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Mittwoch. 27. Februar 1918.

Kbend-Kusgabe. Nr. 98. . 66. Jahrgang.

IZeute oder morgen Unterzeichnung des Zriedensvertrags mit Grotz-Rutzland.

Die gleichzeitigen Friedensverhandlungen mit Rumänien.

Br. Berlin, 27. Febr. (Eiq. Drahtbericht. zb.) In politischen Kreisen wird angenommen, daß die Unter­zeichnung des Friedensvertrags in Brest-Litowsk durch die Delegierten des Rates der Volkskommissare ohne längereVerhandlungen heute oder morgen ge­schehen wird. Einzelsragen, die im Friedensver- trag selbst nicht vollständig geregelt sind, sollen b e s o n- deren Kommissionen überwiesen werden, die ebenfalls s ch n e I l st e n s arbeiten werden. Die Frage, wie die Unterzeichnung des Friedensvcrtrags seitens der Delegationen des Vierbundes geschehen soll, ist nach unserer Kenntnis noch nicht entschieden. Geheimrat v. Rosenberg, der mir der Führung der deutschen Delegation in Brest-Litowsk beauftragt ist. hat vor- läufig nur Vollmacht zum Verhandeln. Es ist nun möglich, daß ihm auch Vollmacht zur Unterschrift gegeben wird, wahrscheinlich ist. daß das Friedens- instrnment zur Unterzeichnung nach B u k a r e st gebracht wird, wo gegenwärtig die Leiter der auswärti­gen Politik der Vierbundmächte zu den Verhandlungen mit Rumänien versammelt sind.

Über den V e r l a u s der Bukarester Verhandlungen, die vor drei Tagen begonnen haben, ist bis zur Stunde nichts Entscheidendes bekannt. Man kann aber mit Sicherheit annehmen, daß eine Entscheidung in kürze st er Frist zu erwarten ist. Der Reichskanzler hat bereits darauf hingewiesen, daß die'e Verhandlungen beträchtlichen Schwierigkeiten begegnen, daß man aber letzten Endes auf ein befriedigendes Er­gebnis Haffen könne. Auch ist bekannt, daß. die Dier- bundmäckte enffchlossen sind, baldig st Klarheit zu schaffen, ob die rumänische Regierung sich des v o I» leb Ernstes der Lage bewußt ist oder nicht. Man inöchte mit dem Graten ffertling wünschen, daß die Ein­sicht des Generals Averescu, des rumänischen Bevoll­mächtigten, dem Vierbund die Notwendigkeit eines Druckes ersvaren wird, wie er gegenüber den Herren Lenin und Trotzky notwendig geworden war.

Die ruksi'che Zriedensdelegatton.

W. T.-B. Petersburg, 2* Febr. (Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Auf Anordnung des Rates der Volksbeauftragten ist eine Abordnung nach Brest-Litowsk gesandt worden, um den von der deuffchen Regierung vorgeschlagenen und in der Sitzung vom 24. Februar, 4 Uhr morgens, vom ausführenden Ausschuß in Petersburg angenommenen Frie­den zu unterzeichnen. Die Mitglieder der Frie­densdelegation sind: Trotzky, Polksbeauftragter für aus­wärtige Angelegenheiten, Ticket'cherin, Sokolikow, Petrowski und Alexejew, Mitglieder der Partei der sozialrevolutionären Linken, ferner dir Delegations­sekretär Karachan, Joffe und der militärische Sachver­ständige.

*

Der Erfolg unseres Ultimatums an Rußland.

Berliner pressestimmen.

Berlin» 27. Febr. Das gestern vom Unterstaatssekretär b. Busfche dem Reichstag mitgeteilte Mtitnatum sieht, wie der „Berl. Lok.-Anz." schreibt, etwas anders aus als der Friede, den Herr Trotzky noch am 10. Februar in Brest-Litowsk twfoen konnte. Wir sehen zu unserer lebhaften Freude, daß das Wort von dem Freibrief, den wir unseren Feinden nicht einräumen können und wenden, wenn sie glauben, Aen Krieg um ihrer Eroberungs- und Vernicht»ugSziele willen beliebig in die Länge ziehen zu können, mehr war als eine bloße Redefloskel. An den Grundlagen unserer Frie­densvorschläge für den Osten haben wir zwar festgehalten, aber Vorschriften über die Art und Weife, wie dieser Wille zu verkünden sei» lassen wir uns nicht mehr machen. Wir halten uns an das, was das deutsche Interesse ver­langt. Der klirrende Ton, den dies Ultimatum anschläzt, ist gar nicht mitzzuverftehen» und er wird auch in Rußland und darüber hinaus wohl verstanden werden.

Das „Berl. Tagebl." schreibt: Unsere Methode hat sich im gegenwärtigen Augenblick sehr wirksam erwiesen. Trotzky und Joffe find bereits nach Brest-Litowsk unterwegs. Sie werden der: alles unterzeichnen, auch den

Artikel 1, wonach Rußland und Deutschland fortan in Friede und Freundschaft zu leben gedenken.

In den „Neuesten Nachrichten" liest man: Das Ulti­matum enthält alles, was »vir im Augenblick fordern können, und -wir dürfen annehmen, datz sich auf dieser Grundlage die Verhältnisse im Osten in kürzester Zeit so gestalten werden., wie wir eS für unsere Sicherheit und unsere "wirt­schaftliche Entwicklung fccdern müsien.

Die „Bost. sitz." meint: Das friedliche und freundschaft­liche BechAtstiö zu Rußland wird so -lange dauern wie die Sevstjchast äuajtigs; »MMr .He g de run g sv , tmg pgt fu<£•

billigte Desinteressement äußerlich und innerlich zu wahren.

Die „Berl. Bolksztg." sagt: Die deutschen Bedingungen sind insoweit verschärft worden, als Sicherungen für die Gebiete Rußlands gefordert werden, die unseren Schutz an- gerusen haben. Wir haben diesen Schutz fast ohne Blut­vergießen ausüben können und die Ergebnisse unserer Mion retten Millionen di« Freiheit und Tausenden das Leben. Darin liegt letzten Endes auch ein hoher mora­lischer Gewinn, und wir hoffen, daß in Rußland weite Kreise darin unseren Berständigungswillen sehen werden, der Rußland die äußerste Schwächung durch den Bürgerkrieg er­sparen möchte.

Die Zraye der Abgrenzung der Ukraine.

W. T.-B. Silit, 26. Febr. Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: Bekanntlich haben die verbündeten Mächte Deutsch­land, Österreich-Ungarn, die Türkei und Bulgarien in Brest- Litowsk die Verhandlungen mit den Vertretern der Ukraine gemeinsam geführt und auch den Friedensvertrag mit der ukrainischen Republik gemeinsam abgeschlossen. Wenn daher Deutschland auch die volle Verantwortlichkeit für den Friedensvertrag übernimmt, so muß doch, um etwaigen Mißdeutungen vorzubeugen, festgestellt werden, daß in der Frage der Abgrenzung der Ukraine, insbesondere was die Zukunft des Cholmer Landes anbetrifft, irgend ein Druck auf die hier in erster Linie interessierte österreichisch- ungarische Monarchie nicht ausgeübt wurde.

weiterer vortrinaen in der Maine.

Nördlich Dorpat zwei russische Regimenter gefangen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 27. Febr. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz, ^

An der User wurden einige Belgier gefangen. Au der flandrischen Front, beiderseits der S c a r p e, in dek Champagne und auf dem östlichen Maasufer lebte dir Artillerietätigkeit am Abrad auf. Vielfach kam es zu heftigen Kämpfen. Ein einheitlicher Angriff englischer Flieger gegen unsere Ballone zwischen Oise und A i s n e scheiterte. Wir schossen gestern 15 feindliche Flugzeuge und 3 Fesselballone ab. Hauptmann Ritter v. Tutscheck! errang seinen 24. Lustsieg, Gefreiter K a f f n e r brachte bei einem Fluge 2 Fesselballone zum Absturz

östlicher Kriegsschauplatz»

Heeresgruppe Elchhorn.

Nördlich von Dorpat nahmen wir zwei russische N e g i m e n t e r bei ihrem Rückmarsch gefangen.

Heeresgruppe Linsingen

In der Ukraine wurde ein feindliches Bataillon, das sich bei K o r o s st p ch e w (30 Kilometer östlich von Schitomiri unserem Vormarsch in den Weg stellte, unter Verlusten zer­streut. Südlich von Sckitomir drangen unsere Truppen bis Berditschew vor. In Kremenez (südlich von Dnbno) nahmen wir den Stab eines russischen Generalkommandos» einen Divisionsstab und 200 Mann gefangen.

Mazedonische Front.

Englische Abteilungen, die über den Butkowafluß gegen di« bulgarischen Stellungen vordrange«, wurden im Gegen­stoß znrückgeworseir.

Italienische Front,

Nichts Neues.

Der Erste Generalquartiernreister: Ludrndorsf.

Oie Kdmiralstabsmeldung.

W. T.-B. Berlin, 26. Febr (Amtlich.) Auf dem nörd­lichen Kriegsschauplatz vernichteten unsere U-Boote

IS 00V Bruttoregistertonnen

feindlichen Schiffsraums. Dre meisten Schrffe wurden an der englischen Ostküste unter evhoblicher frrntckicher Gegenwirkung vernichtet» unter ihnen der bewaffnete englische Dampfer „A t h e n i a" (4078 Brt.). Em anderer Dampfer von minde­stens 4000 Tonnen wurde als größtes Schiff eines Geleit­zuges in geschickt durchgfführtem Angriff abgefchossen. Fast alle Dampfer waren tief beladen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

»

Die ivpfer des Kreuzers „Wolf".

W. T.-B. New Dork, 25. Febr. (Amtlich. Reuter.) Der deutsche Hilfskreuzer „Wolf" versenkte während seiner 16= monatigen Kreuzfahrt vermutlich 11 Schiffe im Indischen und Stillen Ozean und machte di« Besatzung zu Gefangenen. Diese Schiff«, die seit langem als vermißt gemeldet wurden» sind die Dampfer: „Turritella", .„Jamna", „Wvrdsworth", „Der", die Segelschiffe „Wairne", „WinÄlvw", „Beluga", „Euro«", „Mattumr", „Hitachi", „Maru", „Jgoh Mondi". „T u r r i t e ll a', die ein unbewaffnetes Handelsschiff und Niicht ein Kreuzer war, wurde vom „Wolf" im Februar 1917 gekapert und eine deutsche Prffenbesatzung an Bord gebracht. „Turritella" wurde dann zum Minenlegen ausgerüstet, aber wenige Tage darauf von einem brstffche» Kriegsschiff gestellt» worauf die Prifenbesatzung die „Turritella" ue<sear? te. jüllU «ME % DU GchaiMMUt zewaM wurde.

Nachprüfung der Versailler Rrieqszielbeschlllsie?

Br. Schweizer Grenze, 27. Febr. (Erg. Drahtbericht, xb.) „Daily Mail" meldet: Das britische Kabi­nett hat sich in seiner Sitzung dom Freitag b e r e it erklärt, in die von Wilson gewünschte Nach­prüfung der Versailler Kriegszielbeschlüssc cinzn- treten._

Konflikt des österreichischen Abgeordneten­hauses mit der Regierung.

■' Ni. Wien, 27. Febr. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die Regierung besteht auf de: Bewilligung der Kriegs­kredite im Rahmen des B udgetprovifo­rt u m s. Da die deutschen Sozialisten hierfür nicht stimmten, besteht keine M a j o r i t °i t. Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde sofort unter­brochen. Die sofort zusammengetretene Obmänner­konferenz einigte sich dahin, das Budgetprovisorium von der Tagesordnung a b z u s e tz e n und über poliff- sche Vorlagen zu verhandeln. Da das Provisorium am 28. Februar abläuft, tritt ein Ausnihmezu st a n d ein, in den: die Negierung die Ausgaben auf eigene Verantwortung bestreitet. Inzwischen wird mit den Parteien weiter verhandelt.

Deutscher Reichstag.

(Schluß des Drahtbee-ckstZ in der heutigen Morgenausgabe.)

H: Berlin, 26. Februar.

Abg. Scheidemann (Soz.)' Was jetzt aus Rußland ge­worden ist, entspricht nicht der Absicht der deutschen Sozial­demokratie. Wir kämpfen zur Verteidigung unseres Vater­landes, aber nicht um die Z e r st ü ck e'I U n g Rußlands. Die Politik, die Rußland gegenüber getrieben wird, ist nicht unsere Politik. Die LoSlösung der Randvölker von Rußland scheint un&etmeüiicfi zu sein. Damit wird aber Deutschland nichts genützt. Schaffen wir nicht Zustände, die nach Ablauf der revolutionären Bewegung eine Revanche- stimmung gegen uns erzeugt? Das deutsche Volk will keinen Landerwerb. Eine ähnliche Kraftprobe, im Westen einen bedingungslosen Frieden zu erzielen, wäre ftir Deutschland auf alle Fälle gefährlich. Wird der Frieden kein wahrer Frieden, dann haben wir die Revolution. Man höre mit dem törichten Gerede auf, der Streik sei mit ausländischem Gelbe gemacht worden. Eine schamlose Lüge ist es, daß dem Streik landesverräterische Absichten zugrunde gelegen hätten. Auch Mitglieder der gelben und anderer (Gewerkschaften haben mitgestreikt. Wenn solche Streiks, wie wir nicht hoffen, sich wiederholen, so muß Generaloberst v. Kessel rn Schutzhaft gesetzt werden. Das allein könnte helfen. (Heiterkeit.) Staatssekretär Wallraf. das Erbstück aus der Ära Mckrelis, hätte drei bis vier Tage Streik und Hunderten braven Arbeitern langjähriges Zucht­haus erspart, hätte er die Arbeiter empfange». Die Zensur -.st mitschuldig an dem Ausbruch des Streiks. Über die Streikprozesse darf auch nichts veröffentlicht werden. Das ist käse Saat, die da gesät wird. Der Kampf um das gleiche Wahlrecht in Preußen darf nicht locker gelassen werden. Wir freuen uns des Programms des Herrn von Payer. Das deutsche Volk steht hinter ihm.

Wir vertrauen darauf, daß das brutsche Volk freier uttfe reifer auS diesem ungeheuren Ringen hervorgehen wird. Wir verfolgen unser Ztel in dem Bewußtsein: Die Zukunft gehört der Demokratie, den Arbeitern und der Sozialdemo­kratie. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Staatssekretär Wallraf: Der Anfang der ausländi­schen S t r e i k p r o p a g a n d a ist in der Verbreitung eines in Zürich gedruckten Flugblattes aus dem Herbst 1917 zu suchen. Der Streik wurde gefördert in Stockholm und durch die bolschewistischen Funkiplüche, von Fliegern abgeworfene Hetzblätter. Gleichzeitig mit dem Waffenstillstand setzte die bolschewistische Propaganda im großen ein. Daß auch die Entente in dem gleichen Sinne bei uns agitiert hat, ist aktenmäßig festgestellt. Flugblätter iuerüen immer noch aus dem Ausland eingeschmuggelt. Das Ausland wußte schon von dem Streik, als er noch nicht bestand. (Unruhe. — Sehr richtig!) „Daily Chronicle" berichtete unter dem 86. Januar davon, ebenso dir „Daily Mail". Der alten sotzialistisch-n Partei gereicht eS zum Verdienst, daß sie sich ursprünglich dem Treiben fern gehalten hat. Die Erklärung, de« Streik sei vom Ausland berei«gebracht, ist noch die beste Ent­schuldigung. Ich bleibe dabei, datz der Bolschewismus auf dem Wege über Osrvrerich-Unaarn in Deutschland di« Grundkigwl des Staates untenvühlen wollte. Als in Amerika sich eins ähnliche Bewegung zeigte, ließ Präsident Wilson das ganze Aktionskomitee verhaften. (Hört! Hört!) Die Arbeitecforderungeu wurden als Mindeflsörde- rungen bezeichnet. Ich wcir gern bereit, die Abgeordneten zu empfangen, nicht aber di« Streikenden, weil eS sich um hoch­politische Forderungen, handelte. In wirtschaft­lichen Fragen habe ich schon oft mit Arbeitern verhandelt. Hier lag die Sache aber anders. Hi-er sollte ein Druck auS- geübt werden. Die. Regierung sollte unter das kaudinische Jcch gezwungen werden. Auch ich kenne scharfe Worte, ich teuujjM M -Ser aM Wil tzr pW zur LitliHttzü bptvage»