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Dienstag, 19. Februar 1918.
kwend-klusgabe.
Nr. 84. » 66. Jahrgang.
Dünaburg und Luck besetzt!
Vormarsch im Osten!
W. T.-B. Berlin, 18. Febr., abends. (Amtlich.) Südlich von T a h u r e entwickelten sich örtliche Kämpfe.
An der groß-russischen Front haben heute 12 Uhr mittags die Feindseligkeiten begonnen. Im Vormarsch aus D ü n a b u r g ist die Düna kampflos erreicht.
Von der Ukraine zu ihrem schweren Kampf gegen die Groß-Nussen zu Hilfe gerufen, haben unsere Truppen den Bormarsch aus Richtung K o w e l angetreten.
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Der Tagesbericht vom 19. Februar.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 19. Febr. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz«
Heeresgruppe Kronprinz Rudprccht.
Nächtliche Vorstöße des Feindes im Houthonlster Wald wurden abgewiefrn.
Hillkch von fhpern und beiderseits der Searpe am Abend grsteigerterFeuerkampf.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Am Oisr-AiSne-Kanal fühlten Jnfanterieab- teilungen erfolgreiche Erkundungen durch.
Südöstlich oon T a h u r e stießen badische und thüringische Kompagnien gegen die am 13. Februar in Feindeshand ge. bliebenen Gräben vor und brachten 125 Gefangene zurück. Der Geläudegewinn wnrde vor starken feindlichen Gegen angriffen wieder aufgegeben.
Im Luftkampf wurden gestern sieben feindliche Flugzeuge abgeschosfen. Lbrrleutnant Lörzer errang feinen 21, Leutnant Udet und Leutnant Kroll errangen ihren 26. Luftsieg.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Deutsche Truppen sind gestern abend in Dünaburg e i n g e r ü ck t. Sir fanden nur wenig Widerstand. Deck Feind war gröfitenteilS geflüchtet. Die vorbereitete Sprengung der Dünabrücke ist ihm nicht gelungen.
Beiderseits von Luck sind nrsere Divisionen im Bor- marsch. Luck wnrde kampflos besetzt.
Bon den anderen Kriegsschauplätzen nicht? Neues.
Dar Erste General,uartiermeistrr: Ludendorff.
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Die Festung Dünaburg zählt zu den russischen Waftenplätzen ersten Ranges und liegt an dem See Schtschun. rechts von der Düna. Sie ist der Kreu- rungspunkt der Eisenbahnen, welch? vckn Petersburg nach Warschau, von Riga nach Witebsk und Libau nach Dünaburg führen. Die Stadt besteht aus 4 Teilen: Der Festung selbst, der großen neuen, der alten Vorstadt und dem Flecken Griwa auf dem Glacis der Brückenbefestigung, jenseits, d. h. westlich der Düna. Dünaburg war im Frieden der Sitz des Kommando? der 25. Jnfanterie-Division sowie der beiden Brigaden derselben und zählte über 100 000 Einwohner. Fernerhin war es die Garnison der 25. Feldartillerubrigade, von zwei Bataillonen Festungsactill-rie. des 1. Mörser- Artillerieregiments sowie der vier Jnfanterieregimen- ter 07 bis 100. Im Frieden hatte es eine rege Industrie, insbesondere betrieb es den Bau non Eisenbahnwagen und die Verarbeitung oon Tabak ferner Branntweinbrennereien und erfreute sich eines bedeutenden Handels sowie der Schiffahrt auf der Düna
Die strategische Bedeutung der Festimg Dünaburg besteht in ihrer Eigenschaft als Sperr- Punkt mehrerer Eisenbahnen sowie als Depotplatz der russischen Armee. _ Hisr lagerte in Friedenszeiten der größte Teil des feindlichen Belagerungsparkes. Bis zum Jahre 1910 hatte Dünaburg nur die Bedeutung einer Depotfsstiing Nachdem aber Frankreich neue Milliarden zum Ausbau bet russischen Festungen und strategischen Eisenbahnlinien an Ruß- land lieh, erhielt auch Dünaburg neue und stärkere Befestigungen. Der Haupt'chntz der Festung besteht in dem Wasserarm der D ü n a, welcher in 300 Meter Breite die Nord-, Nordwest- und Nordostfront unigibt, während auf der Südseite ausgedehnte Sumpfgürrel die Festung umgeben und eine Annäherung verhindern. Eine Eisenbahn- und Schiffbrücke vermittelt den Ufer- wechsel innerhalb der Werke. Die eigentliche Festung liegt auf dem nördlickien Ufer und besteht aus einem geschlossenen .Hauptwall mit mehreren vorgesckwbenen Werken. Auf dem linken, dem westlichen Ufer liegt der ans mehreren selbständigen Werken bestehende Brückenkopf, welcher im Frühjahr 1915 brß in die Gegend der Höhe» von Lllnrt. 6 Lilometzer westlich von
Dünaburg, erweitert wurde. In diesem Abschnitte erstanden im Laufe des Krieges zahlreiche neue Anlagen seldmäßiger Art, so daß Dünaburg ein sicherer Wasien- platz und ein ausgedehntes Sammelbecken für die Armeen der russischen Nordwest- front wurde.
Im Sommer 1915 näherte sich die damalige, Armee BeIow dem Umkreise von Dünaburg und warf den Gegner in harten Kämpfen in die Festung zurück. Starke deutsche Stellungen umspannten von drei Seiten dann Jahre lang das Vorfeld dieses Waffenplatzes. Bei allen Offensiven des östlichen Gegners, bei der im Herbst 1915 nährend der Nieder- ringung Serbiens, im Frühjahr 1916, zur Zeit unserer Verdun-Offensive, und zuletzt im Sommer 1917, während der blutigen Angriffs des russischen Revolutionsheeres, unternahmen starke feindliche Kräfte von hier ans Entlastnngsstöße und Durchbruchsversuche auf Wilna. Die mehrfachen Versuche, den Einschließungsgürtel zu sprengen, sind aber immer gescheitert. Indem jetzt Truppen deutscher Stämme die starke Dünafestung betreten, haben sie für die Säuberung der baltischen Provinzen von dem Terror der Bolschewisten eine sehr starke neue Basis gewonnen.
Andererseits zeigt die Besetzung der am Styr gelegenen Festung Luck, die in den wolbvniichen Kämpfen schon mehrfach eine wichtige Rolle svielte. daß es auch tödlicher Ernst um die Gewähruna der Hilfe ist, die seitens der Ukrainer von uns erffefit worden ist,' Bei der jämmerlichen Verfassung der russi'chen Front ist .zu erhoffen, daß e' aar nicht einmal febr vie> Zeit kosten wird, bis der ia klar geneben- Zweck der Hilfe erreicht wird. Wir dürfen ferner also wabl hassen, daß uns erhebliche Opfer in ■ diesen Itnt-'rnehmunaen erfuhrt bleiben möaen und eine Rückwirkung auf die Dis- positionen im Westen ganz unterbleiben wird.
3um Zusammentritt des Reichstags.
Br. Berlii, 10 Febr lEig Drabtbericht. zb.) Im Gegensatz zu ben gestrigen B'ättermeldungen verlautet fetzt mit großer Bestimmtheit, daß der Reichstag heute nur seine Tagesordnung erledigt und erst Donnerstag die Beratung des Friedensvertrages mit der Ukraine vornehmen wird. Dann würde auch die Rede des Staatssekretärs v. Kühlmann für bi-Vn Taa zu erwarten sein. Der Friedensvectrag würde dann sogleich dem Hauptausschuß nberwj-sen und am Freitag im Plenum besvrochen werden. Sitzungsfrei soll der Samstag bleiben. Montag wird die Beratung des Etats, cingeleitet durch eine Rede des Grafen H e r t l i n g, beginnen Man kann annehmen, daß dieses Programm gestern zwischen den Parlamentär iern und der Regierung vecsinbart wurde. Die Fraktionsführer hatten gestern lange Konferenzen mst Herrn v. P a h e r und dem Staatssekretär v. Roedern über die Steuerfragen und mit Staatssekretär v. K ü b i m a n n über die auswärtige Politik, insbesondere den Vr-strag mit der Ukraine. Bei dieser Gelegenheit hat man sich über alle in Betracht kommenden Fraaen eingehend aus wfi-wcken Heute vormittag hatten die Fraktionen mit Ausnahme der Polen und der Unabhängigen Sozialdemokr.rten, die schon gestern zusammentraten. sämtlich Sitzungen, um ihre Stcllui.gnahme zu den gestrigen Erklärungen der Regierung zu bestimmen.
L. Berlin, 19. Febr (E'g. Drahtbericht, zb.) Der Reichstag wird heute nur seine klm ne Tagesordnung erledigen und sich sodann vertagen. Von seiten der Parteien ist geplant, morgen überhaupt keine Vollsitzung stattfinden zu lassen. Der ReichshaashaltsauSsLuß, der heute nachmittag wieder um 3 Ubr zusammentritt, würde dann den ganzen morgenden Tag über d>e auswärtige Politik sprechen und Staatssekretär v. Kühlmann moigen seine Rede nur i m Ä u s s ch u h halten Tie Abreise des Herrn v. Kühlmann nach F o c s a n i ist min endgültig auf Mittwochabend mstgeseht. Her te nachmittag um 4 Ubr tveten bereit; die Vertreter der Mebihcitsvarteien zu einer neuen interfraktionellen Bespcechm.g zusammen. Ob di« Nationalliberalen daran teilnebmen, ist noch zweifelhaft. Die Fraktion hat sich, heute vormittag mit dieser Frage beschäftigt, doch wurde die Sitzung um 2 Uhr abgebrochen, ohne daß eine Abstimmung über die Frage stattgefunden hätte
Rkichstagspräsident Dr. Kaempf
Berlin, lö. Febr Über den Gesundheitszustand des Reichstags- präsidirten Tr. Kaempf sind ungünstige Nachrichten verbreitet worden. Demgegenüber stell: die „Freisinnige Zeitung" fest, daß sich das Befinden des Präsidenten wesentlich gebessert hat und dag Exzellenz Kaempf hofft, schon Ende der Woche seine Geschäfte wieder üZtexuilmtn zu könne».
Antrag auf Haftentlassung Dittmanns.
Br. Berlin. 19. Febr. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der „Vorwärts" meidet. Ter?lbg. Lcdebour hat im Reichstag den Antrag eingebracht. den Abg. D i t t m a n n für die Dauer der Sitzungsperiode des Reichstags aus der Hast zu entlassen.
slus dem preutzischen wahlrechts-- ausschuh.
W. T.-B. Berlin, 18. Febr. In der heutigen Sitzung des Wahlrechtsausschusses wurde 8 2 in folgender Fassung angenommen; Ausgeschlossen von dem Rechte zu wählen sind Personen: 1. die entmündigt sind oder unter vorläufiger Vormundschaft stehen, 2. über deren Vermögen das Konkursverfahren schwebt; 3. die der bürgerlichen Ehrenrechte entbehren; 4. denen die Fähi>lk:'t zur Bekleidung öffentlicher Ämter abgeht; 5 dre unter Polixciaufiicht stehen; 6. die während des letzten Jahres Aemenunteistützung aus öffentlichen Mitteln erhilt:n Huben. Als Armenuntcrstützüng im Sinne dieses Gesetzes gelten nicht: a) die dem Wähler oder einem seiner Angehörigen gewährte Pflege oder Unterstützung in Krankb.eitSfällen; d) Ar>gehörigen wegen körperlicher oder gÄstig-.r Gebrechen gewährte Anstaltspfiege; c) Unterstützungen, die in Fo:>.i vereinzelter Lelsiungen zur Hebung der auaenblickl'ckeii Notlrge gewährt worden sind; d) Unterstützungen, die erstattet worden sind. Hierauf folgte die Beraiunf des § 1 '„Jeder Wähler hat eine Stimme"). Der Minister des Innern führte au?: Die Tatsache, daß in Berlin n-nd 12 v. H. der Arbeiter gestreikt haben, lasse sich gegen die Einführung des gleichen Wahlrechts nicht verwerten. In der Provinz >var die Zahl erheblich geringer, für die ganze Monäccküe' wird der Prozentsatz höchstens 10 v. H. betragen. Es sei nicht möglich, den Arbeitern' in ihrer Gesamtheit, von denen 90 v. H. ihre Pflicht getan haben, infolge der letzten Vornänge die politische Reife abzusprechen. DaS Ziel der Siaatsregierung bei der Einbringung der Vorlage fei die Ausfüllung der iiznerpolitilchen Kluft gewesen. Unser nationales Leben müsse vergiftet werden, wenn das gleiche Wahlrecht nicht eingefi'brt werde.
Im weiteren Verlauf der Debatte gab der Vizepräsident de» Staatsministeriums D-. Friesberg cine Erklärung ab, in der er r. a. sagte' „Der kons-rtmtive'Antrag hat. was die Beschränkung des Wahlrechts betrifft, merr e Erwartungen noch übertroffen. Der konservativ« Abgeordnete hat den Streik herange;ei'n. um zu erläutern, wie wenig reif das Volk fiir das gleich? W lhkrecbt sei. Ich bekenne cffen. daß der Streik mit seinen Nebenwirkungen nur nicht im festen Zusammenhang mit der Wirhlrechtsvorlaoe zu stehen sckieiiit. ES dürfte nickst schwer fallen, aus den Erscheinui^gen, die der konservative Abgeorvnete anführte, genau die entgegengesetzten Folgerungen zu ziehen, die der konservative Redner getan hat. Die Kombination des allgemeinen Wahlrechts mit dem verussständigen Wahlrecht ist für die S t a g r s r e g l e r i n g unannehmbar. Sie ist nur möglich in kleinen St raten, die sich nickt zwei Kammern leisten können, nickt aber m Preußen. Sckcn die Denkschrift» mit der das konservative Ministeciirm l c !9 das Dreiklallen- wablrecht einführtr, bezeicknete die Begründung des Wabl- rockt? ans die BerufSstäiide ai? lind'.'rcksiibrbar. DaS organische Band, das der konservative Anirag verschlägt, ist nur eine St-rtist'k. Dies ist aber cine sehr unsichere Grundlage da nichts lo schwer ist, als die einzelnen tn bestimmte Berufsklassen einzurangieren. Was das vorgeschlagen« P l u r a l - Wahlrecht betrifft, so enthält es gegenüber den Kompromißvorschlägen deS verg-rngei.en Sommers eine besondere Berücksichtigilng des Grundbesitz«-?. Es enthält also einen verstärkten agrarischen Einschlag. Ich muß daher aufs neue erklären, daß die Staatsregierilng zw einer V e r st ä n d i g u n g im Rabmen der Vorlage bereit ist. daß obre das v e r » f S st ä n d i g e Wablrecht und Plnral» wahlrecht mit Zusatzstimmen fiir Einkommen und Besitz unannehmbar ist. Wenn man realpolitisch denkt, mnß man doch beruckschrigsn, daß eine königliche Botschaft norhanden ist. d>e Direktiven für die Minister enthält. Und diise werden all?» tnn, um die Ankündigung der königlichen Botschift dncchpifiihren. weil sie überzeugt sind, daß die politisch! Lage dir» erheischt."
Auf die Frag? eiiieS nationolliberalen RedsterS, welche« Zusatz stimmen unt:r Umständen die Regierung zu- stimmen würde, erklärte der Vizepröstdent des Staats- min'sieriumS: Ich würde di.-l? Frage beoniworten, wenn dies zurzeit mögl'ch wäre. Wir können diese Flog- aber nicht allein entscheiden Vor der Brrntwortung müßte erst das Staatsministerium darüber Beschluß fassen. Ich kann aber vorläufig erklären, daß gewisse Mcdiiikatio- nen auf urtürlich?: Grundlage mit dcm Rahmen der Vorlage wohl vereinbar sein können. Ob die vorgeschlagenen Modifikati inen in den Rahmen des für die Staatsregierung Annehmbaren fallen würden, das zu entscheide«^ muß dem Staats Ministerium Vorbehalten bleibe».
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