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Verlag Langgafse 21

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Donnerstag» 14. Februar 1918.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 76. » 66. Jahrgang.

vie polnische Demonstration.

Die Polen sind entrüstet, und zwar sowohldieser- halb wie jenerhalb". Nämlich erstens im allgemeinen, weil die Regelung der Ostfragen sich nicht nach den Wünschen der Groß polen vollzieht, die doch zur Förderung dieser Lösung nichts, rein gar nichts getan haben, und im besonderen, weil bei dem Friedensschlutz zwischen den Mittelmächten und der Ukraine dieser das heißumstrittene Gouvernement Cholm zuge­sprochen worden ist. Merkwürdig genug, die Polen, welche sich sonst so für das Selbstbestimmungsrecht der Völker begeisterten, wollen gerade auf Cholm, dessen Bevölkerung aus ethnographischen Grün­den den Anschluß an die Ukraine forderte, das historische Prinzip anwenden, weil das in ihren Kram paßt. Im übrigen muß man sagen, daß die Polen um so mehr Ansprüche erheben, je weni­ger sie, zu deren Rechtfertigung getan haben, und daß man bei ihnen völlig die Erkenntnis vermissen muß, wie sehr sie ihre Freiheit, ihre Staatswerdung doch lediglich unseren Siegen verdanken. Woraus wir gleich die Schlußfolgerung ziehen möchten, daß, wie wir wiederholt betont Hallen, unsere Polenpolitik in dem Weltkriege von vornherein auf dem Irrwege war.

Also die, Polen demonstrieren. Das Kabinett Kucharczewski, das auf Grund des Patentes vom 12. September 1917 eingesetzt worden war, hat d e- missioniert, und gleichzeitig sind in Ö st e r r e i ch die Polen mitfühlenderweise in die offene Oppositon übergegangen. Das ohnehin wackelnde Kabinett S e i d I e r ist damit in eine üble Lage geraten, denn mit den 94 Tschechen, 31 Südslawen, 15 Italienern und den oppositionellen Parteilosen bilden die 77 Polen eine Phalanx, von 217 Stimmen gegen die Regierung, wäh- rend die 171 Mann starken deutsch- bürgerlichen Parteien mit den. Ukrainern und den sonst noch für, die Regierung rekrutierbaren Abgeordneten nur 212 Stimmen zählen, so daß die Entscheidung, ob dem Kabinett das Budget-Provisorium bewilligt werden wird, bei den Sozialdemokraten liegt, die bisher stets gegen das Budget stimmten. Ae österreichische Regierung, der, wenn die Polen in der Opposition verharren, nur die Auslö sung des Abgeordnetenhauses übrig bliebe, erntet jetzt die Früchte davon, daß sie von jeher allen Aspfiatienen der Polen ebenso entgegen kam wie denen der Tschechen, mit denen sie trotz deren notorisch landesverräterischen Verhaltens auch jetzt noch zu paktieren sucht.

Doch das sind innervolitische Fragen, die uns nicht direkt angehen, denn wir müssen ja auch das Selbst- bestimmungsrecht des österreichischen Völkergemisches anerkennen- Dagegen fällt, was jetzt in Kongreßpolen vor sich geht, in den Rahmen unserer Interessen, denn es hängt eng mit der Geiamtregelung des Ost­frontbündels zusammen. Überraschend ist uns 'die Warschauer Demonstration nicht gekommen, denn die polnische Regierung hatte bereits am 30. Januar er­klärt, daß, wenn die Mitwirkung der Polen nicht zugs­lassen würde,alle Verhandlunaen, die das Los Polens bestimmen, von der polnischen Nation ils nicht ver­pflichtend anerkannt würden" Man hat also in Wien wie in Berlin mit dem polnischen Protest gerech­net, und wenn die Regierungen der beiden Kaiserreiche trotzdem den Vertrag mir der Ukraine in der verein­barten Form geschlossen haben, so geht daraus hervor, daß man dem Protest der Polen nicht das Gewicht bei­legt, das sie selbst ihm zumessen.

Im übrigen löffeln die Polen nur die Suppe aus, die sie sich selbst eingebrockt haben. Sie glaubten am klügsten zu bandeln, wenn sie sich nach keiner Seite binden, wollten sich nicht einmal auf die formelle Anerkennung der Unantastbarkeit des preu­ßischen Besitz st andes verpflichten und hinter­trieben die A u f st e l l u n g des polnischen He e r e s, wähernd sie jetzt die Früchts unserer Sieg« ernten wollen. Aber da wird man ihnen ein Halt zurufen, und wenn sie gar, wie aus dem Eintref­fen der drei Abgeordneten des Kommandanten der pol­nischen Truppen in Rußlandin besonderer Misiion" in Warschau zu schließen ist, sich mir dem Gedanken tragen, ihre etwaigen Ansprüche durch den Z u s a m m e n- schluß mit den Trupven des Generals Doubor- Musnicki durchzusetzen, io würden sie damit ein g c- fährliches Spiel spielen und zugleich ein Hoff- n u n g s l o 1 e s. Denn noch stehen unsere siegreichen Truppen in den besetzten Gebieten.

Auch würden die Polen sich zugleich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie sich weiter in den Schmoll­winkel zurückziehen. Brauchen wir doch nur daran zu erinnern, daß nach der Regelung der ukrainischen gerade jetzt die der litauischen Frage bevorsteht, wobei die Litauer sich auf den vernünftigen realpolitischen Stand­punkt stellen, daß sie ihre staatliche Entwicklung am

besten im Einvernehmen mit und im engen Anschluß an uns fördern und sichern können. Wenn die Polen ihre Demonstrationstaktik fortsetzen. und. wie es den Anschein hat, auch der polnische Regentschaftsrat dabei tätig oder wenigstens in passiver Resistenz mitinachen will, so werden wahrlich nicht wir. sondern die Polen die Leidtragenden sein, die ibre staatlichen Zukunfts- Möglichkeiten ernstlich gefährden, wenn sie sich etwa von der Agitation der B o ! s ch e w i k i, die sich selbst nicht helfen können, oder von den billigen Phrasen des weit vom Schuß befindlichen Großsprechers W i l so n kurz­sichtig und leichtfertig verleiten ließen.

Der Tagesbericht vom 14. Zebruar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 14. Febr. (Amtlich.)

West lieber St '-'««t-SirfirtmjTnft Engländer und Franzosen setzten an vielen Stellen der Front ihre Erkundungen fort. Nördlich von Lens und in der Champagne kam es dabei zu heftigen Kämpfen. In einem vorspringenden Teil unserer Stellung südöstlich von T a h u r e haben sich die Franzosen festgesetzt.

Eigene Infanterie brachte in Flandern und auf den Maashöhen Gefangene ein.

Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalqnarticrmeister: Ludcndorff.

33 000 Tonnen im östlichen Mittelmeer.

W. T.-B. Berlin, 13. Febr. (Amtlich.) Durch Versenkung von

33 600 Bruttoregistertonnen

erlitt der Tran Sportverkehr unserer Feinde im öst­lichen Mittelmeer eine empfindliche Einbuße. Es han­delt sich hauptsächlich um nach dem Orient bestimmte Trans­porte. Den Hauptanteil an dem stärkster Gegenwehr zum Trctz erzielten Erfolg ha: Kapitänleutnant Spieß.

Fünf Dampfer wurden aus Geleitzügenlberausge- schossen, zwei davon unmittelbar vor dem Hafen von Alexandria. Unter den übrigen versenkten Dampfern befand sich &*§ erst 1916 gebaute MotorschiffGlomancy" (7269 Bruttoregistertonn.en). Ein Dampfer hatte Baumwolle nach Marseille geladen, wie sich aus der Aufschrift an der Unter- gangsstelle treibender Baumwollballen ergab.

An Segelschiffen wurden vernichtet: Die englischen Seg­leriApostoles Andreas" undDskiarchis".

Ter Chef des Admirafftabs 'der Marine.

Zurückziehung englischer Soldaten für den Schiffsbau!

Sr. Bafel, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) LautBasler Nachr." wird aus London gemeldet, daß gegenwärtig 20 000 englische Soldaten von der Armee zurückgezogen werden, um im Schiffsbau verwendet zu werden.

Rußland.

Dergrößte deutsche Sieg im Weltkrieg".

W. T.-B. Christiunia, 13. Febr. Der Friedensschluß mit der Ukraine ilnd das Aushöcrn des Kriegszustandes mit Ruß­land haben hier den allergrößten Eindruck gemacht und werden von der gesamten Presse in Überschriften.Töie: Rußland kapituliert und schließt einen Frieden ohnr Be­dingungen", hervorgehoben. Auch rn redaktionellen 'Artikeln wird dies als der größte deutsche Sieg im Weltkriege bezeichnet, der den Untergang für Rußland und den Anfang vom Ende für den Bolschewismus bedeute.

wachsende Unzufriedenheit über die Verschleppung des Friedens in peterrburg.

8. Strckholm, 13. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Aus hwfigen russischen bürgerlichen Kreisen erfahre ich, daß in Petersburg die Unzufriedenheit mit der Verschleppung des Friedens noch immer zunimmt. Allgemein^ urteilt man in der Öffentlichkeit sehr hart über TrotzkHs Ver­halten bei den Brester Verhandlungen, welche Rußland zum Unglück werden würden. Viele Politiker erkennen allzu deutlich die drohende Gefahr, daß infolge der Ereignisse der letzten Tage die Ukraine die führende Stelle unter den russischen Republiken einnehmen wird und Nordrußland nur eine bescheidene Rolle wird spielen müssen. Ich erfahre ferner, daß bereits kurz nach der Auflösung der Konstituante sich ein geheimer Ausschuß von bürgerlichen, sozial- revolutionären Politikern gebildet hatte, welcher einen Frie­den erstrebt in dem Sinne, wie chn jetzt die Ukrainer abge­schlossen Hecken.

Ern südrussischer Verband zur Verteidigung gegen die Maximalisten.

Br. Schweizer Grenze, 14. Febr. (Eig. Dvabtbericht. zb.) Der russische Mitarbeiter desBerner Bund" erfahrt, daß in Jekoterinoslaw Unterhandlungen geführt würden, um einen südruffischen Verband zrir Verteidigung gegen die Diaxuna- listen zu schassen. Diese Verhandlungen seien zu b e f r i e - drg^:u--d«-m Abschluß gelangt. Alle südrujsfichtzo Repu­

bliken werden gemeinsam gegen die Bolschewiki Vorgehen. Vorläufig wird eine gemeinsame Gendacnierie oder eine ge­meinsame Armee zu dem Zweck gebildet, Südrußland von den Maximalisten zu befreien.

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Die Schreckensherrschaft der Roten Garde in Südfinnland.

W. T.-B. Stockholm, 13. Febr.Aftonbladet" meldet aus Haftaranda, daß die Schreckensherrschaft der Roten Garde in Südfinnland unvermindert fortbefteht. Täglich er­folgen neue Morde. Um die Toten für ihre Angehöri­gen unkenntlich zu Wachen, werden ihye Gesichter zerschnitten. In Kervo bei Helfingfors wurde eine Ab­teilung von Schutzgardisten überfallen. Dabei verhinderte die Rote Garde die Ankunft von Ambulanzen, die die Verwunde­ten retten wollten. Dem gleichen schwedischen Blatt meldet ein Berichterstatter aus Seinajoki, daß die weißen Schutz- truppen jetzt auch über einen Flieger verfügen. Graf Mannerheim hat von ungefähr 200 russischen Offs, zieren Dienstangebote erhalten, doch habe der General er­klärt, daß er bei den finnischen Regierungstruppen grundsätz­lich keine russischen Offiziere einstelle. Sie könnten nur als Freiwillige.im Dienst Verwendung finden. Nach einem Telegramm aus Basa anAftonbladet" hat das Bezirks- komiiee alle russischen Truppen aufgefordert, die-Rote Garde zu unterstützen. Infolgedessen nehmen ganze Tvuppenabtei» lungen am Kampf teil. Demgegenüber hat General Manner­heim eine Proklamation erlassen, daß für jeden ermor­deten Finnen drei Russen hingerichtet werden. Soldaten in Zivil werden als Spione erschossen. In Helfing­fors wurde ein revolutionäres Gericht eingesetzt, das die Be­amten mit der Todesstrafe bedroht, falls sie ihren Dienst nicht versehen sollten.

Ein finnischer Hilferuf an Schweden.

IV- T.-B-. Stockholm, 12. Febr. (Drahtbericht.) WieNy» Daglight Allehanda" erfährt, erhielt der in Stockholm einge- trosfene Abgeordnete der gesetzlichen finnischen Regierung Castren den Auftrag, der schwedischen Regierung mitzuteilen, daß der Mangel an Munition und Waffen bei den finnischen Regierungstruppen an wichtigen Punkten so groß ist, daß die Lage verzweifelt zu werden droht, falls Schweden nicht genügend helfe. Es koste zu viel Zeit, Muni­tion und Waffen außer Landes zu kaufen. Fall? einige Tage ohne Unterstützung vergingen, drohe dem kulturellen Finn­land der Untergang.

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Die vlutherrschaft ver Russen auf Kaland.

W. T.-B. Stockholm, 13. Febr. WieStockholms Dag» bladet" aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist auf Aaland unter den russischen Truppen eine völlige Revolte ausge- brochen. Soldaten ziehen umher und verhaften ihnen miß­liebige Landeseinwohner, sie verwenden dabei Blut­hunde, um die fliehenden Opfer aufzuspüren. In Marie­hamm sollen sie ein entsetzliches Blutbad angerichtet haben. 2000 russische Soldaten, die auf Daland liegen, sind mit Maschinengewehren versehen, während die Bevölkerung Aalend? vollkommen wehrlos ist. Auf den Inseln zwischen Aaland und der schwedischen Küste herrscht große Panik.

Eine schwedische Expedition nach Aaland.

IV. T.-B. Stockholm, 14. Febr. (Drahtbericht. Svenska Tel«grambhr-an.) Infolge eines Berichtes über die Unruhen auf Aaland und die Überfahrt der schwedischen Untertanen nach Signildsskaer wird eine Expedition ausgerüstet. Ein großer Eisbrecher geht heute ab.

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vie (Entente droht in Jassy!

Berlin, 14. Febr. (zb.) Nach demB. L.-A-" soll Montag die rumänische Negierung in Jassy von den Ententegesandten aus die weittragenden Folgen einer abschwen­kenden Haltung von der gemeinsamen Politik hingewiesen worden sein. Die neue rumänische Regierung habe die Mit­teilung zur Kenntnis genommen, eine Gegenerklärung aber nicht abgegeben.

ImB- T." wird gesagt: Nicht das Kriegsende ohne Frieden, wohl aber der endgültige Abschluß des Friedens mit der Ukraine wird aller Wahrscheinlichkeit die rumänische Regierung zwingen, Montag die durch beu Feldmarschall von Mackensen angebotene Friedenshand dankbar anzunchmen. Die rumänische Armee ist strategisch in einer Lage, die die Fortsetzrma des Kampfes zu einem Selbstmord stempeln würd«.

Lloyd Georges neue Rede.

W. T.-B. London, 13. Febr. (Reuter.) Nachdem Llohd George betont hatte, die Beschlüsse der Alliierten auf der Versailler Konferenz seien mit voller Einmütigkeil gefaßt worden, fuhr er fort:

Ich bitte, die Regierung nicht zu drängen, Mit­teilungen zu machen, wie z. B. über die. A b m äch u n - gen, welche unser Land und die Alliierten getroffen haben, um den großen Streich zu parieren. Asguith warf dazwischen: Ich habe um keine derartige Mitteilung ersucht, ich fragte nur. nach der Erweiterung der Befugnisse 'des Rats. Lloyd George fuhr fort: Es ist immiigUA, dpm Haus mitKitellsl^ Das füg