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Donnerstag» 7. Zebruar 1918.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 63. . 66. Jahrgang.
Die kommende Riesenschlacht im Westen
Durch die schmetternde neue Kriegserklärung der Entente in Versailles ist der ..Friedenswille" unserer Feinde blutigrot beleuchtet worden. Die Fanfare des „Obersten Kriegsrates" wird auch einen Vorteil aufweisen, denn für alle in Deutschland lind im neutralen Auslande ist nun endlich einmal mit völliger Klarheit festgestellt worden, daß die Entente nur Krieg und noch einmal Krieg will, und daß srch jeder Deutsche aufs schwerste an seinem Vaterland? versündigt, der nicht alles tut, um die Verteidigung des Landes möglich zu macken. Die Entente will trotz ihrer schlechten militärischen Loge keinen „Versöhnungsirieden". sondern nur den Unterqang Deutschlands. Alle Hoffnungen auf eine menschliche Haltung der Führer Englands und Frankreichs sind auch jetzt nach #4 Kriegsjahren zuschanden geworden. Sie wollen das Verderben Deutschlands und wenn Europa darüber zugrunde gehen sollte. Die kommenden Monate werden in die augenblicklichen schwebenden und unklaren Verhältnisse größere Klarheit bringen. Darüber sind sich die maßgebenden Männer Englands und Frankreichs klar, daß ein furchtbarer Kampf um die Ent- s ch e i d u n g bevorsteht. Wir wissen, daß in den Zeitungen unserer Feinde die Frage, ob Deutschland eine Offensive größten Stiles mit gewaltigen Truppen unternehmen werde, im Vordergründe des Interesses steht. Während dieser Diskussion trifft die feindliche Heeresleitung selbst Vorbereitungen größten Moßstabes, um allen Anforderungen gerecht werden zu können. Wir hören, daß die rückwärtigen Stel- lungen stark ausgebaut werden, um dem zu erwartenden Ansturm der deutschen Truppen erfolgreich begegnen zu können. Dabei soll das deutsche Beispiel vorbildlich gewesen sein. Andererseits erfahren wir, daß starke Kräfte an die Front herangezogen werden. Sogar die nach Italien entsandten Hilsstruppen der Entente sollen zurückgezogen werden, ein Vorgang, der in Italien aus den stärksten Widerspruch stößt. In Frankreich selbst sollen die Jahrgänge 18 und 19 zu den Waffen einberufen werden, und Hervä, der Narr der französischen Kriegshetzer und Propheten, beeilt sich, mit leerem und lächerlichem Pathos zu versichern, daß diese Truppen nur als Garnison von Metz und S t r a ß b u rg ausersehen seien. Er wird vielleicht eine kleine Enttänschnng erleben, und niit ihm die Eltern der Mannschaften, die er mit seinen Prophezeiungen trösten will. Im großen und ganzen bat es aber den Anschein, als ob die Entente sich fürs erst? defensiv Verhalten wolle, um den Von ihnen erwarteten deutschen Ansturm ausznhalten. Ihr? Hoffnungen sind ia tat- sächlich ganz anderer Natur, als es nach den hochlraben- den Erklärungen von Versailles den Anschein hat. Danach scheint es, als ob die Entente selbstverständlich mit dem Siege rechnet, da sonst die böswillige Verlängerung des Krieges trotz des entgegenkommenden Verhaltens der Mittelmächte auch bei den eigenen Völkern die größte Erregung Hervorrufen würde. In Wirklichkeit glaubt aber niemand weniger an den Sieg, als die Heeresleitungen unserer Feinde. Sie hoffen nur ans Amerika und auf die Unzufriedenheit unserer Völker. Wenn sie dabei mit dem jüngsten Streik rech- neu. dann werden sie bald merken, daß st? sich verrechnet ballen, da das deutsche Volk in seiner überwiegenden Mehrheit dem Dernichtungswillen unserer Feinde den letzten Blutstropfen entgegensetzen wird. Nunmehr werden die prophetischen Worte Hindenburgs Wahrheit werden, daß auch im Westen nur der Sieg den Frieden bringen wird und kann.
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Die klussichten der deutschen west-Dffensive in neutralem Licht.
Neben den ausschweifenden Phantasien unserer westlichen RedaktionLstubengegner, die vom völligen Zusammenbruch der deutschen militärischen Kraft zu schwatzen wagen, während wir Rußland zum Waffenstillstand genötigt haben und in Frankreich, Italien, Serbien und Rumänien tief in Feindes- land stehen, wirkt ein unbestochenes Urteil aus neutraler Duelle besonders wohltuend. Di« schwodische Zeitung „Dagens Nybeter" vom 19. Januar bespricht die Aussichten der deutschen Westoffensive. Sie bezeichnet einen deutschen Durchbruch als möglich Fraglich sei, ab die Entente es verstehen werde, das von den Deutschen ersonnene elastischeVerteidigungsshstem anzuwenden. Aber auch wenn sie es° versiehe, so sei doch damit zu rechnen, daß der deutsche Generalstab. der dies System erfunden habe, auch Methoden zu seiner Bekämpfung ausgearbeitet habe. Außerdem verfügten die Deutschen jetzt über eine bedeutend größere Zahl von Truppen und über viel mehr Artillerie als bei i r g e n d einer früheren Ofsen- sive Das mindest e, was sie erreichen würden, sei, daß ein? Gegenoffensive von -der Endenteseite für lange Jett undenkbar werde.
Streik und Wahlrecht.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
Zu den politischen Fragen, die den Anlaß-zu den gegenwärtigen Streikbewegungen in Berlin und^ im Reiche abgegeben haben sollen, gehört an erster Stelle die des preußischen Wahl^chts. Von der Osterbotschaft bis zum Erlaß oom 14. Juli und von da bis heute liegt ein Weg, überhäuft mit allen Scherben und Trümmern politischen Kleinkampfes. Man wird sich pon vornherein klar darüber gewesen sein, daß das preußische Wahlrecht die brennendste Frage überhaupt ist. Sie war Alpha und Omega lang vor der Osterbotschaft, ist aber durch den Erlaß vom 14. Juli zum Angelpunkt nicht nur der preußischen Politik,,geworden. sondern hat die deutsche Politik überhaupt wesentlich beeinflußt. Die Sozialdemokratie verspricht sich von der Umgestaltung des preußischen Landtags einen großen, wenn nicht den größten Gewinn ihrer politischen Bestrebungen. Die anderen Parteien, soweit sie auf dem Boden des gleichen Wahlrechts in Preußen stehen, sehen in der preußischen Landtagsangelegenheit weit weniger eine Sache der Partei als eine politische Notwendigkeit, die aus der Zeit heraus entstanden ist, an der man nicht blinden Auges vorübergehen kann. Die Fortschrittliche Polkspartei sah in der gründlichen Umwandlung des preußischen Wahlrechts von je- her eine dringliche Aufgabe, die zu lösen nur eine Frage der Zeit sei. Das Z e n t r u m hatte als demokratische Partei immer ein großes Interesse am gleichen Wahlrecht, stand seiner Einführung oder Nicht- einsührung jedoch nicht so interessiert gegenüber wie die anderen Parteien, die immerhin mit Veränderungen ihre: Mandatzahlen zu rechnen hatten. Die unglück- ftchste Stellung haften die N^qtionalliberalen. Man weiß, daß innerhalb dieser Partei die^Anbanger- schaft des gleichen Wahlrechts nur gering war. Erst während des Krieges trat ein Wandel ein. Ein Teil der Nationalliberalen ließ sich durch die Erfahrungen des Krieges zum gleichen Wahlrecht in Preußen bekehren. Das waren aber mir wenige. Die Mehrzahl war gegen das gleiche Wahlrecht. Da kam der Erlaß vom 14. Juli. Jetzt stand man vor der neuen und nicht unwichtigen Tatsache, daß der König in feierlichster. Form das Versprechen aab, das gleiche Wahlrecht in Prm-ßen sinzufübren. Man weiß auch, mit welchem politischen Nachdruck das geschah: um die ausschlag
gebende Fraktion ftir diese Neuordnung zu gewinnen, wurde Dr. F r i e d b e r g, der Fraktionsfübrer, zum Vizepräsidenten des Staatsministeriums ernannt. Auch innerhalb der nationalliberalen Partei selbst hielt man nunmehr die Annahme einer solchen Vorlage für gesichert. Man glaubte dies, trotzdem sich Dr. Friedberg noch kurz vor seiner Ernennung gegen das gleich? Wahlrecht ausgesprochen hafte. Man war zu dieser Annahme auch um so mehr berechtigt, als in der letzten Zeit sich auch nationalliberale Stimmen für Einbringung einer Wahlrechtsvorlaa? während des Krieges einsetzten, was von dieser Seite vorher abgelehat worden war. Dr. Friedst-wg selber war durch die Gewalt der Tatsachen bekehrt.
Die Vorlage kam. und was viele erwartet batten, trat — nicht ein. Die Nationalliberalen bereiteten der Vorlage Schwierigkeiten. In der ersten Lesung ließ es sich sogar der jetzige Vorsitzende. Herr L o h- mann, nicht nehmen, ziemlich scharf gegen seinen Vorgänger aufzutreten. Nur hier und da tauchte in seiner Rede ein Einerseits und Andererseits ans. Die Fraktion kam aber auch durch das Mitglied Dr. Ludwig znm zweitenmal zum Wort, der sich restlos für die Reaiernnasvorlage anssvrach. Wie in den nationallibe- ralen Reden in der ersten Lesung so blieb die Haltung bis zur Stunde
Man kann den gegenwärtigen Stand der Wablrechts- frage nicht begreifen, wenn man sich nicht die Vorgeschichte noch einmal kurz vor Augen führt. Und das Zustandekommen des Wahlrechts hängt — man muß sagen leider — von der Haltung der national- liberolen Landtagsfraktion ab. Die Tatsache, daß es sich hier um ein vervfändetes Königswart bandelt, bat aber doch einig? grundsätzlich? Gegner des gleichen Wahlrechts wenigstens dahin gebracht, daß sie ihre Zustimmung van allerlei Vorbehalten abhängig machten. Vor allem wollte man, bevor das Wahlrecht unter Dach gebracht wurde, an die Beratung der .^errenbausvorlaae Herangehen, um so wenig- stens einigermaßen Si sterbe iten aeaen die Wirkungen ein"5 allzu demokratisch-m Wahlrechts zu schaf- ^an. Man kann darüber im Zweifel ftin, ob das notwendig war. Wir iedenfalls glauben — und der Gang der Ereignisse bat uns recht gegeben —. daß das nicht notwendig war. Denn das war klar voraiisznscben, daß ein solches Verfahren einer Verschleppung
bedenklich ähnlich sah. Den Nationalliberalen wurde dieser Vorwurf auch nicht- erspart, sogar aus ihrer Mitte heraus,piuthtzon sie diesen Verdacht ausgesprochen hören. Der Frakftonsführer, in die Verteidigung gedrängt, erklärte das damit, daß er nur dann die noch zögernden Stimmen für das gleiche Wahlrecht gewinnen könne. Und so kam es. daß jetzt das Wahlrecht ruhen mußte, damit erst die Hertzenhausvorlage erledigt werde, die zurzeit im Wahlrechtsausschuß beraten wird. Wie wir nun hören, wird sich die Regierung mit dieser Sachlage a b f i n d e n, dann aber energisch auf Verabschiedung der Wahlrechtsvorlage selber dringen.
Nun hat sich aber durch die S t r e i k s die Situation nicht unwesentlich verschoben. Wir stehen nicht auf dem Standpunkt, daß man der Wahlrechtsvorlage Schwierigkeiten bereiten solle, da wir sie für eine politische Notwendigkeit halten, die unabhängig von der augenblicklichen politischen Lage zu behandeln sein muß. Immerhin darf man nicht verkennen, daß die Sozialdemokratie sich durch ihr Verhalten einen großen Teil der Sympathien verscherzt hat, die sie vor kurzem noch bei den bürgerlichen Parteien in vollem Maße besaß. Sie hat aber nicht nur die Sympathien verscherzt, sondern auch das Vertrauen zu einem guten Teil erschüttert, das ihr seit dem 4. August 1914 zur Seite stand. Eine Partei, die in w kritischer Lage wie der gegenwärtigen eine Streikbewegung nicht mit allen Mitteln verhindert, die zu den schwersten Schlägen gegen unsere Kriegführung selber führen kann, kann man restloses Vertrauen nicht mehr entgegenbringen. Sie hat ein allzu gefährliches Spiel getrieben und die Gemüter allzniehr erschreckt. Nichtsdestoweniger wiederholen wir aber nochmals, daß wir es tsir nicht minder gefährlich halten, sich nun out den Standpunkt zu stellen, die Wahlrechtsvorlage nicht dnrchzubringen. Sie ist — das kann nicht oft genug gesagt werden — eine. der politischen Notwendigkeiten, die der Krieg gezeitigt hat.
Aber hat die Sozialdemokratie nun ein Recht, sich über mangelndes Vertrauen zu beklagen? Sie wird sich die Folgen selber zuznschreiben haben.. Die Folgen, die darin bestehen werden, daß sich die W i d e r st ä n d e gegen das gleiche Wahlrecht h i u f e n werden. Immer wird man in Zukunft daraus Hinweisen, daß man einer Partei, die in der ernstesten Zeit zu solchen gefährlichen Mitteln greift, wie es ein Streik ist, nicht noch durch das gleiche Wahlrecht eine größere Macht in die Hand geben wolle. Wir sagen ausdrücklich, daß solche Einwände komnien werden, nicht baß wir sie teilen, eben aus den obengenannten Gründen. Ganz besonders wird die Ausstandsbewegung auf die Elemente in der nationalliberalen Partei ihre Wirkung nicht verfehlen, die heute noch unschlüssig sind. So sind der Wahlrechtsfrage aufs neue Schwierigkeiten bereitst, die zu einem guten Teil schon überwunden waren. Die Streiks haben sie wieder aufgetürmt und, wie wir glauben, nicht nur ftir kurze Zeit. Denn die moralische Wirkung spielt in der Politik eine nicht unbedeutende Rolle. _
Rußland.
Die Bübuttg der Noten Armee.
W. T.-B. Petersburg. 6. Fobr. (Drabtberiestt. Telegraph? nagen tu r.) Mt Einwilligung des Volksbeauftragten für militärische Angelegenheiten hat sich eine musel manni- s ch e Abteilung gebildet.
Der Oberkommandierende des Petersburger Bezirks hat die Bildung des ersten Korps der Roten Garde der Bauern und Arbeiter anbefohlen. Für die Einschreibung und Zulassung der Kameraden wurden bei allen Regimentern Ausschüsse gebildet, sowie ein örtlicher Stab der Roten Garde eingesetzt. Der Kommandierende -des 428. Infanterie-Regiments Kemrada Potapoff wurde zum Instrukteur des Korps ernannt.
Die Anarchie in Petersburg.
W. T.-B. Stockholm, 6. Febr. (Drahtbericht.) In der Nacht zum 4. Februar wurde die Hauskapelle in dem Palais der Großfürstin Maria Pawlowna in Petersburg geplündert und aller Kostbarkeiten beraubt. In der gleichen Nacht brach eine bewaffnete Bande von etwa 600 Menschen in die verschiedenen Kaufläden in dem Wosnessenski-Bezirk ein. Geplündert wurden 14 Juw e li e r läd e n, 17 Kleidergeschästc und 4 Apotheken. Der ganze Bezirk wurde vom Militär mit Panzerautomobilen und Maschinengewehren umstellt. Die erbitterten Kämpfe dauerten die ganze Nacht, wobei 120 Personen getötet sowie eine noch größere Zahl verwundet wurde.
Aufhebung der Kultusausgaben!
W. T.-B. Petersburg, 6. Febr. (Drahtbericht. Telegra- phenagentur.) Die Ausgaben für Kultus- und Geistlichkeit wurden aufgehoben.
