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Von Ignaz

t beispielloser Verwegenheit war die Familie Stöpsel den ganzen Tag bemüht gewesen, die Wohnung halbwegs in Ordnung zu bringen. Diese ungewöhnliche Tätigkeit war von so erfreulicheni Erfolge gekrönt, daß sich Mama Stöpsel zu der sehr gewagten Bemerkung verflieg, sie werde diese so erfolgreiche Arbeit ganz gewiß noch einigemal in ihrem Leben wiederholen. Es wurde nämlich eine schon seit langem auf unerklärliche weise abhanden gekommene Kleider- bürste unter dem Diwan zutage gefördert, das große Küchenmesser, das ebenfalls auf rätselhafte Art verschwunden war, fand sich in Mamas Toilettetisch und Herrn Stöpsels Feiertagszylinder, der sich auch seit längere Zeit verspurlost gehabt hatte, wurde in der dazugehörigen Hutschachtel entdeckt, ihn dort zu suchen, konnte bisher selbstverständ­lich niemand einfallen.

Nun aber war alles in der schönsten Grdnung! Die Löcher des Diwans waren durch Schutzdecken und die Risse in den Tapeten durch Bilder von entsprechender Größe verdeckt, der Kehricht war mit großer Sorgfalt hinter die Fenstervorleger gefegt worden und die Damen selbst sahen aus wie neu, indem jeder Fettflecken in ihren Bauskleidern durch eine farbige Schleife kokett maskiert war. Der unge­wohnte Glanz, in den die ganze Wohnung und die Familie Stöpsel nunmehr getaucht war, versetzte alle in eine weihe­volle Stimmung. Nur bei Papa Stöpsel erlitt diese weihe einige Unterbrechungen durch schüttelndes Frösteln — es fror ihn. Um den heutigen Tag würdig feiern zu können, hatte man seine sämtlichen Unterhosen versetzt. Es war Hausbrauch bei allen Festen, die gefeiert wurden, daß man feine Wäsche und Kleider versetzte, denn für diese hatten die Damen bei solchen Gelegenheiten eben keine andere Verwendung, und wenn er sich darüber beklagte, wurde er mit dem Hinweise auf seine Familienpflichten augenblicklich zur Ruhe gebracht. Er fügte sich ins Unver­meidliche: hätte er dies nicht getan, wäre es genau das­selbe gewesen, nur nicht so einfach. Seine Angehörigen ehrten und liebten ihn deshalb, und ließen keinen seiner Geburts- und Namenstage vorübergehen, ohne ihm greif­bare Beweise ihrer Zuneigung zu geben. Er besaß vier­undzwanzig paar gestickte Hausschuhe, dagegen aller­dings nur ein Paar ehemalige Stiefeletten, ebenso war er glücklicher Inhaber von sechzig Paar Pulswärmern, wogegen allerdings wieder seine Hemden nicht ganz tadellos waren, wenn sie auch nur an jenen Stellen nicht zerrissen waren, wo sich zufällig kein Loch befand, wenn sich heute seine Unterhosen an einer hierfür nicht ganz passenden Stelle aufhielten, so hatte inan ihm dafür aus einem alten Gürtel eine neue Kravatte gemacht und so glich sich der' kleine Ubelstand vollständig wieder aus.

POlter. (Nachdruck verdate».,

Mama ruhte behaglich von des Tages Mühen, sie hatte soeben den schon oft geäußerten Wunsch wiederholt, ein Telephon zu besitzen, Papa aber meinte, sie rede so schon genug. Elvira, die ältere Tochter, ruhte ebenfalls, das tat sie am liebsten. Sie war eine durch und durch poetische Natur, und das schlechteste Gedicht war ihr liebe, als die schönste Arbeit. Thusnelda, die jüngere, erhielt eine sorgfältige Erziehung. Sie wurde mit Rücksicht aus das bevorstehende aktive und passive Frauenwahlrecht zur Athletin ausgebildet — Fritzl, der einzige männliche, aber hoffnungsvolle Sprößling, lag auf dem Diwan. Er war das, was man in seinen Kreisen einen Lausbuben nannte, und darauf tat er sich viel zugute. Seinen Lehrern wich er aus, wie er nur konnte, er hatte großen Respekt vor ihnen, teilte aber nicht ihre Ansichten über den wert der Wissenschaften. Obwohl die Erziehung, die er bisher erlitten hatte, ihn zu allem fähig machte, erfreute er sich im Familienkreise allgemeiner Unbeliebtheit, weil er nichts als dumme Streiche verübte, und nicht einmal die Ath letin war imstande, ihn daran zu verhindern.

Zn der Küche war Babuschka, das Mädchen für alles eigentlich aber für nichts, mit ihrer Toilette beschäftigt, indem sie sich mit einer Gabel frisierte. Sie hatte ihre Zacke ausgezogen und in eine Ecke gestellt, der darauf haftende Schmutz hielt das Kleidungsstück vollkommen aufrecht. Zn einer anderen Ecke saß Flocki, angeblich ein Hund, doch von einer Rasse, die ganz bestimmt nur durch ihn allein auf der ganzen Erde vertreten war. Flocki war ein Knäuel Schmutz auf vier Füßen. Er kratzte sich redlich durchs Leben und nährte sich überreich von den Flöhen, die er dabei fing. Da er keine Spur von Ehrgeiz besaß, ließ er sich von der Athletin geduldig zum Schuh­putzen verwenden.

Nachdem nunmehr die ganze Familie vorgestcllt ist, kann sie einstweilen wieder weggestellt werden, um über den Anlaß der festlichen Vorbereitungen berichten zu können. Es war heute ein denkwürdiger Tag, an dem sich die ältere Tochter Elvira zum erstenmale verloben sollte. Das auserkorene Opfer, Herr Benjamin Schnanzl, war Beamter der Firma Hokus und Pokus, Fliegenpapier en gros, und hatte als solcher eine sichere Zukunft, da ja die Fliegen wohl nie aus der Mode kommen dürften. Das Pärchen hatte sich bei einem jener großen Hansbälle, wie sie in den kleinsten Wirtshäusern veranstaltet werden, kennen gelernt. Herr Schnauz! hatte die Bekanntschaft anfänglich nicht gar so ernst genommen, als er aber er­fuhr, daß die Schwester Athletin sei, kam er zur Über­zeugung, daß er ohne Elvira wahrscheinlich nicht leben können werde. Der Familienhäuptling, dem er sich als Bewerber vorstellte, pflichtete dieser Ansicht vollkommen bei, und die Verurteilung zu lebsn.-tch,alicher Ehe sollte