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Mittwoch, 6. März 1918.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 109. . 66. Jahrgang.
Der zrlrdenrvertraz mit Ruhland.
Des Kaisers Dank an hindenburg und Ludendorff.
W. T.-B. Berlin, 5. März. (Drahtbericht. Amtlich.) Se. Majestät der Kaiser sandte folgendes Telegramm an den Generalfeldmarschall v. Hindenburg: Nachdem gestern nachmittag der Friede mit Rußland unterzeichnet und hiermit der fast vierjährige Krieg an der Ostfront zum glorreichen Abschluß gelangt ist, ist es mir ein tief empfundenes Herzensbedürfnis, Ihnen, mein lieber Generalfeldmarschall. und Ihrem treuen Gehilfen, dem General Ludendorff, ineinen und des deutschen Volkes heißen Dank erneut auszusprechen. Sie haben durch die Schlacht bei Tannenburg, durch die Winterschlacht in Masuren und die Kämpfe bei Lodz den Grund für alle weiteren Erfolge gelegt und die Möglichkeit geschaffen, mittels des Durchbruchs von Goxlice- T a r n o w die russische Armee zum weiteren Rückzug zu zwingen und in den ferneren Anstürmen feindlicher Heeresmassen siegreich standzuhalten. Und nun ist der kostbare Friedenspreis glorreichen Ringens in unserer Hand, imsere baltischen Brüder und Volksgenossen sind vom russischen Joch b e - freit und dürfen sich wieder als D e u t s ch e f ü h l e n. Gott war mit uns und wird weiter helfen.
Wilhelm I. R.
„In keiner weise entwürdigende Zriedens- bsdingungen".
(Sitte schweizerische Stimme.
W. T.-B. Bern, 5. März. (Drahrbericht.) Das „Berner Tagblatt" findet die Friedensbedingangru für Rußland in keiner Weise entwürdigend. Ein rücksichtslos auf seine militärischen Erfolge pochender Gegner würde ganz andere Bedingungen diktieren. Vor einem M o n a t konnte Rußland den Frieden allerdings billiger haben. Heute müssen die Petersburger Machthaber nach der erfolgten Besetzung der Randstaaten und Polens sich dazu bequemen, diese ebemals russischen Länder ihrenl eigenen Schicksal zu überlassen. Die Bestimmungen darüber bilden den Hauptteil des Friedensvertrages. Daß die mit deutscher Kultur durchsetzten Länder an der Ostsee dem russischen Terrorismus und dem maximalistischen Terror für immer entrisien sind, ist im Interesse einer geordneten Entwicklung der Tinge nur zu begrüßen. Nicht aus der Hand des schön thecretisierenden maximalistischen Rußland werden diese Nationen zu eigenem staatlichen Leben geführt werden, sondern aus der Hand der viel geschmähten, als militärisch und mmexionistisch hingestellten Zentralmächte.
Gestskreichische press«stimmen.
W. T.-B. Wien, 5. März. (Drahtvericht.) In Besprechung des Friedensvertrags mit Rußland, welchen die gesamte Presse als ein epochales Ereignis wertet, mit dem eine neue Ära Europas anbreche, sagt das „F r 'C m d e u» blatt": Die zerstörenden Kräfte des Zarismus und Pan? I a w'i smus wurden vernichtet, die im eroberten Rußland unterjochten Nationen erhalten ihre F r e i- tz e i t, eine neue Weit ersteht im europäischen Osten, wo sich tietein greifende Umwälzungen vollziehen. Die Bedrohung des Friedens vom Osten her, welcher durch die russische Eroberungspolitik gleichsam als ein Alp auf Europa lastete, wird beschworen. In dem neuen Rußland hoffen wir in Frieden und Freundschaft zu leben. Der Friede mit der Ukraine und der Friede mit Rußland werden wohl mit der ganzen Welt den allergrößten Eindruck machen. Die Unbesiegbarkeit der Mittelmächte ist jetzt wohl jedem Z w e i f c l e n t r ü ck t.
Dre „Neue Fr. Presse" glaubt, das Wckreinkrnnmen mit Rußland dürste die weltgeschichtlich wichtigste Veränderung und das folgenreichste lErgebms der lange.', Krise sein, die über die Menschen gekommen ist. Rußland wird nach dem Krieg nicht mehr das sein, was es vorher gewesen ist.
Die Auffassung in Schweden.
W. T.-B. Stockholm. 5. März. (Drahrbericht.) Über den Frieden mit Rußland schreibt „Stockholms Tagbladed": Der Wert des von den Mittelmückren erzielten Erfolges beruht wesentlich darauf, inwieweit man den erzwungenen Frieden für endgültig halte u kann. Die Opposition gegen die Bolschewiki-Reifiecung will denselben nicht anerkennen, und die Ostseeflotte sowie die Petersburger Garnison haben eine Resolution für die Fortsetzung des Krieges angenommen. — Demgegenüber meint «Dagens Nybeter": Der Frieden im Osten ist jetzt eine unerschütterliche Tatsache, die letzten Endes durch eine zweiwöchige Kriegführung erzwungen wurde, durch welche fast ebenso viel russisches Geltet, wie im ganzen vorhergehenden Krieg besetzt werden kennte. Auch wenn man annchmen will, daß t« Bolschewiki-
Regierung schon morgen gestürzt wird, so wird dies keine Änderung des jetzigen Verhältnisses mit sich bringen. — „Svenska Dagbladet" urteilt folgenoermaßen: Deutsch
land schuf sich durch den jetzt Unterzeichneten Frieden auf Kcsten des Auslandes zwei neue Interessensphären, eine an der O st s e e und eine am Schwarzen Meer. Ebenso wie der neuecrichtete ukrainische Staat rst auch Großrußland iu der nächste» Zeit in hohem Grad ans die deutsche Führung und Organisation besonders in wirtschaftlicher Hinsicht angewiesen. Hieraus folgt die Ausbeutung der zahlreichen unverbrauchten Vorräte und Kräfte in Rußland durch Deutschland.
Japan; Lingreisen in Ruhland.
Aus dem Eifer, init dem die Ententepresse« dem Vorgehen Japans in: asiatischen Rußland zustimmt, könnte man schließen, daß es sich hierbei um ein Ereignis handelt, aus dem die durch die Erledigung Rußlands stark erschütterte Stellung der Entente neue Festigung erfahren würde. Namentlich die französische Presse schwelgt im Jubel darüber, daß Japan endlich aus seiner Reserve herausgetreten sei und zieht, wie stets aus solchen Vorgängen, den Schluß, daß jetzt der Entente der Endsieg sicher wäre. In England rst man weniger hoffnungsfroh und sieht in der Absicht Japans, sich auf Kosten Rußlands in Asien zu bereichern, nur einen neuen Versuch, die Verlegenheiten Englands zu japanischein Vorteil anszunutzen.
In der Tat: Japan denkt gar nicht daran, und das hat sein ganzes Verhalten im Verlaufe des Weltkrieges bewiesen, irgend etwas anderes zu tun, als s e i n e Macht st ellung in Asien zu festigen; es ist wert davon entfernt, den Hilferufen seiner Alliierten um militärische Hilfe im europäischen Westen Folge zu leisten. Selbst wenn es sich aber um großer Vorteile willen dazu entschließen könnte, so würde uns solch Abenteuer doch einigermaßen kalt lassen. Die Ereignisse haben erwiesen, daß es zum Transport eines.größeren Heeres der Entente am nötigen Schiffsraum gebracht. Schon Amerikas Hilfe ist bei allem guten Willen aus diesem Grunde sehr problematisch geblieben, und es rst kaum anzunehmen, daß es um die japanischen Mannschaftstransporte wesentlich anders bestellt sein würde. Als zweite Frage bleibt daher die Möglichkeit eines japani- schen Angriffs gegen Deutschland auf dem Landwege zu erörtern. Selbstverständlich haben die Alliierten auch nach dieser Richtung hin die diplomatiichen und journalistischen Fühlhörner ausgestreckt. Sie haben auch bereits eine Antwort erhalten, dürsten aber an ihr keine große Freude gehabt haben. In der japanischen Presse ist nämlich die Frage eines Aufmarsches gegen Deutschlands Ostfront bereits diskutiert und, wie nicht anders zu erwarten war, abgelehnt worden. Mit bemerkenswertem Nachdruck wurde darauf hingewiesen, daß es den japanischen Heeren unmöglich sei, soweit von der Heimat entfernt, ohne genügende Verbindung, sich in den Kampf mit einem Gegner wie Deutschland einzulassen. Auf diese Hoffnung, die mit dem Strohhalm, an den sich der Ertrinkende klammert, verzweifelte Ähnlichkeit hat, wird die Entente demgemäß endgültig verzichten müssen.
Militärisch also hat die Entente vom Auftreten Japans gegen Rußland nichts zu erwarten, politisch aber bedeutet die neue asiatische Sachlage nur eine Verschärfung der dem Vielverband eingeborenen Gegensätze, die dank Englands und Amerikas Entgegenkommen gegen Japans Wünsche bisher nicht zum Ausbruch kamen, die aber unverwischbar sind. Japans Vormarsch gegen Rußland wird die innere Geschlossenheit des Ententeblocks nicht nur nicht fördern, sondern die Staatsmänner der Alliierten vor Aufgaben stellen, denen ihre Geschicklichkeit kaum gewachsen sein dürfte.
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Amerika und Japan.
W. T.-B. Rotterdam, 5. März. (Drahtbericht.) Laist „Nieuwe Rotterd. Courant" erfährt „Daily News" aus Washington vom 2. März: Japans Haltung wird hier als Verteidigung gegen Rußlano aufgefaßt. Japan ist bereit, ohne sein Recht, vorzugehen, zu beschränken, sich mit seinen Bundesgenossen zu beraten, vor allem mit England. Japan hat natürlich viel mehr vor, als den Schutz der Vorräte in Wladiwostok, es will selbstverständlich seinen B e- darf an Roh st offen in der Mandschurei decken. Man weiß das und Washington betrachtet die Lage, mit Ruhe. Eine Verantwortlichkeit tllc die vorgeschlagene Intervention würde hier nicht willkommen sein und nicht angenommen werden. Nach Wilsons Erklärung wäre Amerika an der Gründung von fr e i e n Republiken im Osten Europas, die Japan natürlich von einem deutschen Angriff schützen würden, interessiert. Deshalb bedauere man hier den völligen Zusammenbruch der Bolschewiki-Macht.
Die Pläne und Hoffnungen des Tntente-Gsneraliffimus.
Der neue Generalissimus der Ententeheere in Frank- reich General F o ch hat sich laut Funkspruch Lyon von» 1. März, 4 Uhr 30 Min. vormittags, zu dem amerikani- schenJournalisten Charles H.Grasty von der „New Aork Times" über seine Pläne und Hoffnungen ausgesprochen und dabei den Mund sehr voll genommen. Trotz der zahlreichen Niederlagen der Entente im Jahre 1917 erklärte er, daß alle Vorteile auf ihrer Seite seien, die Organisation sei besser, die Reserven g r ö ß e r a l s j e. An Geschützen, Munition und Flugzeugen bestehe sogar Überfluß. Die Italiener seien -allen Lagen gewachsen, die Deutsche n dagegen seit 1914 immer gering wertiger geworden. Demgegenüber berührt es komisch, daß Fach dann dennoch die Notwendigkeit der amerikanischen Hilfe so stark betonte und dem Journalisten zuries: „M a ch e n S i e schn eil! Schnell! Verlieren Sie nicht eine halbe Minute! Wenn Sie sich so viel als möglich anstrengen, werden Sie den allgemeinen Sieg bringen und den Krieg um mehrere Monate abkürzen." Foch folgt mit diesen großen Worten durchaus dem Beispiel der früheren englischen und französischen Oberbefehlshaber. Seine prahlerischen Behauptungen, die mit den Tatsachen so sehr kontrastieren, erinnern an jenes Interview, das Haig im Februar 1917 einem Journalisten gewährte, wobei er von seinem baldigen Einzug in Brüssel sprach. Ebenso hat der französische General N i v d I c zu Beginn seines so kurzen Oberbefehls den nahen Sieg und die Unterlegung der deutschen Truppen verkündet. Dann aber mußte er nach unsäglich nutzlosen Opfern, die ihm Sen Titel des Blutsäufers eintrugen, mit Schimpf und Schande seinen Posten verlassen. Man kann also General Fach daran erinnern, daß schöne Reden nur lächerlich wirken, wenn sie nicht von Taten gefolgt sind. Diese aber ruhen im Schoße der Zukunft. Es ist immer mißlich, zu prophezeien.
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Vas Bethmann-Telegramm an Herrn v. Schoen.
IV. T.-B. Amsterdam, 6. März. (Drahtvericht.) „Standaard" schreibt zu den Enthüllungen Pichons: Die deutsche Forderung war nach unserer Ansicht sehr begreiflich. _ Welche Garantie hätte Deutschland sonst, daß es nicht plötzlich bedroht werden würde, wenn die Meinung in Frankreich eines Tages umschlüge. Aber in Frankreich sieht man jetzt in dem erst veröffentlichten Telegramm Bethmann Hollwegs ein vernichtendes Zeugnis für die z y n i- sche Erpressung und Forderung, die den Zweck hatten, das friedliebende Frankreich zu überwältigen und seine Grenzverteidiaung außer Kraft zu setzen. So berichtet es wenigstens die „Agence Havas", und wenn man es guten Patrioten so darstellt, werden sie es auch wohl glauben.
Abgeordnetenhaus.
(Eigener Trabtbericht ies „Wiesbadener Tagblatts".)
$ Berlin, 5. März.
Präsident Graf v Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 11,15 Uhr mir einer Ansbrache, in der er den Friede n s s ch l u ß mit Großrrßland als ein Ereignis von der weittragendsten geschichtlichen Bedeutung ganz besonders auch sür das Königreich Preußen feierte. Der in kürzester Frist zu erwartende Friede ns sch luß mit Rumänien biete uns die Möglichkeit, befreit aus der jahrzehntelang auf uns lastenden Umklammerung. unsere Operationen allein aus die Westfront konzentrieren zu können. In dieser Erwägung habe er im Namen des Hauses ein
Glückwunschtelegramm an Sen Kaiser
folgenden Inhalts gesendet-
„Aus Anlaß des gestern an unserer Oftfrout vollzogenen siegreichen Friedensschlusses mit Rußland, den wir in erster Linie den unvergänglichen Ruhmestaten unseres Heeres und seiner großen Führer verdanken, wolle» Eure Majestät auch die ehrerbietigsten Glückwünsche des preußischen Abgeordneten- bouses zu dieser neuen Sicherung unserer Öfter e n z e und neuen Belebung des D e u t s ch t u m s in den benachbarten deutschen O r d e n s l ä n d e r n hnltboll entgegenneümen. Gott der Herr wolle Eure: Majestät vergönnt sein lassen, unserem Volke zu diesem Teilfrieden einen siegreichen allgemeinen deutschen Frieden mit allen unseren Feinden bereiten zu können."
(Lebhafter Beifall.: Der Präsident dankte unseren heldenmütigen Truppen und ihrer genialen Führung und sprach tie Zuversicht aus, daß auch bei dem bevorstehenden schweren E n d k a m p s an der Westfront unseren Waffen«
