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Verlag Langgaffe 21

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., Potsdamer Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 und 6203.

Donnerstag, 14. Zebruar 1918.

Morgen-klusgabe.

Nr^ 75. ♦ 66. Jahrgang.

Die neue Krije in Polen.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 13. Febr. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die Politik der polnischen Regierung. sich nach Mög­lichkeit keine Bindungen den Mittelmächten gegenüber aufzuerlegen, die bei dem Friedensschluß der Ukraine mit Deutschland und Österreich-Ungarn durch die Art der Behandlung des Problems non C h o l m beant­wortet würde, hat nun zu einer überaus ernsten Lage geführt, deren Folgen für das neue polnische Königreich sich noch gar nicht übersehen lassen. Es ist bekannt, daß das Verhältnis zwischen Polen und den Ukrainern von vornherein ein recht gespanntes war und man konnte wohl vermuten, daß die Über­tragung des Gebietes von Chol m an die Rada die Warschauer Politiker in Aufregung bringen würde. Immerhin nahm man an, daß das real- politische Denken in Polen weiter entwickelt wäre, als der eilige Rücktritt des Kabinetts Kuchar- z e w s k i es jetzt erkennen läßt. Daß auch andere in die Frage verwickelten Persönlichkeiten die Situation als einst beurteilen, läßt die folgende Meldung der „Voss. Ztg." aus Warschau erkennen:

- , Als die Details des Friedens niit der Ukraine be­kannt wurden, gab der österreichische Militär- gouverneur Graf Szeptitzki sofort seine De­mission und auch der Ziviladlatus Ritter von Morde jski ersuchte um Enthebung von seinem Amt. Auch Hofrat Dr. Rosner, der als Vertreter des K. und K. Ministeriums des Äußeren in Warschau wirkt, ist zurückgctreten. Nachdem die polnische. Regierung ebenfalls demissioniert hat, trafen sich die Mitglieder des Regentschaftsrates mit dem Plan, ihre Ämter niederzulegen. In den führenden polnischen Kreisen besteht die Absicht, die, Ausführung dieses Planes zu verhindern, weil sonst die Möglichkeit gegeben werde, daß sämtliche bisher geschaffene politische Institutionen wieder verschwinden und die ultra- radikalen Elemente die Oberhand gewinnen, die einen Anschluß an Rußland in rcpublikaner Form suchen und eine Geheimregierung bilden könnten. An Stelle des Ministeriums Kucharzewski wird wahrschein­lich ein Kabinett Stecki treten. Die für den 27. Fe­bruar ausgeschriebenen Wahlen in den Staatsrat können nicht staltsinden, weil die Wahlen auch süt die Bezirke ausgeschrieben sind, die der Ukraine zu­fallen sollen. Es herrscht allgemein die Überzeugung, daß die Selbständigkeit Polens e r n st l i ch gefähr­det ist und daß Polen wieder zu eineni okkupier­ten Staat wird. Der Bund zur Lösung der polni­schen Frage im austro-polnstchen Sinn wird sich auf- löfcrt."

Die Ursache des ganzen Konfliktes liegt in der falschen Auffassung der führenden Polen.. die ihren Einfluß und ihre Bedeutung für die Mittel­mächte weit überschätzten. Am schäcfften trat diese falsche Auffassung in der polnischen Regierungs­erklärung vom 30. Januar hervor, die erklärte, die polnische Regierung stellt fest, daß alle Perhandlungen, die das Los Polens bestimmen und die Rechte der pol­nischen Nation entscheiden, von der polnischen Nation als nicht verpflichtend anerkannt werden, wenn sie unter Nich tb e rü cks i chti a u n q der Ver tre- tung des polnischen Staates geschlossen werden. Eine Festlegung des Derbältnisses Polens zu anderen Staa­ten kann in Zukunft ausschließlich aus dem eigenen, durch keine fremden Faktoren aehemmten Willen der Nation hervorgehen. Die polnischen Politiker beab- sichtioen anscheinend jetzt, durch die Drohung mit einer rnssen-freundlichen Politik die Mittelmächte zu neuen Zugeständnissen zu bewegen. Stecki, der als neuer Kabinettschef genannt wird, wird zweifellos in das Laaer seiner früheren Parteifreunde, der russo- vhilen Nationaldemokraten, znrückkebren, das er seiner inneren Auffassung nach niemals verlassen hat.

Wie die Mittelmächte sich gegenüber solchen pol­nischen Drohungen verhalten werden, kann kaum zwei­felhaft sein. Wahrscheinlich wird man setzt en d gül­tig und unverblümt erkennen lassen, daß man nicht die Absicht bat, eine Illulso n s volitik weiter treiben zu lasten, die den Wünschen der Mittel- mäcbte in militärischer wie in politischer

Beziehung in keiner Weise entspricht.

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de« polniscken Ministeriums.

IV. T.-B. Warschau, 13 Febr. (Drrchtbericht.) Den Blättern zufolge fand gestern eine msbrftündige Sitzung des Ministeriums unter dem Vorsitz des Regentschoftsrats statt. Gegenstand der Erörterung waren die letzten politischen Er­eignisse, insbesondere der Friedensvertrag mit de? Ukraine. Am Albend überreichte der Ministerpräsident Kucharzewski dem Regentschaftsrat die Demission des Kabinetts. „Gazette Paranna" zufolge icherreichte Kucha-c-

zewski dem Rcgentschaftsrat heute in dieser Angelegenheit eine modifizierte Erklärung.

Line Abordnung der polnischen Truppen in Warschau.

W. T.-B. Warschau, .13. Febr. (Drcchtbericht.) Dein Courier „Warcsawski" zufolge erhielt der Regentschaftsrat die Mitteilung, daß heute drei Abgeordnete von dem Kom­mandanten der polnischen Truppen in Rußland General Dvwdor-Musnicki in besonderer Mission in Warschau ein- treffen werden.

Oie Opposition der polen im österreichischen Parlament.

W. T.-B. Wien, 13 Febr. (Drahtbericht.) Den Abeuh- blättern zufolge erklärten auch die polnischen Mitglieder des Herrenhauses, daß sie mit Rücksicht auf die der Ukraine im Friedensvertrag zugestandene Grenze der Opposition des Polenklubs im Abgeordnetenhaus sich anschließe.

Der zriedenrjchiutz ohne vertrag.

Die wichtigen Beratungen im Großen Hauptquartier.

Br. Berlin, 13. Febr. (Drahtbciicht.) Wie verlautet, sollen außer tcm Rcickiskanzlcr und Staatssekretär v. K ü h l m a n n sich auch der Vizekanzler v. Payer sich ins Große Hauptquar­tier begeben haben.

Ein russischer Friedensunterhändler über Erotzkqs Friedenserklärung.

W. T.-B. Kopenhagen, 13. Febr. (Drahtbericht.) über den Frieden zwischen Rußland und Deutschland führte der Abgesandte der ruisischen Regierung K a m e n e w gegenüber dem Stockholmer Vertreter des hiesigen Blattes „Social- demckraten" -aus: Was vorliegt, ist eine Friedenser­klärung von russischer Seite. Rußland hat durch seine Unterhändler erklärt, daß es den Krieg nicht fort­setzen will und kann. In unserem Entschluß liegt aber keine Abweichung von unseren Friedensgrundsätzen, auch keine Anerkennung des deutschen Standpunktes. Wir haben uns freie Hand Vorbehalten, um auf der allgemeinen Friedenskonferenz, die einmal kommen muß, für unsere Grundsätze einzutreten. Kamenew erklärte weiter, daß Deutschland wohl keine Truppen von der Ostfront zurück­ziehen werde, sondern eine Grenzwache zurücklassen werde. Kamenew sagte, man irre sich, wenn man glaube, daß Trotzky eigenmächtig gehandelt habe. Der Beschluß der Friedens- erklärung und der Demobilisierung sei in Petersburg in der letzten Sitzung des Arbeiter- und Soldatenrates gefaßt wor­den, bei dem Trotzky anwesend gewesen märe.

Feierlicher Empfang des Grafen Czernin in Wien'.

W. T.-B. Wien, 13. Febr. (Drahtbericht.) Bürgermeister Weiskirchner wird morgen nachmittag den Minister des Äußern Grafen Czernin bei seiner Ankunft am Nordbahn- I;c.f an der Spitze der Gemeindevertreter begrüßen und ihm den Dank der Bevölkerung für seine erfolgreiche Tätigkeit in der Friedensfrage ausdrücken.

England erkennt, den Frieden mit der Ukraine nicht an.

Br. Rotterdam, 13. Febr. (Eig. Drahtbericht.) Reuter meldet: Die britische Regierung ciklärt, daß sie sich nicht sür verpflichtet ansieht, den zwischen Len Zentralmächten und dem Gebiet, das man als Ukrain: bezeichnet, abgeschlossenen Frieden anzuerkennen.

Englische preffestimmen.

IV. T.-B. Amsterdam, 13. Febr. (Drahtbericht.) Dem Renter-Bureau zufolge sprecheu sich die englischen Blätter über den Friedensschluß mit Rußland dahin aus, daß die russische Regierung ein Opfer der Diplomatie der Mittelmächte wurde. Der liberale „Daily Telegraph" schreibt: Rußland stellt Deutschland vor die schwierige Frage: .Was werdet ihr jetzt tun?", und da Deutschland nicht im­stande ist, den hilflosen russischen Staat zu annektieren, zu organisieren oder zu verwalten, so kann es darauf keine ab­schließende Antwort geben. Über den Frieden mit der Ukraine schreibt das Blatt, dieser Frieden verliere seinen Glanz, wenn man bedenke, daß die ukrainische Regierung jeden Augenblick w e g g e j a g t werden könne. Die Ukrainer können Deutschland nur helfen, wenn sie Nordrußland zur Hungersnot verurteilen. — Das unionistische Northcliffe-Blatt „Daily Mail" schreibt Wenn auch einige Völker die Freiheit vergessen oder verraten haben, das britische Volk steht noch ebenso fest wie gegenüber Napoleon. — Das Northcliffe-Blatt „Times" schreibt, es gebe keine bessere Lektion für aufrichtige Idealisten, die nach einem guten Frie­densschluss durch Verhandlungen streben, als die Ernied­rigung der Bolschewiki in Brest-LitowSk. Die Bedeutung des Fehlschlagens der Diplomatie der Bolschewiki sei politischer, nicht militärischer Natur.

Eine erste Folge des Friedensschluffes mit der Ukraine.

W. T-B Wien, 13. Febr. (Drcchtbericht. St. u. St. Korrespon- dcnzliircauü Rach Blältermeldungcn machen sich die ersten Folgen des FricdcnsschlusicS mit der Ukraine bemerkbar. Die Rada ver­legte ihren Sitz nach Zitomi runo stellte eine direkte Ver­bindung mit uns her. Es ist sehr zu hcffeu, daß durch diese örtliche Rübcrrückung eine beschleunigte Abwickelung aller im Verhandlungswege fesigelegten Abmachungen erfolgt.

Eventuell auch militärischer Beistand für die Ukraine.

Br. Wien, 13. Febr. (Eig. Drahtbcricht. zb.) Am Schluß eines amtlichen Kommcnrars, der den Vertretern der hiesigen Presse zur Lage im Osten gegeben wird, wird betont, daß, falls Trotzky be­absichtigte, sich mit seiner Roten Garde gegen die Ukrainer zu wenden, er sich gewärtigen müsse, daß die M i t r e l m ä ch t e aus dem Umstand, daß sie den K r i e g s z u st a n d gegenüber Rußland noch nicht sür beendigt erklärt hätten, entsprechende Folgerungen ziehen, da sie nicht zulassen können, daß dieser ihnen befreun­dete stete Staat in seiner Entwickelung gestört werde.

tDiljons neueste Antwort.

Uni die Einheit der Entente ist es ein seltsames Ding. Der große Kriegsrat der Alliierten in Versailles hat feierlich vor aller Welt verkündet, daß :n den Reden Hertlings und Czernins keine An­näherung an die Grundsätze Wilsons und Lloyd Georges zu erblicken sei und daß der Entente nur übrig bleibe, alle Kräfte für den verschärften Kamps gegen die Mittelmächte zusammenzufassen. Diese Antwort wurde nicht nur von Clemenceau, Lloyd George und Orlando gegeben, sondern ihr Text wurde auch im Bei­sein militärischer Vertreter der amerikanischen Union abgefaßt. Wenn Wilson nachträglich noch persönlich antworten wollte, so mußte man annehmen, daß er aus die Versailler Proklamation Bezug nahm und von ihr ausgehend seinen Standpunkt darlegen würde. Wilsons Antwort an Hertling und Czernin tut das aber nicht. Sie behandelt den ganzen Beschluß als Luft und erwähnt ihn mit keinem Wort. Wir halten das gewiß für erfreulich, nur muß sich der amerikanische Präsident selbst sagen, daß wir unsererseits jenem Be­schlüsse nicht die gleiche Nichtachtung schenken können, - dieweil hinter dem Worte der Eroberungs­wille mächtiger Heere steht.

Bei dieser Sachlage ist es aber um so seltsamer, daß Wilson nicht nur die Uneinigkeit mit seinen Verbünde­ten völlig übergeht, sondern auch Gegensätze zwischen uns und unseren Verbündeten zu konstruieren versucht. Er müht sich um den Nachweis, daß zwischen Hertling und Czernin eine Kluft liege, während doch ohne Widerspruch festgestellt worden ist, daß den Reden in Berlin und Wien eine genaue Verabredung zugrunde lag. Die Absicht Wilsons ist hier allerdings sehr durchsichtig. Er möchte in Ö st erreich- Ungarn den Anschein erwecken, als ob die deutschen Mili­taristen, die er als das einzige Friedenshindernis bezeichnet, wirklich so böse Menschen wäken. Dem­gegenüber ist doch festzustellen, daß die deutsche Regie­rung und die Mehrzahl des Reichstags ausdrücklich seinerzeit dem Staatssekretär v. Kühlmann in der An­schauung zugestimmt haben, daß Frankreichs Er- cberungsansprüche an Elsaß-Lothringen das einzige Friedenshindernis darstellen. Neuerdings ist das für die Entente allerdings noch etwas. schlimmer geworden, als England leine Eroberungen in M e s o- p o t a m ii e n nicht herausgeben möchte. Wilson scheint selber deutlich zu fühlen, wo in Wahrheit die Friedens­feinde sitzen, denn er vermeidet es diesmal auf­fallend, die ländergierigen Ansprüche keiner Verbünde­ten erneut anfzuzählen. Statt der 14 Punkte seines letzten Friedensprogrammes bringt er diesmal nur 4 allgemeine Forderungen vor. Er fordert erstens, daß jeder Teil der definitiven Lösung gegrün­det sein muß auf Gerechtigkeit jedes Einzelfalles und auf einer derartigen Regelung, die die meisten Aus- sichten für einen dauerhaften Frieden bietet. Zun: zweiten verlangt er, daß die Völker und Provinzen nicht von einem Fürsten an einen anderen Fürsten übergeben werden. Als dritten Punkt wünscht Wilson, daß jede territoriale Regelung im Interesse und zum Vorteil des betreffenden Volkes getroffen werden müsse und nicht im Interesse der Regelung oder des Vergleichs der einander bekämpfenden Staaten. Schließlich dekretiert er: „Alle natürlichen

Aspirationen werden, soweit es geht, befriedigt und bestehende, soweit dies ohne allzu große Schwie­rigkeiten möglich ist, 'beibehalten werden." Und ini Anschluß an dieses allgemeine Programm erklärt er, ein allgemeiner Frieden ans derartiger Basis kann so­fort besprochen werden. Darin kann inan ihm durch­aus zu st im men, nur ist er sich hoffentlich klar dar­über, daß dies das Gegenteil ungefähr von dem ist, was die Versailler Beschlüsse verlangten.

Wenn Wilson dem deutschen^ Reichskanzler unter­stellt, daß er nur sine Reihe von Sonderfriedens- Verträgen anstrebe und im Gegensatz zur Reichs­tagsresolution vom 19. Juli stehe, die einen allgemeinen Frieden verlangt, so kann man das nicht gut ernst nehmen. Wilson schasst hier eine künstliche Voraus­setzung, deren Bekämpfung ihm in erschr Lime gjp&I