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Die ferne Zeit.

Jck> bin gewiß, daß eine Zeit kommt, in der man cber begreif.n wird, wie wir an Zauberer und Hexen glauben konnten, als an ein Recht auf angeborenen übcrsluß und angeborene Würden. Man wird bann unsere Aufklärung, unsere Religion und un'ere Litten würdigen, welche die Absonderung in geborene Herren und Diener, in geborene Reiche und Arme, in geborene Geehrte und Verachtete, in geborene Elende und Glück­liche rechtfertigen, heiligen und rühmen konnten. Man­ches andere wird diese Zeit noch schwerer begre fen, an was wir jetzt glauben oder glauben müssen, un ec der Strafe, hier ze tlich g eächtet, dort ewig verdainmt zu sein. Diese Zeit muß kommen, weil der Mensch auf­geklärter, wenn auch nicht besser wird; weil er wenig­stens in der Einsicht forlschreitct, wenn auch in allem Übrigen ficki mit ihm das iraurige Einerlei wiederholen sollte. Die Zeit ist noch fern, ich gebe es zu, und bis se kommt wird noch mehr als ein Märtyrer für den wahren Glauben buchen, der in ihr erst gelten wird. Seltsames Geschick der Menschen! Die ihnen dienten, die sich für sie aufgeopfert haben, die nichts wollten, als ihr Wohl, die nichts suchten, als Wahr­heit und Recht, haben ihr Leben unter der Hand des Henkers, in der Verbannung oder in verachteter Dürft'g'eit geendet. Leset di« Geschichte der Völker mit ihren Heiligen und Helden! Man schaudert bei dem Anblick. Es gibt kaum einen Menschen, der das G bist wich ig r Erfind ng n und nützlicher Ken-'t- nisse erweitert, der sich durch große Gaben des Gei­stes, durch große Tugend n und TA n ausgezeichnet, den nickt Haß, Neid, Bosheit, Aberglaube oder Dumm­heit, so v el sie es vermocht, unglücklich gemacht hätten. Alles BorzügUche ist immer ein Gegenstand der Ver­folgung gewesen.

_ Ioh. Weitzel (1858).

Ein ausgerotteter Räuber in Alt- Nassaus Bergen und Waldungen.

Von E. Rcuhaus.

V— s— sch—wss—ch—hui—schu—huu-! Wie in Alt-

Nas'ans Wald — Dort der Sturmwind braust! — Wodans­wetter und mittelalterlicher Hexensabbat. Nichts erinnert uns mehr an die nebelhafte Urzeit und graue Vergangen­heit unserer Heimat als der Spätherbst mit seinem wolken- schwerm Hummel, dem Unwetter und all seinen gruseligen Begleiterscheinungen und sagenhaften Wettergestalten aus Allvaters wildem Heer. — In dies grauenhafte Natur­konzert gehört auch so recht der unheimliche, durchdringende Schrei des Uhu oder Schuhu (ein Idiom des Nassauer Landes), sein widerliches, teuflisches Kichern und heiseres Zischen. Es ist eine unzertrennliche Beigabe zu Sturm, Schneewehn und Gewitternächten. Schon sein Name er­weckt heimliches Grauen und Gruseln.

Vielleicht sind es nur das Nachwirken übererbter, vor­zeitlicher Gespensterfnrcht und der Erzählungen unserer Vor­eltern und Ahnen oder das Grauen vor dem fast Unbe­kannten, welche das Andenken an den setzt in Nassaus Gauen ausger ttet n Raubvogel begleitet Un'ere Vorfahren, die uns in trauten Winterstunden noch so vieles von ihm zu erzählen wußten, kannten ihn ehemals besser, den Un­hold der Äquinoktialnächte.

Jedenfalls war unsere Heimat mit ihren zerklüfteten Bergm und wildverwachsenen Schluchten außerordentlich zum Aufenthalt des nächtlichen Räubers geeignet, und er blieb ein eigenartiges Glied derselben — bis zu dem Zeitpunkt, da es durch die Holzungen in den Hochwäldern und Felsen­massen licht wurde, — wie alles andere Raubgetier seiner Sippe, Adler, Fischgeier, Kolkraben und Weihen am Tage und den prankenbewehrten Bären, Luxen, Wildkatzen und Wölfen, seinen vierbeinigen Raubgesellen in finsterer Nacht. Und doch hat es längere Zeit gewährt als bei allen anderen, bis auch er geschwunden ist und nur noch als grauenhafter Märchenvogel mit den andern Räubern des Waldes von uns dauernden Abschied genommen hat.

Im Grunde genommen ist nur seine rostbraune, schwarz- geschaftete Varietät ein deutscher und mau kann wohl sagen speziell Alt-Nassauer Raubvogel gewesen, denn das Ver­breitungsgebiet einer viel größeren und helleren Abart er­streckt sich auch heute noch über die mächtigen Waldungen Ostpreußens, Litauens und Polens. Auch in Württem­berg, in der ganzen Albkette und im Schwarzwald sind, wenn auch schon selten, noch Reste dieses Urwaldvogels zu finden.

Die Wiege des Wvdansknlts, die hochstämmigen Wälder des Feldbergs, Altkönigs und die zerrissenen und zerklüf­teten Berge und Klippen der Rheinufer und deren Seiten­täler warm vordem sein bevorz"gter Aufenthalt. Wenn dort der HerbÜsturm durch die starken, weitausgreifenden Äste altknorriger Eichen und wetterharter, verharzter Lichten fegte, — sich mit sirenenhaften, heulenden, knarrenden und ohnmächtig ersterbenden Wetterlauten in die Hohlräume der Ruinen zwängte oder mit höllenhaftem Poltern und Toben dort einen Arrsweg suchte, — war es so recht seine Zeit, den ländlichen Bewohnern durch sein geräusch­loses, geisterhaftes Erscheinen und den nervenlähmenden Raubschrei Furcht und Entsetzen einzuprägen. Da mag es wohl auch vorgekommen sein, daß er auf dunkeln und schm"l n Wa d- und Gebirgspfaden den einzelnen Wanderer überfiel und mit haarscharfen Kraliendolchen und wehr­haften Schnabelhieben das Fleisch zerhackte. Unmöglich war dies nicht. Ist es doch erst einige Jahre her, daß ein der­artiger Fall sich in Steiermark am hellichten Tage zuge­tragen hat. Der Überfallene konnte sich senres Feindes n'chl erwehren, und erst Hinzneilenden gelang es, den wüten­den Raubvogel zu erschlagen. Ebenso konnte auch in Nassaus Gauen der hungrige Mordgeselle einmal sein Opfer unter den Menschen suchen, und jedenfalls haben derartige Zu­fälle dazu beigetragen, seinen ohnehin schlechten Ruf bis zu dem einer Harpyie und Unholdes unserer Heimat zu crhöhm Er wurde zum Schrecken der Alt-Nassauer Gebirge und Waldung-n: Jetzt allerdings wird man derartiges nicht m-hr hören, denn die wenigen, noch vorhandenen Exemplare finden bei unserem gehegten Wildstand des Fraßes genug. Andererseits sind aber auch seine ersteiglichen Horste für manchen armen Teufel ein ,,Tischlein deck dich" gewesen, und der Uhu und seine Brut mußten mit Abfällen, Ratten und Mäusen vorlieb nehmen.

Nach meinen Erfahrungen und Erkundungen war der Uhu nocy bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts an der Lorelei, den Leien des Lahntales und seiner Um­gebung sowie im Hinterland, dem Gebiet anderer nun auch säst ausg"storbener Vertreter der U Wald- und Eiszeit lAner- babn. Eisvogel und Steinsperling), zu finden. Der mürrische Ges lle liebte die Einsamkeit. Stellen, die selten eines Men­schen Fuß betrat, unersteigliche Gebirgsklippen, die wie vorgestreckte Zungen und Felsennasen aus den wetter- schwarzen Schiefermassen sich wildtrotzig loslösten und für