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Mittwoch, 6. März 1918.

kibend-ktusgabe.

Nr. 110. » 66. Jahrgang.

Der vorsrieden mit Rumänien.

Die Beringungen der Unterwersung Rumäniens.

Abtretung Ser ganzen Oobruüfcha; Grenz« Berichtigungen gegen Ungarn; Wirtschafts- Maßnahmen und Demobilisierung.

W.T.-B. Berlin, 6. März. (Drahtbericht.) In B u f t e a ist gestern abend 7 Uhr der Vorfrieden mit Rnmänien abgeschlossen worden. Es wurde eine 14* tägige Waffenruhe vereinbart, innerhalb welcher der Frieden endgültig abzuschließen ist auf folgender Grundlage:

Abtretung der Dobrudscka bis znr Donau. Der Vierbund sorgt für die Erhaltung eines rumänischen Handelswcgs über Kon­st a » tz a nach dem S ch w a r z en Meer. Die von Üsterrcich-Ungarn geforderte Grenzberich­tigung wird grundsätzlich angenommen Ent­sprechende wirtschaftliche Maßnahmen wxrden grundsätzlich zugestanden. Rnmänien d e m o b i I i- siert sofort mindestens 8 Divisionen, die übrige Armee nach Wiederherstellung des Friedens zwi­schen Rußland und Rumänien. Rumänien räumt sofort das noch besetzte österreichisch-ungarische Gebiet und verpflichtet sich, Truppentransporte der Verbün­deten nach Odessa eisenbahntechnisch zu unterstützen und die Offiziere der mit dem B i e r ö u n d im Kriege befindlichen Mächte zu entlassen. Der Vertrag tritt sofort in Kraft.

Darlegungen Tonlschews vor der bulgarischen Sobranje.

- W. T.-B. Sofia, 4. März. In der Sobranje gab Minister­präsident RadoslaNow unter allgemeinem Beifall den Friedensschluß mit der russischen Bundesrepublik bekannt unk bat den Finangnirnster Tonische«, der heute morgen auZ Bukarest zurückkehrte, vor der Volksvertretung den Gang der Verhandlungen mit Rumänien darzulegen.

T r n l s ch e w cntwars ein Bild der Lage, wie sie sich zu An­fang der letzten Woche larstellte Er erwähnte den Briefwechsel, der zwischen den Teleqaiionen der Verbündeten und dem rnmäni- schen Ministerpräsidenten Arerescu stattsand, der zuerst auf die MUteilunx der Alliierten, worin ibre Friedensbedingungen ent- Halter; waren, mit einem Schreiben antwortete, in dem er erklärte, daß Rumänien bereit sei, zu verhandeln aus der Grundlage gegen- fettiger Zugeständnis»! Er erwähnte weiter das Ultimatum, das hieraus crsrlgte. in dem der Bierbund Rumänien mitteilte, daß km Falle der Nichtannabme seiner Bedingungen bis Samslaguüttag 12 Uhc späikstens der Wassen still st and gekündigt und die Fcindselixkeiren wieder ausgenommen werden würden. Der Waffenstillstand wurde tatsächlich am Samstag gekündigt. Aber am Nachmittag des gleichen Tages gegen 5 Uhr teUten die Rumänen den Tclegatirnen der Verbündeten mit, daß ihr in Jassy ver­sammelter Krvnrat che schlossen habe, die vorgeschlagene» Bedingungen anzunehmcn.

Diese Bedingungen des BicibundeS bestehen in der Abtretung der Tobrudscha, der Berichtigung der rumänisch - ungarischen Grenze und Begünstigungen wirtschaftlicher Art.

Hierauf wurde der rumäischen Regierung geantwortet, daß sie innerhalb der Frist bis Dlenst-gmittag 12 Uhr den B o r - sriedensvertrag zu unterzeichnen habe, der die oben aus- gezählten Punkte enthält und daß die Verhandlungen zuui Abschluß eines neuen Wassenstillstandes und endgültigen Friedens unver­züglich wieder auszunehmen seien. Der Borfriedensver­trag, sagte Tcntsckew, wird den gleichen Text für sämtliche Verbün­deten enthallcn. In den endgültigen Verträgen jedoch, die für jeden der Verbündeten einzeln abgcsaßt werden, wird genau nieder- gelegt werden, das, Rumänien die Tobrudscha an Bul­garien abtritt Man wird darin auch mit größerer Genauigkeit die wirtschaftlichen Zugeständnisse bcstimmen. Diese lctzte Regelung wird möglicherweise gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Was Ungarn fordert.

W. T.-B Budapest, 4. März.Pester Lloyd" schreibt über die Friktcurverhaildlungen mit Rumänien:Die öffentliche Meinung

besteht mit Emschiedenbeit darauf, daß uns durch strategische Grenzberichtigungen feste Sicherheiten gegen künftige meuchlerisch« Überfälle von rumänischer Seite geboten werden. Die Zugänge zu den Gebirgspässen des Karpatentales, das Runiänien von Siebenbürgen trennt, dürfen nicht weiter im Be­sitze diese? unzuverläsiigen Nachbatzstaates bleiben. * Auch für die Lcqesreil, eit an der Ton au müssen zuverlässige Bürg­schaften errichte- werden. Endlich v; Ungarn verlangen, daß im Friticilkinstrument gegen die agitatorische Wirksamkeit der rumänischen Kuliurliga, durch dir Siebenbürgen dauernd beun­ruhigt wurde, Abhilfe geschaffen ivcrdc. Was die Lülgarischen An- sprüche auf di« Tobrudscha betrisst, fordert die öffentliche Meinung Ungarn», dieje» Anjprnche» kräjtiqjteu Be i s tand zu lechen."

Die Landung deutscher Truppen aus den Aalandslnseln.

Beginn der Zriedensverhandlungen mit Rumänien.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 6. März. (Amtlich.)

Westlicher KriegsscharrPlaT

Heeresgruppe Kronprinz Ruvprccht.

Heftige Feuerüberfälle richtete der Feind gegen unsere Stellungen auf dem Nsrtmfer der L y s. Ein starker engli­scher B o r st o ß bei Waasten wurde im Nahkampf a b ge­wiesen. Beiderseits der S c a r p e und in Verbindung mit eigenen erfolgreichen Erkundungen nördlich und südlich von St. Quentin lebte die Gesechtstätigkeit auf.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

In einzelnen Abschnitten Artilleriekämpfe. Sturmabtei­lungen drangen in der Gegend von Ornes in die französi­schen Gräben und brachten 28 Gefangene ein.

Heeresgruppe Herzog Albrectst.

Südlich vom Rhein- Marne-Kanal im Thanner- tal und bei Altkirch rege Tätigkeit der Franzosen.

Oste».

Im Verlauf der von der finnischen Regierung erbetenen militärisch eil Hilfe sind deutsche Truppen auf den Aalandsinseln gelandet.

Der Waffenstillstandsvrrtrag mit Rumänien ist von neuem formell unterzeichnet worden. FricdenSver- handlungrn schließen sich unmittelbar an.

Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister: Ludrndorff.

wie Las Ende des Zweifrontenkriegs erkämpft wurde.

Durch den Frieden mit Rußland ist. der Zwei­frontenkrieg beendet. Der eiserne Um­klammerungsring um Deutschland ist g e - sprengt und die militärische Armfrerheit für die Re st fronten gewonnen. Ter Friedens­schluß mußte bis zum letzten Ende mit den Waffen er­kämpft werden. Dieser Kampf mit dem weitüberlege­nen Millionenheer des gewaltigen russischen Reiches, das der Entente größte Hoffnung war. dauerte rund 43 Monate. Er wurde zu einem ununterbroche­nen Siegeszuge, seitdem die Generale H rnden- bürg und Ludendorff die Führung der Opera­tionen im Osten übernahmen. Die 250 000 Mann starke Narew-Armee wurde von einer deutschen Minder­heit in den letzten Augusttagen 1914 bei Tannen­berg in offener Feldschlacht vernichtet. 500 Geschütze und 90 000 Gefangene blieben dabei in deutscher Hand und 40 000 tote Russen bedeckten das Schlachtfeld. Am 10. September desselben Jahres wurde die gleich starke russische Jnvasionsarmee des Generals Nennen­kam p f an den Masurischen Seen nach einer schweren Niederlage zum fluchtartigen Rückzug gezwun­gen und damit Ostpreußen bis auf das Grenzgebiet vorläufig befreit. Es folgen die Schlachten um Lodz, die fast 140 000 Gefangene einbrachten. Am 6. Dezember fällt Lodz und die russische Dampfwalze rollt nach Warschau zurück. Anfang Februar 1915 wird unter General S i e w e r s die zehnte russische Armee, die erneut in Ostpreußen einfallen wollte, zwischen Johannesburg und P i I l k a! l e n in einer großangelegten Umfassungsschlacht geschlagen. 100 000 Gefangene und unzählige Geschütze und Beute an Material fallen in deutsL? Hand. Im Mai 1915 erfolgt die DurchbruchssHlacht von Gorltce- T a r n o w. Im Hochsommer desselben Jahres erfüllt sich das Schicksal Polens. Die Narwa-Linie wird den Russen entrissen. Tie Festungen P u l t u s k, R o s h a n, O st r o l e n k a und L o m z a werden e r- o b e r t. Am 5. August fällt Warschau, am 26. August Breft-Litowsk. In der Verfolgung des Feindes werden die Wälder von Bialystok und die Pripjet- Sümpfe kämpfend durchschritten. Großfürst Nikolai wird abberufen. Im September fallen G r o d n o und Wilna, Der siegreiche Vormarsch geht bis vor Riga und Dünaburg. Russische Gegenoffensiven scheitern unter ungeheuren Opfern. Die Folge der wuLtraen Kcbläae ist das Ende der Laren­

dynastie und der Beginn der russischen Revo­lution. Die Revolutiousheere, die von Kerenski zum Angriff erneut vorgetrieben wurden, konnten den geplanten Durchbruch nicht erzielen. Statt dessen setzte im Juli 1917 der Durchbruch der Mittelmächte bei Z l o c z o w und in der Bukowina ein, ferner die Einnahme von Riga, I a k o b >t a d t, die Erobe­rung der Inseln M o o n, D a g ö und 2 s e l vollenden die Niederlage der gewaltigen russischen Armee. Frie­densverhandlungen werden eingeleitet. Das Scheitern an dem Verhalten T r o tz k y s zwingt den Deutschen noch einmal das Schwert in die Hand, mit dem sie, in unglaublichem Tempo bis Narwa, Pleskau und Polosk, ©orael und Kiew vordringend, den endlichen Friedensschluß er­kämpfen. _

Am 3 . März in Vrejt-Lilowrk.

Die letzten Stunden vor Unterzeichnung Ses Zrievensvertraps.

W. T.-B. Breft-Litowsk, 4. März. Nachdem die ruffische Delegation am 1. März die Entwürfe zum Frie­densvertrag nebst Anlagen und Zusatzverträgen ent­gegengenommen hatte, erklärte der Vorsitzende Sokolni- kow, daß er von einer Durchberatung in Kom­missionen absehen wolle Am 2. März nahmen der Versitzende und einzelne Mitglieder der russischen Delegation Fühlung mit den Delegierten der Verbündeten, um stch über die einzelnen Bestimmungen der Entwürfe Aufklärung zu verschaffen. Abänderung?wünsche wurden russi- scherseits nicht geäußert. Für die Unterzeichnung der Verträge würbe im gemeinsamen Eiirvernehmen der 3. März festgesetzt. Am 8. März um 11 Uhr vormittags, traten die Abordnungen unter dem Vorsitz des östeereichrsch- «naarischen Botschafters v. Merey zu einer Vollversamm­lung zusammen. Die Vollmachten wurden geprüft und richtig befunden. Im allseitigen Einverständnis wurde Vorbehalten, daß Staatssekretär v. Kühlmann und Graf C gern in ihre Unterschriften rn Bukarest nachtragen sollten.

Erklärungen des Herrn Sokolnikoro.

Sodann gab der Vorsitzende der russischen Delegation zwei Erklärungen ab. Die erste Erklärung beschäftigt« sich mit Artikel 4, Absatz 8, des B.-ctragSentwutfS, betreffend Rußlands Verzicht auf Einmischung in dir Neuordnung der staatsrechtlichen und völkerrechtlichen Beo- hältniffe in den ehemals türkischen Bezirken Ecdchan, KarS und Batum.

Herr Sokolnikow erklärte, daß diese Bertragsbestnn- mung eine Gebietsänderung ohne Befragung der Bevölke­rung dafftelle und von Rußland nur unter Protest an­genommen werde. In seiner zweiten Erklärung betonte der Vorsitzende der russischen Delegation, das deutsche Ulti­matum habe die russische Republik im Zustande der Demobilmachung getroffen. Rußland sehe sich deshalb gezwungen, das Ultimatum anzunehmen und die ihm setzt vorgelegten Verträge zu unterzeichnen. Dieser Friede sei kein Verständigunzsfriede. Die russischen Randvölker wurden unter dem Vorwand des Selbstbe­stimmungsrechts dem Einfluß de? Gegners unterstellt, um die dort herrschenden Klaffen gegen die Revolution zu schützen und die Kräfte der Gegenrevolution zu stärken. Auch in Firm- [ntii und der Ukraine stütze der Vierbund die rebolutionsfeind- l.chen Bestrebungen.

Rußland, durch den Bruch des Waffenstillstandes ver­gewaltigt, unterzeichne, nachd-m es vergeblich an die deutschen Arbeiter appelliert habe, den Fciedensvertrag, ohne in Verhandlungen darüber einzutreten.

Botschafter v. Merey

gab seinem Bedauern übe: die russischen Erklärungen Ausdruck. Die Delegationen des Vierbundes hätten gehofft und gewünscht, daß am letzten Tage der Verhandlungen friedliche und versöhnliche Töne angeschlagen würde iu Wenn die russische Delegation die Bestimmungen über Erdehan, Kurs und Batum beanstande, so müsse er bemerken, daß die russischen Heeren in der Lage gewesen wären und vollauf Zeit gehibt baden würden, darüber zu verhandeln und Abänderungswünsche geltend zu machen. Wenn sie die Entwürfe ohne sachliche Durch­beratung im einzelnen in Bausch und Bogen angeirommen hätten, so besäßen sie nicht das Recht, sich darüber zu be­schweren, sondern hätten dies allein zu verantworten. Jede Verantwortung und Schuld für die jetzige Lage Rußlands müßten ote Mächte des Vicrbundes a b l e h n e n. Die Verhandlungen in Bresi-Litowsk hätten bei voller Waffenruhe zwei Monate lang gedauert. Bei sachgemäßer Verwendung dieser »Frist würden die russischen Delegierten reichlich Zeit gehabt haben, das Fr'edmSwerk auf der zu Be­ginn der Behandlungen festgesetzten Grundlage ducchzu»