Verlag Langgaffe 21
„Tazblatrhaus".
Schaltor-Halle Jtüffnrt Bon 8 Uhr morzen» Ml 7 Mir «den».
wöchentlich
Lej»g--Prc»s für Leide Ausgaben: Mk. I.ro monatlich, Mt 3 60 vierteljährlich durch den Terlag Lanqgasle 3t, ohne Bringerlod». Ml. «.SS vierleijährlich durch alle deutschen Postanitalten, ausschliedlich Bestkügeld- — Bezugs.Beftellunge» nehmen außerdem entgegen, in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marckrmg ts, sowie die Aulaabeftellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Lanborten und im Rheingau die betrefienden Tagdlan-Träger.
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Tagdlatthaus" Sir. 6650-53.
Bon 8 Uhr morgen» Mi 7 Uhr abends, außer Eomita».
Anzrigen-vreis für die Zeile: 25 Pfg. für örtliche Anzeigen; SS Pfg. für -uiwärtige Angehen; llsjft für örtliche Reklamen; 250 ml für auswartiae Rcllamen. — Beiwiederbolter Aufnahme imveränderter Anzeigen i» kurzen Zwischenräumen entsprechender ~ **5* i *'»’* 1 "»” m * : S" fl!
Abend-Ausgabe bis ts Uhr miliags: !ur die Morgen-Ausgabe MS 3 Uhr n achmit tag. — Jür die Aufnahme von Anzeigen an vorgefchriebenen Tagen und Platzen wird keine Gewahr übernommen.
Berliner Abteilung deS Wiesbadener Tagblatts: Berlin ff., Patsdamer Str. 121 K. Frrusprecher: Amt Lützom 6202 u»d 6203^
Dienstag, 12 . März 1918.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 119. ♦ 66. Jahrgang.
--r
Der DaimlersKandal.
Was seit Jahren öffentliches Geheimnis ist, unsere Auswucherung durch einen Teil der Kriegs» i n d u st r i e, das hat jetzt alle Dämme durchbrochen, mit denen man diesen Skandal immer noch durch verdunkelte Hintergründe bannen zu können geglaubt hatte. Die Daimlerschande stinkt zum Himmel. Das lange Schweigen über diese Dinge hatte gewiß auch ehrenwerte Beweggründe. Viele, die um die traurigen Tatsachen wußten, hielten ihre Kenntnis zurück, weil sie die Wirkung der Wahrheit auf die öffentliche Meinung und auf das Ausland scheuten, und von gleichen Auffassungen ließen sich unsere Zeitungen leiten, in denen man, wie wir jetzt ja sagen können, sehr Vieles gewußt hat, was, wenn es früher mitgeteilt worden wäre, den Umfang des Übels hätte einschränkcn können. Aber die Absicht war gut, und unsere Presse braucht sich nichts vorzuwerfen, zumal es doch wohl das Beste war, wenn das Geschwür von selbst aufbrach, wie es nunmehr geschehen ist. So schlimm wie bei den Daimlerwerken wind es hoffentlich nirgends sonst stehen, vielmehr kann man wohl sagen, es wird bestimmt nirgends so schlimm stehen, denn Beweiskraft haben die Dividenden der großen Werke, und was sich da bei Daimler ereignet hat, das ist ohne Beispiel, so daß also die Erwartung in der Tat berechtigt ist, diese Wirtschaft könne und werde sich bei anderen Unternehmungen nicht wiederholen. Die ungeheuerlichen Gewinne der Daimlerwerke, die zuletzt gar nicht wußten, wie sie diese Goldströme verbergen sollten, sind völlig ohne Vorbild in unserem Wirtschaftsleben. Wenn den Akffonären, nachdem der Kurs auf 1350 gestiegen war 'im Jahre 1911 hatte er 228 betragen), jx eine neue Aktie zum Kurse von 100 zugeteilt werden konnte, so bedeutet das. daß die Leiter des Unternehmens geradezu in Verlegenheit waren, was sie mit dem errafften Gelds anfangen sollten. Nun sind das aber Vorgänge, die doch schon vor Monaten aller Welt bekannt waren, die damals schon ein kräftiges Einschreiten erfordert hätten, nur daß dergleichen nicht geschah: Warum nicht? An dem guten Willen der zu- ständigen Stellen braucht man nicht zu zweifeln, aber die Fähigkeit ist offenbar hinter dem guten Willen bedauerlich weit zurückgeblieben. Im Hauptausschuß teilte der Oberst Oschmann mit, Daimler habe nachge- wiesen, daß an den Motoren nur 10 Prozent verdient würden. Dieser „Nachweis" muß aber auf jämmerlich schwachen Füßen stehen, wenn der Abg. Dr. Stöve den militärischen Stellen den Vorwurf machen konnte, sie hätten sich hinter das Licht führen lassen, ihnen habe auch das geringste kaufmännische Verständnis gefehlt; sonst hätten sie auf die Behauptung nicht hereinfallen können, daß die Daimlerwerke nur 10 Prozent verdienen, während in Wirklichkeit auf die Selbst- kosten 173 Prozent ausgeschlagen worden seien! Es ist wohl so, wie es dieser Abgeordnete und mit ihm mehrere andere schilderten: Das Reich ist
nicht nur bewuchert, sondern um ungeheure Summen geprellt worden, und das Volk muß zu der Überzeugung kommen, daß die Preis- prüsungsstellen der militärischen Verwaltung ihrer Aufgabe nicht gewachsen gewesen sind. Wenn es in der Abscheulichkeit, als die stch dieser Daimlerskandal darstellt, noch erne Steigerung geben kann, so steckt sie in der frechen D r o h u n g der Unternehmer mit E i n st e l l u n g der L i e f c r u n g e n, falls ihre Mehrforderungen nicht genehmigt würden. Was ist das anderes als eine Streikdroh nng? Und wir nehmen keinen Anstand, dem Abg. N o s k e zuzu- stimmen, der im HauptanSschuß erklärte: „Wenn jemals der Begriff des L a n d e S p e r r a t s auf Arbeitsver- Weigerung mit Recht hätte anqewendet werden können, dann auf die Ankündigung des Herrn Berge, daß er die im Interesse der Landesverteidigung unbedingt erfvr- derlichen Motoren nickst mehr in der bisherigen Zahl liefern wolle." Die Staatsanwaltsch»aft wird jetzt ihres Amtes walten müssen, aber was uns verloren gegangen ist, das bleibt verloren, und der S ch a n d- f l e ck auf unserem guten Namen wird nicht so leicht wegzuwischen sein. Auch wenn es anderswo so schmutzig nicht zuging wie bei den Daimlerwerken, so hat man cs schließlich doch nur mit Abstufungen in der Unverschämtheit der Ausbeutung zu tun, und übermäßig« Gewinne sind zweifellos vielfach gemacht worden, o b n e daß die Behörden nach dem Rechten gesehen hätten. Es wird immer schwer sein, die Mebrsummen zu bestimmen, die wir. für die Heereslieferungen zu zahlen hatten, und die erspart werden konnten, wenn stets eine scharfe Kontrolle der Preisforderungen geübt worden wäre. Viele Milliarden aber sind durch die unnötige Nachgiebigkeit gegen die Forderungen der Unternehmer v e r a endet worden, vielleicht sogar konnte von den 120 Milliarden «mipwr bisherigen Kriegslasten sin Viertel er-
spart werden, und wenn cs auch nur ein Achtel gewesen wäre, so würden wir alsdann jedenfalls von dem bedrückenden Gefühl erleichtert sein, daß sich eine an Zahl geringe Schicht des deutschen Volkes zu Unrecht am Kriege bereichert hat. Im Hauptausschuß ist gesagt worden, daß wir das englische System wohl nicht hätten nachahmen können, sogar der sozialdemokratische Redner war dieser Ansicht. Wir unsererseits möchten fragen, warum wir das englische^Systein nicht auch bei uns hätten einführen können. Dort hat der Staat die Kriegslieferungen in fester Hand, die Unternehmer sind nur die Werkzeuge der Staatsgewalt, die Preise sind ihnen »orgeschrieben, und die Regie- ■■ rung sichert sich einen dauernden Besitzanteil. So wird in Großbritannien sehr viel billiger als bei uns gearbeitet. Weshalb kann das bei uns nicht ebenso gemacht werden. Unrechtmäßige Geivinne wird es natürlich auch in England genug geben, aber das System ist drüben jedenfalls besser als hier. Noch ist es Zeit, gründlich dnrchzugreffen, es inutz aufgeräumt werden mit einer Schande, deren greller Gegensatz zu den Leiden und Entbehrungen von Millionen jedem anständig Denkenden das Blut in die Wangen treiben muß!
Der Zall des Kammerhorrn Vehr-pinnow.
Br. Berlin, 11. März. Zu .dein im Haiwtarisfckn^ de? Reichstags behandelten Fall des Kammerherrn v. Behc- Pinnow schreibt die „Morgenpost" unter der Überschrift „Hilfe für Heimarbeiterinnen":
Kammerherr v. B ehr-Pinnow, der an der Spitze einer ganzen Reihe von Kriegswohlfahrtseinrichtungen stand, hatte sich erboten, notleidenden Heimarbeiterinnen dadurch zu helfen, daß er ihnen das Nähen von Säcken als Kriegsorbeit verschaffe. Er hat dann auch große Lieferungsaufträge für Säcke erhalten und hat den Heimarbeiterinnen für denSack 42 Pf. gezahlt. Von der Heeresverwaltung ließ er sich 8 0 P f. zahlen, so daß mit der Zeit ein Gesamtumsatz von 27 Millionen Mark erzielt wurde, wovon dem Kammerherrn v. Dehr-Pinnow ein perfön-
licher Nutzen von über 4Z4 Millionen Mark verblieb. Die g a n z c D i f f e r e n z von 42 bis 80 Pf. für den Sack soll er in seine eigene Tasche gesteckt haben. Bis- ber hat der Kammerherr eine halbe Million freiwill i g z u r L ck g e z a h l t. Im übrigen schwebt gegen ihn ein gerichtliches Verfahren. Der Untersuchungsrichter erster Instanz hat die Einleitung eines Verfahrens abgelehnt, jedoch ist aus Anordnung der zweiten Instanz die Einleitung der gerichtlichen Untersuchung gegen Herrn v. Böhr-Pinnow angeordnet worden. Der Herr Kammerherr hat die von ihm brs- ber bekleideten Ehrenämter niedergelegt, darunter auch das Amt eines Vorsitzenden der Auguftc-Viktoria-Stiftung.
Der Hriedensschlutz mit Rußland.
Zunehmende Stimmung für Ratifizierung des Vertrags.
Berlin, 11. März. Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet, erfährt die „Times" aus Petersburg, daß die Bewegung zugunsten der Ratifizierung des Friedensvertrages immer mehr zunehnie. Es könne nicht mehr bezweifelt werden, daß der Sowjetkongreß in Moskau den Vertrag ratifizieren werde. Infolge der kräftigen Maßnahmen gegen die Gegenrevolution yerr- sche in der Stadt vollkommene Ordnung.
Große wirtschaftliche Pläne in Rußland.
L. Berlin, 11. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Allem Anschein nach besteht die Absicht, an dem wirtschaftlichen Ausbau Rußlands ^ind der von ihm abgeschwenkten Randvölker in erheblichem Maße sich zu beteiligen. Der häufig gut informierte „L.-A." meldet, die in der Anbahnung begriffene wirtschaftliche Ordnung in Rußland schließt, wie wir hören, den großzügigen Plan eines Kanals vom Baltischen Meer bis zum Schwarzen Meer in sich. Das Projekt lehnt sich an den Beginski-Kanal an. Seine Ausführung erfordert die JnvestiUung von zwei Milliarden Mark. Die maßgebenden d e u t s ch e n Stellen stehen dem Plan sympathisch gegenüber. Auch das deutsche Kapital dürfte nicht zurückhalten. Das Blatt sagt dann über den Plan: Großrußland und die Randvölker bekämen einen bequemen Weg zum Meer. Im Norden dürfte der Kanal auch für größere Dampfer fahrbar werden. Mit der Erklärung Rigas zum Freihafen dürfte den Interessen Rußlands weiter entgegengekommen werden. Im Süden wird die Ukraine von den neuen, mit allen modernen Einrichtungen zu versehenden Wasserwegen profftieren.
Rückbeförderung verschleppter Balten.
W. T.-B. Berlin, 11. März. (Drahtbericht.) Die deutsche Regierung hatte am 8. März durch Funkspruch an die russische Regierung daraus hingewiesen, daß 450 Balten aus Dorpat und Reval und 130 Bal- ten aus anderen livländischen Städten verschleppt ivor-
den seien, um nach Sibirien abtransportiert zu werden. Der Transport erfolgte in Viehwagen mit Zertifikaten des Smolny-Jnstituts. Die deutsche Regierung hatte gegen diese Maßnahme, die mit Artikel 6, Absatz 2, des Friedensvertrags in Widerspruch stand, Verwahrung eingelegt und die sofortige Rückbeförderung der Verschleppten verlangt. Der Beisitzer des Volkskommissars für auswärtige Angelegenheiten in Petersburg erwiderte hierauf namens der russischen Regierung: „Es wurde bereits eine Ver
fügung getroffen, daß die Verschleppten nach ihrer Heimat zu rückgeführt würden, ihre Zurückschaf- fnng werde durch Transportschwierigkeiten aufgehalren, die durch die Demobilisation der russischen Armee entstanden seien."
Ein finnischer Senator über den Grund des Hilfegesuchs an Teuffchland,
W. T.-B. Stockholm, 11. März. „Nna Daglight Allehanda" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Chef der finnischen Regierung, Senator Renvall. Danach hat das Ausbleioen der schwedischen Hilfe und das ständige Zuströmen von Truppen aus Rußland zur Uaterstützang der Roten Garde die finnische Regierung dazu bestimmt, Deutschland um Hilfe zu bitten. Die von Deutschland auf den Aalandsinselir getroffenen Maßnahmen seien nickst geeignet, einen etwaigen Meinungsaustausch mit anderen interessierten Mächten aus der'Grundlage des Friedens von Bcest-Litowsk auszuschließeiu
*
Die Absichten Lrotzkys.
Br. Stockholm, 11. März. (Eig, Drahtbsricht. zb.)' Auf dem 7. Kongreß der maximalistifchen Partei hielt Trotzky eins Rede, worin er von seiner Demission als Volkskommissar des Auswärtigen Mitteilung machte. Die Absicht Trohkys geht jetzt darauf hinaus, bet dem Moskauer Konvent der Sowjets Führer der krieg e- riscken Opposition zu werden. Die führende» auswärtigen Angelegenheiten wollen jetzt Lenin und Sokolnikow gemeinsam übernehmen.
Lin« gegenrevolutionöre monarchische Bewegung in Moskau.
L. Berlin, 11. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nachricht«, von der Ostfront besagen, daß stch in Moskau eine gegenrevo- luticnäre Bewegung bemerkbar zu machen beginnt. De, Name de? Großfürsten Michael wird in dieser Hinsicht vielfach erwähnt als der deS Kandidat-m für den Thron eines künftigen konstitutionellen monarchischen Rußland.
Vis Verlegung der Hauptstadt nach Moskau.
Berlin, 11. März. Die Sowjetregierung kündigt die bevorstehende Verlegung der Hauptstadt nach Moskau an. Petersburgs als Freihafen erklärt werden.
Frankreichs Ärger über die Bolschewiki-Regieruug. >
W. T.-B. Chrisüania, 11. März. (Drahtbericht.) Wie di« Blätter melden, kam Kamenew gestern auf der Rückreise von England in Belgien an, da ihm,das Betreten französisch e n B 0 d e n s, wo er die Bolschewiki-Regierung zu vertreten suchte, verboten worden war.
Englisch-japanische Besetzung von Wladiwostok!
W. T.-B. Bern, 11. März. (Drrhtbecicht.) Nach Pariser Meldungen wurden englische und japanische Kriegsschiffe zut Überwachung nach Wladiwostok entsandt. Die ansästig«! Japaner wurden nach Japan zurückgeschickt.
Eine japanische Mission in Amerika.
Br. Haag, 11. März. (Eig. Drahtbsricht. zb.)' „Holland Nieuw Bureau" meldet drahtlos aus London: Aus New Dork wird gemeldet, daß eine japanische! Mission, die ein Hand schreibe n des Mikado an den Präsidenten Wilson überbringt, in der Nacht vom 9. zum 10. März in einem Hafen des Stillen Ozean- eingetroffen ist. _
Kein Gedanke an Eintritt Argentiniens 3 in den Krieg.
W. T.-B. Buenos Aires, 11. März. (Drahtbericht. Ilge:us Havas.) Ein Beamter des Ministeriums erklärte einem Bev- tteter der Press«, daß die öffentlichen ausländischen Komm«»» tave, betr. eine angebliche -Entscheidung der argentinischen Regierung, in -den Krieg einzutreten, schief seien. Es handelt stch -um einen Entschluß, das Freundschastsband Argentiniens mit den Alliierten enger zu knüpfen, die gegenseitigen Bs- zi-ehung-en zu verbessern und die Handels- und wirtschaftlichen Verbindungen zu erleichtern. Militärische Maßnahmen find weder ergriffen, noch vorgesehen, obwohl, die bestehende Sympathie für die Sache -der Alliierten fortschrertet.
Freies Geleit für den Grasen Luxburg.
\\* T.-B. Buenos Aires, 11. März. (Dvahtbertcht. Agens« Halms.) England genehmigte für den Grafen Lux- burg freies Geleit nach Schweden, verweigerte Hs aber, dem begleitenden deutschen Arzt.
