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berliner Abteilung de» Wiesbadener Tagblalt»: verllu A., PstLbamer Str. 121 l. Keenspeecheri Amt LStzow 6 '02 n«> 6203.
lNittrvoch, 20. Februar 1918.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 8b. . 66. Ia^rgang.
Vormarsch aus der ganzen russischen 5ront.
Bisher mehrere h nnSert Geschütze und viel Material sowie 25Ü0 Gefangene erbeutet.
W. T.-B. OSrnfjcS Hauptquartier, 20. Febr. (Ämtlich.)
Mcstliclter Kriegsschauplatz An verschiedenen Stellen der Front Artillerie- und Minenwerferkämpfe. Größere Erkundungsvorstöße, die der Engländer westlich von H o u I h e m, der Franzose bei, Juvincourt und nördlich von Reim» unternahm, wurden abgewiesen.
östlicher Kriegsschauplatz.
Beiderseits der Bahn Riga-PeterSburg wnrden die 2 0 Kilometer vor unserer bisherigen, Front liegenden russischen Stellungen überschritten. Schwacher Wider, stand des Feindes bei I n z e m, nördlich der Bahn, wurde schnell gebrochen.
über Dünaburg hinaus stießen unsere Divistonen in nordöstlicher und östlicher Richtung vor. .Zwischen Düna- burg und Luck traten sie in breiten Abschnitten den Bor. marsch an.
Dir über Luck hinaus vorgrdrungenen Divisionen mar- schirren auf R o w n o.
250» Mrsangrnr. mehrere hundert Geschütz» und große Mengen an rollendem Material sielen in unsere Hand. >
Loa den anderen Kriegsschauplätzen nicht? Neue?.
Der Erste Grntralgnarticrmeister: Ludcndorff.
»
VonNwabir südtt-dLuck?m Vormarsch.
IV. T.-'B. Berlin, 19. Febr., abends. (Amtsich.) Bon
Riga di» südlich von Luck sind dir deutschen Armeen im Vor- Marsch nach Esten.
Bon den anderen Kriegsschauplätze« nicht» ReueS.
ver §rleben5vcr1raq mit der Ukraine vor dem N'ichttaa.
(Eigener Trohlbericht der „Wiesbadener T-rzblatts".)
D. Berlin, ?0. Februar.
Am BnndeSrrtStisch: v. Paher und v. Kühlmann.
In der Diplomatenloge wohnen die gegenwärtig in Berlin weilenden Mitglieder der ukraii.ischen Regierung den Ver- hoiidlungrn bei.
Vizepräsident Dr. Dove eröffnet die Sitzung kurz nach 11 Uhr.
Staatrsskretär v. Kühlmann;
Der Frieden mit der Ukraine ist ter erste Friedens- schlutz in diesun gewaltigsten aller Kriege. AIS die nkrairn- fäzen Abgeordneten in Brest-Litowsk klar erkannt haben, daß die Petersburger Regierung keine aufrich- tige Friedenspolitik trieb, Hobe» sie freundschaftliche veziehunnen zu den Mittelmächten bergestellt, weil sie einen anfrichtzigen Fried-n haben wollten. Die Verhandlungen mit ihnen waren nicht ganz leicht, denn, wie es immer in Zeiten nationalen Aufscizwungs der Fall ist, wurden auch hier territoriale Forderungen gestellt, die nicht erfüllt werden konnten. Tle jetzige Losung hat vor allem bei den Polen lebhafte Kritik erfahren, aber ich muß sagen, daß, wenn an d,r Eholmer Frage der Frieden mit der Ukraine gescheitert wäre, dir erdrückende Mehiheit de? derst- sclwn Volkes das Veebnlten seiner Untcrbändler nicht nur rncht verstanden, sondern auch auf das heftigste mißbilligt haben wurde tSehr richtig!) Daß mir die Wichtigkeit dieser Frage erkannt hrben. ergibt sich daraus, daß wir die G r e n regelnng im einzelnen der Regelung durch eine Kommission Vorbehalten haben. Die ethnographischen Verhältnisse und d'e Wunsche der Bevölkerung werden dabci in weitgehendstem Maß- berücksichtigt werden können. Fi, dieser Kommission werden auch d'- Polen verirrten sein Nrb.-n den politisch-n Erwägungen haben auch die Erwägungen zum Abschluß de» Vertrag-» miipeunikt. daß di, Ukraine auch jetzt n.vh nach so langem Kriege über wesentliche Vorräte an Brotgetreide »ich Futtermittel verfügt, welche sie zum keil obz.igeben >n der Lage ist. Die Materie des Vertrages im einzelnen eigne« sich bester zur Erörterung in der Kommission. DiS eine glaube ich aber sagen <*i können daß dieser erste Friodensvertiag, ter zweifellos für spätere Verträge als Grnndl u-e dienen wird, die Wieder. Herstellungen der Reckstsbeziehunqcn vollkommen ge- wäbrlerl>et. ^Reichskanzler Graf v. H e r t l i n g erscheint im Dual.) Durch -re an dem Vc.trap geübte Kritik hat vielfach der Unterton geklungen, daß der Abschluß dieses Vertrag? geeignet sec. den Abschluß des Friedens mit der B o I - schewiki-Regierung zu beeinträchtigen oder zu gefährden. Fch kann aus Grund der immerhin genauen Einsicht di« ch durch vx n^xbrniangen Verbandlungen gewonnen habe sagen. >iß. wenn es nberbaupi Mittel gäbe, Herrn Trotzkb zur Unterzeichnung erne» befriedigenden Friedensim'truments zu bas egen, dieses die vollzogene Tätl i che der Unte ez e wtz n w n z
deS ukrainischen Friedensvertrags war. Die Verhandlungen mit Großruhland haben schließlich zu den einseitigen Erklärungen des Herrn Trotzkh geführt, die in verschleierter Form einen Abbruch der Friedensver» bandlungen bedeuteten. Die Ereignisse, die sich an diesen Abbruch geknüpft hoben, sind dem hohen Hause genügend bekannt Mittlerweile sind neue Vorgänge eingetro- t e n, welche für die Beziehungen mit Groß-Rußland. so weit es durch das Bolschewiki-Kabinelt vertreten ist, von erheblichem Einfluß sein werden. Auf das erneute Vorgehen der deutschen Heere ist gestern e«n Funkspruch de? BvlkkkvmmistariatS in Petersburg an die Regierunz des Deutschen Reichs wngegangen. welcher nach einleitendem Pastus über di« Behandlung des WafsenstivstandsvertragS sagt:
„Der Rat der Bvlkskammistare steht sich veranlaßt, in Anbetracht der ,eschaffenen Lage sein Einverständnis zu erklären, den Frieden unter den Bedingungen zu unterzeichnen, welche von den Delegierten deS Bier- bnnßa» in Brest-LitowSk gestellt waren. (Lebhafte» Hört, hörtl Bewegung.) Der Rat der BolkSkommistare erklärt, daß die Antwort auf die von der deutschen Negierung gestellten genauen Bedingungen unverzüglich gegeben werden wird."
Diese durch Funkkpruch erk»migene Mitteilung stellt n-rch den Erfadeiingen. die wir mit Funfsprück»en gemacht hoben, sein für uns absolut verbindliches Dokument dar. Wir haben dtraushin der Petertburger Regierung mrt- geteilt, der F inklonich sei von unS empfang-.n worden, wrr bäten um schriftliche B e si v t i g u n g seines Inhalts an unsere Linie, und wir hoben die Mitteilung erkalten, büß die Regierung d-r Volkskommistare die schriftliche Beltärigiing umgehend an die Linie schicken wird. Nach den bisherigen Erfghriinoen in den Verh.indlungen mit Drotzky und seinem Knbineti wünsche ich nicht, daß irgendwie in der weiten Qffentlichkeit de: Eind-uck entstände, als sei nunmehr all-S glatt und klar.-al? bitten w>7 den Frieden mit Rußland in der Tasche. (Hört! Hört! — Sehr richtig!) Fch würde einen solchen Eindruck boupisächlich b'klaaen. w-il ich der ehrlichen unb aufrichtigen Fned-nSl^ebe des deutschen Volkes, die von der Regierung'in vollsb-m M.iße geteilt wird, Enttäuschnn- gen ersparen möchte.
Die Ereigniste werden stck >a setzt verhältnismäßig rasch abrolleu
Wir sind mit unseren Bundesgenosten über diese neue Tatsache in einen G-d,'nkengii?tansch eingetreten. der bei der weitgehenden Durchaebeitung der Materie in Brest-Litowsk gleichfalls in alle-kür-ester Zeit zu Ende gebracht werden kann. Eine wesentliche Verschiebung der Verhan». liinpsbasir dürfte, so weit es sich bl? jetzt übersehen läßt, nicht eintrelea.
W-mn ich die durch die Mitteilung geschaffen« Loge präzisieren soll, so wie ich sie nach gewistenhofter Erwägung an- sebe. so möchte ich sagen: „Die Aussichten auf den Abschluß eine» Frieden» mit der Regierung der Volkskommistare sind durch den Abschluß des Frieden? mit der Ukraine und durch den durch uns ousgeübten militärischen Druck und durch dos Scheitern gcivister Hoffnungen, di« man sich in Petersburg zweiicllo» gemacht bat (Sehr richtig), erheblich bester geworden. (Bc'ifcll.) Es kann der Hoffnung Ausdruck gegeben we-- den. daß wir jetzt zum Ziel kommen. (Lebhafter Beifall.) Aber der Freude über doS grrfi« Ereignis eines wirklichen Ab- schtusteS mit Rußland wallen wir uns erst hingeben, wenn die Tinte unter den Dokumenten sitzt. (Zuftzim- mung.) Der Eindruck, den ich draußen hatte, war der, daß die Offentlichleit den Abschluß mit der Ukraine mit Erleichterung und Freude ausgenommen und als ersten Schritt zu einer besseren Znknnft und zu einer Wiederherstellung des allgemeinen Friedens begrüßte, den wir alle erhoffen und den wir bei ruhiger, klarer und fester Füh- rung der auswärtigen Politik in absehbarer Zeit zu erreichen hofferr. (Lebhafter Beifall.)
Als erster Redner aus dem Hause evgriff Abg. Gröber (Zentr.) drs Wort.
veratnna \m f^ouptnus'Auft Les Nekchrtoy«.
W. T.-B. Berlin» 19. Febr. Im Hauptausschuß des Reichstags wurde deute der Friedens vertrag mit der Ukraine beraten.
StaatLsestrelSr v. Kühlmann
führt« folgendes aus. Du? Verhalten der russischen Del«, gation. besonders das T r c tz k tz » in Breft-LitowSk. ist ohne Vorgang in der Geschick»?. Mit seiner letzten Erklärung wollte er sich aus einer unholtbar gen irdenen Lage befreien Es kam ihm im Ernst auf len Frieden nicht an. Wir können an die friedliche Gesinnung Rußlands nicht mehr glauben und müss-.n für Ruhe und Ordnung in den an die besetzten Geb ete angeenzei.den Lüickern scrgen. Unser erneutes Eintreten in den Krieg wird hoffentlich in Petersburg die e n e i z t h e ' t zum Frieden stärken. Auch jetzt noch sind wir bereit, einen Frieden zu schließen, der unseren Jnter.ss-n entspricht. Aus unserer FriebenSberei'sck, ist ist d:.- Friede mit der Ukraine ent- standen. £u Ukraine st ein reiche« Lau» und di« Wittschap.
lichen Beziehungen waren für den FriedenSschluh von auS» schlaggebcnder Bedeutung. Bei der Festsetzung detz- G re n ze machse die Ukc iine Ansprüche auf daS Gebiet be0 Gouvernements Eho I m, und es entstand die Gefahr, daJ die Verhandlungen scheitern wiirden, wenn diesem Derlangul nicht Rechnung g-tragen würde.
Zwischen den Mittelmächten ist da» Verhältnis durch di« Regelung nicht getrübt worden.
Wobl aber haben sich die Polen verlebt gefühlt. Auch der österreichische Ministerpräsiaent wird sich heute eingchen» über diese Fragen äußern, auch r.uch der wirtschaftliche« Seite hin Es sind hinsichtlich de» Abtransportes der gewaltigen Vorräte bestimmte Vereinbarungen ge-- ctroffen worden, so drß wir noch im Laufe de? Jahres davon Vorteile haben »eiden. Die Grenzen des GauvernementS Eholm sind nicht fest bertlmmt. sondern werden durch ein« gemischte Kommission festgesetzt werden, die sich au» Vertretern der Ukraine und Polens zusammensetzt. Redwer empfahl zum Schluß die Annahme des Vertrage».
Nach der Rede der Staatssekretärs v. Kühlmann erklärte Abg. Gröber (Zentr.j. bei den Verlwndlungen mit der Ukraine hätten Vertreter Polens als beteiligter Faktor zw- gezogen werden sollen, dann wäre wrbl die Zuteilung des Cbolmer Bezirk? zur Ukraine unterblieben. Bi» auf diesen Punkt kann dem Friedensvertrag im ganzen juxest i m m t werden.
Abg. Send« (Pole) legt entschieden Verwahrung dagegen ein. daß da» SelbstbestimmunaSrecht der Polen bei de« Friedensvertrrg mit der Ukraine so wenig beachttt wordyl sei. Ganz unverständlich se' t'e
Abtrennung deS Eholmer Bezirkes, der schon vom Wiener Kongreß als zu Polen gehörend crng»- sehen wurde. Drber sei eine Korrektur de» Vertrages unter Berücksichtstrunr der berechtigten Wünsche der polnische« Bevölkerung deS Eholmer Bezirkes notwendig. Ebensowenig dürsten Gradno und Bialystok, urpolnische Gebiete, Mi Litauen geschsogen werden.
Abg. Ledebour (Unubh. Soz.) fordert die Vorlegung de» staatsrechtlichen Akte» aus dem die Reichsleitung das Recht ableitrte, mit der Ukraine, einem Bestandteil deS russische« Reiches, einen FriedenSt^rtraq abzuschlicßen.
Abg. Nnuman» Vvt) fraat: Wie liegen die staatsrechtlichen Verbälinisse der Ukraine? Meine» Willens liegt nur ein Entwurf dazu vor. l'b mit einer Per» sonengrnppe ein gesicherter Vestrag algeschlossen werde« kann, ist froglictz.
Abg. David lSoz.)- D>e von dem Abg. Ledebour gegen den Friedensvertrgg erhobenen B-denken knnn ich nicht teilen. Wer es ernst meint mi! d-m Seshstbestimmungsrecht» der muß auch der Ukraine einräumeu. tieseS Recht auszuüben Form-ll buben dos auch die Bolschrwiki der Ukraine zugeftanden. Im Osten derc>'cht jetzt ein trostlose» Ehaos auch in ver Politik. ES darf nicht, wie bisher. Von zrnei Zentren au» eine sich vielfach kreuzende Politik getrieben werden.
Abg. Gral Westnrv (kans.l: Über den FrietenSvertraH mit der Ukrrine empfinde ich uunetrülte Freuds Deutschland muß hier die größte Zurü-staltung üben. Dur>ks den Vertrag mit der Ukraine ist auch den Wünschen bai Türket hinsichtlich der Du.'danellenfrage entsprochen.
Die Hilferufe der Ostvölker
geben auf die brutale Behandlung und Ouälung der dortige» Bevölkerung durch di.- Bolschewist zurück.
Abg. Strefrma.rn (natl.) unterstreicht den letzten Satz de- Vorredners. Ich bin vier Tage in R:g-> gewesen, und kern Tag ist vergangen, an dem mir nicht deutsche cdcr anber» Flüchtlinge über die unbeschre'blichen Zu st and» und Barb»rreien in Rußland unter dem brlscbewistischen Regiment berickstck brben Vrr kurzem sind bei Osel Hunderte von Lenken über da? Eis gekommen, um den Grausamkeiten der Bolschewist zu entgehen. Die Zuneigung der Esten und L i v l ö n d e r z» Deutschland ist entstanden au» dem Gostihl. vor der ni^stwen Anarchie Schutz zu suchen.
Abg. v. TramvzinSst lPole): Das EnteignungS» g e s e h in Preußen sollte beseitigt werden. Der Entwurf liegt vor, aber er wird nicht neradschiedet. Die Sprachen» frage ist noch nicht geregelt. Die Festlegung der Gren^ zwischen Polen und vr Ukraine bedeutet ein Zankapfel zwischen den beiden Völkern.
Abg. Fikckbeck iVvt.) Wir stinrmem mit Freud« d-«< FriedenSvertrag zu. G-aenüber len vwl-n Erörterungen über die Fnterellen der polnischen Bevölkerur.g »nd anderer ValkS- xile möchte ich doch betonen, daß in erster Linie für »n» da« deutsche Fnteresse mafpebend ist. Vom! deutschen Interesse aus beg-üs-n wir jeden einzelnen Frieden, der diesem entsetzlichen K.n-g ein Eide macht, namentlich wenn er. so wie b'er, obi'k gewaltsame Eingriffs ans dem Baden freier V?rstöndiq'">g zustonde kommt. Wie begrüßen ihn mich weil ec unter Umstanden die Möglichkeit bietet, unsere Ernabrnng ,» fördern. Namentlich anaesicht» dellen. daß nach don Vers,rill'r Beschlüssen wir genötigt sein werden, weite:bin dem Weben gegennb-r im Kampfs auS- znhsrren. ES scheint, als ob man in Polen die Versprechungen der Zweikuiservriistamlltion alS unkündbare Hilpothrk aulgesoht
hat, daneben aber immer Ausschru bält, ob sich nicht durch eine andere Wendung der Tinge weitergehende polnisch«
Wunsche verwrttl'chen ließen. So kann man aber; i» Polin
