Einzelbild herunterladen
 

Uifslutihm Sagblatt

• rt 3ÄSSf'“,_ Wöchentlich 12Ausgaben. ■£&4rJst&'

(ktettR^ale jtSfitrt »on 8 Mn morgen» 8» 7 Uhr »hin»«. ‘ *

v«j»gö.Prrij f»r Heide «»Sgateu: MI. 1.30 monatlich. Ml, 3*0 vierteljährlich durch den Ferlaa Lan^aai!« 31. »hve Bringerlodn, Ml «85 vierteljährlich durch alle deutichen Poftanstalteu, ausjchliehlich Bestellgeld — Bezug»-vestcilnugen nehmen »uherdem entgegen: in Wierbaden die Zweigstelle Bir- »arckring Id, iowre die iluS,Ladestellen in allen Teilen der retadt; in Biebrich: die donizen Aus­gabestellen uad in den benachbanen Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagdian-Träger.

Abend-Buggabe bi; Ruinabme von Anzeigen

„Tagdialthaus" Nr. öSS0-S»

Bon s Uhr morgen» bi» 7 llhr abend«, außer Sonntag».

für auswärtige «»zeigen;

wiederholter Anft,»hme unver-

- 1 -die

dir

Reklame»: 3L" Mt. jur audivactige Sicitamen. - w”"“""““

: kurzen Zwiichcnräuincn entivrechender Nachlaß-Anzc,gen- Annahnle^ffur d e 13 Uhr minaas: für die Morgen-Au,gäbe bi» » Ubr nachmNtagS,- Für du eigen an vorgeschriebeuen Tagen und Plagen nnrd tnne Bewahr übernommen.

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., P.tSdamer Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 und 620.;.

Samstag» 9. Februar 1918

kkbend-klusaabe.

Nr. 68. . 66. Jahrgang.

Var erste Ergebni; in Brest-Litowsk!

W. T.-B. Brest-Litowsk, 9. Febr. Heute am 9. Februar, 2 llhr morgens, ist der Friede zwischen dem V i e r- bündr und der ukrainischen Volksrepublik abgeschlossen worden.

*

Der 9. Februar 1918 wird ein denkwürdüger Lag in der Geschichte aller Zeiten bleiben. Für die Mittel­mächte ist er ein Tag der Freude. Die erste Bresche in den gewaltigen Ring, der uns oecnichten sollte, ist geschlagen: der erste Frieüensschlutz in diesem unge­heuerlichsten aller Kriege ist erfolgt! Er sc: uns ein g u t e r V o r b o t e für die kommenden Ereignisse dieses Jahres, das auch im Ententelager als dasjenige der end­gültigen Entscheidung bezeichnet wird!

Schon einmal glaubten wir wenigstens mit eine m der Staaten, mit denen die Mittelmächte um ihr Dasein kämpfen, den Frieden fest in der Hand zu haben: es war zwar der kleinste. Nach der Niederwerfung Serbiens und Montenegros im Herbst 1915 bot König Nikita die Hand zum Friedensschluß — bis ihn die Entente­diplomaten als Gefangenen von dannen führten — den ersten Friedensschimmer wieder verscheuchend, wie es seitdem noch immer unserem eigenen, gar zu oft beton­ten Friedenswillen gegenüber ihr heißestes Bemühen war. Hätte es sich damals jedoch angesichts des geringen Umfangs des anderen friedensschiießenden Teils schließ­lich nur um eine erfreuliche Kuriosität gehandelt, so stehen wir jetzt, angesichts des offiziellen Friedens­schlusses mit der Mraine vor einem ganz ernsten Er- eignis von weittragendster polirischer Be­deutung. Nahezu die ganze Wett haben unsere Feinde seitdem — in diesem Zeitraum von 2*4 furchtbar inhaltsschweren und gewiß auch für uns schweren Jahren — gegen uns aufgebracht und doch ist es den unerhörte­sten Anstrengungen einer vielfachen Übermacht nicht ge- lungen, das Herzvolk Europas und seine Verbündeten zu bezwingen. Vielmehr: der heutige Tag von Brest- Ditowsk ist das Siegel unter die unseren künftigen Endsieg anküitdende Tatsache, daß dank unserer Waffenerfolge — denn mir aus diesen erwuchs die russi- sche Revolution! — der mächtigste unserer kontinentalen Gegner endgültig ans d->r R-chnung unserer Feinde ' ausgeschaltet ist. Sicherlich gilt das Wort des alten griechischen Weltweisen: alles ist im Flusse, wenn je so für die jetzige Entwicklung der Drnge in Rußland. Die Ukraine ist noch kein ganz festes staatliches Gebilde: die russische Revolution ist noch lange nicht zu Ende: aber sicher ist doch soviel, daß eine Gefabr für uns von Osten her nach dem offiziellen Friedensschluß mit der Ukraine nun auch dann nicht mehr irgendwie zu besorgen sein wird, wenn im übrigen die Verhandlungen in Brest-Litowsk, die vor der Teilnahme des verschlagenen Weltbeglückers Trotzky so vielversprechend anfingen, zum Scheitern kommen sollten. Das Ausscheiden eines so gewaltigen Komplexes wie der Ukraine mit ihren, trotz der noch nicht festen Abgrenzung wohl anzunehmen­den mehr als 3 2 M i 11 i o n e n Menschen, das Aus­scheiden eines so gewaltigen Teiles unserer Front im Osten, macht es den Bolschewiki in Nordrnßland, die mit der Ukraine selber ja noch überdies im Bürgerkrieg stehen, vollständig unmöglich, irgendwie neuen militärischen Widerstand gegen uns zu orgaui- fteren, selbst wenn sie es wollten. Wie lange Herr Trotzkp sein diplomatisches Gegenspiel in Brest-Litowsk im bisheriaen Stile noch fortzus-tzen gedacht haben mag, an ihm wird die eigentliche Entscheidung nun nicht mehr liegen, denn der Anfang dieser Entscheidung liegt heute o h n e Trotzkp vor. Die Mittelmächte und die Vertreter der ukrainischen Volksregierunq. die dem bolschewisti­schen Volkskommiffar neulich so gründlich die Wahrheit gesagt haben, sind über den bösartigen Quertreiber zur Tagesordnung übergegangen und haben ohne ihn abge­schlossen. Ob Trotzky diesen Vertrag, dessen Kommest sich in den letzten Tagen ja deutlich ankündigte, aner­kennt oder nicht, kann uns nachgei-ade nleichgültig sein: Herrn Trotzkp? Spiel wird vermutlich bald ausgespielt sein, selbst wenn er angesichts der heutigen Wendung einzulenken versuchen wird, was nach dem Protokoll der lebten Sitznna. das wir unten wiedergeben, noch keines­wegs wahrscheinlich ist. Die Verstiegenheit, mit der Trotzkp seine beiden, neu in die Arena gefübrten famosen polnischen „Vertreter" figurieren läßt, beweist ebenso, wie die scharfe Zurückweisung seiner Anmaßungen von deutscher Seit«, dich die Verhandlungen mit ihm auf dem

Punkt der kritischsten Zuspitzung angelangt sind. Die von Herrn v. Kühlmann für die nächste Sitzung ange­kündigte z u s a m m e n f a s s o n d e Würdigung der vrsherigen (in Summa negativen) Verhandlungen nttl Herrn Trotzky wird jedenfalls die lange erwünschte Klärung herbeiführen. Wie gesagt, wie Herr Trotzky dabei wählt, kann uns nunmehr gleichgültig sein: nicht aber gleichgültig wird dem friedenswilligen r u s s i- * chcn V o l k e das etwaige Scheitern der Verhandlun­gen durch die sichtliche Schuld der maxinialistrschenDraht- zieher sein. Die Folgen für diese würden nicht aus- bleiben: das Friedenswerk im Osten aber wird — ob nun mit oder ohne die Maximalisten — wei­tergehen; dafür ist nun das heutige Ereignis Bürge. Mag die weitere innere Entwicklung des russischen Chaos noch Schwierigkeiten auch für uns brin­gen in Fülle, wögen die kommenden Tage in Brest- Litowsk, auf die wir alle mit besonderer Spannung blicken, noch Überraschungen bringen, welche sie wollen, die Geduld unserer Vertreter ist sichtlich am Ende — so­viel ist nach dem Ereignis der ersten Stunde des heuti- gen Tages doch wohl sicher: Der Friedensschluß der

ukrainischen Volksrepublik kann nicht ohne werter­greifende Wirkung bleiben gegenüber den.anderen

Snr

•Mw, *****

1 |u—

Teilen des zerbröckelnden Zarenstaates, wie ^gegenüber Rumänien. Aus dem Osten geht uns die Sonne des Friedens auf; wir bekommen den Rücken bald ganz frei! Was das militärisch und politisch für die Lage im W e st e n bedeutet, liegt auf der Hand. Mögen uns noch die allerschwersten Kämpfe dort bevorstehen — Versailles und die englische Thronrede bewerfen es ja genug — wir werden unsere ganze militärische Kraft lediglich nach dieser einen Seite hin wenden können. Das gesamt-strategische Bild hat sich voll­ständig zu unseren G u n st e n verschoben. Diese, Verschiebung begann gewiß schon mit der ersten russischen Revolution und der Absetzung des Zaren; sie findet ihre Vollendung und Auswirkung an den anderen Fron­ten jedoch erst mit dem Abschluß des Friedens im Osten, von dem wir heute wenigstens einen erheblichen Teil bereits in der Hand habm. Und so haben wir wohl Grund, uns dieses Ereignisses aufrichfig zu freuen, wenn es auch nur erst ein Lichtblick ist in noch furchtbar dräuenden Wetterwolken.

Neben der militärisch-politischen Bedeutung steht aber — in diesem Aushungerungskrieg Englands gegen uns — in gleicher Linie die wirtschafts- politische. Und in dieser Hinsicht ist uns augen­blicklich die Ukraine sogar viel wertvoller als das bolschewistische, selbst zum Teil hnnaernde Nordrußland. Die Ukraine ist die große Kornkammer. Wußten wir vorher schon, daß wir dank unserer Organisatton dem Aushungerungswillen Englands, dessen Plan un- sere Uboote ans den Urheber umkehren, würden begegnen können, so ist es jetzt vor aller Welt klar, daß auch bei der ärgsten weiteren Vergewaltigung unserer neutralen Nachbarn im Norden und im Westen, wie wir sie mit den Abkommen der Entente mit Schweden und Holland gerade in diesen Tagen erleben, den Hoffnungen unserer Feinde, uns wirtschaftlich besiegen zu können, das endgültige Todesurteil, gesprochen ist. AwH

diese Gewißheit bringt uns der heutige Tag. Es wird sicher alles schon jetzt geschehen sein, um den friedlicher Warenaustausch so bald wie möglich äufzunehmen. Die Ukraine aber, selbst in rhrer engsten Bedeutung, das heißt die Gouvernements Wolhynien, Podolien, Kiew, Poltawa, umfaßt, wie gesagt, die fruchtba r st e n Provinzen Rußlands. Diese Teile des russischen Rresen- reichs könnten nicht nur ganz Rußland ernähren, son­dern darüber hinaus ausfllhren. Rußlands fruchtbar­stes Gouvernement und die Zentrale des Kleinrussen- tums ist Kiew. Das Kiewsche Gouvernement dürfte, zieht man die letzte Statistik in Betracht, jetzt allein über eine Million Tonnen Weizen und Roggen produzieren; den Hafer kann man auf eine halbe Million veran­schlagen, da ihn die letzte statistische Ausnahme aus mehr als Ü50 000 Tonnen angibt. Ferner kommen in Betracht 185 000 Tonnen Hirse, 156 000 Tonnen. Gerste und 92 000 Tonnen Buchweizen. Es sind dies Ziffern, die für sich selbst sprechen. Aber auch für den Fleischkonsum weist das Kiewsche Gouvernement ungeheure Ziffern auf. Rindvieh besitzt es laut letzter Zäblunq fast eine Million und wird nur durch das Gouvernement Wol­hynien übcrtroffen, welches rast W->, Millionen Stück Rindvieh ernährt. Daaeqen hat das Kiewsche Gouver­nement den größter: Schweinebestand. Er beträgt fast ty 4 Millionen. Das zweiffruchtbarste Gouvernement von Rußland ist das ebenfalls ukrainische Podolien. Es produziert hauptsächlich Weizen, Roggen. Hafer, Gerste, Erbsen und Buchweizen, und zwar irr derartigen Men­gen, daß neun Zehntel für die Ausfuhr bestimmt sind. Als letztes Gouvernement, das mich wieder zur Ukraine gerechnet werden kann, kommt Wolhynien in Betracht. Dieses Gouvernement bat den arößten Rindvieh- und Schweinebestand in Rußland. Alle drei Gouvernements aber muß mau, wie gesagt, als Kornkammern Rußlands bezeichnen. So ist der Frrederrsschlriß mit diesen Län­dern, die wegen der Unmöglichkeit der Ausfuhr bekcmn- termaßeu aroße Vorräte aufgespeichert haben, auch wirt­schaftlich für die Ernäbruna in den Mittelmächten von unschätzbarer Bedeutung Ein Grund mehr zur Genugtuung für uns, eine große Gewißheit mehr für unseren Endsieg. _

Die weiteren Verhandlungen in Vreft-Litowzk.

„ W. T.-B. Breft-LitowSk, 7. Febr. Staatssekretär von Kühlmann und der Minister des Äußern Graf C z e r n i n sind gestern abend wieder in Brest-Litowsk eingetroffen. Heute vorimttag hielt die deutsch-österreichisch-ungarisch- ruffische Kommission zur Regelung der politischen und terri­torialen Fragen eine erneute Sitzung ab.

Staatssekretär v. Kühlmann kam zunächst aus die schon früher erörterte Frag? nach dem Ursprung gewisser angeblich gefälschter Telegramme der Petersburger Telegraphcn-Agentur zurück. Er führte aus, er habe es sich, da aus den Darlegun­gen tes Vorsitzenden der russischen Delegation immerhin die Unterstellung habe berausgeleseu werden können, als sei die Fälschung in Deutschland vorgenommen worden, besonders angelegen sein lassen, der Sache so weit als mög­lich nachzugehen. Bei weitem die wichtigste und politisch folgenreichste der betreffenden falschen Meldungen hatte die Sitzung vom 27. 12. in Brest-Litowsk zum Gegenstand. Wie er habe feststelle» lassen, sei diese Meldung durch da? Ritzau-Bureau in Kopenhagen verbreitet worden. Das bei Ritzau vorliegende Originaltelegramm sei aus Peter sburg abgeschickt und trägt die Unterschrift „West- nik", wie alle anderen Telegramme der Petersburger Tele- grapben-Ägentur. Er muffe also die weiteren Nach­forschungen darüber, wer für die Absenkung der Telegramme aus Petersburg verantwortlich sei, dem Vorsitzenden der russischen Delegation überlaffen. Eine weitere Meldung, die gleichfalls politisches Aufsehen erregte und vom Volkskom­miffar für auswärtige Angelegenheiten als unrichtig bezeich­net wurde, bezieht sich auf die von Trotzky auf dem dritten Kongreß des Arbeiter- und Soldatenrates gehaltene Rede. Rach Deutschland sei die fragliche Meldung auf Grund ihrer Wiedergabe in der dänischen Zeitung „Berlingske Tidende"" vom dl. 1. gelangt. Die beiden wichtigsten Sätze in dem Berichte lauteten: „Die Imperialisten behaupten fälschlicher­weise. dcß wir Sonderverhandlungen führen wollten", und in einem späteren Absatz: „Die russische Dele­gation will von ihren Forderungen nicht Abstand nehmen und will keinen Separatfrieden schließen." Das Weltfiche Telegraphen - Burreau habe am 29. l v abends, aus Stockholm diese Mitteilung tu französischer Sprache als Meldung der MtzrZburger Telegraphrn-Agenh«