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12 Ausgaben.

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Berliner Abteilung deS Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. f Potsdamer Str. 121 L. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 und 6203.

Montag» 25. Februar 1918.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 94.. 66. Jahrgang.

Dorpat genommen!

Die deutschen Befreier in Estland.

Auch pernau am Rigaischen Meer­busen besetzt.

3000 Gefangene, viele hundert Fahrzeuge erbeutet.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 25. Febr. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz

Vielfach Artillerie- und Minenwerferkampf. An ver- schiedenea Stellen der Front Erkundungsgefechte, die uns östlich von Armentieres Gefangene und Maschinen­gewehre einbrachten.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heersgruppe Eichhorn.

Unsere Truppen besetzten Pernau. Ein Esten- Bataillon hat llch dort dem dentschen Kommando unterstellt.

Ihren Divisionen voraus haben gestern vormittag die Sturmk.mpagnie 18 und die erste Siluvadron des Husarrn- RegimentS 16 Dorpat genommen. Ans dem Wege dorthin wurden 3660 Gefangene gemacht niÄ viele hundert Fahrzeuge erbeutet. Diese fliegende Ab- trilung hat somit in 5*4 Tagen über 210 Kilometer zurück- gelegt. .

Heeresgruppe Linsingen.

I» Rowno ist der gesamte Stab der russischen „beson­deren" Armee in unsere Hand gefallen; ihr Oberbefehls­haber war entflohen.

Bortruvven erreichten Schitomir und nahmen dort die Verbindung mit ukrainischen Truppen auf.

Bon de« anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiermcister: Ludendorff.

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Der vsrmarsch in Estland und Livland.

W. T.-B. Riga, 23. Febr. Der Vormarsch in Estland und Livland gegen die Räuberhorden der Roten Garde geht werter. In Walk ergab sich nachträglich der ganze Stab der 110 russischen Division. Die russischen Offiziere und Soldaten wünschen in geordnete Verhältnisse zu kommen und der Willkür der Roten Garde entzogen zu sein. Bereits zeigen sich zum Heil des schwer burniederliegenden Landes die Früchte der st rapa zierten Lei st ungen der deutschen Divisionen, die planmäßig mit kampfkräftigen Vorhuten - und dicht auffolgendem starkem Gros und Reserven die Straßen entlang vorwärts drängen, wahre Rekord­leistungen im Marschieren erzielend. Ver­pflegung in dem von Natur reichen, von den Bolschewisten verheerten Lande fft in großen, von der Rcten Garde aufge­häuften Raubdepots an mehreren Stellen erbeutet worden, da ein rechtzeitiger Abtransport bei der kopflosen Fluch: nicht mehr möglich war. Dadurch wird das Vorwärtskominen unserer Truppen erleichtert Eile ist dringend ge­boten, da jede Stunde früherer Ankunft in den livländi- scken Landstädtchen Hunderten von Einwohnern Leben und Freiheit rettet. Die Bevölkerung aller Nationali­täten wünscht dringend Frieden und Ordnung. Sie bat übergenug von den bisherigen grauenhaften Zuständen. Überall bört man die gleichen Fragen: „Werdet ihr uns nicht im Stich lassen und unsere verschleppten Lieben befreien?"

Für Eroberung von Wolmar und wenden.

W. T.-B. Wolmar, 23. Febr. In Wolmar und Wen­den war die Dankbarkeit der von den Boffchewiki be­freiten Bewohner groß und aufrichtig. Ihre Lage war unerträglich, die Willkür der Roten Garde entsetzlich. Noch im letzten Augenblick wurden 100 angesehene Bürger WolrnarS acoetiert und zum Teil im Wald« erschossen, darunter eine Ochähcige Frau. Die Landsitze bei Wolmar sind sämtlich längst geplündert und leer bis auf die Mauern. Einige wurden noch gestern niedergebrannt. Die Kirche in Wolmar war durch die Bolschewiki erbrochen und verwüstet, der Gottesdienst verboten, der Pfarrer ver­brannt. Die deutschen Vormärsche vollzogen sich in be­schleunigtem Tempo unter größten Entbehrungen und Anstrengungen. Die Truppen biwakieren bei 18 Grad Kälte und geben in ununterbrochenen Tagesmärschen ihr Äußerstes her. Haltung und Stimmung ist vorzüglich, obwohl das Nachkommen der Verpflegungskolonnen in völlig ausge­raubtem Gebiet bei großen Entfernungen auf schneever­wehten Straßen ungeheuer schwierig ist. Ganze Bataillpne opfern ihre Nachtruhe für die Herstellung der Straßen. Nur ein Wille ist vorhanden, schleunigst dem unmenschlichen Treiben der Roten Gacde ein Ende zu mache« und die zu Tod« geängstigte Bevölkerung zu erlösen. Nur so war cS möglich, daß am 31. Febr. all- Marschziele zwischen dem Rigaer Meerbusen und dem Alukstesee erreicht wurden. Vor- marjch «ad Bestersog gehen planmäßig schnell werter.

Die Befreier der Ukraine.

W. T.-B. Berlin, 24. Febr. Die Deutschen sind in diesem Kriege in Städte eingezogen, in denen die Bevölkerung zähne­knirschend mit geballten Fäusten den Einzug der fremden Sieger zugab, und in andere, wo ihnen Jubel und Hurra, Blumen und Küsse entgegenflogen. Der Einzug iu die Ukraine zeigt ein neues Bild. Die Einwohner nehmen den Einzug der Deutschen ruhig und gleichmütig in ihr Schicksal ergeben entgegen. Nur die schlimmsten Bolsche- näjten, die sich ein allzu großes Schuldkonto aufgeladen haben, sind geflohen, alles andere ist geblieben — Ukrainer, Groß- Russen, Polen, Juoen. Die Ukrainer und Grotz-Russen, auch ^ie besitzenden Klassen, sehen in den Deutschen die Retter vor den zuchtlosen Räuber - und Mörderbanden. Aber sie brechen nicht in lauten Jubel ans, zu viel hat dies Land in den Sy z Jahren Krieg und fast einem Jahr Revo­lution durchgemacdt, zu wechs-lvolle Schicksale haben dir Landstriche zwischen Stvr und Stochod, die schon einmal zwischen 1815 und 1916 den Vormarsch und den Rückzug der Österreicher sahen, erduldet. Aber jetzt sind die Deutschen da. Gott sei Dank! Man atmet auf. Deutsche, d. h, die Wiederkehr von Zucht und Ordnung. Und auch die Elemente, die bisher; von den anarchistischen Zuständen profitierten, fügen sich zum Bessern und ruhig in die neuen Verhältnisse, und so ergibt sich das absonderliche Bild, daß die Deutschen, wie bei dem Einzug in L u ck, in Städte kommen, die voll sind von russischen Truppen.

Die erste Nacht verbringen die Deutschen in Alarm­bereitschaft. Vor den Quartieren stehen Doppelposten. Die Straßenkreuzungen sichern Maschinengewehre. Aber am nächsten Morgen kommen die Russen der Aufforderung zur Ablieferung der Waffen nach und gehen freiwillig in die Kriegsgefangenschaft. Die Ukrainer gehen nach rückwärts in die Ausstell ungsbezirke der neuen ukrainischen Divisionen oder sie gliedern sich den deuffchen Truppen an, denen sie vor allem das technische Personal abgeben. Chauffeure, Telegraphisten, Ecienb.chntruppen, die auch als Dolmetscher wertvolle Hilfe leisten. Aber auch die groß­russischen Kriegsgefangenen dürfen sich in be­stimmten Bezirken frei bewegen. Den Öfftzreren hat man Amtlich die Waffen gelassen und sie haben sich durchweg vorbehaltlos aus die deutsche Seite gestellt. Sie haben zu tief unke: der Revolution gelitten, um in den Deutschen etwas anderes zu sehen als die Retter und Be­freier aus höchster Not. - Es sind Oberstb und Generale dar­unter, die den Deutschen in den Karpathen, am San und Bug, am Stochod und vor Tarnopol als Gegner gegenüber­standen. Die Deutschen haben sie aus ihren Gefängnissen befreit, in denen sie ihre Hinmordung erwarteten, denn die Bolschewiki planten in der Ukraine einen allgemeinen O ffi zi ers m o ed. Mancher von ihnen hatte Tränen der Rührung in den Augen, als er aus deutscher Hand Degen und Offfziers-Epauletten zurückerhielt. Zwei Tage nach dem Einzug der Deutschen war das Bild von L u ck von Grund aus geändert. Waren vordem Straßen und Plätze beherrscht von dem schmutzigen Braun der beschäftigungslosen Soldateshr, zogen vordem auch Zivilisten den Soldatenrock an, und zwar einen möglichst abgetragenen — denn nur dieser gewährleistete einigermaßen persönliche Sicherheit -r, so zejgen sie jetzt er­wachendes bürgerliches Leben. Die Organe der. R a d a be­durften nur der deutschen Hilfe, um di- Regierung wieder in die Hand zu bekommen Es ist nicht mebr Schande und Ge­fahr. einen guten Rock zu tragen. Man sieht wieder elegante Damen und russische Offiziere in gutsitzeirden neuen Uni­formen. Die russischen Soldaten fangen wieder an, ihre Vorgesetzten zu grüßen, und alles erwacht wie aus einem hösen,.wilden Traum, aus einer Orgie von Blut und Anarchie, in die die junge Freiheit nur allzu bald ausartete.

Die deutschen Fr'edensbedingungen iv Petersburg.

8. Stockholm, 25. f$ebt. (Erg. Trahtbericht. zb.) Die offizielle „Krasnaja Gazetta" teilt mH: Die deut­schen Friedensbedingungen, die von Russland eine Er­klärung fordern, die ein Desinteress emcnt an den Gebieten aller w e st l i ch e n Fremd­völker ausspricht, und diese dem d e nt s ch e n S ch u tz unterstellt, sind in Petersburg einactroffen, um vom Rate der Volkskommissare sofort angenommen zu werden. • .

Trotzlrys Lüge von der gestörten „vemobMsieruna".

Berlin, 25. Febr. (zb.) In der „Nordd. Allg. Ztg." wird gesagt: Herr Trotzky wird jetzt, sagen, daß Deutschland ihn mit seiner Fortsetzung des Kriegs in die von ihm angeordnete Demobilisierung hineingesivßen haLe. ES muß ganz -klar gesagt werden, daß dies nicht den Taffachen entsprich:, denn die russische Demobilmachung ist nicht von Trotzky an- geordnet worden, sondern van selbst gegen den Willen

der russischen Machthaber in Gang gekommen. Trotzkh !hat den Befehl nur erlassen, um die tatsächliche Auflösung der russischen Armee als seinen eigenen Friedensakt hinzu­stellen. Er war nicht im guten Glauben, als er davon sprach, daß der Krieg durch ihn beendet sei. Die Demo­bilisierung hat schon wochenlang vorher begonnen. Das wußte n unsere Unterhändler. Sie wußten, daß die Gräben 'vor unserer Front fast leer waren, wie sich auch auf unse­rem Vormarsch herausgestellt hat. Gleichwohl haben unsere. Unterhändler in weitestgshender Nachgiebigkeit auf einen rechtlichen Frieden hingearbeitet. Trotzky hat den Frieden n > ch t g e w o 111. Er spricht nicht die Wahrheit, wenn er die Öffentlichkeit glauben machen will, die Demo- bUisicrung sei infolge seiner Erklärung des Endes des Kriegs­zustandes erfolgt. Diese Tatsachen müssen für die Beurtei­lung des vussffchen Verhaltens angesichts der jetzigen Lage immer wieder aufs neue hevvorgehoben werden.

KbreifeLder Ententegesandtschaflen aus Petersburg.

8. Stockholm, 25. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Stockholm Tidningen" meldet, daß die Ententegesandt­schaften in den nächsten Tagen Petersburg verlassen werden. Die japanische Boffchaft reiste bereits in Rich­tung C h a r b i n ab. Die Gesandtschaften der West­mächte wollen zunächst in Stockholm die Entwicklung der russischen Verhältnisse abwarten.

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Die Kampfe in Finnland.

W. T.-B. Wasa, 23. Febr. Generalguartiermeister Ignatius telegraphiert: Über erfolgreiche Kämpfe wird gemeldet: Bei Satakund warfen unsere Truppen ebsnso wie bei Levic und Merikaarva den Feind zurück. Feindliche Angriffe bei Ruovesi wurden abqewiesen, bei Kuhoinen eine überlegene feindliche Abteilung von Weißen Gardisten unter Leitung des Obersten Berg- ström geschlagen und ein Maschinengewehr genommen. Parkaus ist eingeschlossen. Aus Krelen nichts Neues.

8. Stockholm, 25. Febr. (Eig. Drahtbericht. zb.) Nach Meldungen aus Finnland trafen in Mborg wiederum 6000 russische Soldaten vcm russischen Infanterie-Regiment Nr. 428 ein. Die Soldaten zeigten indessen sehr chenig Neigung, ihren Befehl auszusühven, >der ihnen di« U n - terstützung 'der simnischen Ro ten Garde aufgibt. Es herrscht große Angst, daß Finnland bald von deuffchen Truppen besetzt werden könne. Aus diesem Grund ^wartet man auch in bürgerlichen Kreisen, daß weitere russische Truppensendurvgen nach Finnland nicht mehr statt- finden werden. Große Erregung herffcht auch bei der russischen Flotte, • die in den Häfen von Sweaibovg und Hessingfors eingefroren ist. Sie beisteht zurzeit aus 4 Direadnougyts, 2 Schlachtkreuzern, 14 Torpedobooten sowie der früberen Kaiserjacht „Standard". Hessingfors wird von der russischen Besatzung aus der Landseite stark besesffgt. Bjoerneborg haben die Russen geräumt. Die Rote Garde kon­zentriert sich aus der Linie Rulpvssi-FÄppula-Padassoki.

Tatsächliche Kngrlstsabsichten der Entente?

Im ErgänzungSöecicht vom 23. Februar heißt cs zum Schluß: Die Erörterungen der feindlichen Presse über dem­nächst an der Westfront angeblich bevorstehende Kämpfe sind in ein neues Stadium getreten. Während, wie schon mehrfach, die amtliche Agence Havas den nahe bevorstehenden großen deutschen Ansturm ankündigt, sind laut der französi­schen Provinzpresse im Gegensatz hierzu Offensiven der^ West Mächte baltstzu erwarten. Diese verschiedenen Meldungen sollen anscheinend tatsächliche Angriffs - al sichten der Entente verschleiern. In diesem Falle wird die Entente uns bereit finden.

Ein Gegenstück zur HelÄ^nfahrt der „Möve".

§. KT. §. „rvols" nach lö monatige r Llusfahrt heimqslleihrl.

W. T.-B. Berlin, 23. Febr. (Amtlich.) S. M. S. „Wolf" ist nach 15monatr,ier Kreuzfahrt durch den Atlantischen, Indischen und Stil-^ len Ozean dank der hervorragenden Führung seines Kommandanten,. Fregattenkapitäns Rerg er, und der glänzenden Leistung seiner Besatzung glücklich und er­folggekrönt in die Heimat zurückgekehrt. Das Schiss hat den Seeverkehr zu unseren Feinden durch Bernich- tung von Schiffsraum und Ladung in schwerster Weste geschädigt. Mehrmals 400 Angehörige von Be­satzungen versenkter Schisse, darunter die verschieden­sten Nationalitäten, insbesondere auch zahlreiche far­bige und weiße englische Militärpersonen, sind durch S. M. S. „Wolf" nach Deutschland übergeführt.