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Montag, 4. Februar 1918.

Der Tagesbericht vom 4. Februar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Febr. (Amtlich.)

West \tdicv K ire-sscl;a«platz>

An vielen Stellen der Front Artillerietätigkeit» die sich namentlich in Flandern zwischen dem Houthoul- st e r Wald und der L y s und beiderseits der Scarpe gegen Abend steigerte.

Westlich von Bellieourt scheiterte ein starker Erkun­dungsvorstoß der Engländer. An der Billette, nördlich von Brave, drangen die Franzosen vorübergehend in unsere Postenstellung ein.

Eigene Infanterie und Pioniere holten nordwestlich von Bczonvaur 19 Gefangene aus den französischen Gräben.

In Luftkämpfen und von der Erde aus wurden in den beiden letzten Tagen 18 feindliche Flugzeuge und 2 Fesselballone zum Absturz gebracht.

Italienische Front.

Zwischen Etsch und Piave vielfach Artillerie. 1 ä t i g k r i t.

Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Der Streik im Abflauen!

Die Streiklaye in Berlin.

D. Berlin, 4. Febr. (Eist. Drahtbericht, zb.) Über den AuSstand in der Berliner Arbeiterschaft läßt sich heute vormittag folgendes sagen: Im Westen und Süden

Berlins ist der Streik merkbar im Abflauen. In Steglitz war der Verkehr vor dem Fabrrkeingang der Firma Görtz erheblich lebhafter als an den Vortagen. In einem tvesentlichen Teile der Görtz'chen Betriebe konnte die Arbeit bereits am Samstagnachmittag wie­der ausgenommen werden. Die Fabrikräume der Firma Görtz in der Rbsinstraße, die an den Vorabenden in tiefstem Dunkel lagen, strahlten bereits aus allen Fen­stern ibr Helles Licht aus. In der Rheinstraßen und in den Lokalen, die sich in der Nähe der Fabrik befinden, verhandelten zahlreiche Arbeiter über ihre fernere Zu­kunft. Sie haben bereits ihren Gestellungs- b e f e h l in der Hand und müssen sich schon beute nach­mittag 3 Uhr im Bezirkskommando ein sin den. Nach den an amtlicher Stelle vorliegenden Meldungen sind bei Borsig in Tegel kost alle Arbeite erschienen, so daß der Betrieb vollständig wieder aus­genommen werden konnte. Bei Daimler. Auer und Wernerwerk schwankt die Zahl der Arbeiten­den zwischen 75 und 80 Prozent. Auch bei der Firma Stock fanden sich zahlreiche Arbeiter zur Wiederaus- nähme ihrer Täsigkeit ein. Dasselbe ist von allen Be­trieben Nencöllns und Treptows zu sagen. Die zahl­reichen geheimen Versammlungen, zu denen sich die Streikenden immer noch znsammenfinden, wiesen starken Besuch auf. In kleisien Lokalen kamen stellenweise bis 150 streikende Frauen und Männer zusammen, um über die neue Lage zu beraten, vke Einziehung der Dienstpflichtigen.

Br. Berlin, 4. Febr. (Eig. Drahtbesicht. zb.) All­gemein erwartet man sür den heutigen Montag die B e» e n d i g u n g des Streiks. Unter den Arbeitern hörte man gestern allgemein die Ansicht aussprechen, daß in den vom Oberkommando militarisierten Betrie- ken beute der Ausstand nicht mehr andanern dürfe. Ver­trauensmänner erzählen in den Betriebsstellen, da ja Versammlungen nicht stafffinden dürfen, daß eine ge­wisse Verständigung zwischen den einzelnen Gruppen erreicht sei. Wie vielfach erzählt wird, sollen übriaens die Str-nkenden der militarisierten Fabriken, soweit sie dienstvisichsig sind, ihren Gestellungsbefehl heilte erhalten haben.

Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagssrattion.

Br. Berlin, 4. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die sozialdemokratische Reichstagsfrakt-ion tritt nwrgen, Dienstag, 3 Uhr nachmittags, zu einer Sitzung zu» sanrmen.

Aus der banerischen Kammer.

W. T.-B. München, 3. gebt. In der Kammer der Mge- ordneten hat heute Abg. Schmidt (Saz.) mitgoteilt, die sozial­demokratische Parteileitung werde daraus hinwirken, daß am Montag die Arbeit in den Betrieben wieder ausgenommen werde. Auf die Bemerkung der ALgg. Pickelmann (Soz.) und Loeweneck (Tib.), daß im Münchener PM-eibericht über die Verhaftung von Münchener Streikfich-rern auch auf die jüdische Abstammung einzelner Verhafteten hin- gcwiesen worden sei, erklärte der Minister des Innern von Brett reich, >daß diese Veröffentlichung von Personalien erfolgt sei, damit die Allgemeinheit erfahre, woher jene Personen gekommen scheu. N'cht Einhchmische, sondern Fremde hätten den Streik in München geschürt. Eine antisemitische Absicht jabe nicht m der Baröff enMhu q, der P vti-ei yi(gtw.

6bend-5lusgabe.

Die Lage Im Westen.

Der Versailler Kriegsrat beendigt.

Br. Genf, 4. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Tagung des Obevsten Kriegsrats in Versailles ist Samstagnachmittag zu Ende gegangen. Über seine wichtigsten Beschlüsse soll eine amtliche Mitteilung veröffentlicht werden. Die militärischen Beratungen galten Laut „Echo" in erster Linie der Abwehr der erwarteten Offensive im Westen.

Br. Genf, 4 Febr. (Eig. Drahtbericht. zb.) Nach einer Londoner Meldung wird Lloyd George Anfang dieser Woche eine wichtige Rede halten, die sich aus die diplomati­schen Entscheidungen der Versailler Konferenz stützen wird.

Die Verlustliste zum pariser Luftangriff.

W. T.-B. Paris, 3. Febr. (Meldung der Agence Havas.) Bei den Lustangriffen am 30. und 31. Januar wurden in Paris 33 Personen getötet, darunter 11 Frauen und 2 Kinder, und in der Bannmeile 16 Per­sonen, darunter 3 Frauen und 3 Klnder. Verletzt wur­den in Paris 134 Personen, darunter 50 Frauen und 10 Kinder, und in der Bannmeile 72 Personen, darunter 38 Frauen und 7 Kinder.

Eine Granate im amerikanischen Hauptquartier an der Westfront.

Br. Genf, 4. Febr. (Eig. Drahtbencbt. zb.) Durch eine im Hauvtquarsier des amerikanischen Generals Leonard Wood bei der Westfront eingeschlagene Granate wurde dieser sowie sein Stabsoffizier und zwei französische Offiziere schwer p e r l e tz t.

Die Friedensbestrebungen in der englischen und französischen Arbeiterschaft,

I'. Rotterdam, 4. Febr. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Manchester Guardian" schreibt' Die französischen Sozialisten nahmen das Programm der englischen Ar- beiterpartei als geeianete Grundlage für ihre -eigenen Beratungen an. Dieses Programm schließt auch die Volksabstimmung für Elsaß-Lothringen ein. Nachdem die Arbeiter der Ententeländer am 20. Februar ihre Landeskongrffse abgebaffen haben, werden sie von ihren Reaierungen ihre Teilnahnte an den internationalen Konferenzen fordern. Auf diesen wird man von England nnd Deutschland verlanaen. daß sie gewisse besetzte Gebiete aufgeben und von Frankreich wird gefordert werden, daß es der Entschei­dung über Elsaß-Lothringen durch Volksabstimmung zu­stimmt. Jede Nation wird etwas von ihren eigenen Ansprüchen und ihrem Stolz preisgeben müssen, wenn ein demokratischer Friede zustandekommeu soll.

flmerti»anK<fce Kontrolle für Me Kursierten?

Berlin, 4. Febr. (zb.) Ein Londoner Gewährsmann der „Voss. Zta." will berichten können: Nach seiner Rückkehr ans Europa bube Wilsons Vertreter, der Oberst House, er­klärt. die Lage in Europa sei gefährlich für die Ver­einigten Staaten von Amerika. Die Forderungen der Alliierten könne Amerika nicht erfüllen. Die Keutrale Organisation fehle den Alliierten vollständig und dies werde dazu führen, daß sie sicher den Krieg ver­lieren würden. Die Mehrheit des Senatsausschusses bezw. der Regierung verlange nun eine Kontrolle der Alliierten.

Die v:rha»dlui!gen in Vrest-Litomk.

Oie ukrainische Zentralrada rechnet mit Troqkq ab!

Am 1. Februar fand, wie uns ein W.-T-B.-Telegramm aus Brest-Litowsk vom 2. Februar mittetlt, dort unter Teil­nahme sämtlicher Delegationen, einschließlich der inzwischen in Boest-Sitowsk wieder eingetroffenen Abordnung der ukvoinischen Rada, eine Vollsitzung statt, die zum Zweck hatte, die Stellungnahme der beteiligten Regierungen zu der ukrainischen Zentralrada endgültig zu klären. Zu Beginn der Sitzung teilte der Vorsitzende, bulgorischer Mili- tärbevollmächtigter Oberst G a n t s ch e w, mit, daß an die Stelle des bisherigen Vorsitzenden der Abordnung, des Justiz­ministers Popow, von jetzt ab der bulgarische Minister­präsident Radoslawow trete.

Herr S e w r j u k, der hierauf das Wort ergriff, gab be­kannt. daß an Stelle des bisherigen Vorsitzenden der Abord­nung der ukrainischen Rada Herrn Holubcwitsch er selber den Vorsitz übernehme. Zur Tagesordnung übergehend, »ries der Redner dann einleitend auf das in der Plenarsitzung am 10. Januar 1918 verlesene Universal III der ukrainischen Zentralrada vom 7. November a. St. hin, womit die ukrai­nische Volksrepublik proklamiert und deren internationale Stellung bestimmt woeden sei.

Die internationale Stellung der ukrainischen Volks­republik

sei damals sowohl durch den Rat der Volkskommissare als auch durch die Vertreter der vier verbündeten Mächte an­erkannt worden. Wenn Herr Trotzky nachher versucht habe, die Stellung und Rechte der ukrainischen Delegation

zu leugnen, wobei ex sich auf das bis dahin nie erwähnte

Nr. 38.. 66 . Jahrgang.

Vorhandensein eines Exekutivausschusses in Charkow berufen habe, so sei demgegenüber auf das IV. Universal der ukrainischen Zentralrada vom 24. Januar zu verweisen. In diesem heißt es: „Von nun ab bildet die ukrainische Volksrepublik einen selbständigen, von niemand abhängigen, freien und souveränen Staat des ukrainischen Volkes." Hiermit sei in klarer Weise sowohl die int»r- naticnale rechtliche Stellung der ukrainischen Volksrepublik als auch ihre Politik gegenüber ihren Nachbarn bestimmt.

Der Vorsitzende der Abordnung der ukrainischen Rada unterließ es nicht, in sehr scharfer Weise die Hohlheit der seiner Erklärung entgegenstehenden Argumente des Herrn Trotzky zu kennzeichnen und bemerkte baten: Um neuerlichen falschen Auslegungen von irgendwelcher Seite vor­zubeugen und in Zukunft Erklärungen der russischen Dele­gation zu vermeiden, die untereinander im Widerspruch stehen, schlage die ukrainische Delegation vor, die ukrainische Republik als einen durchaus selbständigen und von nie­manden abhängigen Staat formell anzuer­kennen und damit endgültig sowohl deren internationale Stellung als auch die Berechtigung der Delegation sestzu- stcllen.

Hierauf gab auf Aufforderung des Herrn Trotzkh der der russischen Delegation angehörende Vertreter des ukrainischen Exekutivausschüsses, Herr Mjedwjedjew, _ eine Er­klärung ab, in der er ausführte, daß das ukrainische Volk irgendwelche Übereinkommen und Verträge mit der Kiewer Rada nicht anerkennen werde.

Es folgten

Darlegungen des Herrn Trotzk»,

aus denen folgendes hervorgehoben sei: Jedes Einvernehmen zwischen der Kiewer Rada und den Mittelmächten, das wegen ter noch nicht erfolgten Abgrenzung zwischen diesen beiden Staaten einen Widerspruch von seiten der russischen Dele­gation Hervorrufe, verliere dadurch seine Kraft und lverde von selbst hinfällig Den inneren Vorgängen in der Ukraine käme natürlich keinerlei entscheidende juristische Ent­scheidung zu. Dies werde anerkannt. Die Mittelmächte hätten ein Interesse daran, ihr Verhältnis zur Ukraine in materieller Hinsicht präzisieren zu können, damit sie nicht fiktive Größen für tatsächliche ansehen. Die Vertreter der Mittelmächte könnten hier natürlich nicht die Rolle eines Schiedsrichters über die jetzigen Verhältnisse in Rußland und in der Ukraine übernebmen. So lange die Delegation der Kiewer Rada ihre Vollmachten beibehalte, er­lebe er keinen Einspruch gegen deren selbständige Teil- ,:alme an den Verhandlungen. Er müsse aber jetzt, wo auch Vertreter des ukrainischen Exekutivaussckmsses in den Ver­band der russischen Delegation eingetreten seien, mit doppeltem Nachdruck wiederholen, daß nur derartige Abkommen mit der Kiewer Rada die Anerkennung finden könnten, die auch von seiten der russischen Delegation anerkannt würden.

Hierauf erbat das Mitglied der ukrainischen Delegation, Herr Lubhnskh, daö Wort.

Ein sehr scharfer Protest gegen die falschen Behauptun­gen des Herrn Trotzkh,

die in Abwesenheit der Delegation der ukrainischen Rada voii diesem gemacht worden seien, wurde laut. Höchst eindringlich war auch der Hinweis des Herrn Lubynsky auf die Tatsache, daß das Jahr 1917 in Rußland begonnen habe unter dem Zepter eines Kaisers., und daß es, nachdem es die Stadien einer Kadetten- und einer sozialistisch-kadettischen Regierung durchlaufen habe, genau mit denselben Schießereien aus den Straßen Petersburgs endige, zugleich auch mit den eifrigen Vorbereitungen der bolschewistischen Regie­rung zur Vertreibung der konstituierenden Versammlung. Rur in einer einzigen Beziehung sind alle diese ».esitbi ebenen Regierungen durchaus solidarisch geblieben, in ihren kapi- talistrschen Bestrebungen und in ihren gierigen Wünsch«i, die neuentstehenden Völker zu er­drosseln Uiid alle unter ihre mächtige Hand zu bekommen. Die lauten Erklärungen der Bolschewik! über die vollkommene Freiheit der Völker Rußlands sind nur grobe dema­gogische Mittel. Die Regierung der Bolschewisten, welche die konstituierende Versammlung anseinandergejagt bat und sich mir aus die Bajonette der Söldner der Roten Garde stützt, wird sich nie dazu entschließen in Ruß­land selbst die hochgerechten Prinzipien des Selb st- bestimmungsrechts durchzuführen, denn sie weiß sehr wohl, daß nicht nur die zahlreichen Republiken, die Ukraine, das Don gebiet, der Kaukasus und andere, sie nicht als ihre Regierung anerkennen werden, sondern daß auch das russische Volk selbst ihr dieses Recht ver­sagen wird.

Nur ans Furcht vor der Entwicklung der nationalen, Revolution

haben die Bolschewiki mit der ihnen angeborenen Demagogie sowobl in Rußland selbst wie hier auf der Friedenskonferenz das Prinzip des S e l b st b e it i m m u n g s r e ch t s aufge­stellt. Zur Bekämpfung der Durchführung in die Praxis nehmen sie ihre Zuflucht nicht nur zu den Söldnerscharen der RrTii Garde, sondern sie schreiten noch zu schlimmeren und unzulässigeren Mitteln; sie unterdrücken die Zeitungen, jagen die Volksversammlung auseinander, verhaften und erschießen Politiker und greifen schließlich dazu, durch vollständig falsche nnd tendenziöse Schilderungen die Autorität der Regierung der einen cder anderen jungen Republiken zu untergrabe».