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Mittwoch. 6. Zebruar 1918.
Worte und Taten.
Zu den Vertretern des Vierbundes nnd denen der maximalistischen Regierung in B r e st - L i t o w s k gesellen sich immer mehr. Die Polen. Balten und Litauer beanspruchen ihre Vertretung auf Grund der Tatsache, datz sie durch uns von der russischen Herrschaft befreit worden sind; nach ihnen meldeten die Esten, Ukrainer und Finnen, die sich selbstständig erklärt haben, ihre Ansprüche an, und jetzt wird berichtet, daß auch aus Beßarabien, Sibirien, T u r k e st a n, dem Don gebiet irnd P e r s t e n Deputationen nach Brest-Litowsk unterwegs seien, um dort Sitz und Stimme zu fordern. Was zum Schluß bei diesem neuen Turmbau z» Babel herauskommen wird, läßt sich schwer sagen, aber im höchsten Maße bemerkenswert nnd kennzeichnend ist jedenfalls das Verhalten der durch Trotzky vertretenen maximalisti- schcn Regierung gegenüber diesen Ansprüchen der russischen Völkerschaften auf Vertretung bei den Friedensverhandlungen, und es bildet zugleich einen wertvollen Prüfstein für die heißumstrittene Theorie vom Selbstbestimmungsrecht der Völker, das Herr Tretzky etwa in dem Sinne auffaßt - Und das Volk ist absolut, wenn es unsren Willen tut.
Bezeichnend hierfür sind die höchst bedeutsamen Auseinandersetzungen, die sich in der Sitzung der Brest-Litowsker Konferenz vom 1. Februar zwischen der russischen Delegation und den Vertretern der ukrainischen R a d a abgespielt baden. In schlagender Weise wurde von den letzteren klargelegt, wie die Selbständigkeit der Ukraine zuerst von Petersburg anerkannt, dann aber der bolschewistische Unistnrz gegen die Roda eingeleitet wurde, und der Wortführer der Ukrainer kam zu dem Schlußergebnis, daß „die Regierung der Bolschewiki das Prinzip des Selbst- bestimmnngsrechtes der Völker nur zu dem Zwecks proklamiert habe, um desto entschiedener dieses Prinzip in seiner praktischen Durchführung zu vekämpfen."
In der Tat. Theorie und Praxis, Worte und Taten sy-hen bei den Marimalisten in einem schreienden Widerspruch. Das zeigt nicht nur ibr Verhalten gegenüber der Ukraine sowie den Randvölkern zwischen Rußland und den Mittelmächten, sondern auch ganz besonders deutlich die aeaen die Finnen angewandte brutale G e w a l t t a k t i k. Zuerst erkannte man die Selbständigkeit Finnlands ebenso feierlich an, wie es einst das Zarentum getan hatte, und dann k a s s i e r t e die „freie" Republik dieses Zugeständnis ebenso unzeremoniell und brutal wie einst der despotische Zar — alles im Namen des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Der Protest, den die finnische Regierung setzt gegen die gewaltsame Einmischung der bolschewistischen Regierung in ihre Angelegenheiten erhoben hat. kennzeichnet die Pläne und Ziele der Lenin und Trotzky ebenso wie die nicht minder bemerkenswerte offenherziae Versicheruna des Volkskommissars sür das Auswärtige: „Wir führen
nur Bürgerkrieg gegen die rumänischen ßtenerale und Bonraeoisie."
In der Tot machen die Bolschewiki gar kein Hehl mehr daraus, daß ihr Ziel darin besteht, eine Sowjet- regierung mit bolschewistischen Grundsätzen überall da aufznrichten, wohin sie eben ihren Einfluß zu erstrecken vermöqen, und zu dieseni Zweck, din sie unter dem Deckmantel des Selbstbestimmungsrechtes der Völker betreiben, sollen ihnen auch die Verhandlungen in Brest-Litowsk dienen. Herr Trotzky hat cVrnr seine Äußerung, daß er cs gar nicht auf den Frie- densschlnß absehe, sondern nnr auf eine Förderung der revolutionären Bewegung in Westeuropa, dementieren lassen, iber seine Taten entsprechen jedenfalls jenen Worten, und . di? E r* klärung Lenins, wonach er keinen Krieg führen und keinen Frieden schließen wolle, unterstützt diese Auffassung. Ja, hierin begeanen sich sogar die Marima- listen mit den Erbundesgenossen: denn wenn Lloyd George seine immer trostloser werdenden Engländer ans die innere Revolution in Deutschland vertröstet, durch die man zu einem Frieden gelangen werde, der Englands Kriegsziel, die wirtschaftliche Vernichtung DeuEckisands. vall befriedige, so entspricht das ja der Trotzkyschen Taktik. Und wenn wrr weiter hören, daß die russische Reaieruna zwei Millionen Mark für die revolutionäre Propan an da in Europa bewilligt hat, während die Entente 150 Millionen K ö rT ä i! r Revolutionier ii ng der Mittel- m ä ck, t e bereitstellt, so liegt die Differenz nur in den Geldmitteln, nicht im Ziel.
Aber diele Spekulation wird sich als eine verfehlte erweisen, sie wird an der gesunden Vernunft der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes scheitern, wenn auch das ebenso unvernünftig wie gewissenlose Verhalten ein>>r erfreulichenveise nur sehr verschwindenden Minderheit irrege
Morgen-Kusgabe.
leiter Arbeiter die Zuversicht unserer Gegner in bedauerlicher Weise gestärkt und somit — kriegsver- längernd gewirkt bat. So zeigt sich auch hier wie bei den russischen Marimalisten der schroffe Gegensatz zwischen Theorie und Praxis, zwischen Worten und Taten. Dem Frieden sollten angeblich diese Demonstrationen gelten, während doch jeder halbwegs Einsichtige begreifen müßte, daß, wer jetzt den inneren Frieden stört, auch den äußeren Frieden gefährdet, daß, wer unserer Front in den Rücken fällt, den Feind unterstützt und uns damit in unverantwortlicher, in vaterlandsverräterischer Weise die Sicherung der Früchts unterer Siege erschwert, die uns der Feind nicht mehr entreißen kann.
Vas russische Hauptquartier von den polen besetzt.
Der aufstand Ser Volsckewikn in Hier» unterdrückt.
W. T.-B. Berlin, 5. Februar. (Drahtbericht.) Ein Funkspruch aus Kiew vom 2. Februar meldet, daß Mobilem, der Standort der russischen Obersten Heeresleitung, durch die Polen besetzt wird:» ist und der Oberbefehlshaber K r y l e n k o mit seinem ganzen Stabe verhaftet wurde.
Nach dem gleichen Funkspruch wurde der A u f st a n d der Bolschewiki in Kiew von den Ukrainern unterdrückt.
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ane Ukrainischen Truppen auf selten der Zentralrada.
W. T.-B. Berlin, 5. Febr. (Drahtbericht.) An der Spitze des neugwählten ukrainischen Ministe- riums wmde der Vorsitzende der ukrainischen Friedensdelegation in Brest-Litowsk, Hobulowicz, gestellt. Alle ukrainischen Truppen stellen sich auf seiten der Kieler Zentralrada. Die Truppenteile der Bolschewiki ziehen schleunigst aus der Ukraine nach Rußland ab. Bei Kiew soll eine halbe Million ukrainische Truppen unter Führung von Offizieren versammelt sein. Auch die Zivilbevölkerung soll bewaffnet sein. \
oos Vorgehen der Humanen in vetzarabien.
Sofia, 6. Febr. (Drahtbericht.) „Wojenni Fstvestia", d-a? Organ des Kriegsministeriu-ms, meldet in einem Telegramm aus Bwbadag' Die rumänischen Revolutionäre hätten sich der im Hafen von Kilwio befindlichen Schiffe bemächtigt
und das Donaudelta als neue Republik erklärt. Der Kommandant der rufsischen Donauflotte habe erklärt, Odessa werde mit allen Mitteln bei Besetzung Betzarabiens durch die Rumänen verteidigt werden. Die Donauflotte fei zu einer Aktion gegen die Rumänen bereit.
Die heillosen Zustände in Petersburg.
W. T.-B. Stockholm, 4. Febr. Die Zustände in Peters, duig werden von Tag zu Tag schlimmer. In der Nacht zum 1. Februar wurde das Mitglied des Zentralkomitees der Arbciier- und Soldaten-Depntationen Goldmann Hofer ausgeraubt. In der gleichen Nacht' wurde Preobraschensky, ein Mitglied des Vollzugsausschusses des Arbeiter- und Sol- dateinätes, aus dem Semensky-Markt des Mantels, der Brief
Nr. 61. ♦ 66. Jahrgang.
tasche und des Revolvers beraubt, wobei die Banditen erklärten, daß sie auf Befehl des RateS der Arbeiter- und Sol- daten-Deputationen alle Passanten zu untersuchen hätten. Im Liteiny-Rayon wurden Läden geplündert, darunter auch eine Niederlage der Firma Tremchohnik. Einige Plünderer wui den erschossen. In der Nacht zum 2. Februar wurde ein Weinkeller in der Gogolstraße geplündert. Maschinengewehre traten in Tätigkeit. Zeitungsnachrichten zufolge gab es über 30 Verwundete.
abreife der Japaner aus Rutzland.
— Berlin» 5. Febr. (zb.) In Rußland soll das Gerücht verbreitet fein, daß die Japaner von ihren Konsulaten die Weisung erhalten hätten, Rutzland schnellstens zu verlassen. Viele Japaner sollen bereits auf der Heimreife sein.
Ausbruch einer Pestepidemie.
W. T.-B. Petersburg, 5. Febr. (Drahtbericht.) Die Pelst breitet sich in Südrutzland aus.
W. T.-B. Petersburg, 5. Febr. (Drahtbericht.) Aus Jalta wird mitgeteilt, datz die Pefteptdemie eine gefährliche Ausdehnung annimmt. Auch in Kaukafien sollen Peftfälle vorgekommen fein. Das Rote Kreuz hat einen Sanitätszug mit Desinfektionsmateriäl aögesandt.
Die Berliner Houferenz.
I*. Berlin, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die Besprechungen der höchsten militärischen und politischen Stellen des Reiches und der Donaumonarchie nehmen fortgesetzt daS Hauptinteresse aller politischen Kreise der Hauptstadt ein. Inzwischen ist auch General Hoffmann von der militärischen Seite nach Berlin gerufen und zu der Konferenz am heutigen Vormittag zugezogen worden. Man scheinst nun auch die parlamentarischen Kreise über die zur Beratung stehenden Fragen unterrichten zu wollen. General Hoffmann, so wird erzählt, soll heute bereits eine Unterredung mit dem Abgeordneten Erzberger gehabt hüben. Ob auch andere Pari imentarier zugezogen werden sollen, weiß man jedoch einstweilen noch nicht. Am heutigen Tage dürfte man aller Wahrscheinlichkeit nach schon zu einem Ergebnis kommen. Die aus Brest besonders nach Berlin gekommenen Herren, der Staatssekretär v. Kühlmann und der Minister Graf C z e r n i n, rechnen daher bestimmt damit, heute abend noch nach der Berhandlungsstadt zurück- z u r e i s e n.
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vukqarken und wir.
W. T.-B Berlin. 4. Febr? Unter dieser Überschrift schreibt die „Norddentjche Allgemeine Zeitung": Die letzten Verhandlungen der bulgarischen S o b r a n j e stellen ein kräftiges Bekenntnis zur Bündnispolitik tar, der Bulgarien die großen Erfolge dieses Kricges verdankt. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurden bier auch di- Äußerungen für Kenntnis genommen, die sich ans die Verhandlungen des Hauptausschustes bezogen. Bon einigen Rednern wurden daraus, tnß der Reichskanzler in seiner Rede Vulgär! en nicht erwähnte, Schlüffe gezogen, die wir nicht unwidersprochen lasien können. Es wurde mit einer gewiffen Besorgnis anxedeutet, das- die deutsche Politik hinsichtlich der Verhandlung der bulgarischen Kriegsziele eine Schwenkung unternommen zu haben scheine Zu solcher Bisorgnis liegt jedoch kein Grund vor. Nach der ganzen Anlage der Kanzlerrede war diese in erster Linie eine Antwort auf die Botschaft Wilsons. Bulgarien, das sich mit den Unionstnaten. nicht im Kriegszustand befindet, war deshalb in dieser Botschaft nicht erv'äbtit. Wir crinncrn unsere bulgarischen Freunde daran, wie inimer in den offiziellen Regierungskundgebungen, tm Parlamint und in der siihrendcn Presse betont wurde, daß die deutsche Regierung unverbrüchlich an den vertraglichen Vereinbarungen mit Bulgarien sestbalte Tnftm unerschütterlichen Willen von Regierung und Volk wurde auch t» der letzten Sitzung des Haushaltsausschuffes duich den Staatelckrelä» v. Kühlmann in seiner Rede am 26. Jan. erneut Ausdruck geneben Wenn nun in Sofia ein besonderes Wort des dcutschcn Iieichc-kmizlers vermißt wurde, und einige bulgarische Rcduer seinen Aivsül ninoen entnommen haben, daß sich Deutschlai ds Jnicresie a» tcni künftigen Schicksal Bulgariens aermindert habe, so ergib' sich ans dem Vorgesagten die Unrichtigkeit dieser Folgtinng von selbst.
Die Wirkung der U-8oottriegr.
(Nach amtlichen Quellen.)
Die wirtschaftliche Lage unserer westeuropäischen Gegner hat sich gegen Ende des Jahres auf allen Gebieten merklich verschärft. Die Ernährungsfrage ist infolge der durch den Schiffsraummangel verursachten steigenden Knappheit der Zufuhren einerseits und der Mißernten in Argentinien, der schlechten Ernten der Vereinigten Staaten. Englands nnd Frankreichs, der allgemein herrschenden Futtermittelnot, die eine erhebliche Verminderung der Viehbestände bereits zur Folge gehabt hat, und des Versagens eingeleiteter Ab- wehrmaßnahmen stark in den Vordergrund getreten, zum Teil kritisch geworden.
Die Knappheit an Schiffsraum hat eine wesentliche Umstellung eines großen Teils der Nahrungsmittel» und Rohstoffversorgung der Westmächte notwendig gemacht. Zufuhren aus den europasernen Erzeugungsgebieten sind nnr noch in stark vermindertem Umfange möglich. Die Randländer des Atlantischen Ozeans und des Mittelmeeres müssen in der Hauptsache den Bedgri
