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Montag, II. März 1418.
6ben--5lusgabe.
Nr. 118. . 66. Jahrgang.
vie Deutschen 9 Um. v»r Odessa!
Zur Lage.
I-. Berlin, 11. März. (Eig. Drahtbericht. zb.) Ms auf 9 Kilometer haben sich unsere in der Ukraine vrrmarschieren- Len Truppen dem Schwarzmeerhafen. Odessa genähert, zu dem sie sich den Weg bekanntlich durch den rumänischen Friedensvertrag gesichert hatten. Die Nachricht zeigt, wie schnell und umsichtig unsere Oberste Heeresleitung bei der Befreiung der Ukraine von den bolschewistischen Banden vorgeht. Auch weiter nordöstlich haben die Kämpfe mit den Bolschewisten zu großen Erfolgen der deutschen Truppen geführt. B o b i tz k i a, 300 Meilen nordöstlich von Kiew, ist von ihnen besetzt worden, etwa 100 Kilometer südöstlich von Kiew, bei Kutie, in der Nähe von Bach- inotsch, fand eine Schlacht mit wett überlegenen feindlichen Kräften statt, die für uns siegreich ansginq. Bemerkenswert ist, daß uns hier tschechische Stceitkräste, die aus dem österreichischen Heer desertiert find, in großer Zahl ent- gcaentvoten. Die immer erneute Verstärkung der feindlichen Banden durch tschechische Deserteure ist dem schnellen und durchschlagenden Erfolg der Lenischen Bewegung natürlich außerordentlich hinderlich. Man wird, so kann als sicher angenommen werden, mit den Deserteuren, wo man sie fassen kann, so verfahren, daß ihre Gesinnungsgenossen von weiteren hochverräterischen Handlungen .abgeschveckt werden dürsten. Es ist das um so wünschenswerter, als die eigentlichen Bolschewiki-Truppen sich in voller Auflösung .befinden und zum größten Teil bereits zerstreut sind. Sv berichtet ein von uns aufgefangener Funkspruch, daß von der 8. Armee nur noch die Stabe vordanden (mb. DieTruppen sind geflüchtet. In Iekaterinoslaw sollen sich, nach neueren Nachrichten stärkere Kräfte sammeln. Ob das zutrifft, werden unsere ununterbrochen weiter v ordr i n,gen den Truppen bald sostzustellen in der Lage sein.
An der groß-russischen Front hat die Kampftätigkeit überall au fg ehö rt. Die Räumung der Oftseepr ovi nz en von irregulären Banden schreitet rüstig fort. Bei P l e s k a u festnestellte Kräfte dieser Art werden von unseren Truppen verfölgr. Nachdem in der Stadt 9 verstümmelte deutsche Soldaten ausgefunden wurden, mutzte Ein- w o b n e r n eine Kontribution von 30 0 00 0 Rubeln auferlegt werden, um ähnliche Fälle zu verhüten. Fünf aus -frischer Tat ergriffene Plünderer wurden von uns standrechtlich erschossen.
Aus dem Westen kann mitgeteilt werden, daß beider- s e i t i g e E r k u n d u n g s g e f e ch t e die jetzige Lage charakterisieren. Auch die französischen -Vorstöße bei Badonvillsr find nicht etwa als ein größeres Unternehmen zu betrachten, eS diente vornehmlich lediglich der Aufklärung. Bei unseren Erkundungen in Flandern machten -wir zahlreiche Gefangene und.erbeuteten Maschinengewehre und Materi-al. Die Stimmung der feindlichen Truppen scheint nicht sehr zuversichtlich zu sein. Bemeickenswert ist in dieser Hinsicht ein Zusammenstoß mit Engländern bei Becelaere, wobei der Gegner nahe den deutschen Trups-en sich unter Zurücklassung von 5 -Maschinengewehren zur-ückzog.
vie Admiralstabsmeldung.
W. T.-B. Berlin, 11. März. (Drahtbericht. Amtlich.) Unsere U-Boote haben im Sperrgebiet um England
18 000 Bruttoregistertonncn
Schiffsraum vernichtet. Unter den versenkten Schiffen waren zwei Engländer, nämlich der bewaffnete Dampfer „Bealewood" von 2420 Bruttoregistertonnen mit 3000 Tonnen Kohlen für die englische Flotte in Scapa-Flow bestimnit und der bewaffnete Dampfer „Largo" (1764 Bruttoregistertonnen) mit 2400 Tonnen Kohlen für Belfast. Zwei weitere Dampfer, darunter einer von 4000 Bruttoregistertonnen, hatten als Ladung Masutöl an Bord.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Vie Versenkung Des „Talgarian".
W. T.-B 1 , Berlin, 9. Diärz. (Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote, Kommandant Kapitän-Ieutnant Spieß, hat unseren Gegnern durch Vernichtung von 36000 Bruttoregistertonnen Schiffsraums schweren Schaden zuge- fttgt. In glänzend durchgeführten Angriffen wurden in der Einsährt zur Irischen See unter erheblicher Gegenwirkung ein schwer beladener amerikanischer Frachtdampfer von etwa 10 000 Brattoregistertormen, ein Tank iS« mpfer von etwa 6000 Bruttoregistertonnen und aus einem stark gesicherten Geleitzug das Schlußschiff von etwa 3000 Brutto- veyistertonnen abgeschossen. Am Abend des 1. März torpedierte das Boot den von mehreren Zerstörern begleiteten englischen Hilfskreuzer „Calgarian" von 17 616 Bruttoregister- tonnen. Da der Hilfskreuzer nicht sofort sank und von Bewache: nysichiffen ins Schlepptau genommen wurde, griff es ihn ungeachtet der von allen Seiten zur Bergu.ng des wertvollen Schiffes .herbeieilendeu Zerstörer und Bewach ungssahrzeuge erneut an und versenkte ihn durch einen zweiten Torpedo.
Der Chgf des Admtratstikbs der Wa-rrne,
Die Ankilnft des S. M. S. „Wolf" in Travemünde.
W. T.-B. Lübeck, 10. März. Der Hilfskreuzer „Wolf" legte heute nachmittag 3 1 /» Uhr irt Travemünde an und erreichte in 1% Stunden Fahrt den bekanntlich für größere tiefgehende Schisse geeigneten Lübecker Hafen, um hier einen Teil seiner Ladung zu löschen. Bei der Einfahrt in den Hafen wurde das Schiff vom Hafenmeister, von dem Ortskommandanten, den Senatsmitgliedern sowie von der Bevölkerung lebhaft begrüßt, was die Besatzung mit dreifachem Hurra aus die Stadt Lübeck erwiderte. Unter Glockengeläut--: legte das Schiff, an dem Hafenkai an.
Der „wois"-ttommandant über Niedergang des Seeverkehrs und Seehandels Englands.
W. T.-B. Berlin, 9. März. Ein Vertreter des Wolffschen Telegraphen-BureauS berichtet: Anläßlich der neuesten Rode des Lords der Admiralität im englischen Unterhause nahnr ich Gelegenheit, mich gestern mit dem Kommandanten des Hilfskreuzers „W ci l f" zu unterhalten, Fregattenkapitän N e r g e r machte mir hierbei u, a. folgende interessante Mitteilungen, lie eine vorzügliche Antwort auf die Ausführungen der englischen Regierung sind, daß die Wirkung deS Unterseebootskrieges Nachlasse:
„Als ich im Dezember 1916 die Ausreise antrat, fand ich in den englischen Gewässern und iin Atlantischen Ozean noch einen regen Schiffsverkehr vor. Wie völlig verändert ivar indessen das Bild auf der Rück- reise! Im südlichen Atlantischen Ozean wurden nur noch vereinzelte Schisse angetroffen; besonders auffallend aber war die Verkehrsstille nn südlichen und mittleren Teile des N o r d a t l a n t i s ch e n Ozeans. Selbst aus den großen Dampserwegen nach den Vereinigten Staaten war der Verkehr wesentlich geringer geworden. Die Wirkungen des UnterseebootskrieaeS hätten mir nicht eindrucksvoller vor Augen geführt werden können. Die Seeverkehrs- aknahme wuchs mit dem Abstand van den englischen Inseln. Die fernen Ozeane, insbesondere die pazifistischen Gebiete, sind buchstäblich vereinsamt Schon im April 1917 sahen sich die Engländer und Franzosen, wie ich aus verschiedenen Quellen feststellen konnte, infolge des großen Schiffsrauin- mangelö gezwungen, ihre Schiffe ans den entlegeneren Gewässern, z. B. den australischen, nach der Heimat heranzuziehen. So mußte der Schiffsverkehr zwischen Australien und Neuseeland eine so erhebliche Einschränkung er- sohren, daß es selbst nicht möglich war, den notwendigsten Austausch von Waren, hauptsächlich landwirtschaftlichen Produkten, zwischen diesen Ländern zu bewerkstelligen. Die Schiffahrt zwischen Australien and Südamerika bat so gut wie ganz aufgehört.
Wie ich aus der Prisenpost, ferner aus Zeitungen, die ich in großer Menge auf den aufgebrachten Schiffen fand und mitgebracht habe, und schließlich aus den Aussagen zahlreicher Gefangener seststellen konnte, herrschte unter der Bevölkerung Neuseelands und Australiens im allgemeinen eine starke Mißstimmung sowohl gegen die Negierungen dieser Länder wie gegen »aS Mutterland. Aus vielen Äußerungen war auf Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen und Kriegsmüdigkeit zu schließen. Auch traf man nicht selten aus einen grundsätzlich ablehnenden Standpunkt zum Kriege überhaupt. Er wurde als ein Unternehmen englisch-großkapitalistischer Kreise bezeichnet, das von diesen in der Hoffnung auf erheblichen Gewinn eingeleitet worden sei. Man habe den Krieg vom Zaune gebrochen. Starke Mißstimmung herrschte über die besonders ausgedehnte Heranziehung der australischen Bevölkerung zum Heeresdienste, die als eine ungleichmäßige und ungerechte Belastung und eine Benachteiligung ge-genüber dein Mutterlande bezeichnet ivurde. In Australien hat sich Japan wirtschaftlich erbcblich ausgedehnt und den englischen Handel fast ganz verdrängt. Hier hat sich die Hoffnung Englands auf eine Eroberung der deutschen Märkte und einen erheblichen Gewinn für die eigenen Handelsbeziehungen zweifellos nicht erfüllt. Die 'Ausbreitung und das Vordringen Japans erregen in Australien, dessen Staaten- zi-scnr-menfchluß vorwiegend auf die Furcht vor japanischer Mochtausdehnung zurückzuführen ist, größte Besorgnis, da man glaubt, daß das erhebliche Anwachsen der wirtschaftlichen und damit auch die politisch? Macht Japans keine zeitlich vorübergehwide Erscheinung sei, sondern auch nach dem Kriege foribestehen werde. Die Stimmung der Inder gegen die Engländer ist durchweg gereizt u:id erreicht häufig den Grad offener Feindschaft. Die Anfcechterhaltung der Ord- nurg, in den indischen Kronländern ist nur unter Anwendung von Gewalt möglich.
Der tieffte Eindruck, den ich empfing, ist aber zweifellos der vcm Niedergang des englischen Seehandels und damit der Grundlage der englischen Wirtschaftsmacht. Wer heute bei unseren Gegnern noch von der Wirkungslosigkeit des Unterseebootskrieges zu sprechen wagt, tut dies unter bewußter Entstellung der Tatsachen, für die es keinen eindrucksvolleren und klareren Beweis geben kann, als die zunehmende Vereinsamung der Meere."
„Jgotz Mendi" jetzt doch noch wieder flott!
W. T.-B. Kopenhagen, 11. März. (Drahtbericht.) Der Dampfer „Jgotz Mendi" wurde heute früh slott- gemacht. - - - -» - ■ A
Die Vergebung von Heereslieferungen und der Zall Daimler, kjauptausfchutz des Reichstags.
W. T.-B. Berlin, 9. März. Im Hauptausschuß des Reichstags wurde die Aussprache über die Vergebung von Heeresliefecungen und die dafür gezahlten Preise fortgesetzt. Tie Sozialdemokraten, das Zentrum und die Nationalliberalen beantragten die Militarisierung der Betriebsleitung bei solchen, für den Bedacs des Heeres und der Döarine arbeitenden Wecken, welche durch eine übermäßige Preis- berechnung die Interessen des Reiches schädigen, sowie die Zahlung nur solcher Preise an die militarisierten Betriebe, welche eine Verzinsung des investierten Kapitals von 6 Prozent gestatten. Das Zentrum beantragte die Einrichtung von P r e i s p r ü f ii n g s st e l l e n für.die sämtlichen zentralen Beschaffungsstellen. Schließlich lag ein Antrag sämtlicher Parteien vor, betreffend die Überwachung der Geschäftsbücher und anderer Unterlagen, die für die Berechnung der Preise maßgebend sind.
Im Lause der Aussprache erklärte General v. Wris- b e r a, die Fälle von Behr-Pinnow und der Daimlerwerke würden den Gerichten übergeben werden. (In der Angelegenheit des Kammerherrn v. Behr-Pinnow, gegen den die Erhebung der A n k l a g e ungeordnet ivorden ist, handelr cs sich um die Lieferung von Säcken an die Heeresverwaltung, ivobei angeblich große Preisüberschrei- tungen Vorgekommeii sind.- Wie behauptet wird, ist von Herrn v. Behr-Pinnow zusammen Mit einem Teilhaber ein Geschäft abgeschlossen worden, das sich auf etwa 27 Millionen stellen scll, wobei ein Nutzen von 4,6 Millionen verblieb. Dies gab zu Ermittlungen und schließlich zu gerichtlicher Verfolgung der Sache .Anlaß. Nachdein der Richter erster Instanz die Erhebung der Anklage abgelehnt hatte, ist ihre Erhebung durch die höhere Instanz ungeordnet worden. Herr v. Behr-Pinnow hat daraufhin vor einigen Tagen sein Ehrenamt als Vorsitzender der Aaguste-Viktoria-Stiftung uiedergelegt. Schriftl.) Wo ein Verdacht von Veruntreuung vorlicge, werde mit den schärfsten Mitteln zugegriffen werden.
General Scheuch warnte vor Verallgemeinerungen. Was die Industrie in diesem Kriege geleistet habe an Erfindungen auf dem Gebiets der Chemie, des KonstruktionswesenS cckw., sei außerordentlich.
Abg. Cohn- Nordbausen (Unaüh. Soz.) forderte, daß dem Leiter der Daimlerwerke wegen Landesverrats der Prozeß gernacht werde. Streikende Direktoren dürsten nicht anders behandelt werden als streikende Arbeiter.
Der Vertreter des Reichsjustizamtes führte aus, wenn irgendwo bei Heeresliefernngen in unreeller Weise Wuchergewinne erzielt würden, könne der Übergewinn bis zum dcppelten Betrage eingezogen werden.
Abg. Schiele (kons.) forderte ein scharfes Vorgehen gegen Übergriffe und Unterschleife, lebnte aber die Militarisierung ab. Es dürfe nicht die ganze Industrie anläßlich der Daimler-Affäre in di; Zwangsjacke gesteckt und verdächtigt weiden.
In der fortgesetzten Aussprache leantragten noch die Noticnalliberalen die Schaffung eine: Z e n t r a l»p r ü - sungsstelle für Kriegslieferungen, mit der Aufgabe, die anderen Prüfungsstellen zu überwachen. Damit war die Aussprache beendet. Die Abstimmung Über die Anträge wird ui der nächsten Sitzung am 13. März erfolgen. Der Vorsitzende verlas noch ein Telegramm de: rumänischen zionistischen Organisation, worin um eine enisvrechende Regelung der siaotsicchtllchcii Lage der Juden in dem Friedensvertrag mit Rumänien gebeten wird. Das Telegramm wurde dem Auswärtigen Amt übermittelt.
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Stuttgart, 9. März. Der „Schwäbische Merkur" nennt den Fall Daimlec ein Erlebnis, das tiestraurig stimmen müsse, schon aus heimatlichem Ehrgefühl, aber noch nrehr um seiner allgemeinen politischen Bedeutung willen. Die besten Kräfte gäben sich die heißeste Mühe, dem Volke den Sinn für die wahre Bedeutung dieses Krieges auf Leben und Tod des deutschen Volkes zu erschließen und das heillose und hetzerische Gift aus den Seelen zu treiben, als wäre er nur des K r i e g? r ü st u n g s k a p i t a l s, der Kriegswucherer usw. wegen da. Und da müssen wir cs erleben, daß gegen eine hochanqeschene schwäbische Firma Verdächtigungen erhoben werden, die in Überfülle Wasser aus die Mühlen der Hetzer und Giftmischer leiten. Schon ein mehr oder weniger begründeter Verdacht von Handlungen der. gesckildeiten Art ist geeignet, verheerendes Mißtrauen ins Volk zu leiten. Man kann sich die Folgen eines solchen Verfahrens gar nicht gemeingefährlich genug vorstellen. Di« strengsten Gegenmaßregeln können nicht strenge genug sein.
Die sozialdemokratische Reichstaqsansraae zum Prozeß Philippi.
Berlin» 10. März, (zb.) Die Llbgg. Ebert, Motkenb»lhr und Scheidemcmn richteten an den Reichskanzler folgende Anfrage: Nach Zeitungsnachrichten sind in dem Straf-roztzß
gegen den Geschäftsführer der Maschinenifabrir Wiesbaden von der Strafkammer- des Landgerichts Wiesbaden die Grundsätze der Rechtslprechang über den Begriff des' „übermäßigen Gewinne:-" im Sinne der Kriegswucherverordnung als nicht m a ß g e b li ch für die Kalku- laticn bei den Lieferungen von Kriegsmaterial erklärt worden. BeabsichtzgUi die Verbimdpten Regierungen einer
