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Zreilag, 15. Februar 1918.
Morgen-Ausgabe.
Nr» 77. . 66. Jahrgang.
vom verlauf der beiden letzten Sitzungen in vrest-L/towsK.
W. T.-B. Berlin, 14. Febr. (Drahtbericht.) über ben «erlauf der beiden letzten Sitzungen der deutsch-österreichisch, ungarischen-russischen Kommission zur Regelung der politt- schen und territorialen Fragen, die mit der bekannten Lr> klärung Trotzkys ihren Abschluß fanden, wird nachtrag.lch noch folgendes bekannt: Die Sitzung der Kommffswn vom
b. Februar leitete
Staatssekretär Kühlmann
oamit ein. daß er die in' Aussicht gestellte z u s a m m e n - fassende Darlegung über das Ergebnis der bisherigen Besprechungen gab. Lhne auf alle Einzelheiten einzugehen, stellte der Staatssekretär fest daß eine erhebliche Annähe. tur.g bet l-cibcrfeiticjen Standpunkte auch durch oie sehr eingehende Debatte nicht habe erzielt werden können. Er perfönlieb habe nicht den Eindruck, als ob eine weitere Er- örterung auf der bisber von beiden Parteien angenommenen Grundlage einen günstigeren Erfolg versprechen könnte, als bisber die Verhandlungen gehabt haben. Es ergebe sich ohne weiteres ans der ganzen Sachlage, daß eine unnm- schränkte Ausdehnung von Verhandlungen, die keine Aussicht auf Erfolg versprächen, nicht ins Auge gefaßt werde. Venn er heute nochmals das gesamte Problem zur Besprechung stellte, geschehe es in der Absicht, ausfindig zu machen, w o sich etwa noch ein Weg zur Verständigung finden lc-fle. Der Vollständigkeit halber wolle er bemerken, daß Me rrchtspolitischen Fragen zwischen den Spezialkommrssionen bereits eine eingebende Erörterung gefunden hätten, so daß im Falle einer Einigung über die politischen Fragen der Ab- schluß auf dieiem Gebiet hoffentlich keine ernsten Schwierig, kriten bieten wird Auf dem Gebiete der Hände.?- i r a g e n sei man noch nicht so weit gekommen, aber auch hier sei eine befriedigende Lösung nicht ausgeschlossen.
Der Minister des Äußern
Graf Czernin
führte darauf auS: Seit Wochen beschäftige man sich mit einer unfruchtbaren Erörterung darüber, wie gewisse territoriale Veränderungen an der russischen Westgrenze zu qualifizieren seien. Ern noch so lanctcS Hinausziehen tiefer in ibrem Wesen theoretischen Erörterung biete wenig Aussicht aus eine Einigung, die vom Standpunkt eines Friedens auch wirklich nötig sei. Es« scheine ihm auf Grund der bisberigen Diskussion keineswegs festzustehen, daß sich bezüglich dieser Veränderungen selbst eine Einigung nicht er. zielen lassen werde. Er schlage deshalb vor. di« Frage offen zu lassen, wo geplante Änderungen aufzufassen seien, und. ohne diese Frage zu becübren, festzustellen, ob die Ge. staltung dieser Veränderungen tatsächlich zum Abschluß eines Friedens Hindernisse in den Weg legen würden oder nicht.
Heer Trotz»«
entgegnete: Vom russischen Standpunkt sei die Anwendung, welche die Gegenparteien dem Grundsatz des Selbstbe- stimmungsrechts der Völker geben wollen, glerchbe. deutend mit der A b l e b n n » g dieses Grundsatzes. Infolge- dessen fei die Erörterung auf der Grundlage dieses Prinzips allerdings hoffnungslos gewesen. Wenn er sich der Frage nach der Bedeutung der gemäß den Vorschlägen der Gegenpartei für Rußland vorgesehenen neuen West, grenze zuwende, so müsse er darauf Hinweisen, daß die geplante neue Grenzfuhrung von Gesichtspunkten militärischer und strategischer Rücksicht beurteilr werden müsse. Das müsse er den militärischen Beiräten der Delegation uberlassen. sei aber jetzt eine neue Schwierigkeit entstanden di-rch die Stellungnahme des Viecbnndes gegenüber der Ukraine. Die ukrainische Volksrepublik sei vom Vierbund anerkannt worden, ja, wie er höre, hätten die Vertreter des Viecbnndrs mit den Bevollmächtigten des Kiewer Rates einen Friedensvertrag unterzeichnet. rn welchem angeblich die Abgrenzung der ukrainischen Gebiete behaiidelt lei. R-tzner protestierte in eingehenden Dar. legnngen gegen dieses Vorgehen der Mächte des Vierbundes und bemerkte u. a.: Diese Handlungsweise müsse Zweifel
Hervorrufen, ob die Mittelmächte zu einer Verständigung mit der Regierung de» föderativen Rußland gelangen wollten. Er erklärte deshalb, daß der angeblich Unterzeichnete Vertrag mit der Kiewer Rada für das ukrainische Volk und für die Regie- rnng von ganz Rußland keinerlei Geltung haben
^ llrrttt Bezug auf die Bemerkung der Herrn Trotzky, daß di« als russische Grenze in Aussicht genommene Grriijlmte der Besprechungen durch Sachverständig bedürfe, machte
Staatssekretär v. Kühlman«
nun den Derschlag. die Frage der Gr en ,ziehung einer Unter, kommislion zu überweisen, die am Schluß der Sitzung zu bilden wäre und in einer cus ten folgenden Tag anzuberaumenden Sitzung der politischen Kommission Über das Ergebnis ihrer Be. sprechungen zu berichten batte. ES ergebe sich — so fuhr Herr von Sühlmann fort — aus der Wichtigkeit und der grundlegenden Be- deutung der von dieser Unterkommission zu bebandelnden Frage ohne weiteres, daß der Bericht dieses Unterausschusies für das wertere Schicksal der Verhandlungen von ausschlaggebender Be. deutung sei» werde Wenn er mit einigen Worten auf die bei der Grenzziehung maßgebenden allgememen Gesichtspunkte ein- «he sr geschehe dte» deshalb, weil in der Unterkommissio» rn erster Linie die t e ch n i i ch e F r a g e zur Besprechung kommen solle. Ber 4a Zichima d» Srnustme, Wie Ae ftvctai feo v erW i de« » da
russischen Delegation vorgeschlagen sei. seien m erster Lrme Volk s ch e Gesichtspunkte n-oßgebcnd gewesen. ES se» der Versuch gemacht worden, für Polen. Kurland und 8ttaue« die. jenigen Grenzen zu finden, welch- der geschichtlichen Abgrenzung und der ethncaropbilcheii Lag« am besten entsprechen. Die deutsche Politik werde auch dem neurrganisierten Rußland gegenüber rmmer em sreundnachbarliches Verhältnis anstr-b-n unter Der- m e i d v n g der E t n m i s ch u n g in ferne inneren Verhältnisse. so- bald dieser Friede emen befriedigenden Abschluß gepunoen haben
^^Fu den Ausführungen des Volkskommissars über die Haltung der Mittelmöchte gegenüber der ukr ai n ifch en Vo lkSr epu- blik bemerk« fc. Kühlwann, der Vierbund muffe sich Vorbehalten, selbst darüber Richter zu sein, welche Staaten er anzuerkennen für gilt befinde Tie Mächte des Bierbundes hätten in der Tat «nt den Vertretern der ulroinischen Volksrepublik einen Frieden s v e r - trag abocsch leisen, der das Datum des heutigen Tagev trage' Hieraus ergeben sich für die Vttttelmächte ohne werteres dre nötigen Folgerungen.
ZtaatssekretS r v. Xvhlmann über die ErdlÄrung Erotzstys.
D. Berlin, 14. Febr. (Eig. Drähtbericht. zb.) Wie wir von zuständiger Seite erfohven, hat Staatssekretär v. Kühl- mann die Erklärung Trotzkys. daß der Kriegszustand beendet sei rn folgender Weise charakterisiert: Durch deu Waffenstillstand waren aktive Kriegsoperationen eingestellt, durch den Wegfall des Waffenstillstands wurde der K r i e g a u t o m a - tisch wieder auHeten. Im Waffenstillstands-Vertrag war als Zweck des Vertrags der Abschluß des g Heben § angegeben. Verschwindet dieser Zweck, >o tritt nach Ablauf der vorgesehenen Frist der Kriegs zu- stand w-eder rn Kraft. Die Taffache, daß eine der beiden Armeen demobilisiert, ändert weder tatsächlich odey, rechtlich an dem Kriegszustand etwas. Trotzky hat auf diese Äußerung deS Freiherrn v. Kühlmann nicht geant- wartet. —
Dank des Kaisers Karl.
Br. Wien, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Kaiser bot aus Anlaß des Friedensschlusses mit der Ukraine ein Manifest erlassen, in dem er den Truvpen für ihre Tapfer- keit dankt und. da? Vertrauen ausspricht, daß nach dem ersten, für die Mittelmächte so erfreulichen Friedensschluß bald der allgemeine sriede der leidenden Menschhat vergönnt sein werde.
Ein zuversichtlicher Ausspruch Czernins.
\V. T.-B. Wien, 14. Febr. (Drahtbericht.) Graf Czernin ist heute nachmittag auS Brest-Litowsk hier eingetroffen. In d»r Zufahrtsstraße zum Bahnhof hatte sich ein zahlreiches Publikum angesammelt, das dem Minister einen außerordentlich herzlichen Empfang bereitete. Im Bahnhof selbst, wo die Gemeindevertretung zur Begrüßung erschien, begrüßte Bürgermeister Weißkirchner den Minister mit einer Ansprache, aus die Czernin mit warmen Worten er- toiberte Er feierte das Heer und den Kaiser, würdigte die Bedeutung deS Brester Friedens und schloß mtt dem Ausdruck der Überzeugung: „Noch etwas durch-
halten und der ehrenvolle allgemeine Friede wird
ert Brf ©Ten! 14. Febr. (Eig. Drähtbericht. zb.) Gr«! Czernin hat die Absicht, aus die Boffchast deS Präsidenten Wilson in der nächsten Zeit zu antworten.
Nach neutralem Urteil: ein Meisterstück der deutschen Diplomatie.
DaS Berner Tagklatt" vom. 11. Februar schreibt über den Reeden im Osten Man bat der deutschen D, plomat > e vor- oewotstli sie sei unoesänckt und habe «S verschuldet, daß Deutschland mit der aanzen Welt verfeindet worden sei. Wir wollen nicht unter- suben ob dieses Urteil gerecht sei. Da? aber müssen auch die Feinde Deutschlands zugcstkben. dieser Abschluß mit der Ukraine, unter Kaltstellung des oksizielten Rußland, war ein Meisterstück Während in Paris die Abgesandten der Entente wieder einmal di« innig- Einheit ihrer Front beschlossen, während Minister LevcneS den erfreuten Kollegen verkündete. Deutschland habe o«. kanntlick den Krieg verloren und es handele sich nur noch darum, die verlorenen Provinzen zurückzunehmen, während ungeheure Massen von Soldaten und Matei ial auf allen Bahnen gegen Westen rollen, um endlich den entscheidenden Schlag zu führen, hat di« deuffch- österreichisch« Diplomatie einen tatsächlichen Sieg er. r u n a e il. der sich binnen kürzester Zeit auch als militärischer Sieg aurwtrken wird.
l vemobilisierung der ukrainischen Truppen.
I Br. Basel, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Neue Kcrrespondenz meldet von der finnischen Grenze: Die
ukrainische Rada hat soeben die sofortige Demobilisierung der Armee verkündet und die Räumung des ukraiwi- schen Gebiets von den russischep Truppen ungeordnet.
Vie maxrmalistische Gewaltherrschaft in Livland und Estland.
Br. Riga. 14. Febr. lEig. Drahtbericht, zb.) Wie auS Ri«, berichtet wird, eilt die Lage der von Deutschland ihre Rettung erhoffenden Deutschen und Esten in Livland und Ei'tland der Katastrophe zu. wenn nicht in letzter Stund« Rettung kommt. In Reval sind von den Max,mallsten £000 Deutsche uab Etzen vertzajtet »orbaw Des
Frauen befinden sich, von ihren Kindern getrennt, im Schloß die Männer in Kinos. In Dorpat wurden etwa -äöt Männer verhaftet. Weitere Verhaftungen sind aus sellin gemeldet. Der gesamte deutsche Adel ist für oogelsrei erklärt. ■
England.
Vor einer englischen Kabinettskrise?
W. T.-B. Rotterdam, 14. Febr. (Drahtbericht.) Dem „Nieuwe Rotterd. Courant" zufolge versuchen einige Blatts, vor allem der radikale „Star", den Eindruck zu erwecken, daß die Stellung des Kabinetts stark erschüttert ist. Es ist kein Zweifel baran, daß das Ansehen Lloyd Georges im Unterhaus gestern einen K n i ck bekommen fyrt-
Eine neue englische 40 -Milliarvenanleihe.
Berlin, 14. Febr. (zb.) Im März wird England eine neue arotze Kricgsanleihe ausschreiben. Es handelt sich die-- mal um 4b Milliarden Schilling. England ie, ge- nötigt, heißt es, auch den Geldbedarf von zwei anderen alliierten Staaten zu sichern.
Verhaftung des Militärkritikers Oberst Rrpinglon.
KWS. Haag, 14. Febr. (Eig. Drähtbericht. zb.) Dre Verhaftung des Militärkrittkers der „Morning Post" Oberst R e p i n g t o n wegen der gesetzwidrigen Veröffentlichung der angeblichen geheimen Beschlüsse des V e rff a i l l e r KrieySratl hat großes Aufsehen erregt. Man erblickt hierin wiederum die geheimen Einflüsse, di« Lord Northcliffe auf Lloyt George und auf die britische Negierung im allgemeinen ausübt. So lange Repington fiir die „Times" schrieb, konnte er machen, was er wollte. Jetzt erfolgte sofort sei»! Verhaftung, weil er zu der „Morning Post" übergegangen ist
Eine Rede Valfours.
N5W. Haag, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Balso ur sagte im Unterhaus- Min nimmt an, daß de, Zweck der Zusammenkunft in Versailles der gs wesen ist, eine allgemeine Übersicht der politischen Lage i« Europr zu erhalten, zu gleicher Zeit einen Überblick Über d« allgemeinen Umstände und die allgemeinen ^diplomatische, Beziehungen zwischen den kriegftihrenden Ländern zu gewinnen, und daß die Versammlung sich mit weiteren Fragen vor die sich die Alliierten gestellt sehen, nicht beschäfttgt hctti DaS ist ein großer Irrtum. Der Oberste Kriegsrat i, VersailleL. ist ^usamm?Mtceten, um sich mit den groß^ Problemen zu beschäfttgen. Es trifft vollkommen zu, das Mitteilungen gemacht wurden, deren Schlußfolgernngen aus den Reden CzerninS und HertlingS gezogen werben konnten. Der Kriegsrat hat aber keineswegs versucht, eine Übersicht der Kciegszitte herzustellen. Dazu ist er nicht zu- kammengetreten, und außerdem konnte er es auch nicht. Amerika ist in Versailles durch einen militärischen Berater vertreten gewesen und konnte über politische Fragen nicht mitsprechen. England war ebensowenig in Dev- saillcd zu Verhandlungen in politischen Fragen. Falls die Friedensbedingungen in dieser Konferenz zur Sprache gekommen wären, so wäre eö notwendig gewesen, daß das Auswärtige Amt jedes der alliierten Länder bab«, vertreten gewesen wäre. Aber ich. Balfour, war nicht da, und ebensowenig ein Vertreter. Es ist vollkommen klar, weshalb die engliscbe Diplomatie dort nicht anwesend war. Die ®t> klärung dafür ist die, daß kein Problem behandelt wurde und »ein Beschluß gefaßt worden ist. der mit den diplomatischen Fragen zusammenhängt Es ist aber richtig, daß der Kmegs- rat die Reden Hertlinqs und Czecnins besprochen hat und barau? die Schlußfolgerung zog, daß kein Anhalts- pnnkt für Frieden saussicht darin vorhanden fft und daß deshalb die militärischen Maßnahmen, die ge- troffen werden mußten, um so wichttger waren. Der Kriegs, rat bat die Reden Hertlings und Czernins besprochen und war nicht imstande, darin eine wahrhafte Annäherung an die gemäßigten Bedingungen der Alliierten festzustellen. Eben- kr wenig hat Wilsö'n etwas gesagt, was eine Annäherung cn Czernin bedeutet. Es ist nur richtig, daß Wilson m berechtigter Weise feststellt, daß die Rede von Czernin eine» milderen Ton als die des Ciraf-n Hertffng hat ES ist viÄ. fach auch wahr, daß Czernin Erklärungen abgab, welche nicht miteinander vereinbar waren und die offenbar mtt TerlM der Rede Hertlings übereinsffmmen. Wilson war vollkommen berechttgt. auf den Unteffchied des Tones hinzuweisen.
Der Inleralliierlenral-
W. T.-B. London, 14. Febr. (Drahtbericht. Reuter.) Der Interolliiertenrat für die Führung des Kriegs und für die Finanzen hat fern« Februarsitzung beendet. Die Programme
fiir die Erfordernisse im Februar und Marz find von den Regierungen von Großbritannien, Frankreich und Italien vorgelegt und vom Rat erörtert worden. Diese Pro. «ramme umfassen K r e d i t a n s p r ü ch e an das Schatzamt der Vereinigten Staaten in einem Umfang, von un- gefähr 1 Milliarde Dollar.
Eine gemeinsame Ententekonferenz für die Friedens- bedingnngen.
Berlin, 14. Febr. lzb.i Französische Blätter melden, daß eine Einladung Wilsons an die Alliierten zu einer ge. meinsamen Konferenz zur 3-ÄM.Ng der FrisdenSbeüuPuw,
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