfenl und unter heftiges Maschinengewehrfeuer genommen. Eine italienische Flugzeughalle stürzte ein. Unsere Flicgcr kehrten vollzählig zurück und bombardierten noch auf der Heimfahrt T r e v i s o und die seindlichen Gräben an der Piave. An der Tiroler Front besiegte Oberleutnant Linke den 20 Gegner im Luftkampf.
Der Chef des Geueralstabs.
ver letzte Fliegerangriff auf Paris.
Die Opfer.
W.T.-B. Paris, 13. März. (Drahtbericht. Agence Havas.) Bei dem feindlichen Luftangriff wurden i n Paris seIbst 29 Personen getötet und 50 verwundet, in der Bannmeile wurden 5 getötet und 29 verwundet. 66 Personen, mein grauen und Kinder, wurden totgedrückt in dem Gedränge, das infolge des panikartigen Schreckens am Eingang der Untergrundbahn entstand, wo die Menge Zuflucht suchte. Besonders getroffen wurde ein .<5cüpitnl, wo 6 Personen getötet und 7 verwundet wurden.
Poincare an den zerstörten Stätten.
— Berlin, 13. März, (zb.) De- ,B. L.-A." meldet aus Ger.f: Poincare verbrachte den ganzen Vormittag damit, die am meisten heimgesuchten Pariser Straßen zu durchfahren, Er besichtigte auch einige 'Rainen in der Bannmeile vcn Paris.
ver deutle Luftangriff auf Neapel.
Berlin, 13. März. Der „B. L.-A." nennt den Angriff der deutschen Marinestreitkräfte -der Lust aus Neapel verblüffend. In Italien scheine man durch den plötzlichen Besuch über der südlichsten Spitze der Halbinsel so überrascht worden zu sein, Latz man nicht einmal feststellen konnte, welcher Art der Angriff war.
W. T.-B. Bern, 13. März. (Drahtbericht.) Laut einer StefaNi-Mekdung wurden bei dem Fliegerangriff auf Neapel 16 Personen getötet und 40 verwundet.
Die $tiebensb?njegung in (England.
W. T.-B. Bern, 13. März. (Drahtbericht.) In einer Versammlung in der Esser-Hall zu London am 6. März zur Unterstützung der Vorschläge Lansdownes wurde ein Schreiben Lord P a r m o o r s verlesen, der dem zweiten Brief Lansdownes vollen Beifall zollt. Lee Smiths führte aus. Das größte Hindernis für die Friedensverhandlungen liege in dem Mangel einer gemeinsamen Politik der Alliierten. Obgleich sie einsehen würden, daß si? ihre höchsten Forderungen nicht durchsetzen könnten, blieben sie im Felde stehen, weil sie nicht den Mut hätten, sich um den Verhandlungstisch zu setzen und sich darüber zu einigen, welche Forderungen ein jeder aufqeben soll. Das Vorgehen Japans werde neue Verwicklungen bringen. Nirch Crisp bemerkte dazu, Japans Vorgehen werde Rußland auf 50 Jahre für England verschließen und die englischen Fabrikanten eines ungeheuren Wsatzgebietes berauben.
Englands flnqft vor einem wekttribunak.
W. T.-B Berlin, 12. März, Die „Morning Post" schreib: unter den» 6 März, England könne (ich mit einer Bölkerliga und mit eincm Welitribunal nicht bestenndcn, da diese England unter die Korticlle der Auslandes bringen würden, „Soll England sich beugen", ftagt da- Blatt, „wenn das Tribunal einem Anspruch Spaniens auf Gibraltar, einem Anspruch Italiens auf Malta,, einem arabischen Anspruch aus Aden, einem amerikanischen aus Kanada oder einem chinesischen auf Hongkong Nechr gäbe?"
Einlenkende Beurteilung des Lansdownschcn Standpunkts in Paris.
W. T.-B. Bern, 13. März. (Drahtbericht.) „Journal t« Peuple" schreibt: Lansdownes Brief fei von außerordentlicher Wichtigkeit. Offiziöse Verhandlungen, die er wie Hertling befürworte, würden viele Mitzver- ständniffe aus der Welt schaffen. Was man auch von den Unterhandlungen befürchten könne, sedenfalls würden sie den Vorteil haben, die Mittelmächte zu einer klareren Umschreibung ihrer Kriegsziele zu 'bringen.
Lin dritter interalliierter Kriegsrat.
Br. Bafel, 13. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) „Corriere della Sera" meldet aus Mailand, daß die dritte Konferenz des interalliierten Kriegsrats, die diesmal in London statt- findet, unmittelbar bevorstehe. Von italienischer Seite werde Orlando und Msolati teilnshmen.
W.T-B Paris, 13. März. (Drahtbericht.) Meldung der Agence Havas Tie italienischen Minister Orlando und Bisokatli sind in Paris anxekemmen.
Die japanische Sibirien-Expedition.
W. T.-B. Tokio, 13. März. (Drahtbericht.) In Erwiderung einer Anfrage im Abgeordnetenhaus am 9. März erklärte M o t o n o, er habe von den Alliierten keine Aufforderung erhalten, Truppen nach Sibirien zu schicken. Es bestehe aber an- dauernder Meinungsaustausch. Eine nähere Erklärung würde unzeitgemäß sein. Der Führer der Opposition sprach zugunsten der militärischen Aktion. Der Premierminister erwiderte, bisher sei noch keine Entschließung bezüglich der Truvpenahsendung gefallen. Aber die Regierung widme ihr große Sorg?.
Oie Zriedensverhandlungen mit Rumänien.
Br. Wien, 13. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die Verhandlungen in Bukarest werden erst am 14. März, d. h. also nach der Rückkehr Ardenpojanus, in ihr entscheidendes Stadium treten Was d>e rumänischen Petro- l e u m f e I b e r betrifft, so sollen diese mindestens teilweise unter die Gvenzbericvtigung an Ungarn fallen, aocr von Deutschland, Österreich-Ungar.-!, Rumänien und Bulgarien gemeinsam v e r w a l t e t werden. Die Türkei beteiligt sich nicht daran. Was di- Frage anbelangt, in welches Verhältnis Rumänien nach dem Friedensschlutz zu den Mittelmächten treten soll, so ist anzunehmen, daß ein Ansuchen Rumäniens, in freundschaftliche Beziehungen za diesen treten zu wollen, ans keine Ablehnung stoßen würde. Natürlich müßten dafür genügende Bürgschaften geschissen werden. Tie rumänischen Wünsche auf Angliederung gewisser Teile von B e ß a r a b i e n an Rumänien würden insofern berücksichtigende Unterstützung finden, als es sich hierbei um die von Rumänen bewohnten Gebietsteile Beßarabiens handeln würde.
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Die russisch-ukrainischen Friedens- verbandlungen.
W. T.-B. Wien, 13. März. (Drahtbericht.) Das ukrainische Bureau meldet: Kiewer Blättern zufolge
haben in Kiew die Friedensverhandlungen zwischen Rußland und der Ukraine begonnen.
Die Türken wieder in Erzerum!
.Lin englischer Dnrchbrnchsversnch an der pci'ästtnafront gescheitert.
W. T.-B. Krnstaniinopcl, 13. Mürz. (Drahtbericht. Amtlicher türkischer Bericht.) An der Palästina-Front herrschte, abgesehen von schwachem Artilleriefeuer, Ruhe. Die am 9. März bei Tagesanbruch beginnenden feindlichen Angriffe, die fast ohne Unterbrechung bis zum 10. März tief in die Nacht dauerten, wtioden durch die heldenmütige Abwehr unserer Truppen abgeschlagen. Das augenscheinlich vom Feind angestrebte Ziel des Durchbruchs an der Straße Jerusalem-Nablus scheiterte. Bor Erzernm leisteten die Armenier unseren Truppen ernsten Widerstand. Nachdem noch gestern unser Angriff bis an die Drahthinderniffe einer befestigten Stellung vorgetragen worden war, wurden nachts in glänzendem Angriff die H i n d e r- nisse überrannt und die feindlichen Banden zu - rück.geworfen. Unsere Truppen sind in E r z e nt m e i ngerückt und bemühen sich, die von den Armeniern verursachten Brände zu löschen.
Die Frage einer selbstsindischen ungarischen Armee.
Eine Erklärung des Ministerpräsidenten Wckerle.
W.T.-B. Budapest, 13. März. (Drahtbevicht.) In dem W a h l r e k o r m a :r s s ch n h wurde von dern Abgeordneten Bakonyi eine Anfrage, betreffend die österreichische Erklärung in Sachen der Selbständigkeit der ungarischen Armee, an den Ministerpräsidenten gerichtet. Dieser antwortete. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Frage einer selbständigen Armee eine Angelegenheit ausschließlich zwischen Sr. Majestät und der ungarischen Nation ist. Da die Führung und inriere Organisation der Arme? ein verfassungsmäßiges Reckst Sr. Majestät ist, kann die selbständige Organisation der ungarischen Armee in dem verfassungsmäßigen Wirkungskreis von Sr. Majestät selbständig ducchgeführt werden. Wir haben diesbezügliche Zusicherungen erhalten. Trotzdem die Frage rechtlich derart siebt, verschließen wir uns dem v o l i t i s ch e n Gesichtspunkte nicht der Aufforderung, daß die Frage der Armee, namentlich in wirtschaftlicher Beziehung. durch Verhandlungen mit der österreichischen Regierung geklärt wird. Dock, haben diese Verhandlungen nicht die'Vedeutung. daß die Bildung einer ungarischen Armee von diesem Übereinkommen abhängig sei. Die Erklärung des Ministerpräsidenten wurde vom Ausschuß beifällig ausgenommen. __
Deutsches Reich.
Vorträge beim Kaiser in Berlin.
W. T.-B. Berlin, 13. März. (Drahtbericht. Amtlich.) Der Kaiser und die Kaiserin sind gestern vormittag in Berlin e i n g e t r o ff e n. Der Kaiser empfing noch seinein Eintreffen den Gcneralscldmarschall v. H i n d e n b u r g und anschließend den Reichskanzler Grasen Hertling znm Vortrag, Später nahm -der Kaiser den Generalftabsvortrag entgegen.
Erörterungen der Ostfragen beim Nekchskanzier
Br. Berlin, 13. März. lEig. Drahtbericht. zb.) Die „Bost. Ztg." erf-Tcibt Neben tcn politischen Fragen bildete einen weiteren Punkt der gestrigen Beratungen mit dem Reichskanzler die Lösung des k u r l ä u d i f ch e n Problems. Wie die „Vofl. Ztg." erfährt» sprach sich die Mehrheit, besonders der Abgeordnete Erz-
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