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Donnerstag» 7. Marz 1918.
klbend-klusgabe.
Nr. 112. * 66. Jahrgang.
Der Zrledemvertrag mit Zinnland.X
W. T.-B. Berlin, 7. März. (Drahtberickst.) Heute mittag ist der Friedensvertrag zwischen Deutschland und Finnland, ebenso ein Handels- nnd Schiff- .sahrtsabkommen sowie ein Zusatzprotokoll zu beiden Verträgen unterzeichnet worden.
An Artikel 1 wird erklärt, daß zwischen Deutschland und Finnland kein Kriegszustand besteht und daß die vertragschließenden Parteien entschlossen sind, fortan in Frieden und Freundschaft miteinander zu leben. Deutschland wird dafür eintrete», daß die Selbständigkeit und Unabhängigkeit Finnlands von allen Mächten anerkannt wird. Dagegen wird Finnland keinen Teil seines Besitzstandes an eine fremde Macht abtreten, noch einer solchen Macht ei» Servitut in seinem Hoheitsgebiet einräumen, ohne sich vorher mit Deutschland darüber verständigt zu habe».
Die folgenden Artikel betreffen die Wiederaufnahme der diplomatischen und konsularischen Beziehungen, srwie nach der Bestätigung des Friedensvertrags gegenseitigen Verzicht auf Ersatz der Kriegskosten und«der Kriegsschäden, die W i e d e r h e r st e l l u n g der Staatsverträge und der Privatrechte, den Austausch der Kriegsgefangenen und Zivilinternierten und den Ersatz für Zivilschäden.
WaS die Staatsverträge anbelangt, so sollen die außer Kraft getretenen Verträge zwischm Deutschland und Ruß» land durch neue Verträge ersetzt werden, die den veröl»?, derteu Anschauungen nnd Vcrhältniffen entsprechen; insbesondere soll alsbald über ein Handels - und Schifffahrtsabkommen verhandelt werden. Einstweilen werde» die Berkehrsbezirhungea aeregelt. Bezüglich der Privatrechte trete« alle Kriegsgesetze mit der Bestätigung dieses Vertrages außer Kraft. Die Schuldverhältnisse werden wieder hergestellt, die Bezahlung der Berbindlichkeiten, insbesondere der Ssfentiiche Schul- d e n d i e n st, wieder ausgenommen. Zur Feststellung der Zivilschüden soll in Berlin eine Kommission zusammen- tretcn, die zu je einem Teil aus Vertretern der beiden Teile und neutralen Mitgliedern gebildet wird. Um die Bezeichnung der neutralen Mitglieder, darunter des Vorsitzenden, soll der Präsident des Schweizerischen BundesrateS gebeten werden. Die kriegsgrfangcnen Finnländer in Deutschland «ns dir kriegsgefangenen Deutschen in Finnland sollen tu nlichst bald ausgetauscht, di« beiderseitigen Verschickten oder internierten Zivilpersonen h e i m b e - fordert werden. Es folgen Bestimmungen über eine Amnestie, über die Zurückgabe oder den Ersatz , von Kauffahrteischiffen »sw.
Zur Regelung der Aalandsfrage wird bestimmt, daß die aus den Inseln angelegten Befestigungen sobald alS möglich entfernt und die dauernde Nicht- Befestigung dieser Inseln durch ein besonderes Abkommen geregelt werden soll. Die bestätigten Urkunden sollen tunlichst bald in Berlin anSgetaufcht werde«. Zur Ergänzung dieses Vertrages «erden binnen 4 Monaten nach der Bestätigung Bettreter der vertragschließenden Teile in Berlin zusammentreten.
Lrsolgmche Vorstöße deutscher Sturmabteilungen im Westen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. März. (Amtlich.)
Westlicher Rriegsfchaupla^
Heeresgruppe Kronprinz Ruvprccht.
Nordwestlich von D i x m u i d e « brachten Sturm- «bteilungrn ron einem Angriff gegen zwei belgische Ge- Höfte 3 Offiziere, 114 Mann und einige Maschinengewehre ein. Dir Artillerietätigkeit lebte in vielen Abschnitten auf. Mehrfach wurden englische Erkuadungsvorstöße «bgewiesen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Die französische Artillerie entwickelte an vielen Stellen der Front rege Tätigkeit. Rordtvcstlich von Avoeourl drangen Stoßtrupps tief in die fran- zöfischen Stellungen ein und kehrte« nach heftigem Kampf und nach Zerstörung zahlreicher Unterstände mit 27 Gefangenen zurück.
Im Lustkamps wurden 19 feindliche Flugzeuge und 2 Fesselballone abgrschosseu.
Hauptmaan Ritter p. Tntscheck errang seine» 2 6. Luftsieg.
Durch Bombenabwurf englischer Flieger auf ein Lazarett in Tonreoiug wurden zahlreiche französisch« Einwohner getötet. _
?m de» anderen SrirFlschanplätzen nicht» Neues.
Der (ttgc Gener alHrr artiermr i j t u : gwfcftarfl,
Der dritte Friede.
Der Dritte! Noch ist es zwar nur ein Vorfriede, aber da über die Grundlagen und die Zeitfrist des zwischen dem Vierbund und Rumänien abzuschlietzen- dcn Friedensvertrages „vollkommene Übereinstimmung" besteht, d. h. daß Rumänien die Frieöensbedingungen des Vierbundes angenommen hat, so ist wohl nicht daran zu zweifeln, daß der endgültige Friede innerhalb der 14tägigen Frist (bis spätestens zum 19. März) zustande kommen wird. Mit diesem Frieden, den wir ebenso wie den mit Groß-Rußland allein dem Schwert verdanken, der ebenso wie jener ein H i n- denburg-Friede ist, wird der Kriegszustand im Osten restlos beendet sein.
Rumänien hat den Frieden, den es angesichts der hoffnungslosen Lage seiner nur noch aus 16 Infanterie- und 2 Kavalleriedivisionen bestehenden Armee schließen mutzte, nicht ohne Opfer erkauft, und das begrüßen wir schon deshalb, weil es als nachhaltige Warnung wirken wird. Das größte Opfer ist die Abtretung der Dobrudscha. die bekanntlich an Bulgarien fällt, wenn sie auch nach dem Vertrag offiziell den verbündeten Mächten übergeben wird, um dann an den bulgarischen Bundesgenossen ausgefolgt zu werden. Und zwar nicht nur die durch die Linie Silistria-Mangalia-Baltschik gekennzeichnete Süd- dobrudscha, welche die Rumänen ^den Bulgaren nach ihrem verlorenen zweiten Balkanfeldzug durch den Bukarester Frieden raubten, 'andern auch die Nord- dobrudfcha bis zum südlichen Mündungsarm der Donau, also das Gebiet, -velckies die Türke: in: Frieden von San Stefano 1878 an Rußland abtreten mußte, und welches dieies den Rumänen als Abfindung dafür gab, daß es zum „Dank" für die geleistete, so wirksame Hilfe Beßarabien annektierte.
Wird so an den Bulgaren altes llnrecht gutgemacht, so würde das zum Schluß auch für Rumänien gelten, wenn es ihm gelingt, sich durch den beabsichtigten An- schluß der beßarabischen Republik, die sich von Rußland getrennt hat. zu entsckmdigen. Hiervon ist freilich in dem Friedensvertrag nicht die Rede, da es sich dabei um eine Sache handelt, di? Rumänien mit Beßarabien bezw. Rußland auszuniachen hat. Aber wenn im Art. 5 die rumänische Regierung verpflichtet wird, mindestens 8 Divisionen zu demobilisieren, den (etwas größeren) Rest dagegen erst, „sobald zwischen Rußland und Rumänien der Frieden wieder hergestellt ist", und auch dann nur, ..soweit sie nickst zum Sicherheitsdienst an der rnssisch-rumänischen Grenze benötigt werden", so ist darin deutlich zum Ausdruck gebracht, daß der Vierbund gegen die Vereinigung Beß» arabiens mit Rumänien nichts einzuwenden hat. Von unserem Standpunkt aus können wir im Interesse der Erhaltung des Gleichgewichts auf dem Balkan nur damit einverstanden sein, daß Rumänien ein leistungsfähiges Staatswessn bleibt, dem der Zugang zum Meere nicht vorschlossen ist.
Auch abgesehen vom Erwerb Veßarabiens ist hierfür durch den Art. 2 vorgesorgt, durch den der Handelsweg für Rumänien über Konstanya nach dem Schwarzen Meer erhalten bleiben soll, was voraussichtlich dadurch geschehen dürfte, daß Konstantza zum Freihafen erklärt wird, woran auch die Mittelmächte stark interestiert sind. Im übrigen ist Konstantza nicht aus- siblaggebend für den rumänischen Handel, denn auf ihn kamen nur 25 v. H. der Einfuhr und Ist v. H. der Ausfuhr. während sich der Hauptverkehr über Braila, G a l a tz und SuIina abwickelte.
Eine territoriale Einbuße erleidet Rumänien auch gegenüber Ungarn: dre Hoffnung auf Siebenbürgen und die Bukowina hat sich also ins Negativ verwandelt. Wenn die Donaumonarchie diese regional geringen, aber straregisch wertvollen Grenzberichtigungen, nämlich die Zugänge zu den G e- birgspässen des Karpathenwalles, verlangt, so geschieht das eben, um die M ö g l i ch k e i t eines neuen Einfalles in Siebenbürgen und die Bukowina a u s z u s ch a l t e n. Im übrigen stellen die Donaumonarchie wie Deutschland nur wirtschaftliche Forderungen, wie die Vervftichtnna zur Lieferung des Überschusses an Lebensmitteln, Erdöl usw. Nach dieser Richtung bin ist auch der Art. 7 bedeutsam, durch den man zum erstenmal *ie Absicht eines Vorstoßes durch die Moldau und Beßarab'en nach Odessa,. dem Mittelpunkt des südrussischen Getreidehandels. erfährt.
Don der Dynastie ist in dem Vertrag selbstverständlich nicht die Rede, und wir erkennen den Rumänen das Selbstbestimmungsrecht darüber zu. ob sie ihren Ferdinand behalten wollen. Aber nach den Äußerungen Carps. Marghilomans und BeIdi- m a n s ist nicht anzunehmen, daß Rumänien sich bei dem neuen KurK. bau es jetzt einschlagen muß wti). der
den Wiederanschluß an die Mittelmächte bedingt, mit der unseligen Erbschaft dieses haltlosen, wortbrüchigen Königs belasten wird. Von Interesse ist endlich die Bestimmung, wonach die O f: i z i e r c der Ententemächte aus dem rumänischen Heere zu entlassen sind. Man will dafür iorgen, daß sie nicht, wie in Rußland, weiter putschen, «nd in: übrigen können sie, heimkehrend, den Alliierten berichten über die eminent friedenstiftende Wirkung des deutschen Schwertes und darüber, was, nachdem die deuftche Dampfwalze die Ostfront gesäubert hat, nunmehr im Westen zu erwarten steht, wenn, was »reilich sehr unwahrscheinlich ist, die Ententemächte nicht noch im lebten Augenblick Vernunft annehmen — „v o r S ch r ck s a l s- toresschluß".
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Ni. Wien, 7. Wh%. (Eiy. Drahtbericht, zb.) Zu den FriedenSbe-diirg-ungen für Rumänien wird-uns von unterrichteter Seite rnitgeteilt: Die Abtretung der Dobrudscha an den Vierbund erfolgte, weil die verschiedenen Schwierigkeiten territorialer Natur, die sich für Bulgarien ergeben, aus diese Weise gehoben werden können. Di« von Österreich- Ungarn geforderten Gienzbericht'gnngen bezwecken in der Hauptsache einen besseren Schuh des Ausgangs aus der: Eisernen Tor und der Bergwerke von Petroszeny. Die neue Grenze wird nicht allzu weit nach Rumänien hineinverlegt werden. Ein Teil der rumänischen Armee soll nach dem Friedensvertrag einstweilen mobil bleiben, weil man den Rumänen die Möglichkeit geben will, mit den in Beßarabien noch siebenden beträchtlichen russischen Truppenmasien den Kampi fortzusehen, um sie aus diesem Gebiet zu vertreiben. Der Durchmarsch durch Rumänien nach Odessa mußte gefordert werden, um di« großen ukrainischen Vorräte, die an der Wolga und am D n e j p r lagern, zu erfassen und ihren Transport durrbzufvbren, der am besten aus dem Flußweg von Odessa nach der Donaumündung und dann donau- aufwärts vor zu nehmen ist. Um Klarbest über die vorhandenen Vorräte und die Wlgestandenen Wirtschostssorderungeu zu bekommen, werden Vertreter der Regierung und der Petroleum- industrie nach -Rumänien reisen. Gleichzeitig sollen sich Sachverständige für den G «t r e i d e h a n d e l nach Kiew begeben.
Der Zriedemschluh mit Rußland.
Ein veut^-oMz'Lses Nacklwort.
W. T--B. Berlin, 6. Marz. -Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter der Überschrift: „Ein Nachwort zu
D r e st - L i t r fc e t“ u a.:
Liegt im Frieden mit Rußland der Keim zu einer künstige»
. Freundschaft?
Nach dem Wortlaut des Vertrages ohne Zweifel, nach der Überzeugung der russischen Unterhändler tweifellos nicht. Trotzdem unterschrreben btefc den Friedensvertrag. Gewalt, so sagten sie. babe sie dazu gezwungen. Diese Erklärung macht ihnen keine Schande. Sie war männlich und offen, sie war sogar richtig! Aber in einem ganz anderen Sinne, als sie bona kicke abgegeben wurde. Auf dem Schlachrseld war Rußland schon lange besiegt, längst, ehe die Revolution kam und den i.nterzeiblichen Fehler beging, nicht zugleich mit dem Zaren auch dessen englisch-französischen Freunden den Laufpaß zu geben. Tie Folge dieses verhängnisvollen Mißgriffs war, daß Rußland mit den bekannten narkotischen Reizmitteln der englischen Stimmungsmache Über seinen Kraftdersall hniweggetärscht wurde. Der Zarismus wollte uns im Felde mit Waffengewalt besiegen, die Bolschewisten versuchten es aus dem Gebiet der Politik mit Hilfe einer zersetzenden Infektion. Erfolg hätten sich beide versprochen, wenn sie von den richtigen Voraussetzungen ausaepanpen wären. Aber sowohl im Kamps der militärischen Waffen wie in dem der politischen Ideen erwies sich das gesunde kraftvolle Deutschland als west überlegen. Die Verhandlungen, die in Brcst-Litowsk vor dem Wiederbeginn der Feindseltxkcitc» mit Rußland stattfandcn, wirren, bei Lichte besehen, nur von u i! l e r e r Seite wirkliche Friedensverha»dlu»gen. Für Rußland waren sie nur eine Fortsetzung des auf dem Schlachtselve aussichtslos gewordenen Krieges auf einem neuen, von Trotzkv gewählten Kampf Platze der politischen Dialektik. Tic Bolschewisten täuschten sich aber dabei genau so wie ihre Vorgänger, die sich einbildeten, daß wir militärisch er- schöpft weiden könnten. Nicht Deutschland, sondern Rußland selber büßte inzwischen durch die innere Auflösung und Zersetzung seine Kamf straft ein. Dre Bolschewisten sagen also durchaus die Wahr- hett, wenn sie erklären, daß unwiderstehbarer Zwang sie zur Unterrichtung des Friedens genötigt habe Nur liegt Ser Ausgangspunkt dieses Zwanges mcht eiwa bei Deutschland und seinen Verbündeten. sondern bei den verschiedenen Petersburger Kriegsregierungen, die sämtlich bewußt oder unbewußt nach französisch-m „Muster" nur repuitnt, um zu existieren, bei jenen Männern, die trotz der Verschiedenheit ihrer politischen Glaubensbekenntnisse darin übereinftimmten, inan müsse den N i e t e r o r u ch Deutschlands wollen, um das Tempo des Niederbruchs Rußland? zu hemmen Tie Bedingungen, die wir bei dem unverkenn- baren Angriffsgeist unserer östlichen Nachbarn stellen mußten, waren nicht Mn Ercberungssucht. sondern ganz allein von der Rücksicht aus die deutsche militärische wie politische Landesverteidigung vorgoschrieden Sie beruhten nicht auf Willkür, sondern aus dem Rechte der Notwehr, daß unsere Politik aus ihren Eisahrungcn mit dem zaristischen wie dem bolschewistischen Rußland ablosten müßte. Von uns ist di« in dem Friedcnsvertrag enthaltene Erklärung, daß wir in Freundschaft mtt Rußland zu leche» SünWrn, cchckch gvmim. Er ist nichts weil» nötig, als
