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Donnerstag, 7. Zebrnar 1418. £tb<5tt6 s £IUSQflb<t. Nr. 64. - 66. Jahrgang.

Die neue Verhandlungsphase in Sreft-Litowrk.

O Berlin, 5. Februar.

Es wird voraussichtlich nur noch wenige Tage dauern, bis man wissen wird, welche Richtlinien für un­sere Politik im Osten aus den Besprechungen zwischen Kühl mann, Czernin und L u d en­do r f f hervorgehen werden. Die Notwendigkeit, den Quertreibereien Trotzkys einen Riegel vorzu- fchieben, muß jetzt auch der Geduldigste schon anerkannt haben, die u n w ü r d i g e R o I l e, in die uns die Russen in Brest-Litowsk versetzt haben, darf nicht weiter­gespielt werden, und es tragt sich nur, .wie man über sie hinwegkommt. Es ist ja möglich, daß Herr Trotzky an­dere Saiten anfzieht, wenn er erkennt daß wir uns nicht länger zum Narren halten lassen wollen; es ist aber auch möglich, daß in Berlin und Wien bereits Beschlüsse gefaßt worden sind, die von der unvermeidlichen E r- gebnislosigkeit der Friedensverhandlungen als einer Tatsache ausqehen und somit Ziele verfolgen, die durch russisches Einlenken nicht mehr berührt werden können. Eines dieser Ziele, das schon mit Bestimmt­heit gezeigt wird, liegt in der Linie der entschlossenen Beihilfe zur . völligen Selbständigkeit der Ukraine. DieN. A. Z." hat es ja deutlich genug gesagt, daß wir und unsere Verbündeten, wenn die Bolschewiki ihre Mitwirkung zur Neuordnung verwei­gern, die westlichen Randvölker Rußlands aus eigenem Willen und eigener Kraft aus die Bein? stellen werden, so daß sich ein Kranz von neuen Staaten vom nördlichen Eismeer bis zum Schwarzen Meer zwischen Westeuropa undNordrußland'' legen werde. Einer dieser Staaten wäre also die Ukraine. Dabei ist aller­dings, die Voraussetzung, daß die Ukrainer weitaus überwiegend gewillt sind, sich vsn dem RKctBverbande dauernd zu trennen. Wie nun aber, wenn dies« Voraussetzung so sicher nicht ist, wie sie den Staats- männern unserer Mittelmächte vorschwebt? Man muß doch bedenken, daß die Kiewer Rada zunächst gar nicht die Selbständigkeit beanspruchte, sondern die Ukraine als ein Glied innerhalb der russischen Föderativ repnblik ausgestaltet wissen wollte, und daß gerade Trotzky es war. der den Ukrainern das, zunächst gar nicht begehrte Geschenk der völligen staatlichen Selbständigkeit förm­lich aufdrängte. In welchem Lager heute die Mehrheit der Ukrainer steht, ob in der Kiewer Zentralrada oder in der bolschewikischen Gegenrada von Charkow, das Wird nicht so leicht zu sagen sein; die Vermutung, die doch immer für d-ie Bewahrung der Vernunft spricht, spricht damft zugleich dafür, daß das bolschewikftche Fieber wieder zuriicktreten wird daß also die Ukrainer, solange der Wahnsinn in Petersburg undNordrußland" rast, in der Tat ihr Schicksal von den, des bolschewiki­schen Unfugs, lösen wollen. Aber das kann sich ändern, sobald erst in Rußland selbst mit den Verrücktheiten aufgeräumt worden ist, die nur durch ein beispiel­loses Schreckensregiment den Schein von Be­stand annehmen konnten. Wird dasSystem" der Lenin und Trotzky, das tatsächlich überhaupt keines ist, erst ein-. mal gestürzt sein, werden hiernach die Sozial- revolutionäre, vielleicht sogar ans Grund einer Ver­ständigung mit der bürgerlichen Demokratie, das Steuerruder wieder in, die Hand bekommen, wer bürgt uns dann dafür, daß die Ukraine eine S e l b st ä n d i g- keit wird b ehailpten wollen. die sie anfangs selber, nicht begehrt hatte? Andererseits freilich könnte sich eine Poliftk der Mittelmächte, die auf die Unter- stützimo der Ukraine ansgeht, ganz gut auch mit dieser Möglichkeit einer Rückkehr des neuen Staatswesens zur russischen Föderativrevublik in Einklang bringen lassen. Nur erst eine gangbare Straße muß hergestellt werden, auf der die Probleme des Oltens einer Ord- nuna entgegengebraeht werden können, und das soll jetzt »ffenbar geschehen, m i t Rordrußlanö wenn dieser da- bei sein will, gegen Nordrußland, wenn eS sich weiter versagt Hw bisher. Indem nun aber die ukrainische Frone fest in die Sand genommen werden soll, bekommt Mtzftch die rumänische Frage ein neues Gesicht. Die Perbandlungen in Sinaia über den Abschluß eines Waffenstillstands haben begonnen, und damit ist gesagt, daß zugleich über die Zukunft Rumäniens entschieden werden wird. Denn es liegt nach dieser Seite bin ja nicht so wie nach der russischen. So furchtbar Rußland geschlagen worden war, so blieb und bleibt es selbstver- ständftch die große Macht, mit der man sich zu verständi­gen bereit war. Rumänien dagegen wird sich in seiner Ohn macht,,vollkommen zu Boden geworfen und von isder Hilfe für , immer abgeschlossen, gefallen lassen mnsien. was wir mb unsere Verbündeten über seine Zukunft beschließen. ES könnte iedoch lern, daß sich das Schicksal dieses Staates noch seltsam freund» lich gestaltet. Dabei würde lam einem Wohlwollen. &

dem wahrlich keine Veranlassung vorliegt, nicht zu sprechen sein, sondern wenn Rumiinien besser davonkäme, als es seine verrottete Regierung selber jemals erwarteil konnte, so würde es diese W e n d u n g nur der merk­würdigen Umkehrung aller Verhältnisse im Osten und Südosten verdanken. Um auf den Kernpunkt hinzu­weisen, so entsteht also die Frage; Was wird aus Beßarabien? Und diese Frage wieder mündet in die nach dem Schicksal Rumäniens. Der Sachverhalt ist der, daß, wenn die Ukraine aus Grund des Selbst­bestimmungsrechts der Völker ihre Selbständigkeit er­langt, iei es als souveräner Staat oder als Gliedstaat eitler allrussischen Republik, Beßarabien mit seiner über­wiegend rumänischen Bevölkeriing durchaus beanspruchen könnte, ebenfalls nach dem Rechte der Selbst­bestimmung behandelt zu werden. Den Einwohnern wäre nicht zuzumuten, gegeii ihren Willen einem ukrainischen Staatswesen anzugehöreu, die Ukrainer ^elbst würden wohl unschwer dazu zu bewegen sein, den beßarabischen Rumänen die Bereinigung mit Rumänien selbst sreizustellen, und so könnte sich dort unten das wunderbare Schauspiel darbieten, daß gerade Rumänien glimpflicher, als es sich je träumen liest davonkommt, und daß es für die Abtretung derDobrudscha an Bulgarien durch die Ausdehnung seiner Grenzen nach Nordosten entschädigt wird, somit Donaumündungsstaat bleibt und als Objekt mittel­europäischer Politik die Handhabe dazu bietet, daß eine russische Föderativrepublik oder auch ein selbständiger ukrainischer Staat aushört, II f c r ft et a t unseres mittel­europäischen Hauptstroms zu bleiben. Wir werden sehen, ob die Entwicklung der Dinge in dieser Richtung ver­laufen wird, mit der Möglichkeit haben wir zu rechnen.

*

(Eine letzte deutsch-offiziöse Warnung an Herrn Trotzky.

Berlin, 7. Febr. Unter der ÜberschriftDie neue Verhandlungsphase in Brest-Litowsk" schreibt dieNordd. Allgemeine Zeitung":

Mit Spannung, aber ruhiger Erwartung sieht das deutsche Volk auf den Wiederbeginn der Ver­handlungen. Unsere Diplomaten haben bis jetzt Herrn Trotzky die äußer st eGed ul d und das w e i t e st e Entgegenkommen bewiesen, um den Russen Ge­legenheit zu geben, durch einen Frieden der Ver­söhnung und der V e r st ä n d i q u n g inl Wege des Kompromisses zu einer für beide Länder be­friedigenden Lösung zu komnien. Die bisherigen Ver­handlungen und der begleitende Chorus der russischen Funksprüche zeigen nicht, daß die Russen diese Geduld und das Entgegenkommen zu würdigen verstanden hätten. Ein Gipfelpunkt der E n t st e l l u n g ist es, wenn Trotzky jetzt nach Petersburg telegraphiert hat, daß die D e u t s ch e n die Verhandlungen verschlepp­ten. Das Organ der Mehrheitspartei der Sozialdemo­kraten in Leipzig, so schreibt dieNorddeutsche Allgem. Zeitung", schreibt im Anschluß an einen Artikel der Prawda": Die Bolschewisten sollten sich lieber ernsthaft um einen vernünftigen Frieden bemühen, als aus die internationale Revolution zu lauern und zu spekulieren. Die Völker wollen den Frieden und niemand in Deutschland sehnt sich nach der Beglückung durch Trotzkys Roter Garde." In diesen Worten sieht Herr Trotzky die Meinung der überwiegenden Mehr­heit des deutschen Volkes, die vollkommen klar zürn Ausdruck kommt. DieNorddeutsche Allgemeine Zcitung" hofft, daß er sich dieses Rezept zunutze machen und jetzt ernsthaft zu den Friedensbedingungen in Brest- Litowsk übergehen werde.

Mit der Ukraine.schreiten die Verhandlungen gut fort. Gelingt es, mit ihr einen Abschluß zu- standezubringen, w kann uns die Entwicklung der Frie­densverhandlungen mit.Herrn Trotzky gleichgültig sein. Nicht die Mittelmächte, sondern -Herrn Trotzkys einene Partei und das aus tausend Wunden blutend« Rußland werden dam» die Rechnung zu bezahlen haben.

Trotzky fahrt wieder nach Petersburg.

Berlin, 7. Febr. (zb.) Wie der23. L.-A." nach der Prawda" berichtet, würde Trotzky in den nächsten Tage» vorübergehend wieder in Petersburg erwartet, um an d«, wichtigen Beratungen des Kongresses der S e m st w o - V e r. bände teilzunehmen.

ttefne Verbindung petersburg-Vrest-Litowsk.

W. T.-B. Petersburg, 6. Febr. (Meldung der Beters- burger Telegraphen-Agentur.) Seit vier Tagen sind die direkten telegraphischen Verbindungen mit Brest-Litowsk unterbrochen und bisber ist keine amtliche Meldung über die Friedensverhandlungen veröffentlicht worden.

Polen bei den Zriedensvertzandlungen in Brest-

Litowsk nunmstzr vertreten?

Berlin, 6. Febr. (zb.) Die polnische Regierung ist davon verständigt, daß sie üi der einen oder andere« Form zu den

JjanMunyn in L-est-Litowsk zugezogen wer­

den wird. Bei den jüngsten Berliner Verhandlungen ist auch übec diele Frage eine Entscheidung getroffen worden.

W. T.-B. Warschau, 6. Febr. Die in Lublin erscheinende ZeitungGlcs Lubelski" vom 2. Febr. bringt eine Mit­teilung des interparteilichen Klubs der oppositionellen Krerse Polens, die sich unter nationaldemokratischer Führung ver­einigt haben, zum Abdruck, worin u. a. folgendes festgestellt wird:Die Behauptüng der deutschen Abordnung in Brest- Litowsk, das polnische Volk Hätte sich in seinem Streben nach Biltung eines unabhängigen polnischen Staates schon ent­schieden allgemein für die Lostrennung des Königreichs Polen von Rußland ausgesprochen, entspricht der vollen Wahrheit. Diese tatsächliche Lage ist vollständig unbestritten. Jene For­derungen können auch durch dir vorläufig gebildeten Smats- körperschaften vertreten werden."

Lin maximalistisches Ultimatum an den polnischen Generalstab.

W. T.-B. Petersburg, 6. Febr. (Meldung der Peters­burger Telegraphen-Agrntur.I Am 30. Januar bemächtigten sich polnische Legionäre in einer Stärke von 26 000 Mann verschiedener Waffengattungen, die unter der Führung des Generalstabes des Hauptquartiers standen, der Stadt Ro - g a t sch a s. Der Sowjet wurde zerstreut sowie 1 600 000 Rubel Bargeld wurden mit Beschlag belegt. Viele russische und polnische Sozialisten wurden verhaftet. In Rogatschas zurückgehaltene russische Soldaten wurden erschossen. AuS Rogatschas wird gemeldet, daß sich dort die Gärung der Geister bemerklich zu machen beginnt. Der Generalstav wurde verhaftet. Die einsichtsvollen Soldaten weigern sich, sich zum Spielball der Bourgeoisie machen zu lassen. Die sozialistische Regierung hat dem polnischen Generalstab ein Ultimatum überreicht, worin die Räumung Rogatschas, die Einstellung der Gewalttätigkeiten und Verhaftungen ge­fordert werden. Von dem Ausgang der Revolte hängt das Schicksal der in unseren Händen befindlichen polnischen Geiseln ab; wir halten es für notwendig, sie selbst nach der Erstickung der Revolte im Gefängnis zu behalten.

Cf« Verluste der Bolschewiki im Süden.

Berlin, 7. Febr. (zb.) DieKreuzztg." sagt im Anschluß

an die Berichte ans Südrußland: Die maximalistische Be­wegung verliert innerhalb der Ukraine immer mehr an Boden.

General Klexejew im Vorrüchen gegen di« maximalistische« Truppen.

W./T.-B. Petersburg, 7. Febr. (Drahtbericht. Tele­graphen-Agentur.) Das Smolny-Jnstitut veröffentlicht fol­gende Meldung: Zwischen Kaledin und General Alexejew brach ein Streit aus. Letzterer bestand auf der Notwendig­keit eines nachhaltigen Kampfes gegen die Maxi­mal i st e n, nicht nur in der Dongegend, sondern in ganz Rußland. Da Kaledin bekannt ist, daß die Sympathien der Arbeiterklassen und der Kosaken auf der Seite des maxima- liitiscben Grundsatzes stehen, sprach er sich für eine weniger unversöhnliche Haltung ans. Infolge des Streitfalles ist Alexejew, nachdem er eine Armee von 80 000 Mann zu- sammengezogen hatte, mit dieser aus der Dongegend abmarschiert. Das Smolnh-Jnstitnt hat Maßnahmen ergriffen, um die Marschrichtung Alexejews und feiner Armee zu erfahren und um diese, Bewegung zur rechten Zeit aufzu- holten. Der große wirtschaftliche Beirat im Rat für Volks­kommissare erklärte alle Bergwerke im Donetz- I ecken, welche von ihren Eigentümern verlassen sind, für Staatseigentum.

Aufhebung des bäuerlichen Eigentumsrecht.

W. T.-B. Petersburg, 6. Febr. (Petersburger Telegra­ph enagentur.) Der dritte Hauptkongretz der Ar­beiter, Soldaten und Bauern hat die Landgesetze angenom­men, die das Eigentumsrecht an privatem Landbesitz aufheben und dieses Recht jedem Vorbehalten will, der das Land mit seinen eiger;>en Händen bestellen will. Diese Be­schränkung gilt nicht für die Berulfsgenossenschaften. In den vorbereitenden Hwuptausschuß wurden 300 Mitglieder ge­wählt, darunter 160 Bolschewiki und 125 revolutionäre Sozia­listen des linken Flügels.

Durchsuchung der dänischen Gesandtschaft ln Petersburg.

W T^Bl Petersburg, 7. Febr. (Dvahtbericht. Tetegv».

phenagentur.) Gemäß den getroffenen Bestimmungen über Nachforschungen nach hinterzogenen Lebens­mitteln in den einzelnen Wohnungen erschien heute mor­gen eine Abteilung Soldaten in der dänischen Gesandtschaft, um eine Durchsuchung vorzunehmen. Der Gesandte er­klärte zunächst dem Führer der Abteilung, einem einfachen Soldaten- daß in den Räumen einer ftemden Gesandtschaft eine Durchsuchung nicht vorgenommeu werden dürfe. An­gesichts des Widerspruchs des Führers der Abteilung mutzte der Gesandte sich daraus einlassen, mit ihnen zu verhandeln, ohne übrigens zu erreichen, daß die Soldaten von ihrem Vor­haben abtießen. Unmittelbar nachdem der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten benachrichtigt wor­den war, schickste dieser einen Vertreter in die Gesandtschaft, welcher ungeachtet aller gegebenen Erklärungen aus die gleiche Hartnäckigkeit bei den Führern der Abteilung stieß. Dieser nahm dann eine Durchsuchung in den Räumen der Gesandtschaft Oos, tqo sich allerdings LehmiÄnsttMeMrij«