Verlag Langgaffe 21
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Dienstag, 12. Zebruar 1918.
«Die militärische Lage gegenüber den Srotzrusse» unverändert".
Ein bezeichnender Ausdruck im heutigen Tagesbericht.
W. T.-B. Grvßes Hauptquartier, 12. fyebr. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz, Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz.
An vielen Stellen der Front Artillerietatigkeit. Jnfanterieabteilungen führten südlich von St. Quentin und auf dem östlichen Maasufer am CauriereS-Wald erfolgreiche Erkundungen durch und machten dabei Gefangene.
' Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Zwischen Flirey und der Mosel Artillerie - und Miuenkampf, der sich heute morgen besonders in der Gegend von Rcmenauville verstärkte.
Lstlicher Kriegsschauplatz«
Dir militärische Lage ist an der Front gegen- über den Groß-Russen und Rumänen unverändert.
Italienische Front.
Auf der Hochfläche der Siebengemeinden tagsüber lebhafter F e u e r k a m p f. In örtlichen Angriffen säuberten österreichisch-ungarische Truppen feindliche Stützpunkte am Südhang des Sasso-Rofso und nahmen dabei 6 Offiziere und 178 Mann gefangen.
Bo» der mazedonischen Front nichts Neues.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
Da; Kriegsende ohne zriedenrjchluh.
Oie Abreise aus Vrest-Litowsst.
— Berlin, 12. Febr. Wie der „B. L.-A." schreibt, dürste sich Herr v. Kühlmann zur Stunde aut dem Wege voy Brest-Litowsk nach Berlin befinden. Es ist wahrscheinlich, daß Trotzky auf dem Wege nach Petersburg ist. Somit dürste die historische Rolle, die Brest-Litowsk einige Zeit gespielt hat, für absehbare Zeit ausgespielt sein.
Auch die Gberfte Heeresleitung betrachtet Trotzkys Erklärung n i ch t als Friedensangebot!
Aus den Berliner Blättern.
Berlin, 12. Fedr. Unter der Überschrift „Das letzte Manöver des Herrn Trotzky" schreibt die „Kreuzzeituug": Mit einer erfreulichen Übereinstimmung wird in den Blattern der Meinung Ausdruck ge- gebe», daß die einseitige Erklärung des Herrn Trotzky u n S z u garnichts verpflichten könne und daß wir politisch und niilttmisch Rußland gegenüber, freie Hand besäßen, sosern und solange und der W a j i e n st i l l st a n d keine bestimmten Behinde- rungen asserlkgt Aus Grund zuverlässiger Informationen kann die „Kreuzzlitung" weiter Mitteilen, baß auch die Oberste Heeresleitung die Trotzkyschen Vorschläge unter gar keinen Umständen als ein Fried ensangebct bettachtet.
Fm „Berliner Lolalauzeiger" heißt es: Trotzky will sich nicht herbeilasien. einzugestehen, daß Rußland, auch bas revolutio- »äre Rußland, besiegt ist. daß es ohne Frieden nicht leben kann. Es kann sich aber nichl zur Annahme von Friedensverhandlungen entschließen und will nicht einmal ein billiges Kompromiß aus sich nehmen, und da Trotzkv andtrerseits nichi ohne Frieden nach Petersburg zurückkehren darf, so verfällt er auf den Gedanken, den Frieden einleitig t cn sich aus als vorhanden zu verkünden und die Mittelmächte auf Verhandlungen abseits von Brest-Litowsk zu verweisen. Trotzky bestimmt, daß der Kriegszustand beendet sei und daß die Streitkräste entlassen werden sollen, verzichtet aber auf die Unterzeichnung eines offiziellen Friedensvertrages. Da- zu aber haben wir nicht seit Weihnachten in mühevollen Unterhandlungen mit der russischen Delegation zusammen- geseflen, um uns jetzt von Herrn Trotzky einfach n a ch Hause schicken zu lasten. Uns ist es grade um einen f>prml, chen Friedinsvcrtrag zu tun gewesen und wir werden jetzt schwer, lich darauf «ingehen, dieses Ziel stillschweigend ,n der Versenkung verschwinden zu lassen, weil es Herrn Trotzky so gefällt.
Die „Berliner Morgcnpost" schreibt: Ob Herr Trotzky in der Situation, in der sich Rußland befindet, übechauvt berechtigt ist, eine Erklärimg dieser Art abzuxeben, ist einstweilen noch nicht sicher. Die Brcster Verbandlungen sind einstweilen zu Ende und derjenige, der ihnen ein Ende gesetzt hat, ist Trotzky.
Der „Vorwärts bejiätigt, daß auch die deutschen Sozialdemo- kraten die Beseitigung emes jeden unklaren Verhältnisses zwischen Rußland und Deutschland wünschen und daß sie darum mcht nur für die Beendigung des Kriegszustandes, sondern für einen wirk, lichen Frieden viit dem ganzen Einfluß, den sie besitzen, ein- tretrw, um ihre Friedenspolitik zu verwirklichen.
Die „Nordd. Allst. Ztg." über den bestehenden Widerspruch.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Was Trotzky jetzt — vielleicht unter dem Eindruck des Fricdensschluffcs mit der Ukraine, vielleicht aber auch aus ganz besonder:!! Gründen — Neues dringt, ist Verzicht aus einen fmmulierlen Frieden, dafür aber die tatsächliche Beendigung des Kriegszustandes. Das ist etwas so absolut Neues, so wenig mtt den bisherigen Methode» der L ri ev L dee n tigvng iv Einklang zu bring«, da« iora-
klbend-klusgabe.
fältigste Prüfung der Lage oberste Pflicht ist. Rußland und die Mittelmächte sollen also Feinde bleiben, es soll zwischen ihnen mcht vereinbart werden, daß sie fortan in Frieden und Freundschaft miteinander leben sollen, aber der Kriegszustand soll für beendet erklärt werden Man spürt, daß da ein Widerspruch desteht. Die Frage hat viele Seiten, und jede einzelne will betrachtet sein. Welche Konsequenzen aus der jetzigen Lage zu ziehen sind, muß daher voll- ständig Vorbehalten sein
. Vie Spiegelfechterei Trotzkqs.
Die „Köln. Ztg" urtcflt über di« einseitige russische Erklärung der Beendigung des Kriegszustandes wie folgt: Streitende Kinder pflegen aus einem Spiel, das ihnen nicht mehr gefällt, einfach aus- zuscheiden mit der Bemerkung sie spielten nicht mehr mit. So jetzt die Bolschewiken Sie erklären den Krieg für beendet, geben die Gegen- wehr auf und ncbmen die P o s e an, als Märtyrer die Bergewalti-' gu»g der Miilclniächte über sich ergehen zu lassen. Die Kriegsgeschichte ist damit um eine» noch nicht dagewesenen Fall der Beendigung der Kriegshandlung bereichert. Wenn die Demobilisierung des Heeres gleichzeitig ausgesprochen wird, so ist das Spiegelfechterei, denn tatsächlich ist dir russische Armee schon darin begriffen nur nicht durch höhere Anordnung, sondern durch inneren Zerfall An Widerstand gegen einen feindlichen Stoß konnte sie überhaupt nicht mehr lenken. Aber es klingt gut, wenn Herr Trotzky und Genossen feierlich eine Maßregel anordnrn, die a r. und für fick schon eine Tatsache ist. Dem eigenen Volk, in dem die Gewalt der Machthaber noch keine rechte» Wurzeln geschlagen hat, wollen sie damit sagen: Wir streben nach dem Frieden, kommt er nicht, so ist der Imperialismus, Miiitarisrmrs usw. schuld daran. Wie nach innen, so soll die Erklärung auch nach außen wirken. Wieder sind es die internationalen Sozialisten, deren Hilfe man zu erhalten sucht Das Friedenstedürfnis, das in allen Böllern vorhanden ist, such: man als Köder auszulegen. Die Regierungen der Mittelmächte will man in einen Gegensatz bringen zu den breiten Masten, man will aufs neue ihnen die Verantwortung zuschieben, wenn der ersehnte Friede nicht aus den Beratungen in Brest-Litowsk zustande kommt . . Tie heimliche Absicht, uns in einen Sumpf zu locken, umerliegt keinem Zweifel.
Die englische Hand wieder im Spiel.
Eine nicht unwahrscheinliche Meldung.
— Berlin, 12. Febr. In Londoner Kreisen soll nach der „Vossischen Zeitung" die bestimmte Nachricht vor- lregen, daß die englische Regierung mit Petersburg in einer besseren Fühlung stehe als stüher und daß die Kriegsziele der Entente dort jetzt anders gewürdigt würden als unmittelbar vor dem Sturz Kerenskis. Heute soll im Unterhause Lloyd George eine Erklärung über die allgemeine Lage abgeben wollen. Am 25. Februar wolle er vor den Gewerkschaften in Liverpool über die Notwendigkeit sprechen, sich auf einen langen und harten Krieg einzurichten.
Die Selbstentlarvung der Bolschewiki.
Wes Ecistes Kind Herr Rade' alias Sobelfohn, der von Herrn Trotzky jetzt plötzlich als Vertreter Polens in Brest-Litowsk präscriiert wlirdc, ist. ergibt sich aus folgender Meldung:
W. T.-E Stockholm 9. Febr. In dem russischen Regiermigs- organ „Jstv. eftija" schreibt der berüchtigte Maximalist Radek übe: die Friedknsveibandlunaen in Brest-Litowsk folgendes:
Die Friedenspolitik der russischen Revolution muß aus die Herbei- führung einer europäischen Revolution gerichtet sein. Jederifalls muß mau mit einem Stillstand oder dem Abbruch der jetzigen Verhandlungen rechnen. Werden wir dann den Kamps aufnehmen können'- Wir machen uus keine Illusionen über den Zustand unlerer Armee Ibrc Auslüsung ist so groß, daß alle Versuche, sie in den Schützengr.äbcn zu halten ovcr zum Kampfe zu zwingen, vergeblich wäre». Eine sofortige Demobilisierung ist notwendig Mau muß die alte Armee sofor tauflösen, das Kriegsmaterial zurücksübren und die lebensfähigen Teile des Heeres an den rückwärtigen Punkten als Kader für eine neue sozialistische Armee ziinicklialten. Diese ist sofort aus den Arbeitslosen und Flüchtigen der besetzten Gebiete usw. zu bilden. Ein neuer, deutscher Feldzug in das Innere Rußlands ist infolge der politlscheu Zwecklosigkeit und der Gefahr, die er für den deutschen" Imperialismus bringt, nach unserer festen Überzeugung utt möglich Ter Freikcharenkrieg reoolutionärcr Abtei- lungen würde den Einsatz fo erheblicher deutscher Kräfte erfordern, daß wtt eine solche Absicht Deutschlands für sehr wenig wahrscheinlich halten. Die Besetzung einiger sttcüegijcher Punkte ist natürlich mög- lich. Ein Kompromiß in der F r i e d e n s f r a g e wäre für die russische Revolution das gefährlichste. Ihre Losung muß sein: wer wagt, der gewinnt. Jede Nachgiebigkeit schwächt die russische Revolution
Eine Warnung Trotzkys au England.
W. T.-B. Berlin, 11. Febr. (Funksvruch aus Zarskoje. Sselo.) An Alle! Vom Komwcifsar. für auswärtige Ang«. legenheiten. Indem er es für unzulässig erachtet, baß auf die russischen Bürger in England di« ZwangSzu- srellung zur englischen Armee und Delegierung zu irgend einem anderen Staate angewendet wird, überhaupt dar Recht der Zwangseinziehung russischer Burger zum Heeresdienst, hat der Dolkskornmistzrr für auswärtige Angelegenheiten den bevollmächtigten Vertreter in London, den Kameraden Liiwinow, beauftragt, der englischen Regierung vorzustellen, sie solle mittsilen, welche Schritte sie zu unter- nehm-en gedenke in Anbetracht der Konventionen, die mit der Regierung Kcrenskis über diese Frage geschlossen worden sind. Er soll, ferner die Hoffnung ausdriicken, daß auf dies«u Boden es zu keinen Dttßverständnisien zwischen England und Rußland kommen wird, und daß England von solchen Maßnahme« a&fefwn werde, die. zu ähnlichen MitzvrwtzÄidnrÜLn führen tmwten.
Nr. 72. . 66. Iahrgang.
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Trotzkys Gaukelspiel in neutraler Beleuchtung.
W. T.-B. Berlin, 9. Febr. Bon besonderem Interesse ,st eilte Notiz des „Nicun en Rotterdamschen Courant" vom 6. Februar, di: kurz vor Abschluß des Frieden- der Ukraine erschienen ist und die ein interessantes neutrale? Urteil über das Verhalten Trotzkys wiedergibt. Das genarrte Blatt schreibt. Die Meldungen aus Berlin machen fcS wahrscheinlich. la[i die Mittelmächte jetzt den Friedensschluß mit der Uttaine beschleunigen und dann Herrn Trotzky ersuchen werden, alles, was er ferner nocb z« bemerken haben sollte, von der St. P et. - Telex r. - Ag bekannt machen und danach wieder dementieren zu lassen.
Kamenew über das „Unglück" eines Sonderfriedens.
— Berlin, 11. Febr. (zb.) In Stockholm ist aus Rußland Kamenew eingetroffen. Der Vertreter des Blastes „Sozialdemokraten" hatte mit ihm eine Unterredung, bei der Kamenew erklärte, Rußland sei der Ansicht, daß ein Sonderfrieden ein U n g l ü ck für Rußland, die Ententeländer und die Neutralen sein würde.
8 !
Zn Erwartung der Iassyer Entscheidung»
Br. Genf, 12. Febr. Mg. Drahtbericht, zb.) Der rumänische Gesandt« ln Paris erklärte dem Ausfrager des „Petit Journal", Rumäniens Lebensinteressen seien durch Rußlands Verrat aufs schwer ft e betroffen. Er erwarte in fieberhafter Spannung die Iassyer Entscheidung. Andere Blätter befürchten, eine Weigerung Rumäniens, auf Friedensverhcmdlnngen einzugehen, könne die Mittelmächte besttmmen, Beßarabien der ukrainischen Republik zuzusprechen. Dieser Drohung werde Rumänien vielleicht weichen. Nach der in Paris vorherrschenden Auffassung würde General AvereScu das russische Beispiel eines einfachen Kriegsverzichts befolgen, alles andere von einer Geheimsitzung des rumänischen Parlaments abhängig machen.
W. T.-B. Kopenhagen» 10. Febr. „Politiken" schreibt: Die cumänisckj« Politik ist im Begriff, zur Orientierung König Karols zurückzukehren. General A v e r e s c u ist in Beßarabien eingezogen, das die Russen 1878 nahmen und das seitdem durch viele Jahre hindurch das Ziel der Wünsche Rumäniens war. Die Lage im südlichen Rußland ist nun der>irt daß die Ukraine, Rumänien und die Mittelmächte tatsächlich d>e gleiche Politik verfolgen. Dem ersten Friedensschluss wird daher wahrscheinlich bald ein zweiter folgen. Nach dem Frieden mit der Ukraine folgt wahrscheinlich der Frieden mit Rumänien, das in Beßarabien Entschädigungen für die zerstörten Hoffnungen in Transsylvanien suchen will. Rumänien wird sich leichter darin finden können, daß Bulgarien die ganze Dobrudscha bis zur Donaumündung behält. Diese ganze Entwicklung stärkt die Mittelmächte ü> hchem Grade, dre zurzeit schon sehr stark dastehen.
Lin deutsches Ultimatum an Rumänien!
Sr. Basel, 11. Febr. (zb.) Nach einer Havasnveldung aus Jassy schickte Mackensen am 6. Februar im Namen der deutschen Regierung an die rumänische Regierung ein Ultt- matum, in dem er dieser eine Frist von vier Tagen für den Eintritt in Friedensverhandlungen fesffetzt. Der rumänische Ministerrat versammelte sich sogleich, und nach einer langen Beratung bot er dein König seine Demissisn an, die angs« ncmmen wurde.
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vie bolschewistische Schreckensherrschaft in Finnland.
W. T.-B. Stockholm, 12. Febr. (Drahtbericht. Svenska Telegramm Byran.) Nach bei der finnischen Gesandtschaft eingetroffenen Telegrammen nimnlt der Terrorismus der Roten Garde in Wiborg unbeschreibliche Formen an. Die meisten Privathäuser sind geplündert, die Lebensmittel gestohlen, so daß bei den Einwohnern Lebensmittelnot herrscht. Der Eroberer Uleaborgs Rittmeister Ignatius fragte bei der finnischen Gesandtschaft telegraphisch an, ob von Schweden Hilfe erwartet werden könne. Die russischen Soldaten plündern, töten, brennen und schießest aus ihre Gefangenen mit Maschinengewehren.
W. T.-B. Wasa, 12. Febr. (Drahtbericht. Sdenska Telegramm Bvran.) Gestern und heute wnden lebhafte Kämpfe bei Maentyharju südlich St. Michel statt. Bei einem Angriff gegen einen Panzerzug verlor die Weiße Garde zwei Verwundete, die Rote Garde mehrere Tobe. Die Berichte aus allen Satt* desteilen, in besten die Rote Garde noch die Herrschaft hat, lauten überaus fürchterlich. Ihre Greueltaten gegen Männer jeden Alters sind zahllos.
Der Stieben mit der Ukraine.
Der Eindruck bei den Neutralen.
W. T.-B. Haag, 10. Febr. „Vaderland" schreibt: Dis
Nachricht vom Friedensschluß mit der ukrainischen Republik sei bedeutsam, da der Friede ein bleibender Frieden sein werde. Es hänge davon ab, ob die Sowjets die Rada stürzen könnten. Aber das erscheine »venig aussichtsreich, da: die Volksrepublik der Ukraine mit den Mittelmächten den Frieden geschlossen häbe. ES sei nicht ausgeschlossen, daß sie ein Bündnis mit ihnen erngehe rrsd Hiljtz von chuen geggg
