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$reitog, 22. $cbruor 1918. MOVgeN-KUZgabE._ Hr. 89. . 66. Jahrgang.

Die Lage im Osten.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

Berlin, 21. Febr. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die neu- begonncnen Operationen im Osten schreiten plan­mäßig vorwärts. Die Russen leisten im allgemeinen keinen Widerstand. Die Desorganisation der Truppen zeigt sich bis ; n die höheren Kommandobehörden hinauf. Eine be­sondere Sorge der Deutschen ist die W i e d e r h e r st e l l n n g der Eisenbahnen in der Ukraine, wo der deutsche Feldeisenbahnchef seine Arbeit bereits begonnen hat. Der Bevölkerung gegenüber, zu der wir als Freunde kommen, sind unsere Soldaten zu ganz besonderer Rücksicht ermahnt Worten. Dementsprechend werden sie auch überall freundlich begrüßt. Auf der Insel Moon trafen Abgesandte des ersten estnischen Regiments ein und boten sich an, unter deutschem Kommando an der Wiederherstellung der Ordnung im Kampfe gegen die Rote Garde mitzu­wirken. Auch die drei anderen estnischen Regimenter wür­den voraussichtlich nicht gegen die Deutschen kämpfen.

Der Rat der Volkskommissare war durch Funk­spruch aufgefordert worden, seinen ersten Funkspruch über die Bereitwilligkeit zum Frieden schriftlich zu bestätigen. Daraufhin ist ein weiterer Funksprnch eingetroffen, daß ein Kurier mit der schriftlichen Bestätigung unterwegs sei. Dieser Kurier hat inzwischen die deutschen Linien passiert und ist nach Düna bürg gekommen. Da das Schriftstück Lenins und Trohkys vmn 20. Februar. 2 Uhr früh, datiert, so be­stätigt sich die Meldung von dem Sturze Lenins und Troykhs nicht, denn diese Meldung ist zu einem früheren Zeitpunkt in die dänische Presse gekommen, als die erwähnten Unterschriften gegeben lvurden. Auch von einer neuen Peters­burger Regierung hätte, falls ein Umschwung eingelreten wäre, bereits Nachricht vorliegen müssen. Inzwischen hat auch Krylenko den Teupssen die' Bereitwilligkeit der Regierung zum Friede nsschlutz bekannt gegeben.

Inwieweit sich d>e Flott; an den neuen Operationen im Osten beteiligen kann, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Vermutlich werden ab;: die Ersverhältnlsse im Finnischen Meerbusen gegenwärtig tie Säuberung von Minen äußerst erschweren oder ganz unmöglich machen. Bei der bekannten sehr starken Minenverseuchung dieser Gewässer wäre aber eine gründliche Minensucberrbeit die Voraussetzung für die Einbeziehung der wertvollen Schiffseinheiten in die militärischen Operationen. Be: der russischen Flotte ist die Lage der Mannschaften trotz des Funkspruches über die Brüderlichkeit und Solidarität von Matrosen und Sol­daten wenig beneidenswert. Nach anderen Funk- sprüchen wird nämlich bekannt, daß die Besatzungen einzelner Inseln trotz ihrer wiederholten Hilferufe ohne Ablösung und ohne Lebensmittel von ihren Kameraden ihrem Schicksal überlassen werden. Die Praxis der Brüderlichkeit weicht von der schönen Theorie recht erheblich ab.

Die Pöbelherrschaft in Petersburg greift immer weiter um sich. Die dadurch hervorgerufeue allge­meine Unsicherheit sowie die Kohlen- und Lebensmittelnot macht den maximalistischen Gewalthabern schwere Sorgen, zu denen noch die Befürchtrmg vor dem Vorrücken des Generals Alexejew gegen Charkow hinzutritt, die in Petersburg als ernst betrachtet, von hier aus aber schwer »n ihrer Tragweite beurteilt werden kann.

In der Ukraine sind die meisten Eisenbahnknoten­punkte in den Händen der Bolicheiristen. Kiew hat stark unter der Beschießung gelitten. Die Absicht der Bolsche­wisten, die ukrainischen Vorräte auszuführen, dürfte sich nicht verwirklichen lassen, da noch von 1914 her ungeheure M e n g e n in der llkraine lagern, z. B. im Gouvernement Eherkon 89 Millionen Pud Getreide.

Bezeichnend ist es, daß die B o l s ch e w i k i den deutschen zrnd österreichischen Streik immerhin stark überschätzt kaben. Infolge der Streiknachrichten waren sie zu dem Ent­schluß g-ekomrnen, auf unsere Vorschläge in Brest-Litowsk nicht einzugehen. Um so größer war dann ihre Enttäuschung über den Umfang der Ausstandsbewegung. Ein österreichischer Offizier berichtet aus Petersburg, daß dadurch tatsächlich bei Trotzky ein entgegengesetzter Entschluß gegenüber seinen vor­herigen Maßnahmen veranlaßt wvrden sei.

Die Lage in Beßarabien ist sehr unsicher. Der 'bolschewistische General Murajew hat ein 48stündigeS Ultimatum an die rumänische Regierung Gerich­tet zur Zurückziehung der Truppen hinter die Grenze. Die bolschewistische Schw-arzmeerflette hat die rumänischen Schiffe in den russischen Häsen beschlagnahmt und unterstützt die revolutionäre Bewegung in Rumänien. Die Lage der rumänischen Streitkräfte ist bedenklich. Um so mehr muß Rumänien empfohlen werden, bei den bevorstehenden Frie- densverhandlungen mit uns m ch t die Me t h o d e T r o tz k y s zu befolgen. Wir haben gewiß viel Langmut bei 'den Verhandlungen entwickelt, aber wenn die rumänische Regierung zu hohe Forderungen stellt oder die Methode der Verhandlungen ähnlich hinterlistig wie bei den Russen sein sollte, so werden unsere Unterhändler kaum eia zweitesmal so viel Entgegenkommen wie in Brest- Litowsk zeigen.

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Die beruhigten polen.

L. Berlin. 21 Febr. (Ci». Drahtbericht. zb.) Bekanntlich hat der Friede«, welchen die Ukraine mit den Zentralmächte« Abgeschlossen hat, in Pole n ganz außer ordentlich« Erreg u»g

hervorgerufen, die in verschiedenen Städten zu Massenstreiks und D e in o n st r a l! r n c n führten. Wie wir erfahren, sind nun­mehr die Streiks überall beendigt, alle Betriebe arbeiten und die Ruhe ist vollständig mied er berge st eilt. Das dürste wohl vor allen: den lcrnliigcnden Erklärungen des Staatssekretärs von Kühlmann und des Ministerpräsidenten S e i d I e r zu ver­danken sein, aus denen klar hervorgeht, daß keineswegs eine Vergcwalligung überwiegend polnischer Landesieile beabsich- tigt sei. _

Oer Friedensvertrag mit der Ukraine.

Die Weiterberatung im Hauptausfchutz.

I-. Berlin, 21. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Im weite- ^ ren Verlauf der Verhandlungen des Hauptausschuffes des ‘ Reichstags hielt der Rektor der Berliner Universität Geheimer Rät Penck einen Vortrag über die Abgrenzung der Ukraine gegen Polen. Er wies nach, daß von einem Überwiegen der polnischen Bevölkerung im Cholmer Gouvernement nach vorliegenden Karten und statisti­schem Material nicht gesprochen wenden kann. Diesen Aus­führungen widersprachen die polnischen Abgeordneten v. Trampczinski nnd S e h d a. Sie betonten, daß es notwendig gewesen wäre, den Vortrag des Geheimen Rats

Penck vorher bekannt zu machen, damit man Gegenmateri il hätte besorgen können. Die Ausführungen Pencks seien nicht objektiv gewesen, da er starke alldeutsche Neigungen besitze. Die Abtrennung des Cholmer Gebiets, so sagte der letztere Abgeordnete, sei ein Gewaltakt schlimmster Art. Ein Stück polnisches Land sei verschachert worden gegen die Aussicht, Getreide zu erhalten. Diesen Ausführungen widersprach Ge­heimrat Penck und betonte, daß das strittige Problem wissen­schaftlich noch nie behandelt worden sei.

In die Verhandlungen wurde der Bericht des Grafen Mirbach über seine persönlichen Erfahrungen in Peters­burg bei Gelegenheit der deutsch-russischen Kom- m l s s i c n s v e r h a n d l u n g e n eingeschoben. Graf Mirbach erzählte, daß das Tempo der Entwicklung in Rußland gerade­zu phantastisch schnell sei. Selbst die früher freiheitlichsten Typs zählten jetzt zu >den Reaktionären. In Petersburg bestehe eine Tyrannei schlimm st er Art. Die Zeitun­gen würden geknebelt. Überall herrsche wilde Anarchie. Eine Beruhigung für uns sei, daß unsere Interessen bei der schwedischen Gesandtschaft liegen, der man für ihre auf­opfernde Wirksanikeit nicht genug danken könne.

Im weiteren Verlauf der Beratung hob Abg. G o t h e t n hervor, daß wirtschaftlich erreicht ist, was nötig war? Ob bei den unsicheren Verhältnissen in der Ukraine der Friedensver­trag praktisch wird, wissen wir noch nicht. Jedenfalls müssen die Vorräte der Ukraine ziemlich erheblich sein. Abg. Mayer-Kaufbeuren betont, daß das Bedürfnis nach Nahrungsmitteln aus der Ukraine sehr dringend sei, ja, daß es sich hier um eine Lebensfrage für Deutschland handele. Auch der sozialdemokratische Abg. N o s k e nennt den Frie- densvertrag einen an sich guten Vertrag. Abg. Dr. Rösicke warnt vor allzu großem Optimismus.

Gesterreichisch-ungariicker Tagesbericht.

IV. T.-B. Wien, 21. Febr. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 21. Februar, mittags: Auf der Hochfläche von A s i a g o und östlich der Brenta Artilleriekämpfe.

Die Truppen der Heeresgruppe Linsingen sind im weite» reu Vorrücken und hat«U Rowno besetzt.

Der Ghef dos Generalstabs,

Ein Angriff auf Transvort-Sichcrheitstcuppen in der Ukraine.

bt. Berlin, 21. Fevr. (zb.) Wie aus zuverlässiger Quelle aus Wien verlautet, wurde in der Ukraine ein Angriff aus die Sicherheitsdetachements, die im Interesse der Durchfüh­rung der Getr.e ide tr ansp o rt e aufgestellt wurden, un­ternommen.

Dänische Anerkennung des deutschen Vormarsches als eines Kampfes zum Schutze der Kultur.

W. T.-B. Kopenbagen, 21. Febr. Zum Ablauf des deutsch russischen Waffenstillstands schreibt die „B erlingske T'. d e n d e": Dcß Deutschland aus seiner Erklärung die Kcm- seguenzen zu ziehen gedenke, gehe aus den gleichzeitig ver­öffentlichten Meldungen hervor, daß die Ukraine, Estland und die deutsch°f i n n i s ch e n Vereinigungen in den Hansestädten Deutschland um Hilfe gegen die Schreckenstaten und Unterdrückungen durch die Bol­schewisten a n g e r u f e n hätten. Die Entwicklung habe, nachdem sie den Getreidefrieden mit der Ukraine geschlossen hätten, nicht zugegeben, daß die Bolschewisten in der Ukraine die Getreidevorräte vernichteten, die Saatfelder verwüsteten und den Warenaustausch zwischen den Mittel­mächten und Rado nicht unberücksichtigt lassen. Die Deutschen, könnten nicht zu.geben, daß die livländifche Ritterschaft und die anderen Deutschen in Livland und Estland durch die roten Banden mit der Ausrottung bedroht würden. Vor allem aber komme in Betracht, daß die bolschewistische blutige Anarchie, wenn sie erst die Ostsecprovinzeu und Finnland vernichtet habe) sich wie eine Epidemie, die jede europäische Kultur töte, weiterverbreiten könne. Deutsch­land stehe moralisch besonders sta r k da ; wenn es die­sen ssämsst aufnehme, sei es ein Kampf zum Schutz der Kul­tur, der Bildung und aller menschlichen Werte. Es fei ein Kampf, der von vornherein Aussicht habe, von den neutralen Staaten und vielleicht auf eine Strecke in die feindlichen hin­ein mit S v m p a t h i e begleitet zu werden.

Keine Täuschung in Amerika über die ungeheuer ernste Lage der Alliierten.

Berlin, 19. Febr. (zb.) Nach einer verspätet hierher gelangten Meldung des Washingtoner Berichterstatte, s der .Chicago Daily Tribüne" erregten private Äußerungen ein­zelner Mitglieder der nach Amerika zurückgekehrten Mission unter Oberst Honse größte Beunruhigung. Es wurde be­kannt, daß der Kommissionsbericht über den Untersee- l o o t s k r i e g äußerst pessimistisch sei. Die Schliffsverluste sind danach weit größer als sich aus den offiziellen Bekannt­machungen ergibt und lassen es als ausgeschlossener­scheinen, daß die Vereinigten Staaten und England hin­reichenden Ersah schaffen können. Die Weigerung des Kriegsministers Bakers, ficfi zur Sache zu äußern, wird dahin ausgel;gt, daß auch er di- Lage pessimistisch an- sebe und nickt glaube, daß Amerika im Laufe 1918 seine volle Kraft zur Geltung bringen könne. Die höchsten Staats­beamten geben den stärksten Zweifeln darüber Ausdruck, daß die Regierung ihr Versprechen, im Laufe des Sommers eine Million Soldaten in Frankreich zu haben, halten könne. Die britische Armee sei nach der Aussage unzweifelhafter Autoritäten gefährlich knapp an Lebensmitteln, und auch die französischen und italienischen Armeen besäßen nur so geringe Reserven, daß Ängstlichkeit herrsche. Eine andere Autorität erklärte: Die Lage der Alliierten ist rng eh euer ernst. Der Artfllecisbestand ist so mangel­haft, daß die Durchführung einer längeren Offensive ausge­schlossen erscheint. England und Frankreich sind infolge der Heereslieferungen an Italien und Amerika nicht in der Lage gewesen, ihre eigenen Bestände genügend aurzusrischen. Amerika beginnt einzusehen, welch kleine Rolle nur es für viele kommende Monat; auf dem Kampfplatz spielen kann. Die englische Armee allein verliert monatlich 79- bis 89 999 Mann an Toten und Verwundeten, und die Ver­einigten Staaten sind für lange Zeit nicht einmal in der

Lage, diese Ausfälle zu ersetzen.

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Amerika und Finnland.

W. T.-B. Stockholm, 21. Febr. (Drahlöcricht.) Aus Finnland «fahren „Dagens Nyheter", der amerikanische Kon­sul in Helsingfors hat Tokoi erklärt, die Wiederherstellung der Ordnung und die vollkommene Sicherheit für die Ausländer bilden die Voraussetzung, unter der die Vereinigten Staaten von Amerika an der Lebensmitteleinfuhr nach Finnland teilnehmen könnten.

Nach „Stockholms Tagbladed" nähern sich die weißen Gardisten Wihovg. ___

England.

Die Opfer des jüngsten Luftangriffs auf London.

W. T.-B. London, 21. Febr. (Drahtbericht.) Amtlich wird mitgeteilt- Der gesamte Verlust bei dem Luftangriff in der Sonntagnacht beträgt neun Tote und 34 Verwundete

Die Londoner Svzialistcnkonferenz.

W. T.-B. London, 21. Febr. (Drahtbericht.) Die inter­alliierte sozialistische Konferenz wurde heute eröffnet. Die Verhandlungen der Konferenz werden der geschloffenen Türen stgpftnden,