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Freitag» 8. Februar 1918.
klbend-klusgabe.
Nr. 66.
66. Iabrgang.
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Klarheit der Lage.
Der Versailler Kriegsrat und die-über seine Beratungen veröffentlichten amtlichen Mitteilungen haben die politfche und militärische Lage in sehr erwünschter Weise geklärt und haben alle Zweifel beseitigt, die etwa noch über die weitere Entlvicklung des Krieges herrschen konnten Nach den Reden der verschiedenen Regierungsvertreter sowohl bei uns wie bei der Entente konnte man vielleicht immer noch die Hoffnung haben, doß sich daraus eine Annäherung ergeben würde, und dotz es möglich wäre, aus einer mittleren Linie zum Frieden zu kommen. Derartige Erwägungen mutzten naturgemäß auch auf die militärische Beurteilung und Entschlüsse einwirken. War tatsächlich eine Friedensaussicht vorhanden, konnte man hoffen, durch weitere Erörterungen zu einem gegenseitigen Verständnis zu kommen, so war die Absicht verständlich, entscheidende Operationen hinauszuschieben und Verluste und Opfer zu vermeiden, die vielleicht nicht unbedingt notwendig waren. Daraus ergab sick eine St ajf t i f des A b» Wartens, das Schwert blieb in der Scheide, das Wort und die Feder beherrschte die Lage. Ein derartiger Zustand des Wartens ist aber auf die Dauer schwer zu er- tragen und stellt an die Nerven der ganzen Bevölkerung die allergrößten Anforderungen.
Wie der Blitz ist die Verwiller Erklärung der Entente in diese unsichere Lage hineingefahren und hat mit einem Schlage volle Klarheit geschaffen._ Unsere Gegner halten immer noch an ihren w e i t g e st e ck t e n K r i e g s z i e l e n f e st, Erkennen die jetzige Kriegslage noch nicht als bindend und endgültig an, hoffen auf eine Niederwerfung und Besiegung der Mittelmächte und wollen deshalb den Krieg mit allen Kräften unter höchster Anspannung fortsetzen. Alsa weiterer Kamps, weitere Opfer. Aber nicht wir sind schuld daran, wir hohen dem Gegner oft genug unsere Friedenshand dargeboten, unseren Friedenswillen erklärt, wir sind auch heute noch zu einem ehrenvollen Frieden bereit. Wenn aber die Entente ihn nicht haben will, sond-rn uns den Kampf aufzwingt, dann müssen auch wir w e i t erkämpfen, und zwar ebenfalls mit allen Mitteln und mit höchster Anstrengung, um den Gegner zu besieaen. seine Strertkraft zu vernichten und ihn so zu . erschüttern, daß er die Lust an der Fortsetzung des Kampfes verliert und daß bei ihm jene Stimmung erzeugt wird, auf der allein ein annehmbarer Friede auf-' gebaut werden kann. Jetzt mutz das Schwert wieder ge- zcgen werden, das Wort, die Feder treten tnrück. Mars regiert die Stunde. Nicht mehr politische Erwägungen und Rücksichten beeinflußen die Lage und Entschlüsse, die militärischen Gesichts Punkte stehen wieder im Vordergründe. Nach dieser Richtung hin kann uns die Klarheit, die der Versailler Kriegsrat gebracht bat, nur erwünscht sein. Er wird fördernd auf die beabsichtigten Operationen wirken.
Was unsere Oberste Heeresleitung beabsichtigt, wissen wir nicht, wollen uns auch darüber nicht den Kopf zerbrechen, wir können wie bisher das v oll st e Vertrauen zu Hindenburg und Ludendorff haben, daß sie unsere Arnwe zur richtigen Zeit zum Siege führen werden. Die Entente steht unter dem Ein- druck, daß nach dem Ausscheiden Rußlands eine deutsche Offensive ans der Sestfront zu erwarten ist. Sie richtet sich nur aus die Defensive ein und hat zunächst alle Anariffsvläne aufqegeben, auch in den Beschlüssen des Versailler Kriegsratrs 'st nur von der ?lbwebr des bestimmt zu erwartenden deutschen Angriffes die Rede. Die Vorhand ist also. auf die deutsche Führung übergegangen. Darin spricht sich am deutlichsten der Umschwung der Kriegslage' aus, wie er in der letzten Zeit einaet»eten ist. Es bedeutete dies aber zugleich eine offene Anerkennung der deutschen Überleaenheit. Seit der Marneschlgcht im September 1914 bis zn den Tagen von Cambrai im Noveniber 1917, während voller drei Fahre war die Kriegführung der Entente von der Offensive beherrscht. Der Durchbruch der deutschen Stellungen war das Leitmotiv, solange die deutsche Hanvtkräfte durch das russische Millionenbeer im Osten gebunden waren und nnr eine Minderheit an der Westtront verfügbar war. Fetzt aber, wo durch die Umwälzung in Rußland ein aewilser Kräfte- a u s g l e i ch eingetreten ist und die Entente nicht mehr über die aewaltige stberlegenhest verfügt, da verschwindet der Osfensivaedanke und die Entente steht nur noch in der Erwartung und unter dem Druck der deutschen Offensive. _
Oer Tagesberi-61 vom 8. Februar.
W. T.-ß. Großes Hauptquartier, 8. ge&r. (Amtlich.)
Sfteflltrfter Kriegsschauplatz
Fe.sk au der ganzen Front war die Gefechts« tätigkert gering.
Auf dem östlichen Maasufer beiBezonvaux und südwestlich von O r n e s brachte unsere Infanterie von Erkundungen eine Anzaül Gefangene zurück. Tagsüber blieb die Artulerie in diesem Abschnitt tätig.
Bon de» anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Grneralquariiermeister: Ludendorff.
26 009 Tonnen im Mltelmeer.
W. T.-B. Berlin, 7. Febr. (Amtlich.) Neue llntersee- bootserfolge im westlichen Mittelmeer: 26 000 Bruttoregister- ii'tmen. Die dadurch unseren Feinden zugefügten Verluste haben Len Transportverkehr nach Frankreich und Italic n schwer getroffen. Unter den versenkten Schiffen befinden sich zwei große-Transportdampfer und ein Tankdampfer, der mitsamt seinen Begleitfahrzeugen vernichtet wurde und anscheinend Benzin oder Naphtha geloben hatte, da er unter einer ungeheuren Feuersäule versank. Auch fünf italienische Segler sielen dem Angriff der Unterseeboote zum Opfer, unter ihnen die Schoner „Attilio^ ..Urania" mit Korkladung und „Maria SS. bei Haradino . An den vorstehenden Erfolgen war in erster Linie ein kleines Unterseeboot unter Führung des Oberleutnants zur See N e u m a n n beteiligt. v
Der Chef des Admirakstab? der Marine.
Der erste amerikanische Truppen- transporldampfer torpediert.
W.T.-B. London, 8. Febr. (Drahtbsricht. Reuter. Amtlich.) Der Dampfer „T u s ch a n i a" (14 348 Brnttoregistcrtonnen) wurde in der Nacht zum 5. Februar mit amerikanischen Truppen an Bord in der Nähe der irischen Küste torpediert. Im ganzen befanden sich 2397 Personen an Bord. Hiervon wurden *187 ge- rettet. Nach den bisherigen Angaben befinden sich unter den Geretteten 76 Armecoffiziere, 1935 Mannschaften, 16 Schiffsaffiziere und 125 Mann Besatzung und 3 Passagiere sowie 32 Personen, über dre keine Angaben vorliege».
vi« steigende Wirkung des U«Bootfcriege» in England.
Berlin, 8. Febr. (zb.) In der „Nordd. Allg. Ztg " wird die Lebensmittelfrage in England besprochen. Alle Meinungsverschiedenheiten. Mißstimmungen und die Unzufriedenheit, tic in der englischen Presse zum Ausdruck kämen, gingen um den Kern der Wahrheit herum, weil niemand eingestehen wolle, was er mit eigenen Augen sehen könne: Der Unter- scek-oLtsklieg macht sich in England -jetzt so stark fühlbar daß seine entscheidende Mitwirkung an der Beendigung des Krieges auch in England selbst nicht mehr geleugnet werden könne. Die jetzt beschlossene Zwangsrationierung der Lebensmittel böte einen Beweis dafür.
Australische Besorgnisse um Englands Verpflegung.
W. T.-B. Bern, 7. Febr. Nach einem Telegramm aus Sidneh an die „Times" vom 30. Januar ist die Besorgnis in Australien über die Lebensmittelversorgung in England im Steigen begriffen. Eine neue Bewegung arbeitet daraufhin, die Behörden zu einer weiteren Einschränkung der Küsten- schiffahrt zu bewegen, um dadurch mehr Schiffe fiir die NahrungSzufuhr nach London freizubekommen.
Wer verdient Glauben?
W.T.-B. Christiania, 6. Febr. Zu den Äußerungen des Ersten Lords der englischen Admiralität Ged des, der Unterseöbootskrieg habe keine Bedeutung m e h r, die deutsche Admiralität fälsche ibre Meldungen, was aus der befriedigenden Kurve, die er habe, hervorgehe, schreibt
Sozialdemokraten", die norwegische Schiffahrt habe eine abweichende Erfahrung gemacht; hiernach sehe es sogar so aus, als ob die Deutschen mehr versenkten, als sie selbst zugestehen wollten. Es könne wohl sein, daß sie ob und zu auch ein englisches Schiff träfen. Die Kurve, die Geddes so sehr befriedige, könne nur ein geringer Trost für die Neutralen sein. Auf Grund der eigenen Erfahrungen und der englischen Rationierung, die doch kein bloßer Spaß lei, sollte man eher geneigt sein, den Deutschen zu glauben.
Die englische Thronrede.
Die in ihrem wesentlichen Inhalt bereits in der Morgen- Ausgabe mitgeteilte Thronrede schließt: Meine Herren vom Hause der Gemeinen! Ich danke Ihnen für die Bereitwilligkeit, mit der Sie für die Deckung der schweren Kriegsausgaben Sorge getragen haben. Meine Lords, meine Herren! ES bat mich gefreut, meine Zustimmung zu Ihren Vorschlägen für eine bessere Vertretung des Volkes geben zu können. Ich vertraue, daß diese Maßnahme einer größeren Anzahl meiner Untertanen im Vereinigten Königreich eine wirksame Stimme in der Regierung des Landes sichern und ermöglichen wird, daß die nationale (Sinken. die ein bemerkenswertes Zeichen im Kriege gewesen ist, auch lei dem nicht weniger schwierigen Werke des Wiederaufbaues in den Zeiten deS Friedens andauert. Die Entscheidung dieser schwierigen Frage durch ein Ab
kommen läßt mich noch hoffen, daß trotz aller Verrvickeltheii des Problems eine Lösung hinsichtlich der Regierung Irlands möglich ist, über die der Konvent von Vertretern meines irischen Volke? gegenwärtig berät.
Tic erfolgreiche Fortsetzung deS Kriege« ist noch unser erstes Ziel und Bemühen. f Ich habe voll Stolz und dankbaren Herzen? di« unverändert« Begeisterung beobachtet, mit der alle Teile meine? Volke? jeder zu diesem Zweck an sie herangetretenen Aufforderung entsprochen haben und den letzten Prüfungen in? Auge blicken, die noch-nötig sein werden, um unsere Anstrengungen fruchtbringend zu gestalten. Ich flehe zu dem allmächtigen Gott, daß er uns seinen Segen geben möge.
Der Kommentar der „Germania".
Berlin, 8, Febr, Nicht an einer einzigen Stelle läßt die englische Thrrnrcte wie die „Germania" hervorhebr, den Wunsch erkennen, das Blutvergießen möge baldigst beendet werden, England scke nur den Krieg und seine Fortsetzung. Die Worte des englischen Komps ließen den abgrundtiefen Spalt erkennen, der zwischen linkeren und den Kriegszielen der Gegner klaffe. König Georgs kalte Worte vcn der Fortsetzung des Krieges bestätigten tic Auffassung, daß selbst die sogenannten gemäßigten Kriegsziele unserer Feinde mindestens noch zehn Prozent deutschen Bodens heischten. Es habe keinen Zweck zu verschveigen, daß die Hoffnungen auf einen baldigen F r i e d e n ans dem Nullpunkte stehen. Der König von Eng- land bestätigt es, daß da» ehemalige Zarenreich als Kriegsfaktor aus- geschieden sei. Das ist allerdings ein für uns nicht zu umerschätzen- der Gewinn, den in die Waxschale nach Westen werfen wir gewiß nicht verfehlen werten. Wir tun das mit dem festen Brrrranen aus die bewährten Hände, in denen Deutschlands Schicksal geborgen ist, cber es genügt nicht für »in«, zu vertrauen. Wir muffen auch die Folgerungen aus der Lage voll und ganz ziehen und vor allem die innere Front Hochhalten und stärken.
In der „P o st" heißt es; Di« Thronrede bildet gewissermaßen den Gipselpunkr der neuen Kriegspolttik uns-rer Feinde. Bon zwei Betrachtungen wird sie beherrscht, von dem Ausfall Rußlands in der From der Verbündeten und von dem Eintritt A m e r i - k a s als Bilndesgrnosic. Beide Ereignisse bilden m der Tat den B e - ginn einer neuen Kriegsphase, nur würde diese keineswegs das enienlefreundliche Gesicht zeigen, von dem der englische König sowohl zu seinen Bundesgenossen wie zu seinem Volke spricht.
Unsere Luftangriffe auf Paris.
W.T.-B. Berlin, 7. Febr. Deutsche Bombengeschwader haben in der Nacht vom 30. zum 31. ,Januar zum ersten- mal planmäßig und kraftvoll die Stadt Parts angegriffen. Der Angriff war erfolgreich, Verluste und Schaden nach dem amtlichen französischen Bericht stark. Die Strafe, die die Stadt Paris damit erduldet hat, war hart, aber gerecht; schon vor einem Vierteljahr hatten wir Frankreich durch Funkspruch gewarnt, die Bombenangriffe auf offene deutsche Städte weit außerhalb der deutschen Operations- gebiete fortzusetzen. Wir lwtten gedroht, daß, falls diese Luftangriffe nickt aufhörten. Paris die Strafe zu tragen hoben würde. Frankreichs Regierung hat nicht gehört. Am heiligen Weihnachtsabend überfielen feindliche Flieger die offene Stadt Mannheim, sie griffen im Laufe deS Januar die offenen Städte Trier, Heidelberg. Karlsruhe, Rastatt. Freiburg in zweckloser Weise mit Bomben an. Die Stunde der Strafe war gekommen. Frankreich ist abermals gewarnt, nicht mehr durch Worte, sondern durch die Tat. Und sollte auch diese warnende Strafe unbeacktet bleiben, sollten wiederum friedliche deutsche Heimstätten durch feindliche Fliegerbomben zu leiden haben, so wird die Stadt Paris erneut die vergeltende Strafe zu erdulden haben in einem Umfang und einer Stärke, wie sie rückfälligen Verbrechern gegenüber am Platze ist.
Nach der Lntentekonferenz.
— Berlin» 8. Febr. (zb.) Wie dem „B, L.-A." aus Lugano berichtet wird, ist Orlando, nachdem er gestern früh aus Paris eingetroffen und zur Berichterstattung beim König an die Front abgeceist war, nun wieder in Rom angekommen. Am Nachmittag wurde eine Sitzung des Ministerrats abgehalten, die sich mit reu Ergebnissen der Verhandlungen der Pariser Ententekcmfevenz be- schäfttgte.
Die Amerikaner an der Westfront.
Br. Rotterdam, 8. Febr. Nach dem „New Uork Gvening Sun" haben die amerikanischen Truppen in Frankreich eit, Stück von der Front in Lothringen übernommen.
X Russland.
General Brnssilow verhaftet.
Berlin, 7. Febr. (zb.) Das „B. T," meldet aus Petersburg: General B r u s s i l o w ist am Dienstag in Moskau auf Befehl des dortigen Sowjets von der Garnison verhaftet worden.
Eine lettische Stimme für den ksnschlutz an ventschland.
Berlin» 8. Febr. lzb.) Das Eintreten einer lettischen Zeitung in Riga für den Anschluß an Deutschland ist nach der „Tägl. Rundschau" von besonderem Wert deshalb, weil dies« Kundgebung nicht von der deutschen, sondern von der lettischen Bevölkerung ausgeht, der man irgendwie Voreingenommen-, beit für Deutschland nicht urchfrgen könne.
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