Einzelbild herunterladen
 

-t »

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W.» Potsdamer Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Lötzow 6^62 und 6203.

>crl«g Ssnßgasir 21

SL»kter--«Le »e»ff»ei von » UDi morgen» bi» 7 llhr «tatH.

wöchentlich

12 Ausgaben.

ffenttnft

Mt. 8*50-SS.

Bon 8 lltzr morgen« bl» 7 llhr abend», «aber Gönnt«»».

Anzeiaen-Preis für die Zeile: 25 Pfa. für ör?licke Anzeigen; 35 Pfg. für auswärtige Anzeigen; 1.S5 Ml. für örrliche Reklamen: 2.5»» Mk. für auswärtige Reklamen. — Bei wiederholter Aufnahme unver- ändener Anzeigen in kurzen Zwiichenräumen entwreckender Nachlaß. - Aniriße«-Vnv»tz«e: Zur me Abend.Ausgabe di« 12 llvr mm«««: für vie Morgen-VuSgabe bi» S Uvr nackmtnag». - Für die Aufnadme von Anzeigen an vorgefchriebenen Tagen und Plätzen wirb keine Sewähr übernommen.

vez .gö.Prer» f«r beide Ausgaben: Mk. 1.20 monatlich. Mk. 360 vierteljährlich durch den Verlag Lan^aage 41. »hue Bringer lohn Mk «65 vierteljährlich durch LÜ" deurichen Postanstalten auSickliestlick S^'-ägeld — Bezug»-Bestellungen nehmen außerdem entgegen m IvieSdaben die Zweiasteüe Bi»- makUrrng 1». »»«» du Lu«äabestellen in allen Teilen der sradt; in Brebrich: die dortigen Au» »«bestelle» und in den denachoatten Landorten und im Rdemgau dre betreffenden Tagdlart-Träger.

Mittwoch, 6. s«druar 1418. Abend-Ausgabe. Nr. 62. . 66. Jahrgang.

Dir Berliner Konferenzen.

Berlin, 4. Februar.

Die Konferenzen, zu denen der Staatssekretär des Auswärtigen Herr v. K ü h l m a n n, General L u d en­do r f s und der österreichisch-ungarische Munster des Auswärtigen Gras Czernin sich heute in Berlin ein- gesunden hatten, stehen in unmittelbarem Zusammen­hang mit den Verhandlungen, die wir zurzeit mit un­seren Gegnern im Osten führen, und Berlin bedeutet in diesem Fall eine Zwiscuenstation von B r e st - Litowsk. Die außerordentlich bedeutsame Konferenz betraf zwar auch wirtschaftliche, aber in erster Reihe politische Fragen, die übrigens beide in engem Zu­sammenhang stehen. Und z: rar handelte es sich hierbei vor allem um die sogen, ukrainische Frage uird den damit zus-.mmenhängenden Fragenkomplex.

Aus der Wendung, welche die Verhandlungen in Brest-Litowsk zum Schluß genommen hatten, war un­schwer zu erkennen, daß die ukrainische Frage sich imnrer mehr aus dem Bündel der Ostscagen herauslöste und sich zugleich ihrer Lösung näherte — gefördert durch den Widerstand des „Vaters aller Hindernisse". nämlich Trotzky. Dieser eigentümliche Volkskommissar hat in den beiden letzten Sitzungen der Friedenskonferenz sowohl in bezug aus die polnische wie die ukrainische Frage erneute lehrreiche Beweise dafür gegeben, wie er das „Selbstbestimmungsrecht der Völ­ker" aufsaßt. Zuerst erkennt Trotzky für die maxima- listrsche Regierung die Unabhängigkeit Polens an, ober als er sieht, daß dessen Politik nach Westen gravi­tiert, erklärt er, es gäbe eigentlich noch gar kein Polen. Und wenn die Bolschewiki den Polen gegenüber nicht die gleiche Gewalttaktik anwenden wie in Finnland und in der Ukraine, so beruht das eben lediglich darauf, daß Polen sich des Vorzuges erfreut, von den Mittelmächten besetzt zu sein und deren Schutz zu genießen — den Schutz vor den Verkündern der Volks- und Menschenrechte.

Der Maximali st enfeldzug gegen die Ukraine hat in dieser Beziehung aufklärend gewirkt. Zuerst hat man dies Gebiet von 30 Millionen Ein- wohnern, das ja immer einen Staat in: Staate bildete und seine eigene Nationalität hat. als es sich selbständig erklärte, als unabhängig anerkannt. Aber als die Ukraine, in der sich im Gegensatz zu Großrutzland ge- ordnete Verhältnisse zu entwickeln begannen, um diese Ordnung zu fördern und zu sichern ernsthaft mit den Mittelmächten über einen Friedensschluß verhandelte, da organisierten die Bolschewisten eine Revolutions- bewegung aeaen die Rada. Und um die Mittelmächte von dem Abschluß der Verhandlungen mit der Dele­gation der Rada abzuschrecken, ließ die Petersburger Regierring durch die gefügige .Telearapben-Agentur" ihre bolschewistischen Siege in di? Welt Hinausposaunen und attachierte ihrer Delegation bolschewistische Dele­gierte als sogenannte Vertreter der Ukraine. Die Mittel­mächte sind nicht auf diesen Leim aekrochen. ;md aestützt auf die direkten Nachrichten, die sie über die Lage ln der Ukraine erhielten, haben st? die Vertreter der Kiewer Zentralrada neuerdings ausdrücklich als Verhand­lung? berechtigt anerkannt.

Jene Nachnichten gipfeln nämlich darin, daß die Lage in der Ukraine sich immer mehr zugunsten der Zentral- rada neigt, deren Truppen den Bolschewisten an der Bahn Pon Kowel eine *chw er? Niederlage beigebracht und Nikolasew besetzt haben. Wenn auch die Bolschewik, noch in Charkow Baltawa, Ieka- terinosla.w. Odessa und Sewastopol die Oberhand haben und auch die Schwarzmeerflotte aus ihrer Seite stehen soll, so hat sich doch die ganz überwiea-nde Mehrheit der Truppen der ukrainischen Revnblik ans die Seite der Zentralrada gestellt, für die sich auch K a l e d i n mit seiner 150 000 Mann starken Armee er- klärt hat.

Die Mittelmächte haben also begründesen Anlaß, ihre Verhandlungen mit der Rada zum Ziel zu führen, um so mebr da wir durch den Friedensschluß mit der Ukraine den Verkehr mit einem Gebiet aicknebmen wür- den. das uns die Möolichk-'it zum wirtschaftlichen Aus- gleich gewährt, in ausgeprägtem Gegensatz zu Groß­rußland: denn während die Ukraine uns die Möglichkeit zum Import von Getreide und zahlreichen an- deren Bedarfsmffteln biefft, hätten wir ans Großruß. land für die nächste Zeit nur auf die Cinsuhr von revo­lutionären Ideen und Aufrissen zu rechnen.

Besagte ukrainische Frage dürfte bei den heutigen Konferenzen im Borderarunde stehen und es T tept auf der Hand, daß dabei etliche benachbarte Fragen, vor allem Grenzrea u lierungsfragen, an denen Polen und Österreich beteiligt sind, eine Rolle spielen. Weiter dürfte auch die rumänische Frage in den Kreis der Erörterungen gezogen werden: denn die

rumänische Regierung dürfte durch die jüngsten Cr- inhrunnni fl im «worden, entschlossen sein, sich von

Rußland und seinen Bundesgenossen loszulösen und dem Beispiel der Rada zu folgen. Im Zusammenhang mit diesen Dingen wird man in den Berliner Konfe­renzen wohl zu dem Entschluß kommen, die Delegation Großrüßlands vor die Alternative zu stellen, ob sie end­lich Farbe bekennen und praktisch verhandeln oder die Trotzky-Komödie fortsetzen will, wobei sie sich dann allerdings einen anderen Part­ner suchen müßte. Vielleicht wird den Herren die Lust an ihren Scherzen vergehen, wenn sie sehen, daß wir Ern st zu machen entickilossen sind. Und das sind wir!

*

Das Cod) in der Hedmuti« Trotzes.

Berlin, 6. Febr. (zb.) Aus dem Gang der Dinge der letzten Tag« scheint der „Germania" eines mit Sicherheit her­vorzugehen : Die schöne Rechnung der Trotzky und Ge­nossen hat sich mehr denn je lückenhaft erwiesen. Sie werden sich sputen und ihre Taktik gründlich ändern müssen, wenn sie den Anschluß nicht verpassen wollen. — Die „Volksztg." schreibt' Ob es mit einem Abschluß mit Herrn Trotzky kommen wird, ist ä u tz e r st f r a g l i ch. Es ist nicht zu erwarten, dah die Mittelmächte die besetzten Gebiete im Namen des Selbstbestimmungsrechts den sengenden, plün­dernden und »ruhenden Massen ausliefern werden, von denen der nicht besetzte Teil von Estblaud jetzt so Unsägliches zu leiden hat. um so weniger, als der Widerstand bei den Fremd­völkern gegen die Maxrmalisten immer stärker wird.

Der Tagesbericht vom 6. Februar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 6. Febr. (Amtlich.) Wesltirlicr ft t iegsscha «platz Heeresgruppe Kronprinz Ruvprecht.

I« einzelnen Abschnitten der flandrische« Front, in der Gegend von ArmentiereS und am La-Baffee- Kanal, war die Artillerietätigkeit am Nachmittag gesteigert. Bei Lens lebhafter Minenkampf.

An der S c a r p e und westlich von C a m b r a i «ahm daS Artilleriefeuer vielfach gegen Abend zu.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Erkuudungsvorstöße deS Feindes in den Argonnen und östlich von Avocourt wurden abgewiesen.

Gestern wurden sieben feindliche Flugzeuge und ein Fesselballon abgeschossen.

Leutnant B o n g a r tz errang seinen 29. Luftsteg.

Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorsf.

•

Lin Abschnitt an ver Westfront von den Amerikanern besetzt.

Berlin, 6. Febr. (zb.) Das „B. T." berichtet aus dem Haag: Nach einer Meldung aus New Dork teilte Kriegs­minister Beker mit, daß die amerikanischen Truppen nun­mehr einen Abschnitt an der Westfront besetzt haben.

Die Kdmiralstabsmeldung.

W. T.-B. Berlin, 5. Febr. (Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote, Kommandant Kapitänleutnant Wenninger, bat im westlichen Teil des Ärmelkanals drei Dampfer, zwei Segler und vier englische Fischerfahrzeüge mit rund

20 000 Bruttorrgistertonnen

versenkt. Die in beträchtlichem Matze vorhandene feindliche Gegenwirkung überwand das Boot durch geschickt angesetzte und kühn durchgeführte Angriffe. Unter den Schiffen be­fand sich der große englisck-e bewaffnete Dampfer „Man­hattan" (8004 Br.-R.-T.), der englische Schoner .Territon" und die Fischerfahrzeüge „General Leman", „Perseverance" und „Addax". Der Ehef des Admiralstabes der Marin».

U-Boote in den westafrikanisctzen Gewässern.

Berlin, 6. Febr. (zb.) Aus dem Haag meldet der „B. 2-A.": Englische Fahrzeuge, die aus Dakar in Westafrika in England^ingetroffen sind, melden die Anwesenheit deutscher vnterseebootskreuzer in den Meeren um die Capverdi- schen Inseln, um die Kanarischen Inseln, bei M a d e i r a, an der Küste von Dakar und in der Nähe von Marokko.

*

Die Zwangsrationierung in England unter dem Druck des U-Bootskriegs.

W. T.-B^ Berlin, 5. Febr. Die gestrige Nteldung über den Rücktritt von Sir A. Iapp sowie die vom englischen Kriegskabinett beschlossene Zwangszuteilung der Le bens mittel beleuchtet greller als viele Werte die Lage, in welche unsere U-Boote England gebracht hoben. Der von Japp zugunsten der freiwilligen Beschränkung des tzebens- mittelverbrauchs unternommene Feldzug ist fehlgeschla- g e n. England hat nunmehr zu beweisen, wie lange es mit seiner Zwangszuteilung dem Druck des U-Bootskriegs zu widerstehen vermag. Hierbei wird leicht der Umstand über­sehen daß in England schon längst ein« Zwangsrationie- ruqtz böstehr. nicht für LcBenLmittel wie bei uns, fsn>

dern für Schiffsraum, dem LebeNsblut der britischen Nation. Bald nach dem Beginn des uneingeschränkten U-Boots kr: egs sah sich die englische Regierung gezwungen, alle Seedamipfer von über 500 Bruttovegistertonnen in der Weise zu beschlagnabmen und ihre Verwendung zu rationieren, daß diese Schisse ohne ein« behördliche, nach einem festen Wirt­schaftsplan geregelte Bestimmung nicht fahren dursten. „Lloyds List" bringt unter dem 21. Januar die wertvolle Nachricht, daß sich diese Zwangsverteilung vom 1. Februar auf sämtliche Schiffe erstreckt, also auch aus Segler, ohne Be­rücksichtigung ihrer Größe, unk so weit sie im Küstenverkehr fahren, sogar ohne Rücksicht aus ihre Nationaütät. Auch diese Maßregel wird di« unausbleibliche Wirkung unserer Unter­seeboote nicht lange aufbalten.

Der Versailler Uriegsrat.

Köln, 6. Febr. Die „Köln. Ztg." schreibt aus Berlin: Der Oberste Kriegsrat des Verbands hat in Versailles im Beisein der prlitischen und militärischen Leiter Englands, Frankreichs und Italiens sowie der Vertreter der amerikani­schen Regierung sich dahin entschieden, daß es mit den furcht­baren Opfern, die England, Frankreich und Italien vergeb­lich fiir unerreichbare Ziele gebracht haben, daß es mit der fürchterlichsten Vernichtung von Menschenlieben und Gütern noch nicht genug sein soll. Untersucht man di« Beweg­gründe der Verbandsleitung, so zeigt sich klar, daß sie sich zusammensetzen ans der Verlegenheit der englischen, französischen und italienischen Staatsmänner, sich ihren Völ­kern zur Abrechnung über das venfehlte Unternehmen gn stellen, Urttb ans der Hoffnung, daß vielleicht doch der von Lansdon'nc ausgesprochenen Zersetzung und der revolutio­nären Agitation, mit der aus die Torheit eines Teils unseres Volkes ffekuliert wind, genügen könne, was der gewaltigen militärischen Kraft der Mittelmächte gegenüber nicht durchgesetzt werden konnte. Aus dem Dunkel der zer­schmetternden Niederlagen blicken Engländer, Franzosen, Italiener und Ncrdrussen nach der F a t a Morgan« einer Rerplution in Dcuischland und Österreich-Ungarn. Die Toren, di« in deutschen, österreichischen und ungarffchen Städten eine Streikkundgebung für unschädlich, ja für nützlich zur schnelleren Herbeiführung des Friedens hiel­ten, haben jetzt vom Feind den Beweis, daß sie seinen Willen, uns politisch und wirtschaftlich niederzuzwingen und damit vor allem auch die Arbeiter zu verelenden, neu angesacht baden. Sie haben nicht nur nicht dem Frieden gedient, son­dern den Krieg verlängert, nicht nur «die Dlutapser und das Elend nicht vermindert, sondern vermehrt. Dem Wahn der Engländer, Franzosen und Italiener, der bas unermeß­lichste Menschheitselend angerichtet hat, haben sie neue Nah­rung gegeben._

Die Selbftzerfleischung in Rußland.

Lharstow von den Gruppen der Rada besetzt

Berlin, 8. Febr. (zb.) Wie die „Boss. Ztg." erfährt, be­setzten die Truppen der Rada Charkow. — Staatssekretär H o l « b o w i t s ch bildete ein neues Ministerium, das im Gegensatz zu der bisherigen Neigung der Ukraine, sich mir den Maximalisten zu verständigen, kein einziges bolsche­wistisches Mitglied enthält.

Der Komi f um die Wacht in Finnland.

W. T.-B. Berlin, 5. Febr. Die Bolschewiki-Regie- rung hat gestern den nachstehenden offenen Funkspruch „An alle" und dringend an alle Schiffe abgeschickt: Kameraden, Reservisten! Kein einziger soll seine Ent- lassnng zur Reserve nehmen, solange die bürgerliche Weiße Garde in Finnland nicht vernichtet ist. Ihr Sieg ist ein Nachteil für unsere Revolution. Bewaffnung wird in der nötigen Menge gesandt werden.

vie Vertreibung der Russen aus der Moldau.

W. T.-B. London, 6. Febr. (Drahtbericht. Reuter.) Nach anitlicben Telegrammen vom 2. Februar aus Jassy entwaffnst und bekämpft ein großer Teil des rumänischen Heeres jetzt di« russischen Truppen. Die Räumung der russi­schen Front an der Moldau schreitet täglich fort. Russische Abteilungen ziehen nach der russischen Grenze und greifen die rumänischen Truppen und Dörfer auf dem Weg« an. Bei einem Angriff der Russen auf Galatz entwaff» n e t e n rumänische Truppen nach eintägigem Kampf di« neunte russische Division und eroberten 50 Kanonen. Einig« Abteilungen der Divisionen flüchteten nach den deutschen Gräben« Am letzten Mittwoch griff das sechste russisch« Armeekorps mit schwerer Artillerie Faltizeni auf de« Ritte der Moldaufront an. Es wurde von den Rumänen um­zingelt, entwaffnet und nach Rußland abgeschoben. Außer großen Trnppenalneilungen verlassen auch Regimenter und Kompagnien die russische Front. Die neue Republik Betzarabien ersuchte die rumänische Negierung um Truppen, um der Verwüstung des Landes zuvorzukommen. Im Innern Beßacabiens bemächsigte sich die maximalistische Rote Garde der Vorräte und Magazine der rumänischen und russischen Armee und der Lebensmittel für die Bevölkerung der Moldau. Auf Ersuchen der beßavobiichen Regierung lieft daraufhin die rumänische Regierung die Eisenbahn in d«; Umgegend von Jassy und verschiedene andere VormtszentvIi