Verlag Langgasse 21
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12 Ausgaben.
„TagilatihauS" 3ir. 8SS0 -S3.
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Samstag, 2. März 1918. MorgeN-klUSgabL. n '- 103 - * 66 ‘ 3aI,r3anS -
Der Wetelbeginn der gttcBenSterl;aa&Iuaßcn in Bresl-Mwik.
W.T.-B. Brest-Litowske 1. Mär;. (Drahtbericht.) In einer formlosen Besprechung der Vorsitzenden der Delegationen der Vierbundmächtc mit dem Vorsitzenden der russischen Delegation Sokolnikow ist vereinbart worden, dass die Friedensvcrhandlungcn in einer auf morgen vormittag angesctzten Plenarsitzung b e- giunen sollen.
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Japan und der Frieden mit Nutzland.
S. Stockholm, 1 März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Van hiesiger japanischer Seite wird bemerkt, dass die französischen Hoffnungen ans die japanische Hilfe gegen Deutschland unbegründet seien. Die japanische Regierung sehe m der deutschen Offensive keine Bedrohung ihrer Interessen tm Stillen Ozean. Dagegen beabsichtigt Japan, in Ostasien vorzu gehen. Bon japanischer Seite wird hervorgehoben, dass die Jahreszeit zu einer solchen Aktion besonders günstig ist.
Die Unterredung des Grafen Gzernin mr dem Rönia von Ri mSn en.
Lr. Wien, 1. März. (Erg. Drcchtbericht. zb.) Die Audienz des Grafen Czernin beim König Ferdinand von Rumänien ist, wie das „Berliner Tageblatt" von diplomatischer Seite erfährt, erfolgt, nachdem die Besprechungen mit General Averescu zu keinem Ergebnis geführt hatten. Bei dem Zögern Rumäniens spricht natürlid) dre Frage mit, ob durch die Fortsetzung des Krieges an der Seite der Entente beim allgemeinen Friedensschluss bessere Friedensbedingungen erhofft werden können als jetzt. Es ist wahrscheinlich, dass di- rumänischen Unterhändler sich diese Frage bereits selbst mit einem Nein beantworteten, nicht nur,'.veil der Glaube an den Endsieg von England und Frankreich einlgermatzen erschüttert ist sondern auch weil Rumänien nach seinen bisherigen Ersichn'ngen eme besonders nachdrückliche Wahrung seiner Interessen durch seine Verbündeten beim allac- wcinen Friedensschluss kaum ei hofft. Ausser dieser Erwägung scheint bei den rumänischen Unterhändlern auch die Frage der versönlichen Verantwortung eine grosse Rolle zu spielen. Die Unterredung des Grafen Czernin mit dem König deutet ebenfalls daraufhin, dass die rumänischen Unterhändler trotz der schwierigen Lage Rumäniens bisher einen Entschluß nicht fassen konnten und den Wunsch haben, König Ferdinand möge unmittelbar die Entscheidung fällen. In unterrichteten Kreisen wird e? für möglich gehalten, es werde, falls Yer König 'ich zu Verhandlun- gen auf den vom Vierbund anaeaebenen Grundlaaen doch entschließen sollte, der Fortsetzung der Verhcmd- lungen eine Neubildung der rumänischen R o- gierung vorangeben. Die .Mitteilungen, die Graf Czernin dem König im Namen des Vieroundes gemacht bat, baben übrigens nicht den Charakter eines Ultimatums getragen.
Das Gemeinsame.
Bei der bisherigen Debatte über den Etat hat es zwar nicht an Unstimmigkeiten und auch nicht an heftigen Zusammenstößen gefehlt: im grossen und ganzen
scheint sich aber doch eine allgemeine Verständigung anzubahnen. ja, man darf vielleicht sagen, dass sich schon heute zeigt, wie sich die.Parteien, obne auf ihre Eigenart zu verzichten, mit der Reichsrcaierung ip bestimm- ten, über das Gedeiben Deutschlands entscheidenden Fragen znsammenfinden. Wenn auch die Sozialdemokratie durch Herrn Scheidemann . erklären ließ, daß die Politik des russischen Friedens nicht die ihre sei, so hat sie doch darauf verzichtet, gegen diesen Friedensschluss zu protestieren. Wobei es ziem- lich gleichgültig ist, daß sie das mit der Bearündnng tat, es sei unzweckmäßig, sich gegenüber vollendeten Tatsachen in den Schmollwinkel zu venüqen. Nicht ganz unähnlich war die Taktik, mit der die mehr, oder weni- ger auf .E r o b e r u n g e n eingestellten Parteien sich den Anschauungen de? Kanzlers über Belgien und besonders dessen Absichten, ein Frieden sgesprach im kleineren Kreiie herbeiznssihren. wenn auch nicht obne weiteres aulchlossen. so doch weniästens mit d"n entsprechenden Reservaten nicht entgegentraten. Auch ssbor die Art, wie .Herrn Wiltons letzte Bot- s ch a f t bebandelt werden soll, herrschte im aroßen und ganzen ftb»reinstimmnng; das »ine war jedenfalls allgemeine Auftassnna, dass Herr Wilson nnn dafür sorgen solle, daß auch die übrige Entente sich zunächst einmal seinen Absichten und Vorschlägen anschließen möge, und daß ferner die etwaigen Einzelforderungen -ltzch toeniaften* in eine gewisse Übereinstimmung mit
den moralischen Dogmen des amerikanischen Präsidenten bringen lassen müßten. Auch in den Fragen der inneren Politik fanden/ich die Parteien aus einer, zwar nicht deutlich markierten, ober doch immer- hin durch die nun einmal nicht aus der Welt zu schaffenden Gegensätze hindurch erkennbaren mittleren Linie.' Hatten am ersten Tage die Konservativen Herrn v. Payer ihren ganzen Unwillen zu spüren gegeben, so zeigten sie doch bereits durch die Rede des Herrn v. Heydebrand eine gewisse Mäßigung, auch liegen ste sich die versöhnenden und suchenden Worte des Reichskanzlers halbwegs gefallen. Unbedingte Uber- einstimmung herrschte in der Auffassung, daß dre Methoden der Bolschewiki für Deutschland durchaus unangemessen sind und hier hat die Tatsache., daß gerade Herr Scheidemann zwischen den russischen Marimalistcn und der deutschen Sozialdemokratie einen dicken Strich zog. sthr erheblich zur Herausarbeitung des Gemeinsamen innerhalb unvermeidlicher Gegensätze bsigetragen. Dass über die U r- sachen des Streiks kein einheitliches Urterl herrschte, ist selbstverständlich. Aber ebenso erfreulich war "tz, dak- bis zu Herrn Scheidemann hin ledernmnn die Wiederkehr einer Streikbewegung für unzweckmäßig erklärte. Von vornberein war es klar, daß das Eintreten des Vizekanzlers für das vreußische Wahlrecht, unbekümmert darum, dass es ohne jede Verletzung der vrenßischm Sonderrechte geschah, heftigen Widerspruch bei allen denen, die bis dabin dem Reichstag jede Kompetenz abaesprochcn haben, in Fragen der Bundesstaaten mitzilsv'wchsn. Hervorrufen musste. Gerade darum aber ist ?S bemerkenswert, dass, wenn nicht alles duscht, diese Anteilnahme deS Reichstags an dem S^icksal der pre"ssischen Wahlrechtsvorlage das Zustandekommen der Reform immerhin gefördert hat. Der Widerstand der » r e n st i s ch e n National- liberalen wird unter allea Umständen durch Str-se- manns Bekenntnis zur Wahlrechtsvorlage der preussi- schon Regierung eine starke Herabminderung erfahren haben. .
BKnslreKW«o-n#ejn 10 000 Wen in WM».
Der 8sterreichi'ch«ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien» 1. März. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 1. Mürz» mittags: Westlich der Brenta scheiterte ein Vorstoß der Italiener.
Auf immer wieder in den jüngsten Tagen besonders eindringliche Aufrufe sind gestern Truppen deS Feldmarschalls v. Boehm-Ermolli zu einer friedlichen Intervention in Podolieneingerückt und haben die Linie Nvwosirlra-Khotin-Kamenice-Podolski erreicht.
Die an den Bahnen und wichtigen Straßen vordringen- den Abteilungen haben den Auftrag, in dem durchschrittenen Gebiet die Ruhe nnd Ordnung wieder herzustelle« und dir für die Einfuhr nötigen Handelswcge zu sichern.
Bisher haben nabezu 100 0 0 Russen die Waffe» gestreckt. Beträchtliche Mengen Munition. Fuhrwerke uuv rollendes Material wurden geborgen.
Der l!hef der Generalstabs.
3ur Rede valfoirrs.
W.T.-B'. Amsterdam, 1. März. (Drahtbericht.) -Älze- inron Handelsblad" schreibt zur Rede Balfours: ES ist
schwierig, den englischen Minister deS Änssern ernst zu nehmen. Zu oft zeigte sich, dass er ein Minister für ihn ftemde Anaelegenteiten ist. Welchen Wert soll man der Ansicht eines Ministers beilegen, wenn er die Äusserungen H e r t l i !> n i mit einer G e st e a b t u t, weil sie für die weiteren Besprechungen nickt taugten. Dass die Regierungen der Ententeländer mit Hertling nicht völlig übereinstimmen, ist selbstverständlich und begreiflich. Wenn eS der Fall wäre, brauchte der Kampf nicht fortgesetzt zu werden. Aber eS ist ein llnterjchied zwischen völliger Übereinstimmung und abweisender Geberde. Durch die Annahme der durch Wilson aufgestellten Grundsätze in den Reden Czernins und Hertlings ist bereits eine Grundlage für Unterhandlungen gewonnen. Hat die Entente andere 'Lläne und will sie den Krieg fortseben, bis eS ihr möglich ist, diese zu verwirklichen, dann muss sie es sagen. Aber wenn Czernin und Hertling sich für Annahme der Grundsätze Wilsons erklären, so geht eS nicht an. einfach zu sagen dass n? es nicht tun würden, fb die praktische Verwendung dieser Grundsätze, wie die Mittelmächte sie auffassen. mit der Auffassung der Entente übereinstimmt und umgekehrt, kann sich erst zeigen, wenn die verschiedenen strittigen Fragen am Konferenztisch besprochen werden. _
vorrücken der Türken im Rauka us.
W. T^B. Konstantin oprl, 1. März. (DrabLLericht.) Das Krregspress equartier teilt mit: Unsere Sicherungs
truppen sind in Hoff, östlich von Trapezunt, und Asch Lekl. w estlich von Erzeruo,. yngesichi,. -
Deutscher Reichstag. ^
(Eigener Drabibericht leS „Wiesbadener Tagblatts".)
G Berlin, 1. März.
Am BundesvatStisch: Graf Roederrr. Wallnrf, Dr. Lewald.
' Vizepräsident Dr. Pausche eröffnet die Sitzung um 1ü Uhr 15 Minuten.
Auf eine Anfrage des Abg. Fuchs (Soz.)^ erklärt Generalmajor v. Oven, dass für die militärische Besoldung Vermisster verschieden-artige Formulare verwendet würden, die Rücksicht nehmen auf die Frage, ob Verdacht der Fahnen flucht vorliegt. Insbesondere trifft dies zu fiir Heeresange hörige, die in russische Gefangenschaft geraten sind, dann aber auf ihren Wunsch nach Frankreich gebracht wurden, wo sie in besonderen Gefangenenlagern sehr gut behandelt wer ten. Da liegt ein Grund dafür vor. auch Angehörigen die Auszahlung der Löhne v o r z u e n t b a l t e n. In aller- Fällen unterliegt die Feststellung des Tatbestandes- noch einer genaueren Prüfung.
Darauf wird
die erste Lesung der ksaushaltrpkaner
fortgesetzt.
Abg. Gras v. PosadowSky-Wehner (fteikons.): Viel wichtiger als die hier eingehend erörterten Vorgänge rm Bund der Landwirt- erschein mir die Frage der Gestaltung der F i n a n z e n des Deutschen Reiches. Mit einem geschlossenen Steuervlan ist die Regierung verständigerweise noch nicht hervorgetr-ten. Es muss aber geprüft werden, ob die Kräfte stark genug find, diese Lasten zu tragen. Unsere Schuld ist aus 124 Milliarden^angewachsen. Dazu kommen weitere grosse Ausgaben so nir die Beamten- g c h ä l t e r. di« völlig neu reguliert werden. Für die R o h - stoffe werden sehr grosse Mittel aufzuwcndcn sein, da bei ihrer Einftrhr uns der ausländisch: Schiffsraum nicht znr Verfüaur.g stehen wird. Unser Wohnungswesen wird systemcti'ch zu verbessern sein. Das erfordert ^grosse Mittel, da es nickst bloss Scheinmassregeln sein sollen. Es ist fraglich, ob man die Tilgung der ReichSanleihen beschleunigen soll. Als wir tV* Milliarden Schulden bakt-v. schlug der ZentrumSfübrer Dr. Spahn vor. an ihre Tilgung mit Gesetz hevanzutreten. Das schien damals nicht möglich, wie viel weniger jetzt bei 124 Milliarden. Die Landwirtschaft wird grosse Aurwendun,gen machen müssen zur Ver- bessenrng des Pferdebestandes, ter Gebäude und Maschinen. Bei der Industrie sind die Maschinen und andere An- logei- abaenutzt. DaS Handwerk liegt vielfach ganz darnieder; es ist stark geprüft. Darnach müssen sich die neuen Steuern richten. Ich hoffe, dass wir Staatsmänner bckonimen. die das Staatsschiff so zu führen wissen, dass eS nicht wieder vorkommt, dass Jahrzehnte hindurch einzelne und Gemeinden mit Lasten belegt werden, die Kvntribuftonen aus nopoleoni- scher Zeit gleich kommen.
Tevtschland muß die Möglichkeit haben, sei» Wirtschaftsleben bald wieder zur Blüte zu bringen.
Während des Krieges sind sehr hohe und schnelle Sein iune erzielt worden, Preise sind bewilligt worden, über dir iit Empfänger selbst erstaunt lvaren. (Sehr richtig!) Dabei ist das Anwachsen der hoben Zensiten in den Steuerlistcu äusserst gering. Man wird zu Monopolen greisen müssen. Vor allen Dingen wird die Steuerveranlagung technisch auch in den Einzelstaaten verbessert werden müssen. Man zeigt mit Fingern auf die Kriegsgewinner. Die Steuerbehörde mag nur zugreifen. Wir sind Russland gegenüber Sieger und da müssen die Rechte der deutschen Staatsbürger gewahrt werden. (Sehr richtig!) Der mächtigste Faktor in der ReichSregierung ist der R e ich dichatzsek r e t ä r. Seine Rufaabe ist es, mit ä u h e r st e r S p a r s a m k e it die Reichö- einnahmen und Reichsausgaben zu verwalten. Es kommt di? Stunde der Abrechnung und da wird bei den Steuerzahlern Heulen und Zähneklavvern sein (Sehr richtig') Kein- Summe ist klein genug, um nicht sparsam mit ihr umzu. geken. Auch braucht nicht jede Behörde einen Palast, wie den Kaiserhof zu erhalten. (Seb: ri-.btig!)
Deutschland ist durch Sparsamkeit groß geworden. Kehren wir zu ihr zurück, daun überwinden wir nicht nur dir wirtschaftlichen, sondern auch die anderen Schäden dieses fürchterlichen Krieges n»d gewinnci! unserem Vaterland
die alte wirtschaftliche und politische Strllnng wieder, t Lebhafter Beifall.)
Staatssekretär Gras Roedern: Ten letzten Worten des Vorredners kann ich n n r z n st i m m c n. Bei jeder Ausgabe werden wir uns in Zukunft oorz-ihalien haben, wie sie auf die Steuerzahler wirken muh. Di: Pvesseerörterungen übe.' die künftigen Steuern sind uns zur Klärung wtlk- kommen. An eine: Verbesserung ter VeranlagungStechnrk wird gearbeitet.
Abg. Vogtherr .'Ilnabh. Sez.): Das Ultimatum au Russland widsc'vricht vollkommen dem versprochenen SelbstbestimmungSreckt der Völker Wir können vom baltischen Nationalbewusstsein lernen. Die baltischen Barone, die uns jetzt zujubeln, haben vor dem Zarismus die Stiefel g» küsst. Sie richten sich danach wo der Vorteil liegt. Der litauische Bauer denkt schon jetzt nn ten russischen Gendarmen zurück. (Unruhe bei d.-n etwa zehn zurückgebliebenen Abgeordneten.! An Greuelmarchen glauben wir nicht mehr, trotz des Weihbuches. Als Redner m weiteren Verlauf -einer Ausführungen ton* tyt ^tAgsP.okitiZ
