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Mittwoch» 13. März 1918.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 121. . 66. Jahrgang.
t>ie herzogrkrone von «urland dem Katfec angeboten.
Br. Berlin, 12. März. >Eig. Drahtbericht. zb.) Der „L.-A." meldet: Der bis auf ein entschuldigtes Mitglied seit dem 8. März in Mltau versammelte kurländische Laadesrat hat einstimmig beschlossen: 1 Seine Majestät den Kaiser und König zu bitten, die Herzogskrone von Kurland anzunehmen; 3. dem Wunsche Ausdruck zu verleiben, den Abschluß von Konventionen, betreffend das Militär-, Zoll-, Verkehrs-, Bohnen-, Münz- und Gewichtswft.'a und andere Verträge Kurlands möglichst enge an dls Deutsche Reich anzu- schlietzen; 3. hie Hoffnung auSjiisvrcchen, dotz das ganze baltische Land zu einer Staatseinheit an das Deutsche Reich zusammengefaßt wird. Der Antrag um Absendung eines Huldig ungStelegram ms an den Kaiser fand ebenso einstimmige Annahme. Desgleichen der Antrog, eine viergliedrige Avordnung nach Berlin zu seiten, um dem Reichskanzler den Beschluß persönlich zu überreichen.
Die Nachricht kommt nicht ganz überraschend. In Berliner politischen Kreisen lief sie als Gerücht schon gestern um, indessen fehlte an den zuständigen Stellen bisher eine amtliche Bestätigung, die nunmehr eingetroffen zu sein scheint. Da die Entschließung des kurläibdischen Landesrats einstimmig gefaßt wurde, ist zu haften, daß ein Widerspruch aus dem Volke heraus nicht stattfinden wird. Natürlich wird der Kaiser erst nach genauer Erwägung seine Entscheidung dieser Lage gegenüber fällen, doch ist, da cs sich hier offenbar um einen aufrichtigen Wunsch unserer baltischen SammeSbrüder bandelt, sein Entschluß kaum zweifelhaft. Auch der Reichstag wie der Landtag werden sich mit der Frage beschäftigen müssen.
Oer Krieg gegen England.
Oer erfolgreiche Ausfall der „Soeben" und „Vreslau" aus den vartanellen.
Bittere Unterhauskritik an dem englischen Admiralitätsbericht.
W. T.-B. Bern, 12. März. (Dcahtvericht.) Bellairs kritisierte im Unterhaus die Rede Sir Geddes, ferner den Mangel einer einheitlichen Leitung bei den Seeoperationen der Alliierten, dem der feindliche Erfolg bei dem neuerlichen Ausfall der „Goeben" und „Breslau" zuzuschreiben sei. Der AdmiralitätSlec'cht über den Vorfall sei nicht geeignet, um dem künftigen M rrinegeschichtsschreiber als Unterlage zu dienen, wenn die Beschreibung auf Tatsachen beruhen sollte. Die Ausfahrt der „Goeben" und „Breslau" aut den Dardanellen habe keine Minensperre verhindert, kein Aufklärungsfahrzoug habe die Aasiahü gemeldet. Die sieben Meilen entfernt voneinanderliegenden zwei britischen Moni- tore seien auf den Kampf ganz .invorbereitet gewesen und versenkt wovdbn, ohne einen Schuß abzufenern. Kein Seeoffizier werde die Angabe, daß ein Flugzeug die „Breslau" in da? Minenfeld getrieben habe, Glauben schenken. Die Minen, ans die die „Breslau" geraten sei, seien vor zwei Jahren gelegt worden;-jedermann habe sie vom Sturm längst wepgetrieben geglaubt. Die „Goeben" sei nach Durchführung ihrer Aufgabe in die Dardanellen zurückgekeh'rt. Bellairs schloß: Die Angabe, daß die „Goeben" auf eine Mine gelaufen sei, ist falsch; sie geriet in den Dardanellen auf Grund. Das Tauchboot, das sie zu zerstören versuchte, ging verloren. Man hatte nichts vereit, um sie anzu- grcifen, außer den Flugzeugen. Gegen ein Schiff mit Panzerdeck aber vermag ein Flugzeug nichts auszurichten.
Die Wirstungen des U-Voolkrieges auf den Schiffsraum.
W. T.-B. Bern, 12. März. (Drahtbericht.) Nach der Rede GeddeS im Unterhaus am 6. März und der Erwiderung ASquiths ftihrte Commander Sellhirs aus: Nack, einer amerikanischen Meldung betrugen die Neubauten an Handelsschiffen in den Vereinigten Staaten und England 1917 zusammen etwa 42 Millionen Tonnen, während nach der gleichen Quelle dec britische Veclnst 13 Millionen betrug. Das decke sich ungefähr mit dec ibni zur Verfügung gestellten privaten Schätzung, wonach dec Verlust im Tauchbootkrieg einschließlich der sonstigen Schiffuhrtsverluste 6% Millionen beträgt. Tos mache unter Ausschluß der letzteren wöchentlich 120 5 00 Tennen. Nach der vrioaten Schätzung hätten die Verluste im Januar 70 000 Tonnen, im Februar'80 000 Tennen wöchentlich betragen, dagegen die britischen Neubauten im ganzen Januar nur 50 000 Tonnen, waL also erbeblich weniger sei, als dec gesamte Verlust der Alliierten und Neutralen in einer einzigen Wock:e. D>ese Ziffern sollten die Werftarbeiter zu der größten Anstrenaunz anfcuern. Wenn er richstg unterrichtet sei, seien in der Irischen See allein an en^m Tage sechs Schiffe versenkt worden.
Eine neue Verwendung Jellicoes.
2s WS. Haag, 12. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) ■ Der „Manchester Guardian" meldet das Gerücht, daß Jcllicoe eine Ernennung bei der Marine angenommen habe, was wahrscheinlich mit dem Ententerat in Versailles im Zusammenhang steht.
Die Internierung der „Secadler"-Mannschaft in Chile.
NWS. Haag, 12. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die „Times" erfährt aus Valparaiso: Die Behörden von Chile haben die Bemannung des „Seeadlers" bei dessen Ankunft in Valparaiso interniert und die Waffen beschlagnahmt.
Ter frühere deutsche Dampfer „Nürnberg" versenkt.
W.T.-B. Bern, 12. Mät (Dcalstbericht.) „Progres de Lyon" meldet: Der frühere deutsche Dampfer „Nürnberg" (8780 Tonnen), den Frankreich tüe Senegambien in Dienst gestellt hatte, wurde von einem urcbekannten Dampfer versenkt. _
Unser Fliegerangriff auf Paris.
Französische Meldungen.
W. T.-B. Paris, 12. März. (Drahtbericht. Agence Ha>vas.) Feindliche Flieger haben neuerlich die Stadt angegriffen. Der Alarm wurde 9.10 Uhr abends gegeben. Es waren 7 Geschwader gemeldet, die sich auf Paris zu bewegten. Um 10.15 Uhr wurden an mehreren Punkten Bombenabwürfe festgestellt. Es wurden Verluste an Menschenleben und Sachschaden verursacht. Weitere Mitteilungen werden gemacht, sobald genaue Berichte eingehen.
Gefterreichischer Fliegerangriff auf Neapel.
W.T.-B. Rom, 12. März. (Drahtbericht. Ageneia Stefani.) In der letzten Nacht griffen feindliche MuWeuge die Stadt Neapel an und warfen im ganzen etwa 2 0 Bomben, die fast alle das Innere der Stadt trafen, ohne daß militärischer Schladen angerichtet worden wäre. Unter der Zivil- loevölkerung sind einige Opfer zu beklagen, darunter 7 Insassen des SchwesternhosvizcS Arco Nirelli. Die Bevölkerung verhielt sich überall ruhig. Der Hilfsdienst bewährte sich.
«
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B'. Wien, 12. März, (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 12. März, mittags: Keine Ereignisse.
Der Chef des Generalstabes
heftige Kämpfe an der palästinafront.
Die Türken 18 kin vor Erzerum.
W. T.-B. Konstantinopel, 12. März. (Drahtbericht. Amt- Icher türkischer Bericht.) Palästina-Front: Auch de: 10. März war ein Tag heftiger Kämpfe. Teilweise sind sie noch nicht abgeschlossen. Wiederholt wurden starke Angriffe des Gegners bei Nacht und am Tag gegen den Abschnitt westlich Webi-Salch abgewiesen. Nur au einer Stelle konnte der Engländer hier etwas Gelände gewinnen. Der Hauptstoß des Feindes richtet sich gegen unsere Stellung beiderseits der Straße Jerusalem-Wablu?. Der Erfolg beschränkt sich darauf, daß er sich bei Burdsche- Lisone und Scheich-Salib festsctzen konnte. In der Gegend der Insel Meis wurde ein großer feindlicher Segler durch Artilleriefeuer vom Land zum Sinken gebracht; mit starken Sicherheiten stehen wir 18 K i l u - meter vor Erzerum armenischen Wanden gegenüber. An der Küste haben wir Metari-Acina und Witce besetzt. Im Hedfchas wurde Tafele von uns besetzt. Die Rebellen fliehen in voller Auflösung.
Vas Vorgehen ver Japaner in der Mandschure und in Sibirien.
W. T.-B. Amsterdam, 12. März. (Drahtbericht.) Der Washingtoner Korrespondent dec „New Pork World" berichtet, daß es jetzt wobl sicher sei. daß starke japanische Streitkräfte nach Sibirien und der nördlichen Mandschurei gesandt werden. Vielleicht weide . sich ihnen die russische Division umschließen, die aus Soldaten zusammengesetzt ist, die den Alliierten freundlich gesiuut sind und die sich nach Japan und dem nördlichen Sibirien vor den Bolschewist geflüchtet haben. Fürst Lwow, der jetzt in Peking weilt, dürfte diese Division üvernehmen. Es wurden Offiziere bestimmt, um die chinesisch:.: Divisionen zu kommandieren, die sich den J-apanecu anschließen werden.
Deutscher Reichstag.
(Eigener Drahtbericht des „Wiesbadener Tagblatts".)
H: Berlin, 12. März.
Am Bundesratstisch' Wallrif. Tr. Lewald, Dr. Friedberg
Vizepräsident Dr. Paasche eröffnet die Sitzung um 2 llhr 15 Minuten.
Das Andenken des verstorbene» Akg. Stolle (Unabh. Soz.) wird durch Erheben von den Sitzen geehrt.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst
Anfragen.
Auf eine Anfrage des Abg, De Q.uarck (Soz.) nach Maßnahmen zur Behebung der K o h l e n n o t in Süddeuisch- lond, namentlich in Frankfurt a, M., antwortet Direktor im Reichewirts-haftSamt Müller: Für oeu Hausbrand sind Nachtragskohlenkactcn ausgegeben worden; freier Handel in Kohlen ist nicht zulässig.
Dem Abg. Geier (Soz.). der sich über Zensurvor- schriften beschwert, die unmittelbar vor dem Erscheine,l ter Zeitung geradezu undurchführbar seien, erwidert Major v. Bergh, daß es sich bierbei nicht um eine Zensur handle, sondern nur um die Prüfung, ob die betreffende Zeitung ausgeführt werden dürfe.
Gegenüber Wünschen des Abg, Schees (Bpt.), daß den kleinen Landwirten Gerste für den Hausbedarf belassen werden möchte, damit sie nickt genötigt feien, Mehl zu kaufen, betont Unterstaatssekretär v. Braun, Ausnahmebestimmungen seien nickr möglich.
Abg. v. Gräfe (kons.) fordert Schritte dec Regierung gegen das dänische Vorgehen hinsichtlich des „Jgnotz lenb i".
Ein Vertreter des Auswärtigen Amtes beantwortet die Frage dahin, daß bei der d ä n: s ch e n R e g i e r u n g die erforderlichen Vorstellungen gemacht worden sind, namentlich sei die Freilassung der internierten Mannschaften gefordert worden. Die Antwort Dänemarks werde I>eute ober morgen in Berlin erwartet.
Sodann tritt das Haus in die erste Beratung des Ge- ietzentwurfö ein über
Zusammensetzung des Reichstags und die Verhältniswahl in großen Reichstagswohlkreisen.
Staatssekretär Wallraf: Die Vorlage entspricht mehrfach ausgesprochenen Wünschen des Reichstags, wenn auch der Begriff der zusammenhängenden wirtschaftlichen Gebiete nicht in das Gesetz ausgenommen worden sei. Die Zahl der Abgeordneten soll v o n 3 9 7 a f 4 4 1 erhö h t werden. In den großen Wahlkreisen tritt die Verhältniswahl ein. Tie? hat den Vorzug, daß sich di? Wahl mehr von Partei zu Partei abspielt, die persönlichen Gehässigkeiten ausgeschaltet und Stichwahlen erübrigt. Demgegenüber ist allerdings mit einer Kompliziertheit des Verfahrens zu rechnen.
Tic politischen Folgen des Gesetzes, die Vorzüge und Nachteile, namentlich für die Parteien der Minderheit, sind noch nicht abznfchen.
Ich empfehle die wohlwollende Prüfung der Vorlage.
Abg. Kuckhoff (Zentr.i: Hier handelt es sich um ein Stückchen Neuorientierung; es will die gleichmäßige Verteilung der Abgeordneten in gleich große Wahlkreise anstreben, wie sie ftüher bestund. Eine völlig gerechte Verteill'Ng der Abgeordneten entsp rechend der Einwohnerzahl ist undenkbar. Die Verhältnisse haben sich aber nochgerade zu Ungeheuerlichkeiten hecausgewachsen. Dem Übelstand soll jetzt abgeholfen werden Di? Vorlage sieht die Vermehrung der Mandate und für die hinzukommenden Wahlkreise das Lsrhältniswahlsystem vor. Bride Maßnahmen begrüßen wir, denn durch die Verhältniswahl in den neuen Wahlkreisen wird dafiir gesorgt, daß diese Mandate nicht einer einzelnen Partei zugute kommen, sonderm daß durch sie auch die soustigeii Kulturfaktoren berücksichtigt werden. Hcffentlich wird es möglich sein, dieses Gesetz sehr schnell zu verabschieden. Ick beantrage Verweisung an den Verfaffungsausschuß. (Beifall im Zentrum.)
Abg. Dr. Gradnar-er (Soz.jr Die Vorlage stellt eine Teilreform dar, die wir weniger freudig begrüßen als tcr Vorredner. Die Ungerechtigkeiten, die in der Vertretung großer Wahlkreise bestehen, sollen weiter bestehen bleiben. Das Verhältniswahlsystem ist eine alte sozialdemokratische Forderung. Dadurch ist die Regierungsvorlage ganz unzureichend, da sie mit überaus zwiespältigem E b u r a k t e r onaetan ist. Weshalb geht man nicht zn einer vollständigen Neueinteilung der Wahlkreise über? Gerade im Weltkrieg sollte man eine völlige Gleichberechtigung aller Bürger herbeiführen. Auch England hat eine grundlegende Wahlreform durchgeführt Eine genaue Prüfung der Vorlage im Verfaffungsausschuß :st nötig. Vielleicht gelingt es, die Verhältniswahl mehr, als in der Vorlage vorgesehen, einzuführen, sowie eine weitere Vermehrung der Mandate. Wenn das Gesetz nach die'-:: Vorlage zur Verabschiedung kommt, so bedeiltet das bloß eine Abschlagszahlung,
ein erster Schritt zu einer gründlichen Reform durch den künftigen Reichstag.
Abg Dr. Müller-Meiningen >Vpt.): Wir stehen der Vorlage wesentlich günsstger gegenüber, als der Vorredner. Sie nt gewissermaßen eine Art Notgeietz. durch das die allergrößten Ungerechtigkeiten behoben werden.
Abg Dr. Junck (n«tl.): Unrichtig ist der Einwand, daß die Verlage arbeiterfeindlich sei. Das Gegenteil ist der Fall. Das System der gebundenen Wahllisten versteckt gewissermaßen die indirekte Wahl. Ich verstehe nickt, wie die Sozialdemokratie für sie eintreten kann. Die Verhältniswahl wird namentlich in zweisprachigen Gebieten dem Wahlkampf die Schärfe nehmen. Die Wahlprüfung sollte, von einem Gerichtshof vorgenommen werden.
Die Vorlage ist die loyale Erfüllung der Wünsche des Reichstags.
Wir werden uns bemühen, sie bald zu verabschieden.
Abg. Dr. v Beit (kotts.): Wir waren auf eine Mandats- Vermehrung um 20 bis 30 gefaßt, aber nicht um 44. Seide: entfallen auf Süddeutfckland nur 5 Mandate. Wir müssen an dem Grmdsatz „Land und Leute feskhalten. In die Vorlage muh eine Bestimmung hineingearbeitet werden, daß Um ge meindun gen ohne weiteres eine Änderung der Wahlkreisgrenzen nach sich, ziehen. Gegen die Ver»
