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Mittwoch» 20. Februar 1918.

Morgen-klusgabe.

Nr. 85. ♦ 66. Jahrgang.

r« neue Krieg im Osten.

Seit Sonntag besteht wieder Kriegszustand mit Nordru ßland. Aber dieser Zustand spottet jeder Einordnung in bisherige Begrisse. Der Waffen­stillstand ist aufgehoben nickt durch regelrechte Kündi­gung, sondern durch den hinterhältigen .,Verzich t" T r o tz k y s auf das Zustandebringen eines Friedens- Vertrages. Die deutsche Regierung mutzte den Krieg wieder erklären, den sie selbst nickt will, nur weil die Friedenserklärung Trotzkys rls scheinheilig und unehr­lich entlarvt ist. Die deutsche R-gierung, di; sich f r e i e Hand nach jeder Richtung Vorbehalt, ist durch die Winkelzüge eines kneifenden Gegners in eine Lage ge­brecht, aus der das feindliche Ausland ein ganzes Riefen- kupital von Verleumdungen schlagen kann. J;der Pretz- bube in den Verbandszeitungen kann jetzt behaupten, Deutschland gehe auf neue Eroberungen aus, der deut­sche Militarismus setze sich im Osten nun erst richtig ' zu Tische. Es wäre gut und nützlich, wenn auf die mehr negative Erklärung über den aufgegebenen Waffenstill­stand recht bald ein positives Programm mit ausführ­licher Begründung folgte, worin gesagt wird, warum der Krieg im Osten weiterqeführt wird und gegen wen, welches hier die Ziele sind und wodurch der Gegner das ihm drohende Unheil abwenden könnte. Mit anderen Worten: ein Ultimatums Es hätte schon in Brest- Litowsk beim endgültigen Abbruch der Verhandlungen ausgesprochen werden sollen. Staatssekretär v. Kühl- mann hat es auch in seinen lebten Erklärungen der rr:ssischen Delegation gegenüber angedeutet, aber die amtliche Berichterstattung versagte wie- der vollständig, indem sie nach Trotzkys Advokatenkniff eine geheimnisvolle Atempause machte und dann, nach gründlicher Verwirrung der Öffent­lichkeit, den w i ch t i g st e n Punkt, di? Erwiderung der Mittelmächte, unklar und unsicher herausstammelte. Das war kein M e i st e r st ü ck. Die deutsche Diplo­matie wurde, wie so oft, um jede publizistische Wirkung gebracht. Der Russe ging verschmitzt lächelnd nach Hanse ltrtb konnte. seinen Leuten weismachen, dotz mit den ränkesüchtigen Imperialisten kein Bund zu flechten sei. Nun heißt es, in Berlin von vorn anfangen. Di? Schreckensnachrichten aus Livland und Estland, dis Hilferufe der Deutsch­balten und Letten, der Finnen und der Ukrainer find so dringend, daß rasches Handeln vornehmstes Ge­bot ist. Die deutsche Heeresverwaltung hat in allen Wechselfällen des furchtbaren Krieges bewiesen, welchen Vorteil es bringt, wenn man dem Gegner durch ent­schlossene einheitliche Maßnahmen z n v o r k o m m t. Er darf nicht zur vollen Aussubrimg seiner feindseligen Absichten gelangen. Wie der Pbönix auS der Asche soll die rote RevolutionSgarde aus den Trüm­mern des alten russischen Heeres entstehen, um die Randvölker niedewutreten und den Brand des Bolsche­wismus in die Länder des Gegners zu tragen. Dieser Mordbrennertaktik mußte begegnet werden. Und so ist denn der Vormarsch unserer Trupven an 2 Stellen der Ostfront genau mit dem Zeitvunkr eingctreten, an dem der Waffenstillstand adlief. Es ist kein Krieg feind­licher Volker mebr, sondern ein Sicherungs- kumpf siegreicher Staaten gegen das Banden- Unwesen und die Seuchengefohr eines zerfallenen Landes. Man hat es nicht mehr mit ehrlichen gegneri­schen Soldaten zu tun. sondern mit einer verrotteten Soldateska. Auch darauf werden sich unsere militäri­schen Stellen wohl einrichten.

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vertaq'inc, der Demobilisierung.

W. T.-B. Rotterdam, 19. Febr. (Drahtbericht.) Die „Morning Post" meldet aus Petersburg: Der Kongreß der Sowjets beschloß bi« vorläufige Vertagung der allysmernen Demobilisierung des Heeres.

Zensur- und Spionagemaßnahmen der Volkskommissare.

Berlin, 19. Febr. (Drahtbericht.) Die „B. Z." meldet aus Rotterdam von geistern: Die „Daily Mail" meldet au» Petersburg: Der Rat der Volkskommissare hat di« Wieder­einführung der Briefzenfur im Verkehr zwischen der Front und der Heimat vorübevgcchend angeordniet. Gleichgeiti; find Strafbestimmungen über Spionage in Kraft gefetzt worden. Dos russisch« Eisenbahnnetz, so weit es den Bolschewisten untersteht, «st schon seit Tagen sür jeden rrichtomtlichen Verkehr gesperrt. Mehr als 20 Generale bei ftühercn Regimes wurden amnestiert unter der Be­dingung, daß sie sich dem Rar der Volkskommissare zur Ver­fügung stellen.

Die Gewaltherrschaft der Bolschewisten in Estland.

Sr. Riga, 19. Febr. (Eig Trahtkerichl. zü.) Am 7. Februar haben die Wahlen zur konstituierenden Versamm­lung deS vere-nigten Estland begonnen. Di« bis zum

UL Sebaiax euiueaunaenen WaLIeraeduiLe eraaben eine.

Minderheit für die Mapimalisren Darauf haben diese alle weiteren W ihlen unle.'bunden und len Zusammentritt der konstituierenden Versammlung verboten.

Die Kämpfe der Weißen mit der Roten Garde in Finnland

W. T.-B. Wasa, 19. Febr. (Drahtbericht. Svenska Tele- grambyran.) Der Generalstab der Weißen' Garde meldet Unsere schwachen Posten bri Laenktpohja sind infolge der Sammlung überlegener feindlicher Abteilungen zurückgezogen worden. Der Feind zieht auch nördlich, von Tammer- f o r st größere Abteilungen mit kräftiger Artillerie zusammen. Von dem nördlichen Abschnitt ist nichts zu melden.

vie Lage auf Kaland.

W. T.-B. Stockholm, 19. Febr. (Drahtbericht. SwenSka' Telegram-Byran.) Ein amtlicher Funkspruch aus Aaland aus der späten Nacht meldet: Zwischen dem Schiffskorps und russischen Soldaten auf Aaland wurden gestern abend Schüsse gewechselt. Es scheint sich jedoch um Vorfälle örtlicher Natur zu handeln. Man hegt immer noch die Hoff­nung, daß unter Mitwirkung des finnischen Gesandten in Stockholm Gripenberg ein Übereinkommen zu er­reichen ist.

T.-B. Kopenhagen, i 9. F;be. (Drahtlericht.) Ratio- naltidende" meldet aus Stockholm: Der Kommandant des Küstenpanzerfchiffes „Thar" forderte die Rftffen aus. die Aalands-nseln zu verl risen. Die Russen sprengten die Munitionslager, in die Luft und iteckt-n die Wachstationen und tue Signalstationen auf Eckeroe in Brand.

W. T.-B. Stockholm, 19 Febr. (Drahtbericht. Svenska Telegrombyron.) Eisbrecher Nr. 11 und Dampfer „Hedindi" mit Bewachungsmannschaften sind nach Aaland abgegangen, um die finnische Schutzgrcde und die russischen Truppen weg- zufiihren. Die dritte Ecnrdition nach Harntyluoto wurde deshalb verschoben. D>iS Schießen auf Aaland hört auf.

Niederlage der polnischen Legionäre bei Minsk».

W. T.-B. Stockholm, 19. Febr. (Drahtbericht.) De Petersburger Telcgraphenagentur meldet aus Minsk unter dem 7. Februar: Gestern hat ein erbitterter Kamps zwischen den Streit k rüsten der Sowjets und den gegenrevolutionären polnischen Legionen stattgefun­den, die 2000 Mann zählten und Artillerie besaßen. Nach einem blutigen Kampf errangen die Sowjets einen voll­ständigen Sieg. Eine Abteilung von 60V Mann wurde aufgerieben und 2 Geschütze unbrauchbar gemacht.' Die pol­nische Kavallerie zog sich zurück. Die örtliche Bevölkerung begrüßte unsere Truppen, unterstützte sie und lieferte, ihnen Lebensmittel. Die polnischen Truppen sind in voller Auf­lösung.

W. T.-B. Petersburg, 19. Febr. (Drahtbericht.) In den Vorstädten von R o g st s ch e w entbrannte ein erbitterter Kampf. Vereinzelte Legionäre verschanzten sich in Befesti­gungen. Am 12. Februar wurde Rogstschew von Osten her genommen. Die Legionäre sprengten an drei Stellen die Brücke über den Dnj-epr. Die Operationen gehen weiter.

Selbstmord Kaledins?

8»-. Haag. 19. Febr, (Eig. Drchtl ericht. zb.) Reuter meldet aus Petersburg: Den Petersburger Bolschewiki wird auS Moskau gemeldet, daß nach einem von der: taurischen Sowjets eingegangenen Bericht General Kaledin Selbstmord begangen hat.

Ein Raubüberfall auf den italienischen Bot­schafter in Petersburg.

W. T.-B. Bern, 19. Febr. (Drahtbericht.) Nach einer Petersburger Meldung de» „Corriere della Sera" ist der italienische Botschafter in Petersburg an demselben Tag, wo er von Trotzky ein Entschuldigungsschreiben wegen der Aus­räubung der italienischen Botschaft erhielt, spät abends pec- sönlickf angegriffen Norden. Drei Männer, die einem Auto entstiegen, vecsv-ccten dem Wagen des Botschafters den Weg, bedrohten den Botschafter mit Revolvern und be- raubten ihn aller diplomatischer Dokumente, die er von einer Beratung der Diplomaten der Entente rn der amerikanischen Botschaft mit sich führte. Sie entwendeten ihm auch alle Wertgegenstände.

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Abberufung der Alliierten-Militärirttacbös auS dem rilmänischeu Hauptquartier.

W. T.-B, Genf, 19. Febr. (Drahtbericht.) Der „Matin" meldet: Die Militärattaches ber Alliierten im rumänischen Hauptquartier, erhielten am Samstag den AbberufnngSbefeh! ihrer Regierungen zugestellt.

verRLcktritt des enalischen Generalftabschefs

W. T.-B. London, 19. Febr. (Drahtbericht.) Im Unter­haus erklärte SEcnai Law, Lloyd George sei sehr erkältet, aber er hoffe, bis morgen über den Wechsel im Genercrlstab sich äußern zu können. Robertson hat den westlichen Komma ndobezrrk in England übernommen.

W. T.-B. London, 19. Febr, (Drahtbericht. Reuter.) Der Rücktritt des Generalstabschefs Robertson «st das Ereignis des Tages. Lloyd Georges Erklärung wird mit großer Spannung erwartet. Es wird allgemein bedauert, daß R o b e r tf o n den Geueralstab verläßt. Der liberal« «Daily

Telegraph" schreibt: Wilsons Ernennung sei ein Er­eignis von größtem Gewicht und könne -bei der jetzigen politi­schen Stimmung zu weiterer Verwicklung führen. Vielleicht gebe der Premierminister, der unwohl sei, noch heute o£er morgen im Unterhaus eine Erklärung ab, dann würde eine wichtige Debatte urrvermeidlich sein. Gerüchtwerse verlautete, -daß Lord Derby als Staatssekretär für den Krieg zurückgetreten sei. Das Gerücht wurde aber amtl'ch dementiert. Die „Times" glaubt, daß Robertsons Rücktritt dazu beitragen werde, die Luft zu säubern. Dos Matt führt aus: Dies ist der erste Schrrtt zur Durchführung der Beschlüsse von Versailles. Der Parlaments- berichterftatter der „Times" glaubt, daß das Ereignis eine gespannte parlamentorische Lage verursachen könnte. Der liberale „Daily Chrrnicle" verweist darauf, daß seit dem Be­ginn des Kriegf eine enger« Zusammenarbeit der Alliierten sür notwendig gehalten worden sei. Lloyd George hätte am liebsten alle Armeen im Westen unter einen Generalissimus gestellt, wenn sich nur ein militä­risches Genie gefunden hätte. Da ein solches fehlte, war es das beste, einen Alliierten-Kriegsrat einzusehen, der di« Einheit auf dem politischen und, so weit es möglich ist, auch auf militärischem Gebiet sichert. Der HauptanHänger des einheitlichen Oberbefehls soll Präsident Wilson sein Robertson war nicht dafür, aber die militärischen Vertreter aller anderen alliierten Mächte, einschließlich SmutS, bekamt, ten sich dazu.

Die Opfer des letzten Luftangriffes auf England.

W. T-B. London, 19. Febr. (Drahtbericht. Reuter.) Amtlich wird mxttrBei dem Luftangriff am Sonntag ind 13"Männer und 3 Frauen getötet rtnd 27 Männer nur 10 Frauen verwundet wocor».

Tagesberichte unserer verbündeten.

W. T.-B. Wien, 19. Febr. (Drahtbericht.) Amtlich ver lautet vom 19. Februar, mittags: An der Piave und im Gebiet des Monte Afolone war die Artillerie tätigkeit lebhaft. Truppen der Heeresgruppe Linsingen haben Luck kampflos beseht.

Der Chef des Generalstabs. z

W. T.-B. Koiislnnlinopti. )!>. Febr. (Drahtbericht. Amtlich:r HeeikSbericht.r An der Palästinafront hat eine» unserer JagdkommandoS einen englischen Posten ausgehohen und einen Ossi- zier und sechs Mann gefangen genommen. Sonst keine besonderen Ereignisse. _

Die polnische Sroa«.

Br. Berlin, 19 Febr. Die „Nordd. Allg. Ztg." schrribt offistös: „Don eirrem Berliner Blatt ist in einer Notiz zur polnischen Frage die Nochrich: verbreitet worden, es werde erwogen, von Polen sovrel für Deutschland akzutrennen, wie man zur strategischen Sicherheit nöti« zu haben glaube, und den Rest seinem Schicksal zu überlassen. Das Blatt fügt hinzu, daß auch das preußische S t a a t S m i n i st c r i u m sich mit diesem Plan befaßt und ihn entschieden mißlillixt habe. Nach einem vor kurzem ge. faßten Beschluß habe das Staatsniinistertum sich niit größter Ent­schiedenheit p- g e n eine Erweiterung des von Polen oe- völkerten Staat«- und ReichSgebteiS ausgesprochen. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteili wird, sind Beschlüsse darüber, was weiter aus Polen werden soll, bisher noch nicht gefaßt wrrdin Auf den Ausfall der Entscheidung wird selbstverständlich vor allem auch di« Art und Weise von Einfluß sein, wie das befreit« Polen sich gegenüber Deutschland und Österreich-Ungarn zu verhalt« gedenkt" __

Frankreich.

Der Direktor des „Journal" verhaftet.

W. T.-B. Paris, 19. Febr. (Drahtlericht. Agence HavaS.) Der Direkter des „Journal" Raymond wurde wegen Be­trügereien und Erpressung verhaftet und in das Gefängnis de la Saint« abgeführt.

Deutsches Reich.

Der Kaiser als Gratulant beim bayerischen König-Paar.

W. T.-B. München, 19. Februar. (Drahtbericht.) D'« Korrespondenz Hcffmann meldet: Der Kaiser trifft atn 19. Februar zu einem kurzen Besuch am königlichen Hof ein, um den Majestäten persönlich seine und der kaiserlichen Familie Glückwünsche zur goldenen Hochzeit auSzu-- sprechen.

Anläßlich seiner goldenen Hochzert hat der König durch einen allgemeinen Gnadenerlaß all« Verweise und Geld­strafen b:S 150 M. einschließlich, Haft, Festungshaft und Ge­fängnisstrafen bis zu 1 Monat sowie die rückständigen Kosten erlassen. Daneben sind in umfangreichem Maße noch Einzel- bkgurdigungen, insbesondere solcher Personen erfolgt, die längere Freiheitsstrafen teilweise verbüßt haben.

Das amtliche ReichStagscrsatzwahkergebni» in Kable«,-St. Goar. W. T.-B- Koblenz, 19. Febr. (Drahtbericht.) Bei der Reichs- tagSersapwahl tut Wahlkreis Koblenz (Stadt und Laudj-St. Goar am 11. Februar wurden bei 33 924 Wahlberechtigt» 9902 gültige Stimmen abgegeben. Davon entsielen aus Pfarrer Greder-Koblenz (Parteilos) 5290, aus den Generalleutnant z. D. Freiherrn v. Stem» äcker-Boppard (Zentrum! 4610 Stimmen. Zersplittert spare« 2 Stimmen.