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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin Vf., P,tsda«er Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Liitzow 6202 und 6203.

Montag, 4. Mürz 1918.

kibend-klusgabe.

Nr. 106. * 66. Jahrgang.

Frieden mit Grotz-Ruhland.

Die Unter;eichnung in Sreft-Litowsi.

W. T.-B. Berlin, 3. März. (Amtlich.) Der Frieden mit Rußland ist heute, 5 Uhr nachmittags, unterzeichnet worden.

Oer Kaiser an^den Reichskanzler.

W. T.-B. Berlin, 3. März. Seine Majestät der Kaiser und König haben anläßlich des Friedensichlusses mit Rußland an den Reichskanzler Grafen Hertling folgendes Telegramm gesandt:

Großes Hauptquartier, 3. März 1918.

Das deutsche Schwert hat. geführt von großen Heerführern, den Frieden mit Rußland gebracht. Mit tiefer Dankbarkeit gegen Gott, der mit uns gewesen ist, erfüllt mich stolze Freude über die Taten meiner Armee, über die zähe Ausdauer meines Volkes. Daß deut­sches Blut und deutsche Kultur hatten ge- rettet werden können, ist mir eine besondere Befriedigung, empfangen auch Sie für Ihre treue starke Mitwirkung am großen Werke meinen

ivarmen Dank. Wilhelm I. R.

Herr v. Kühlmann hatte in den beiden ersten Phasen der Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk einen schweren Stand. Gebannt in den Rahmen der Friedens­resolution des Reichstags vom 19. Juli 1917 ge­bunden an unabschneidbare Rücksichten auf unsere kampfesmüden und dem Kriegsabschluß im Osten hitzig zudrängenden Bundesgenossen, besonders die österreichi­schen Bundesgenossen, die ihrerseits wieder durch ihre tschechischen und galizischen Bestandteile, aber auch durch die sozialdemokratischen Elemente ihres Staatenver- bandes zum Spielball übler Gewalten wurden, preis- gegeben der Notwendigkeit, auf der Grundlage der Formel einesfür alle Teile ehrenvollen Friedens" des Ausgleichs und der Verständigung, eines sogenann- tendemokratischen" Friedens, mit dem nltrarevolutio- nären Qnerkopf und diplomatischen Enfant terrible Trotzky Übereins zu kommen, mutzte er sich zu so nieder­drückender Geduld verstehen, daß die Besten rm Deut­schen Reiche an ihm irre wurden. Als dann plötzlich dank seiner Geschicklichkeit der Friede mit der llkraine zu einer Trotzky höchst unangenehm überraschenden Tat­sache geworden war und dieser politische Desperado nun sehr klug zu handeln glaubte, indem er vom hohen Thron seiner jakobinischen Selbstherrlichkeit herab er­klärte, Frieden mit uns schließe er nicht ab, aber den Krieg stelle Rußland ein und demobilisiere, dawider­fuhr uns Heil! Die Hoffnung auf einen unseren ungeheuren militärischen Erfolgen im Osten angepaß­ten Frieden, die wir mit wehem Herzen hatten absterben sehen, gewann neues Leben! Das Grab, in das wir sie versenkt hatten, sprengte Hindenburg mit seinem Sieg- friedsschwert! Und mit Heroenkraft sorgte dieser Ge­waltige dafür, daß die wiedererstandene Hoffnung ihrer Erfüllung täglich glanzvoller entgegenging, bis gestern, am 3 März des Jahres 1918, der weltaefchichtlickie Ver­trag unterzeichnet wurde, der des russischen Goliaths Überwindung durch den deutschen David besiegelte.

Das hat sich Trotzky, dieser fanatische Vertreter der wildesten roten Internationale, der im übrigen gezeigt bat, daß man nicht Bcrufsdiplomat zu lein braucht, um bei dem hDhen Spiel um das Schicksal großer Reiche trotz starker gegnerischer Oberhand die Partie remis zu machen und damit vortrefflich abzusckneiden das hat sich Trotzky nicht träumen lassen, daß er einen Fehler machte, der die Partie zu unseren Gunsten wendete und das Schachmatt zuguterletzt noch in glänzender Weise herbeiführte!

Dieser mit allen Wassern getaufte Abenteurer, dieser auf märchenhafte Weise aus dem Dunkel zu ungeheurer Macht emporgestiegene Volkskommissar für die russischen auswärtigen Angelegenheiten, dieser unheimlich ent­schlossene, aber moralischer Größe durchaus entratende Bahnbrecher einer Weltbeglückunqstheorie, deren Ver­derblichkeit durch die grauenhaften, unter der Bolsche- wiki-Herrschaft entstandenen Verhältnisse im einstigen Zarenreiche sattsam erwiesen ist. dieser trotz all seiner spitzbübischen Schlauheit in die Sackgasse der Torheit gerannte seltsame Verhandlungspartner der höchsten Staatsbeamten des Deutschen Reiches, Österreich- Ungarn. Bulgariens und der Türkei, hätte bloß am 11. Februar bereit sein müssen, die Rußland zugestan- denen Friedensbedingungen zu unterzeichnen, und er hätte den Ruhm für sich beanspruchen können, trotz der Zerschmetterung seines Vaterlandes durch unsere sieg- reicben Heere einen Abschluß erreicht zu haben, der das seinerzeitige Verdienst des Grafen Witt? um Erreichung Lines Lür LuLland archersrdenllich sünjÜW» LriedwL

mit Japan in den Schatten gestellt hätte. Obwohl Führer der unseligen Bolschewiki, hätte Trotzky in der Geschichte groß dagestanden, und Rußland hätte, wenn es erst die jetzige Schreckenszeit im Innern überwunden hätte, die­sem einen Maximalisten vielleicht auch gleicherzeit Lenin doch eine nicht hoch genug zu schätzende Leistung danken können. Verspielt der Ruhm und das Verdienst!

Gott verläßt uns Deutschs nicht. Daß Lenin und Trotzky so töricht waren, nach unserem Frie- densschlutz mit der Ukraine, der ihre Svielergcschicklich- keit auf die entscheidende Probe stellte, einfach die ganze *in Brest-Litowsk versammelte Diplomatengesellschaft der Gegenseite als Luft zu betrachten und mit sou­veräner Unverschämtheit zu erklären, sie sähen Ruß­lands Krieg mit uns als beendigt an. aber förmlichen Frieden mit uns, die wir nun einmal imperialistisch ver­seucht seien und erst durch Revolution in unserem eigenen Lande zur Vernunft gebracht werden müßten, schlössen sie nicht, daß sic diesen, von derEntcnte so bejubelten, weil uns scheinbar in die Lage der blamierten und lackiertenMitteleuropäer bringendengeschickten" Schach­zug machten, das hat die Partte zu unseren Gunsten gewandt. Denn nun erhielt statt der Kühl- inann und Czernin wieder Hindenburg das Wort! Und Hindenburg, 1 einer rühmlichst be­währten Methode getreu, fackelte nicht lange, sondern er redete mit den Herren Russen Fraktur, und' mit Frak­tur trug Klio zur Erbauung auch der kommenden Ge­schlechter bei uns und in den feindlichen Ländern das Geschehnis in ihr goldenes Buch ein. Man lese den Tagesbericht der deutschen Heereslei­tung vom 3. März 1918!

Schon vor 8 Tagen war es den Machthabern an der Newa übel zumute geworden, und so hatten sie denn schleunigst durch Funkspruch angefragt, ob uns eine neue Friedensdelegatton in Brest-Lilowsk willkommen wäre. Das hatte Herr o. Kühlmann den» Reichstag in ' der Sitzung vom 25. Februar zu wissen getan, hatte aber gleich hinzugefügt, '.vir brauchten uns daraus gar nicht viel zu machen. Herr Trotzky sei ein viel zu un- sicheier Kantonist im allgemeinen, bei Funksprüchen aber noch im besondern, und erst müßten die Herren eine schriftliche Bestätigung ihrer Botschaft einschicken. Von jetzt ab ging alles int Eiltempo, und nicht nur bei Hindenburg. Die Russen erhielten ein Ultimatum, das Hörner und Zähne hatte, und die Folge war, daß gestern das Friedenswerk in Brest-Litowsk mit den Russen end­gültig zustande gekommen ist>

Kein Hunger- und Verzichtfriedcn, kein 'ogen. Scheidemann-Frieden ist es. den wir uns seitens des niedergeworfenen Rußland haben gefallen lassen müssen, wie am 11. Februar zu befürchten stand, son­dern der Friede, der uns geschenkt wird, kann mit Fug und Recht trotz seiner demokrattschen Fassade als ein deutscher Frieden bezeichnet lverden, als ein Frieden, den wir dem Feinde gemäß unserer Lage als Sieger bestens unseren Vorteil wahrend, auferlegt haben. Ist es dabei ein Frieden, von dem die auf dem Boden der Reichstagsresolution vom 19. Juli stehen­den Parteien und Paifteigänger sagen können, er halte die damals aus Rücksichtnahme auf die Ängstlichen int Lande und zur Brechung des zähen Kriegswillens un­serer Feinde gezogene Richtlinie inne. denn es sei kein Eroberungsfrieden", so wollen wir mit Augurcnlächeln auch dieser Auffassung ihr Recht lassen.

Nachdem Mackensen gestern die Kündigung des mit Rumänien geschlossenen Waffenstillstandes zur Vervollständigung der Hindenbucgschen Fraktursprache hat erfolgen lassen und nachdem die Rumänen daraus- hin klein beigegeben haben, ist mit Sicherheit auch hier das Zustandekommen eines deuttchen Friedens zu er­warten. Daß alles so gekommen ist, verdanken wir unseren herrlichen Truppen und ihrer glänzenden Füh­rung weit mehr als der Geschicklichkeit unserer Diplo­maten, obwohl auch dielen die verdiente Anerkennung nicht vorenthalten werden soll. Vor allen Dingen aber richten sich unsere Blicks mit heißein Dank auf H i n- d e n b u r a und seinen getreuen Helfer Ludendorff! Jubel erfüllt uns und wir geben uns von neuem der festen Zuversicht hin, daß diese beiden Helden uns auch der Rumpf-Entente gegenüber den deutschen Frieden in Bälde erstreiten werden! Dr. K. St.

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Dt« letzten verhonblnnaen.

W. T.-B. Brest-Litowsk. 2 März. Die neuen Friedens- Verhandlungen des Hierbundes mit Rußland wurden in einer Vollversammlung unter Vorsitz des Gesandten von Roseuberg heute vormittag eröffnet. Der Vorsitzende

Wug ikhv jttt Regelung bst poli tischen Kragen gingt

ge rncinsarnen Vertrag der vier Verbündeten mit Rußland abzuschließen, die wirffchaftlichen Abmachun­gen und die rechtlichen Fragen teils in Anlagen zum Haupt- vcrtrag, teils rn Zusatzverträgen für jeden einzelnen der Ver­bündeten getrennt zu erledigen, Herr Lokolnikow, der Führer der russischen Delegation, erklärte sich hiermit einver­standen, worauf in die sachlichen Verhandlungen eingetceten wurde. Der Vorsitzende überg.rl Herrn Sokolnikow einen von den Verbündeten gemeinsam aufgestellten, Entwurf des politischen Hauptvertrages unter eingehender Darlegung der einzÄnen vertraglichen Bestimmungen. Ebenso wurden der russischen Delegation von den Vertretern der vier verbündeten Mächic Entwürfe fiir die wirtschaftlichen und rechtlichen Abmachungen mit entsprechender Erläuterung mit­geteilt. Die russische Delegation behielt sich ihre Qtellung- nchme zu den einzelnen Punkten vor, bis ihr das Material n feiner Gesamtheit vorgelegt sei. Nachmittags nahmen die Verhandlungen ihren Fortgang.

Einstellung der Bewegungen im Osten.

IV. T.-B. Großes Hauptquartier, 4. März. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz

Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz.

Eine eigene Sturmabteilung drang au der User in die feindlichen Linien lind nahm eine Anzahl Belgier gefangen. Starkem Feuer folgten an mehreren Stellen der flandrischen Front englische Vorstöße. Sie wurden a b g e w i e s e n. Im übrigen blieb die Gefechtstätigkeit auf Artillerie- und Minenwerferkämpfc in einzelnen Abschnitten beschränkt.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Auf den östlichen MaaShöhen waren französisch« Artillerie und Minenwerfer zeitweilig lebhaft.

Bei kleineren Unternehmungen nördlich vom Rhein- Mar ne-Kanal» westlich von Blamont und südlich von Metzeral wurden 27 Gefangene eingebracht.

Lstlicher Kriegsschauplatz.

Infolge Unterzeichnung des Friedensvertrags mit Ruß­land wurden gestern die militärischen Bewegungen in Gratz- Rußland eingestellt.

Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Gcneralquartiermeistcr: Ludendorff.

Die Zriedensbereitschaft Rumäniens.

W. T.-B. Berlin, 2. März. Aus Bukarest wird uns soeben mitgeteilt, daß die Rumänen sich auf den Boden der vom Vierbund vorgeschlagenen Fricdensgrundlagen gestellt haben und Ver­treter zur Beratung über den Friedensschluss enffendeu werden. _

Die Rdmiralstabsmeldungen.

W. T.-B. Berlin. 2. März. (Amtlich.) Eines uns«« Unterseeboote, Oberleutnant ?. 2. Launburg, hat im westlichen Mittelmeer sechs Dampfer und einen Segler von zusammen mindestens

25000 Bruttoregistertonneu

versenkt. Die Dampfer wurden zum größten Teil aus stark gesicherten Geleitzügen h.-ransgeschossen. Unter den ver­senkten Schlffeu befanden sich wahrscheinlich der englische DampferCombrrer" (3305 Br.-R.-T.) sowie der frühevg russische DampferEmpreß Jekateriua II." (5545 Br.-R.-T.-. Außerdem hat das Untecieeboot den englischen Transport« Sardinia" (6580 Br.-R-T.) tnrch Torpedetreffer schwer be­schädigt und einer Unterseebootsfalle im ArtillerregefechS drei Treffer beigebracht.

Der Chef des Adurrrallstabs der Marine.

W. T.-B. Berlin, 3. März. (Amtlich.) Der unermüd­lichen Tätigkeit unserer Unterseeboote fielen im Ärmelkanal) und au der Oftküste Englands wiederum

22 000 Bruttoregistertonnen

HondelsschiffSrcrum zum Opfer. Unter den versenkten Schiffen befanden sich der englische Dampfer ..Huntsmore" von rund 5000 Bruttoregistertonnen und ein beladener englischer Dampfer von über 6000 Bcuttoregistertonnen. Zwei Taick- dampfer von 5000 und 3000 Bruttoregistertonnen und ei« englischer bewaffneter Frachtdampker wurden mit Ladungf aus starken feindlichen Sicherangen herausgefchoffen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine. '

Prinz Mirko von Montenegro 's.

W.T.-B. Wien, 3. März. Prinz Mirko von Montenegr», der wegen seines schweren Leidens vor zwei Jahren sich in ein hiesiges Sanatorium begeben hat, ist heute bor± eiqgc Lrwgerrblutung gr l MN .

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