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Sonntag» 24. Februar 1918.

Dubno besetzt.

Gssterrefchi^rd-unyariiä'er Tagesbericht»

Vi'. i>.-8. Wien. 23. Febr. (Drahtberrcht.) Amtlich verlautet vom 23. Februar, mittags:

Keine besonderen Ereignisse.

Deutsche Truppen besetzten Dubno.

Der Chef des Generalstabs.

Ver Besuch «aiser Uarls im deutschen ksauptqualt'.er. ^

Br. Berlin, 23 gebt. 'Sie,. Drahtberrcht. zb-) Der Ee. such Kaiser Karls im deutschen Großen Hauptquartier war, wie der ..L.-A." hört, nicht etwa durch die jüngsten politi­schen Ereignisse hervorgerufen, sondern bereits seit längerer Zeit geplant. Er bat den beiden Monarchen Gelegenheit ge­geben. über die»! au senden Fragen, und zwar mili­tärische wie politische, in einen vertraulichen ©ebanfenaujS* tausch einzutreten nnd die gemeinsamen deutsch-österreichlsch- ungarischen Gesichtspunkte von neuem zu betonen.

D-sterreich und das Bündnis mit Deutschland.

W. T.-B. Wien, 23. Febr. (Drahtbericht.) DieNeue Fr. Presse" schreibt: Czernin und Kühlmann werden heute ihre gemeinsame Reise antreten, um die Friedensver­handlungen zu beginnen. Der deutsche Staatssekretär sprach rm Reichstag und im Hauptausschuß wiederholt mit großer Wärm« von dem Verhältnis zur Monarchie. Bei ihm ist das echte bleibende Überzeugung. Er kennt Wrens oölitische Verhältnisse sehr genau, und -weiß, daß hier auch das Bündnis auf gronitner Unterlage ruht. Um­triebe können es, da es eine bereit? geschichtliche Notwendig k-it ist. und in diesem Krieg die Feuerprobe bestanden hat nicht schädigen. Deutschland und die Monarchie hoben, um- geben von Haß und Eifersucht, so viele Gründe, fest zusammenzuhalten, daß schleichende Ränke, dre nir­gends fehlen, diesem Verhältnis nichts anhaben können, noch weniger offene Angriffe. Dem Bündnis ist es zu danken, daß die beiden Staatsmänner jetzt nach Bukarest fahren .können und die Arbeiten für den dritten Sonder­fried e n zu beginnen

Telegraphische Vorbesprechungen zwischen Wien und Petersburg.

NI Dien. 23 Fcbr (Eig. Drahtbericht, zb.) Mit der russischen Regi.'ung sinken aus telegraphischem Wege Vorbesprechungen über die Bedingungen der Wiederaufnahme der Berhanolungen statt. Bon ihrem Ergebnis hangt es ab, ob und wann die Verhandlungen wieder ausgenonimen werden.

Line Rede des Lord Milner.

W. T.-B, London, 33. Febr. (Reuter.) Viscount Milner sagte in einer Rede in Plymouth:W:r

kämpfen nicht, um Deutschland feine Unab- hängigkeit zu nehmen oder es von seinem billigen Anteil an dem Handelsverkehr a u s z u sch l ie ß e n. immer vorausgesetzt, daß die gleiche Unabhängigkeit, die gleiche Selbstbestimmung und das gleiche Recht aus den Platz an der Sonne für alle anderen Nationen gesichert wird, auch für die Kleinen und Schwachen, die bisher das Opfer deutscher An­griffe waren." Mrtner fuhr fort: Man müsse in der nächsten Zukunft auf größere Anstrengungen und viel grö- tzere Mühsale vorbereitet sein, aber je wilder der Sturm tobe, desto hoher werde sich der Geist der Nation erheben, um ihm zu trotzen. Wesentliche Voraussetzung, um die großen Hilfs- mittel der Verbündeten voll auszunutzen, sei die vollkom- mene Organisation ihrer Bemühungen. Eine Koordinierung der Anstrengungen der Verbündeten sei in der Praxis äußerst schwer zu erreichen gewesen. Die letzten Sitzun­gen des Obersten K r i e g s r a t s, denen Milner der- wohnte, lhitten einen unendlich viel geschäftsmäßigeren Charakter als die ftüheren Konferenzen gehabt. Man besäße jetzt in dem Obersten Kriegsrat eine Körperschaft mit einer bestimmten Verfassung, und man habe regelmäßige, wenn auch nicht allzu häufige Zusammenkünfte. Milner fuhr fort. Wir kämpfen nickt, um Deutschland zu vernich­ten und dem Volke eine Verfossungsform zu diktieren. W > l'o n und Lloyd George 'haben keinen Zweifel darüber gelassen. daß wir nicht den Wun'ch hegen, Deutschland auf. zuteilen und uns in die Rechte des deutschen Volks einzu mischen, selbst zu bestimmen. unter welcher Verfassung es leben will. Wir kämpfen um unser Leben, um die Existenz der freien Naticnen Europas. Die Lage «st durch den Zu­sammenbruch Rußlands völlig verändert worden. Svaleich lew in Deutschland die M i l i t ä r pa r t e i wieder fest in den Sattel. Die deutsche Militärpariei - erklärt ganz offen als ihr einziges Ziel, Italien. Frankreich und England n'ederzuboxen. Die Existenz der freien Nationen -van Westeuropa verhindert allein ihre Beherrschung Europas und der größten Teile von Asien und die Aufrich» iung eines MilitärdeSpotiKmus, der eine Diktatur über die ganz« Welt ausüben würde.

Morgen-Rusgabe.

Eine bemerkenswerte englische Zrtedensstimme.

W. T.-B. Amsterdam, 23. Febr. (Drahtbericht.)Stan­dard" schreibt anläßlich der Ä o n f e r e n z d e r Entente- Sozialisten in London: Wenn aber die Kriegsziele der interalliierten Sozialisten sich auch für die Mittelmachte un­annehmbar enweisen, was dann? An wem liegt dre Schuto, ivenn das Blutvergießen kern Ende nimmt? Bei den M r t t e l m ä ch t e n, das ist bekannt genug, sind alle Arbeite: zu einem ehrenvollen Frieden bereit, die Regie­rung auch, ja, wenn sie darüber zu entscheiden hätten! Aoer Lloyd George und Clemenceau kennen keinen ande­ren Frieden, als den Frieden, der die Niederlage Deutschlands etnschließt.

Rutzland.

Einstellung der vemsbiltsierung von Heer und Flotte.

Br. Genf, 23. gebt. (Eig. Drahtbericht, zb.)Dai-lh Expreß" meldet aus Petersburg: Die Bolschewisten setzen

Petersburg in Verteidigungszustand. ~ te

Demobilisierung von Heer und Flotte wurde einge­stellt.

Revolutionäre Propaganda unter den deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen.

S. Stockholm, 23. Febr. (Eig. Dcuhtbsricht. zb.) Im Smolni-Jnftitut in Petersburg wurde erne be- sondere Abteilung für revolutionäre Propaganda unter den Kriegsgefangenen errichtet. Das Volks- kommissariat beriet die Kriegsgefangenen tn Petersburg zu einer roten Versammlung rm Zirkus Modern. Es traten sieben Redner auf. dt? den Versammelten die Erfolge und die Ideen der russischen Revolution erklärten und sie zur aktwen Propaganda für die sozialistischen Jft?en nach chrer Rückkehr rn dre Aeimat anfforderten. Wie berichtet wird, wurden die Reden von den deutschen und österreichischen Gefangenen recht kühl ausgenommen.~ r

Passvrrweigerung für die Minimalisten nach London.

Br. Basel, 23. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Di«Bas­ler Nachr." melden: Die bolschewistische Regr erung h.rt den minim-alistischen Sozialisten di-e Pässe znr Rei^e nach London zur interalliierten Sozlalistenkonferenz verweigert.

Explosion eines französischen Luftschiffes.

W. T.-B. Paris, 23. Febr. (Drahtbericht.) Die Agence Sabas meldet: Ein französisches Luftschiff, das am Mttwoch» morgen im Ärmelkanal auf der Höhe von St. Andrese Er­kundungen vornahm, hatte einen Unfall mit dem «teuer und stieß gegen eine Klippe bei Le Havre. Es kam zu einer schrecklichen Explosion, durch die der Mazor Fleury und em Funkcntelegraphist auf der Stelle getötet wurde. Dn »b- stürzen-der Unteroffizier brach sich den rechten Arm. Infolge de? Ausstößen? platzten die an Bord des Luftschiffs be­findlichen Bomben und verletzten mehrere Perfon-en, die herbeigeeilt tparen. Das Luftschiff istvollkommenzer- stört.

Deutscher Reichstag.

(Eigener Trobtbericht desWiesbadener Tagblatts'.)

ch Berlin, 23. Februar.

Am Bundesratstisch: Vizekanzler v. Payer und Staats sekretär Graf v. Roedern.

Vizepräsident Dr. Paasche eröffnet dre Sitzung um

11 Uhr 15 Minuten. . .« -

©tn,e Reihe von Rechnungssachen wird durch Aussprache erledigt. Die erste Beratung deS Gesetzentwurfs, betr. Änderung des Kriegsstruergesetzes. wird auf An­trag des Abg Dr. Siidekum kSoz.) von der Tagesordnung abgesetzt, um sie mit ver Etatsberatung zu verbinden.

Es folgt die Fortsetzung der am Mittwoch begonnenen Beratung des Hauptausschutzberichte» über Militärisches.

Aba. Stückle» (Soz)' Bindende Beschlüsse kann der Reichstag hinsichtlich der Entlassung der älteren Jahrgänge nicht fassen. Er kann nur seiiw Wunsche in Entschließungen niederlegen. Leider ist auf unsere Wünsche nichts geschehen, angeblich, we'l man die alten Leute, dre doch wenig militärischen Wert !)aben. noch nicht missen kann. Wie lange sollen diese alten Landstürmer, die ,etzt 50 stahre alt werden, noch im Dienst bleiben? Die Verfügung, wonach Väter kinderreicher Familien, die letzten Söhne von Familien, die bereits Blutopser gebracht haben, entlassen oder ge,chont werden sollen, ist leide: nur sehr selten darchgeführt worden. Manche Mannschaften stehen 12 bis 14 Monate an der Front ebne daß sie H e i m a t s u r l a u b bekommen haben. Off:- ziersburschen dagegen gehen fast alle Augenblicke in die Seimot um Lebensmittel an die Front zu bringen. Als Fmge einer DisAplinarstrafe folfie Me Uclaubssperre nicht verwendet werden. Es muß ein klares Recht auf Url-iub ge­schaffen werden. Damit erhöhen wir die Diemifreudigkeit. Eine Statistik über di- Militärvrozesse ist dringend -u fordern. Etwas zu verheimlichen gibt es dcrbei nicht. Der strenge Arrest muh beseitigt werden, denn er ist eine

Nr. 93. 66. Jahrgang.

Barbarei. Die Disziplin wird dadurch nicht gefährdet, genau so wenig, als es durch, die Beseitigung der Strafe de? An- vindens der Fall gewesen ist Di« Entlassung der Jahrgang« 1859 und 1870 muß schleunigst eintreten. nicht erst nach der Beendigung des Krieges. Den gulen Worten über unsere Soldaten wollen wir auch die guten Taten folgen lassen.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (Bpt.): Die Entlassung der alten Jahrgänge liegt ebenso im Interesse der Front wie der Heimat. Die Jahrgänge 1871 und 72 müssen zum Dienst in der Heimat zurückgezogen werden. Angeblich han­delt es sich nur am tausend alte Ländstürmer. Ich selber aber habe mehrere hundert Namen dem Kriegsministerium eingereicht. Das Offizierkorps wird immer mehr verjüngt.

Die alten Jahrgänge sollten schon deshalb zurückgezogen werden, weil damit Zusammenstöße mit den jungen Offr- 'zieren vermieden werden.

In de» Schreibstuben und in der Etappe sitzen s- viele jungen Leute, daß die alten Leute sehr leicht abgelöst werden könne '.

Die Urlaubserteilung muß gleichmäßig gehandhabt werden. Die Hamstererfahrten zur Überbringung von Lebensmitteln zum Schaden der Heeresverpflegung müssen auch in Preußen aufhören. Mit allen unseren Anträgen wollen wir nur den Gedanken des Durch Haltens zur Ausführung bringen.

General v. Wrisberg: Schon der Kriegsmnnster hatte im Ausschuß davor gewarnt, unerfiillbare Hoffnungen bei den Landsturmleuten zu erwecken. Die Entlassung erfolgt ganz sicher, wenn die militärische Lage es gestattet. Die allmähliche Zurückziehung erfolgt beständig. Das Nichtgeschehensein kann angesichts der Tausende von Ei'tlosiungsfällen nicht behauptet werden. Die geforderten Maßnahmen lind schon ringele''tet. Vermeiden Sie deshalb durch iveitergchende Anträge unerfüllbare Hoffnungen zu er­wecken. Mißbrauch des Urlaubs zu Hamstererfahrten und Schleichhandel wird der Kciegsminister nie billigen. Der Urlaub darf al? Strafe nie verweigert werden,-wenn auch eine Sinaus^chiebnny manchmal nötig ist. Von einer M'hsiimmung an der Front ist nichts zu bemerken.

AIS die FriedensnachriÄt aus Brest-LitowSk eintraf, riefen mir die Truppen bei Opern zu:Hurra, Herr General, nun geht es England ans Fell!"

So ist die Stimmung draußen' (Beifall.)

General Langermann v. Crlenkamp: über die Zulassung niedrigerer Strafen an Stelle des strengen Arrests wird in Bälde ein Gesetzentwurf eingesetzt werden.

Abg. Prinz Schönaich-Earolath (natl.): Wir stimmen der Resolution des Hauptausschusses auf Entlassung der alten Mannschaften zu.

Abg. v. Gröfe (konsü: Ich bedauere, daß dieser berech­tigte Wunsch in die Form einer Resolution gekleidet wird. Der Kriegsminister sollte einmal zähe und energisch in den Kriegsgesellschaften sich umsehen;' so manche brillantengeschmückte H iid könnte noch im Schützengraben zu einer schwieligen Faust werden. Auch mancher junge Ab­geordnete könnte sich der Heeresverwaltung zur Ver­fügung stellen, dann war- die Ablösung für die alten Land­stürmer da. Die Entlassenen müssen aber ihren allen Be­rufen wieder zugesiibrt werden. Das trifft namentlich für die Landwirte zu. Eine schablonenhafte gleichmäßige Hand­habung de? Urlaubs dürfte nicht im Interesse der Soldaten liegen. Eine Milderung des Str ifgesetzbucheS hinsichtlich der Verhängung deS strengen Arrests ist auch unS dringend erwünscht. Eine völlige Aufhebung des strengen Arrests ist nicht angängig.

Abg. Dr. Werner-Gießen (D. Fr.): Man sollte in den Garnisonen Umschau nach Kriegsnerwendungsfähigen halten und ebenso bei den Kriegsgesellschaften. Das Ergebnis würde überraschend sein und ausreichen, dem Antrag ent- kvrechend die älteren Jahrgänge auS Front und Etappe zu­rückzuziehen.

Auch diejenigen, die drei- oder viermal verwundet ge­wesen sind, sollten heizngerufen werden, da sie Blutopfer genug gebracht haben.

Angebörige des Mittelstandes sollten bei der Entlassung von der Front besonders berücksichtigt werden.

Abg. Ryssel (Unabh. Sozi» - Alle a l l d e u t s ch e n 2>i a u l- Helden sollten sich freiwillig melden, dann könnten die alten Jahrgänge abgelöst werden. Die Gelegenheit, nun auch unseren Feldgrauen durch die Tat unseren Dank abzustatten, muß in erster Linie durch eine bessere Behandlung erreicht werden. Die Stimmung draußen ist keineswegs so rosig, wie General v. Wrieberg es darstellte. Der Redner geht auf einzelne Fälle ein und ivird vom Vizepräsidenten Dr. Dvve wiederhcßt ermähnt, bei der Sache zu bleiben. Krüppel sollen entlassen werden. Den Soldaten wird die Rarion von den Voraesetzten gekürzt, die dann dft Lebens­mittel nach Hause schicken. Das R e ch t a u f N r l a u b muß allen Soldaten zuitehen. Der Schleichhandel, der von den Offizieren namentlich auch mit Schweinefleisch getrieben wird, überschreitet alle Grenzen. Die Soldstcu haben nichts von der gangen Schweinezucht. Jetzt ist das Sri'tem des Krieges, daß heute jeder auf Kossen deö anderen sich bereichert. (Vizepräsident Dr. Paasche rügt diese Ausführungen als be­leidigend für unse: Heer.) Ilm so strenger geht man be- den kleinen Vergehen der Unteraebenen vor. Wir fordern Ue Vorlegung einer Kri m inalstati stik im Heer und die Einsetzung einer parlamentarischen Kouunisfton zur

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